20. Juni 2012
Verspannungen im Nacken

Verspannungen im Nacken

Nackenverspannungen und -schmerzen kennt ja fast jeder. Dabei gibt es eine ganze Reihe sanfter Therapien, die verblüffend gut helfen.

Nackenschmerzen
© istockphoto
Verspannungen im Nacken

Softlaser-Therapie

Mit Licht akupunktieren

Die Verbindung aus 4000 Jahre alter chinesischer Medizin und moderner Laser-Technik ist das derzeit vielversprechendste Verfahren gegen die Volkskrankheit Nackenschmerzen: Softlaser können das Gewebe nämlich ähnlich wie Akupunkturnadeln stimulieren. Diese Therapie löst eine ganze Reihe von biochemischen Reaktionen aus.

„Die Lichtteilchen dringen tief ein und versorgen unsere kleinen Zell-Kraftwerke, die Mitochondrien, mit Energie“, erklärt der Kölner Orthopäde Dr. Friedhelm Kuhlmann. „Diesen Schub nutzen sie unter anderem, um Entzündungen zu bekämpfen, die Weiterleitung von Schmerzsignalen zu unterbrechen und Verspannungen zu lösen. Die Selbstheilungskräfte werden angeregt.“ „Low-Level Laser Therapy“ (LLLT), so der wissenschaftliche Name, ging in einer großen australischen Studie als klarer Sieger hervor: Sie schnitt besser ab als konventionelle Methoden wie etwa Massage. Und sie war sogar Schmerzmitteln überlegen. „Softlasern geht schnell, tut nicht weh und hat keine Nebenwirkungen“, ergänzt Dr. Kuhlmann. Er therapiert nicht nur den Nacken damit, sondern hilft auch Migränepatienten, macht Gelenke wieder mobil und heilt Sportverletzungen. Selbst bei Allergien lohnt es sich, die Licht-Akupunktur auszuprobieren.

Eine Behandlung mit dem Softlaser dauert etwa 15 Minuten und kostet 30 bis 80 Euro. Meist sind acht bis zehn Sitzungen nötig. Die gesetzlichen Krankenkassen zahlen die Therapie in der Regel nicht. Nach Ärzten kann man die Deutsche Gesellschaft für Lasermedizin fragen (www.dglm.org). Experte Dr. Friedhelm Kuhlmann ist zu erreichen unter www.dr-kuhlmann-koeln.de.

Patientin Iris Reusch: „Ich brauche keine Medikamente mehr“

„Ich hatte schon als Kind Hüftprobleme. Inzwischen habe ich sogar ein künstliches Hüftgelenk bekommen. Das alles hat dazu geführt, dass ich eine Fehlhaltung entwickelt habe. Mit sehr schmerzhaften Folgen: Nicht nur Nackenschmerzen, sondern auch Migräne und Verspannungen – das ganze Programm. Ich habe lange gelitten, denn ich vertrage Schmerzmittel nicht gut. Also habe ich immer nach Alternativen gesucht. Wahrscheinlich habe ich fast alles probiert, was es gibt – von den unterschiedlichsten Massagen bis hin zur klassischen Akupunktur.

Was mir dann endlich geholfen hat, war der Softlaser. Ich habe auf Empfehlung meines Orthopäden mit dieser Therapie angefangen. Zweimal pro Woche bin ich dafür in die Praxis von Dr. Kuhlmann gefahren. Schon nach drei Wochen kam die Erlösung: Meine Schmerzen gingen zurück. Das Lasern selbst dauerte bei mir jeweils nur ein paar Minuten und tat überhaupt nicht weh. Das Beste aber: Soweit ich sehe, hatte diese Therapie bei mir überhaupt keine Nebenwirkungen. Mein Fazit: Der Softlaser ist eine super Alternative zu Medikamenten.“

Matrix-Rhythmus-Behandlung

Die Zellen in gesunden Schwung versetzen

Wussten Sie, dass in unserem Körper ständig alles schwingt? Unsere 50 Billionen Körperzellen sind immer in Bewegung – acht- bis zwölfmal pro Sekunde. Kommen sie aus dem Takt, gerät die Versorgung mit Nährstoffen und Sauerstoff ins Stocken. Es melden sich Schmerzen. Das passiert zum Beispiel, wenn wir verspannt sind. Um die Muskeln wieder in gesunde Schwingungen zu versetzen, stimuliert der Münchner Mediziner Dr. Ulrich Randoll die Flüssigkeit in den Zellzwischenräumen, in der sogenannten Matrix. Das Gerät, das er dazu benutzt, hat er in Zusammenarbeit mit der Universität Erlangen-Nürnberg entwickelt: einen Stab mit einem Schwingkopf („Resonator“).

„Der leitet mechanische und magnetische Schwingungen direkt in das Muskelgewebe“, erklärt der Experte. „Dabei entsteht ein Druck-Saug-Effekt wie beim natürlichen Muskelzittern. Die Matrix nimmt diese Impulse auf, leitet sie in die Tiefe, und die Zellen gewinnen ihre Eigenschwingung zurück. So kommt die Versorgung wieder in Gang. Das Gewebe regeneriert sich, und die Schmerzen verschwinden.“ Profisportler wie der Schweizer Tennisspieler Roger Federer und Bundesliga-Fußballer schwören schon lange auf die Matrix-Rhythmus-Therapie. Es gibt auch wissenschaftliche Daten: So liegt die Erfolgsquote bei Rückenproblemen bei 75 bis 80 Prozent. Matrix-Rhythmus-Therapie eignet sich auch zur Verbesserung der Wundheilung nach Operationen, zur Behandlung von Sehnen- und Gelenkproblemen sowie bei Muskelverletzungen, Narben- und Kopfschmerzen.

Die Matrix-Rhythmus-Therapie dauert in der Regel eine halbe Stunde (ca. 50 Euro). Meist sind drei bis fünf Behandlungen nötig. Nur einige private Krankenkassen übernehmen die Kosten. Therapeuten finden Sie auf www.marhythe-systems.de, Dr. Ulrich Randoll unter www.praxis-dr-randoll.de.

Patientin Anke Schulz: „Nach nur einer Therapiestunde waren die Schmerzen völlig weg“

„Ich bin Volleyballspielerin, trainiere an mindestens zwei Abenden pro Woche. Eigentlich hätte ich wissen müssen, dass es gefährlich ist, ohne Dehnübungen und ohne Aufwärmen aufs Feld zu stürmen. An jenem Abend war ich aber spät dran. Der Trainer rief schon: ,Hopp, hopp‘, und ich habe meine Muskeln von null auf hundert voll belastet. Beim ersten Schmetterschlag schoss ein irrer Schmerz in meine Schulter. Die Schmerzen wanderten nach ein paar Tagen in den Nackenbereich und blieben dort. Schlimm waren besonders die Nächte. Ich wusste nicht, wie ich meinen Kopf drehen sollte, und konnte kaum noch schlafen. Ich habe mich dann beim Orthopäden untersuchen lassen. Allerdings ohne Ergebnis. Ultraschall, Röntgen, Computertomografie – alle diese Geräte zeigten nichts Auffälliges. Der Arzt hielt mich wahrscheinlich für eine Simulantin. Jedenfalls hat er mir nur Schmerztabletten und ein warmes Bad empfohlen. Mein Trainer gab mir schließlich den Tipp, es mit Matrix-Rhythmus-Therapie zu versuchen.

Mein erster Eindruck: Dr. Randoll nahm meine Schmerzen ernst. Nach kurzem Abtasten behandelte er meinen Schultergürtel, Hals-Nacken-Bereich sowie Rücken eine gute Stunde lang. Tatsächlich fühlte ich mich gleich danach besser. Ich konnte den Kopf und Arm wieder frei bewegen und die Muskeln waren geschmeidiger. Nach drei Sitzungen waren die Nackenschmerzen ganz weg.“

Atlas-Korrektur

Den Halswirbel mit einem Schnipp zurechtrücken

In der griechischen Mythologie trägt der Titan Atlas das Himmelsgewölbe auf seinen Schultern. Unser oberster Halswirbel ist nach ihm benannt. Denn auf dem kleinen Knochengebilde ruht ebenfalls gewaltige Last – unser Kopf. Kein Wunder, dass selbst kleinste Fehlstellungen in dieser Region Schmerzen und Verspannungen auslösen können. Der französische Arzt Albert Arlen entwickelte eine Methode, um die Wirbel und Nerven dort zu beeinflussen: die Atlastherapie. Sie sieht auf den ersten Blick verblüffend einfach aus. Der Therapeut schnippt scheinbar nur kurz mit dem Mittelfinger – und der Patient spürt Besserung.

„Tatsächlich setze ich einen kurzen Dehnreiz in der Atlas-Region“, erklärt der Mediziner und Atlastherapeut Dr. Freerk Barth aus Steinfurt. „Dadurch kann ich aber das gesamte vegetative Nervensystem erreichen. An dieser Stelle sitzen nämlich sehr viele Nerven, die eine direkte Verbindung zum Gehirn haben.“ Ursache für viele Beschwerden ist eine fehlerhafte Informationsverarbeitung des Systems. Wird das durch den kurzen Impuls korrigiert, können sich Verspannungen lösen. „Dieser Impuls ist aber keineswegs beliebig. Richtung, Stärke und Häufigkeit müssen für jeden Patienten individuell ermittelt werden“, betont Dr. Barth. Dazu nutzt er spezielle Röntgenbilder. Zudem überprüft er vor und nach jeder Therapieeinheit den Spannungszustand von Haut und Muskeln. Zwar ist die Atlastherapie eine der schonendsten manuellen Therapien. Man sollte sich dennoch nur von Experten behandeln lassen.

„Für die Ausbildung werden nur Ärzte zugelassen, die einen Chirotherapie-Abschluss vorweisen können“, sagt der Steinfurter Spezialist. „Fragen Sie unbedingt nach dem Atlastherapie-Zertifikat.“ Neben Verspannungen behandelt er unter anderem auch Kopfschmerzen, Schwindel, Rückenprobleme, Kiefergelenks-Fehlstellungen und sogar Tinnitus. Zudem kann die Atlastherapie mit anderen Verfahren kombiniert werden – etwa mit Osteopathie. Eine Atlas-Korrektur-Sitzung kostet um 25 Euro, die man in der Regel selbst zahlen muss. Meist reichen drei bis vier Termine. Experten findet man im Internet unter www.aegamk.de. Dr. Barth erreichen Sie über die Website www.barth-steinfurt.de.

Patientin Monika Beckgerd: „Diese Therapie ist meine Erste Hilfe, wenn ich mich mal verhebe“

„Nach einem Autounfall musste ich über Jahre mit Schmerzen leben. Dabei war auf den ersten Blick bei mir gar nicht so viel passiert. Die Ärzte diagnostizierten eine Gehirnerschütterung und schickten mich mit einer Halskrause wieder heim. Ab da bekam ich aber immer wieder schlimme Kopf- und Nackenschmerzen. Ich war ununterbrochen verspannt, meine Augen und Ohren taten weh, ich hatte Schweißausbrüche und Schwindelanfälle. Die Spritzen und Tabletten, die ich bekommen habe, halfen nicht. Schließlich konnte ich vor Schmerzen noch nicht einmal mehr eine Einkaufstüte tragen.

Zu Dr. Barth bin ich eher zufällig gelangt – wegen einer Sportverletzung, die ich mir beim Reiten zugezogen hatte. Es war mein Glück, dass er auch Spezialist für Atlastherapie ist. Es stellte sich nämlich heraus, dass die Ursache meiner Verspannungen ein extremes Ungleichgewicht im Körper war, verursacht durch den Unfall und die anschließende Schonhaltung. Durch die Impulse, die Dr. Barth setzte, kam ich langsam wieder ins Lot, und die Schmerzen sind verschwunden. Heute ist die Atlastherapie meine Erste Hilfe, wenn ich mich mal verlegen oder verhoben habe.“

SOS-Hilfe für zu Hause

KIRSCHKERNKISSEN WÄRMT NATÜRLICH: Die Kerne von Kirschen geben Wärme langsam, aber beständig ab. In Kissen eingenäht, sind sie daher ideal zur Lockerung von verkrampften Muskeln. Bei ca. 100 °C im Backofen aufheizen oder zwei Minuten in die Mikrowelle legen. Eine große Auswahl in verschiedenen Designs und Größen gibt es etwa auf www.theraline-shop.de.

ENTSPANNUNGSTECHNIK MACHT SCHMERZFREI: Diese Übung macht den Nackenbereich in Stress- Situationen schnell locker: Aufrecht sitzen, Kopf gerade halten. Linken Arm nach unten strecken. Rechte Hand seitlich an den Kopf legen und den Kopf behutsam gegen den Widerstand der Hand drücken. Zehn Sekunden halten, ruhig atmen. Zur anderen Seite wiederholen. Dann den Kopf langsam einmal zur linken und einmal zur rechten Seite neigen.

SALBEN DRINGEN TIEF EIN: Wärmecremes mit durchblutungsfördernden Wirkstoffen (z. B. das rezeptfreie „Finalgon“ aus der Apotheke) erweitern die Gefäße, fördern die Durchblutung. Dadurch regen sie den Stoffwechsel der Muskulatur an. Schmerzen werden gelindert, und die Beweglichkeit wird verbessert.

Nützliche Hilfsmittel

ROTLICHT STRAHLT DIE SCHMERZEN WEG: Rotlicht erzeugt entspannende Wärme, fördert Durchblutung und Sauerstoffversorgung. Gute Markengeräte gibt es schon ab ca. 16 Euro, u. a. in Kaufhäusern, z. B. „InfraPhil“ von Philips.

KLEBEBÄNDER VERÄNDERN DIE MUSKELSPANNUNG: Medizinische Klebebänder („Tapes“) spannen die Muskeln, sodass man sich schmerzfrei bewegen kann. Dafür muss man nicht unbedingt zum Arzt. „Das Taping-Selbsthilfe-Buch“ (von John Langendoen und Karin Sertel, Trias, 29,99 Euro) liefert Anleitungen für mehr als 160 Beschwerden. Wie’s geht, kann man auch mit der beigelegten DVD lernen.

AUFLAGEN WÄRMEN DAUERHAFT: „ThermaCare“-Auflagen (rezeptfrei in Apotheken) geben bis zu zwölf Stunden lang effektive Tiefenwärme ab. Sie passen sich dem Nacken an, verkleben nicht und sind unter der Kleidung kaum zu sehen.

BÄNDER-TRAINING LOCKERT GEZIELT: Das „kleinste Fitness-Studio der Welt“ passt in jede Tasche und ist immer griffbereit: Mit einem „Thera-Band“ (z. B. in Sportgeschäften, ab 8,50 Euro) kann man den Nackenbereich rasch dehnen und lockern. Wie das funktioniert, erklärt Simone Tatay mit vielen Fotos in ihrem Buch „Thera-Band für Schulter & Nacken“, blv, 14,95 Euro.

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