7. April 2011
Migräne-Schmerz stoppen

Migräne-Schmerz stoppen

Manche Attacken sind so schwer, dass sich die Betroffenen wie gerädert fühlen. Tagelang kann das Gewitter im Kopf andauern. Wir stellen sechs Methoden vor, die die Symptome lindern.

Migräne
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Migräne-Schmerz stoppen

Nicht jedes Ziehen und Hämmern hinter der Stirn ist Migräne. Aber unter den rund 47 Millionen Deutschen, denen zeitweilig der Kopf schmerzt, müssen 18 Millionen mit der Diagnose leben. Dass die Krankheit vom Arzt erkannt wird, ist der erste Schritt, sie in den Griff zu bekommen. Ein weiterer ist ein Schmerztagebuch, das hilft, die persönlichen Auslöser zu finden: Zu den häufigsten zählen Stress, Ängste, falsche Ernährung. Heilbar ist Migräne bislang nicht, aber es gibt Methoden, die die Symptome lindern – neben Medikamenten auch alternative Therapien.

Hilfe aus Fernost: Akupunktur

Kopfschmerzen
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Eine Untersuchung der Ruhr-Universität Bochum mit 960 Probanden hat ergeben, dass Behandlungen mit den feinen Nadeln genauso effektiv wirken wie Medikamente der Schulmedizin. TCM, Traditionelle Chinesische Medizin, setzt die Methode seit Jahrhunderten ein. Die Studie zeigte auch, dass die Besserung ein halbes Jahr nach Ende der Akupunktur immer noch angehalten hat und die Patienten weit zufriedener waren als die der Kontrollgruppe.

Lindern mit Hightech: Biofeedback

Kopf und Körper werden verkabelt, Sensoren messen Körperreaktionen wie Gehirnströme oder Pulsfrequenz, und ein Computer setzt die Werte in Bilder und Töne um. Angenehme Gedanken, aber auch körperliche und seelische „Knoten“ werden sichtbar. Im Schnitt sind elf Sitzungen nötig, um zu lernen, die Signale zu deuten, und Auslöser wie Verspannungen oder Ängste zu erkennen und auszuschalten. Die Universität Marburg hat 55 Migräne-Studien ausgewertet. Ergebnis: Biofeedback kann die Anfallhäufigkeit nahezu halbieren.

Notbremse im Extremfall: Botox

Das Bakteriengift Botulinumtoxin war bislang vor allem als Faltenglätter bekannt. Zwei aktuelle Studien mit fast 1400 Patienten belegen, dass Botox Patienten mit chronischer, also fast täglicher Migräne helfen kann. In Großbritannien ist die Behandlung seit 2009 üblich, in Deutschland steht die Zulassung kurz bevor. Allerdings: Für Betroffene, die seltener oder unter relativ schwachen Attacken leiden, ist Botox nicht geeignet.

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Entspannung und Medikamente


Kraft des Atems: tiefe Entspannung

Nackenschmerzen
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Techniken, die Körper und Geist beruhigen, wie Yoga, autogenes Training, Feldenkrais oder Meditation, haben erstaunliche Wirkungen gezeigt. Wer Entspannungsmethoden unter fachkundiger Anleitung erlernt und regelmäßig trainiert, kann neuen Anfällen nachweisbar vorbeugen. Zweimal pro Woche, je eine Stunde lang, sollte man sich für die Übungen Zeit nehmen. Sie helfen vor allem, Stresssituationen – einen verbreiteten Migräneauslöser – in den Griff zu bekommen. Viele Experten, darunter Professor Dr. Hartmut Göbel von der Schmerzklinik Kiel, empfehlen progressive Muskelentspannung nach Jacobson (siehe Buchtipp auf nächster Seite). Sie ermöglicht es, Muskeln gezielt während des Akutfalls zu lockern, was in vielen Fällen Symptome verschwinden lässt.

Schnelle Abwehr: Medikamente

Es ist besser, schon bei den ersten Anzeichen wie Übelkeit zu einem Medikament zu greifen (Ärzte und Apotheker können geeignete Präparate empfehlen) und dann, bei Bedarf, weitere Arzneien einzunehmen: etwa frei verkäufliche Schmerzmittel wie ASS, Paracetamol oder Ibuprofen. Wichtig ist, sie nicht zu niedrig zu dosieren. Die Schmerzklinik Kiel empfiehlt für die Selbstmedikation zwischen 500 und 1000 mg (www.migraene-schule.de). In schweren Fällen kann der Arzt Triptane-Medikamente verschreiben. Sie sind chemisch mit dem körpereigenen Botenstoff Serotonin verwandt, an dem es Migräne-Patienten oft mangelt. Experten raten, Schmerzmittel höchstens zehn Tage im Monat und nicht länger als drei Monate hintereinander einzunehmen, sonst können sie selbst Auslöser der Beschwerden werden!

Zum Weiterlesen:
  • Dr. Klaus Podoll/Derek Robinson: „Migraine Art“ (englisch), mit über 300 Abb., North Atlantic Books, 27,40 Euro.
  • Dr. Anette Delbrück: „Kopfschmerzen und Migräne erfolgreich behandeln“, Humboldt Verlag, 9,95 Euro.
  • Professor Dr. Hartmut Göbel: „Erfolgreich gegen Kopfschmerz und Migräne“, Springer, 22,95 Euro.
Grüne Apotheke: Pflanzliche Mittel

Wissenschaftlich erwiesen ist es nicht, aber viele Migränepatienten schwören auf Ingwertee (2–3 Zentimeter einer Wurzel in Scheiben schneiden und überbrühen), um aufkommende Übelkeit zu stoppen. Seit dem Altertum als Schmerzmittel bekannt ist Pestwurz; laut einer Studie hilft das Kraut in mehr als 50 Prozent der Fälle. Da es Alkaloide enthält, die die Leber schädigen können, ist es besser, einen Extrakt zu verwenden.

Selbsttest: Kopfweh oder Migräne?

Je mehr Aussagen zutreffen, desto wahrscheinlicher zählt man zu den 18 Millionen Betroffenen. Ein Arzt kann Klarheit schaffen.

  • Meine Schmerzen betreffen meist nur eine Kopfhälfte.
  • Sie sind mittel bis stark.
  • Sie hämmern, stechen oder pulsieren.
  • Ohne Medikamente dauern die Anfälle 4 bis 72 Stunden.
  • Oft ist mir dabei übel und ich muss mich erbrechen.
  • Licht, Lärm oder Bewegung verschlimmern die Attacke.
  • Ein normaler Tagesablauf ist mit den Schmerzen unmöglich.
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Nackenverspannungen und -schmerzen kennt ja fast jeder. Dabei gibt es eine ganze Reihe sanfter Therapien, die verblüffend gut helfen.
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