Secondhand-Männer: Wenn der Traummann schon Kinder hat

Secondhand-Männer: Wenn der Traummann schon Kinder hat

Wenn es den neuen Partner nur im Paket mit Kindern und Exfrau gibt: Wer sich, wie FÜR SIE-Autorin Alexandra Dresche, für einen geschiedenen Vater entscheidet, fragt sich oft, ob das Ganze nicht doch eine Mogelpackung ist.

Secondhand-Männer: Wenn der Traummann schon Kinder hat
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Secondhand-Männer: Wenn der Traummann schon Kinder hat

Jeans oder schwarze Hose? Niederknien oder stehen bleiben? Umarmen oder nur Hallo sagen? Vor unserer ersten Verabredung war ich nervös. Meine Hände waren nass, meine Lippen trocken, dann klingelte es an der Tür. Ich öffnete. Da stand er: Lukas. Braune Augen, blonde Haare, verschämter Blick. „Hallo, Alexandra“, sagte er. „Ich muss was trinken.“ Hinter ihm lächelte aufmunternd der Mann, den ich seit einigen Wochen liebte. In der Küche füllte ich Lukas ein Caipirinha- Glas bis oben mit Cola light. Lukas trank es in einem Zug leer. Er sah glücklich aus. Ich dachte: Das mit uns, das kann was werden.

Mittlerweile weiß ich, dass Lukas’ Mutter von Cola light ungefähr so viel hält wie ein Homöopath von Antibiotika. Mittlerweile bin ich mit dem Mann, den ich liebe, zusammengezogen. Seine Söhne Lukas, 6, und Adrian, 3, sind jedes zweite Wochenende zu Besuch. Und mittlerweile treibe ich mich in Internet-Foren herum, die Titel tragen wie „Der gebrauchte Mann“ und in denen alle über nervige Exfrauen und die eigene Ohnmacht diskutieren. Alle, das sind Zweitfrauen wie ich. Frauen, die einen tollen Mann und dazu gratis Kinder erworben haben – und sich nun fragen, ob das Gesamtpaket eventuell eine Mogelpackung war.

Autorin: Alexandra Dresche

2007 wurden 190 000 Ehen geschieden

„Ich weiß gar nicht, was du hast“, sagt meine Freundin Kirsten, „du wusstest doch, auf was du dich einlässt.“ Statistisch gesehen vielleicht. Die Chance, einen Mann zu treffen, der mehr als nur seine Marotten mit in die Beziehung bringt, nimmt mit steigendem Alter zu. 2007 wurden in Deutschland 190 000 Ehen geschieden, die Hälfte der Paare hatte Kinder. Und das Bundesfamilienministerium sagt, dass geschiedene Männer zwischen 35 und 49 im Vergleich zu geschiedenen Frauen häufiger und schneller wieder eine feste Bindung eingehen – und das vermehrt mit jüngeren kinderlosen Frauen.
Die bekommen gleich das volle Programm: Noch ehe sie das Glück der Zweisamkeit richtig begreifen, sind sie schon mindestens zu dritt. „Andere Paare lernen sich in Ruhe kennen und bereiten sich auf ein Familienleben vor, die sogenannten Secondhand-Paare können das nicht“, sagt die Familienwissenschaftlerin Dr. Doris Früh-Naumann, die für ihre Forschung mit 150 Zweitfrauen gesprochen hat. „Die Kinder brechen die Struktur der Beziehung radikal auf: Während man sich sonst auf die gegenseitigen Bedürfnisse konzentriert, soll man zu Besuchszeiten eine Familie sein. Der Mann kann dabei auf seine Rolle als Vater zurückgreifen, die Frau muss ihre gegenüber den Kindern erst erwerben.“

Sich in einen Mann mit Kindern zu verlieben ist deshalb so, als würde plötzlich im Wohnzimmer ein Erwachsener mit zwei Knirpsen stehen und fragen: „Kannst du dich um die kümmern? Dein restliches Leben lang?“ Einen Fremden könnte man rauswerfen, den Liebsten bittet man, mit Anhang Platz zu nehmen – egal ob die Kinder unsympathisch sind oder man wenig Ahnung von Erziehung hat. Denn wenn man mit dem Nachwuchs nicht kann, kann der Mann mit einem selbst bald auch nicht mehr. Am Anfang dachte ich: Okay, er hat Kinder, aber das hat nichts mit uns zu tun.
Doch als wir zusammenzogen, sagte er: „Ich will, dass du dich mit ihnen beschäftigst.“ Also stand ich am Wochenende um sechs Uhr auf, sobald die Kleinen das Schlafzimmer stürmten, bespielte sie und versuchte, gegenüber dem Dreijährigen, der sich in der akuten Trotzphase befand, ständig herumbrüllte und abends nicht ins Bett wollte, ein positives Gefühl zu entwickeln. An den Montagen fiel mein Dauerlächeln ab, ich brachte die Wohnung wieder in Normalzustand und stritt mit meinem Partner. Er wollte Harmonie, ich unser Leben frei gestalten. Und während er aus müden Augen von drei schlechten Nächten strahlte, weil die Kinder morgens „Ich hab dich lieb“ sagten, schauten meine müden Augen wütend drein, weil sich die Jungs nicht mal von mir verabschiedet hatten.

Ferien müssen mit der Exfrau abgesprochen werden

„Der Zeitraum, der von Zweitfamilien benötigt wird, um zu einer glücklichen Gemeinschaft zusammenzuwachsen, beträgt oft mehrere Jahre. Bis dahin gibt es viele Phasen, in denen beide Partner davor stehen, die Koffer zu packen – und das nicht, um in den Urlaub zu fahren“, sagt Früh-Naumann. Vor allem die Tatsache, dass die neue Frau mit ihrem Partner etwas Eigenes aufbauen will, die Vergangenheit des Mannes aber die Gegenwart bestimmt, belastet die Beziehung. Ferien müssen mit der Exfrau abgesprochen werden, und viele Männer können sich kein weiteres Kind leisten. Entscheidungen, die die neue Frau wenig beeinflussen kann – genauso wenig wie die Erziehung, denn den Kindern gegenüber hat sie laut Gesetz keine Rechte. Wir hatten Glück: Der finanzielle Rahmen lässt Raum zum Atmen, mein Partner kann sich noch ein Kind vorstellen, seine Frau und er haben sich friedlich getrennt, und die Kinder sind gut erzogen.

Dennoch: Seine Jungs erinnern mich daran, dass er schon mal geküsst wurde – nicht nur kurz, sondern lang und intensiv. Wenn er im Urlaub das Handy wegen seiner Familie anlässt und er abends noch mit der Exfrau spricht, da ihr Fernseher kaputt ist, kann ich die Eifersucht nicht unterdrücken. Eigentlich liebe ich ihn dafür, dass er fürsorglich ist, doch in solchen Momenten frage ich mich: Bin ich als Frau Nummer zwei wirklich seine Nummer eins? „In einer jungen Beziehung ist es typisch, dass sich Zweitfrauen ihrer Bedeutung für den anderen noch nicht sicher sind“, so die Expertin. „Zumal sie sich ihren Mann als Partner gesucht haben, mit hohen Erwartungen an emotionale Exklusivität. Das Gefühl, dem anderen wichtig zu sein, nährt eine Partnerschaft. Durch die Kinder gerät es regelmäßig aus dem Gleichgewicht.“

Heute, nach zwei Jahren, versuchen wir, dieses Gefühl stabil zu halten. Wir nehmen uns an den kinderfreien Tagen extra Zeit für uns. Und wir machen an Wochenenden nicht mehr einen auf „normale Familie“, weil wir keine normale Familie sind. Die drei verbringen auch Zeit für sich, ohne dass ich dabei sein muss. Und wenn wir doch zu viert unterwegs sind, merke ich immer mehr, dass das Leben auch mit seinen Kindern schön sein kann: Neulich sollten sich die Jungs auf dem Spielplatz beschäftigen. Adrian setzte seinen Schmollmund auf, schaute mich an und den Mann, den ich liebe, und sagte: „Ich will aber was mit euch machen!“ Ich dachte: Das mit uns, das kann doch was werden.

Anja ist eine erfolgreiche, selbstbewusste Frau. Nur die große Liebe lässt schon lange auf sich warten. Warum finde ich keinen Mann? Liegt es etwa doch an ihrem...
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