Warum gehen Männer fremd?

Warum gehen Männer fremd?

Haben Männer ein Fremdgeh-Gen? Ob David Beckham oder Arnold Schwarzenegger: Ein Sex-Skandal folgt dem nächsten. Können Männer nicht treu sein? Eine Spurensuche.

Warum gehen Männer fremd?

Verdammt gut sah er aus. Er war witzig und klug. Und sehr sexy. Aber nach zwei Monaten war Schluss. Ich hatte erkennen müssen, dass ich für ihn nur eine Affäre war – und es immer bleiben würde. Es gibt offensichtlich Männer, die schon viel haben und trotzdem nicht genug bekommen können. Abseits von Ehe oder fester Partnerschaft suchen sie sexuelle Befriedigung, selbst wenn es sie ihre berufliche Existenz kosten kann oder das Ende ihrer Ehe, wenn alles rauskommt. Die aktuellen prominenten Fälle sind – glaubt man Umfragen – nur die Spitze eines Eisberges.

Überall in Deutschland gehen Männer fremd. Manchmal zahlt es sogar die Firma, wie die Versicherung Hamburg-Mannheimer zähneknirschend eingestehen musste, als herauskam, dass das Unternehmen für besonders verdiente Mitarbeiter in Budapest eine Privatorgie organisiert hatte. Und ja, man weiß es von dem charmanten Kollegen, der mit jeder Praktikantin spätestens auf dem Sommerfest knutscht, obwohl er Vater von drei kleinen Kindern ist. Oder aus der Nachbarschaft. Da trennt sich das scheinbar so glückliche Paar, weil sie rausbekommen hat, dass er regelmäßig im Bordell war. Wahr ist: Gäbe es nicht reichlich Kunden, würden nicht täglich wieder seitenweise Kleinanzeigen für käufliche Liebe in Tageszeitungen erscheinen.

Irgendwann beschleicht einen der Gedanke: Gehört mein Mann vielleicht auch zu denen, die die Hände nicht von fremden Frauenkörpern lassen können? Bei kaum einem anderen Thema wird so viel gelogen wie beim Sex. Deshalb schwanken die Zahlen zur männlichen Untreue je nach Studie zwischen 10 und 50 Prozent. Die Wahrheit wird wohl irgendwo dazwischen liegen. Aber warum tun Männer das? Sind es die Gene? Machtspiele? Eitelkeit? Evolutionsbiologen erklären die Lust zum Seitensprung so: Je mehr Sex mit verschiedenen Frauen Männer haben, desto erfolgreicher können sie ihre Gene verbreiten. Dieses prälogische Steinzeit-Denkmuster ist in manchen Momenten so dominant, dass nichts anderes mehr zählt: weder der Wunsch nach Treue (den fast alle Männer laut Umfragen genauso haben wie Frauen) noch das gemeinsam abzuzahlende Reihenhaus.

Eine Frage der Evolution?

Alles klar: Wenn Männer fremdgehen, ist ihre Biologie die Ursache. Sie können nicht anders. Das klingt einleuchtend, und untreue Männer lieben diese Erklärung, denn sie heißt: „Schatz, es hat nichts mit dir zu tun.“ Trotzdem taugt sie nicht als alleinige Antwort auf die Frage, warum Männer sich häufiger als Frauen der Versuchung des Doppellebens hingeben oder der schnellen Lust nicht widerstehen können. Frauen hätten, biologisch gesehen, nämlich auch gute Gründe fremdzugehen: Wenn sie sich neben dem verlässlichen Versorger einen genetisch besonders attraktiven Erzeuger erwählen (zu erkennen an breiten Schultern, schmalen Hüften und einem kantigen Kinn), können sie wiederum gesündere, klügere, hübschere Kinder bekommen. Das Schäferstündchen mit dem Fitnesstrainer würde sich also durchaus lohnen.

Frauen tun es aber selten. Richtig ist zwar: Auch Frauen erleben Lust außerhalb der Ehe und genießen heimliche Lieben. Aber eben weniger, oft am Ende einer Beziehung, und sie leben Triebe kaum so hemmungslos aus wie Männer. Die Berliner Prostituiertenberatungsstelle Hydra e.V. geht von 400 000 Prostituierten in Deutschland aus. Männer, die von Frauen für sexuelle Dienstleistungen bezahlt werden? Nun ja, eher eine Minderheit. Gender-Forscher, die sich mit den Unterschieden und Gemeinsamkeiten der Geschlechter befassen, glauben nicht an die alleinige Macht der Biologie. Für sie ist das erotische und sexuelle Rollenverhalten von Mann und Frau mindestens genauso sehr eine Frage der Kultur.

In Europa wird zwar keine Frau mehr an den Pranger gestellt, aber der weibliche Seitensprung ist immer noch stärker geächtet: Ein erfolgreicher Verführer zu sein ist zwar nicht politisch korrekt, aber den schlechtesten Ruf hat Mann damit nicht. Die Gesellschaft akzeptiert, ja bewundert, dass er sich nimmt, worauf er Lust hat. Wären wir nicht alle sehr irritiert gewesen, wenn nicht Horst Seehofer, sondern Ursula von der Leyen in der Hauptstadt eine Zweitpartnerschaft gepflegt hätte? Je emanzipierter und wirtschaftlich unabhängiger Frauen sind, desto weniger sind sie übrigens bereit, Männern diese „Freiheit“ zuzubilligen. Anlässlich der Affäre DSK machten viele Französinnen ihrem Unmut über die Grenzüberschreitungen Luft, die jahrhundertelang unter dem Namen „Erotik“ als französisches Kulturgut gegolten hatten. Und: In Ländern, in denen Frauen und Männer relativ gleichberechtigt leben, nähert sich die Seitensprungquote an, wie die amerikanische Journalistin Pamela Druckermann für ihr Buch „Fremdgehen“ (Herbig) recherchiert hat.

Andere Länder, andere Sitten?

In vom Machismo geprägten Ländern wie etwa der Dominikanischen Republik gehen nach ihren Erkenntnissen 18 Prozent der Männer fremd, aber nur 0,8 Prozent der Frauen. In Norwegen betrügen nur 10,8 Prozent der Männer, aber 6,6 Prozent der Frauen. Vielleicht sind die viel interessanteren Fragen: Warum geht einer fremd, wenn er alles hat? Und warum bleiben andere monogam? Als die Orgie der Versicherungsvertreter in Budapest öffentlich wurde, fragten viele Frauen ihre Männer, ob Typen wirklich Spaß an so etwas hätten? Eine Antwort, stellvertretend für viele: „Manche schon. Aber viele machen bestimmt nur aus Gruppendruck mit. Sie wollen nicht als Schlappschwanz dastehen. Tief im Inneren wären sie lieber treu und finden die Situation ganz grauenhaft.“

Männer sind nicht alle gleich. Stellen wir uns ein Brüderpaar vor. Der ältere ist Klinikarzt und betrügt seine Frau bei jeder Gelegenheit. Der jüngere Bruder unterrichtet an einer Gesamtschule und hat Sex mit einer Frau, seiner Lebensgefährtin. Woher kommt der Unterschied? Ein bedeutsamer Faktor ist die Persönlichkeit: Wenig Pflichtgefühl, große Extrovertiertheit und Offenheit für neue Erfahrungen – solche Charaktere neigen eher zum Fremdgehen, hat der Psychologe David Schmitt von der Bradley University, Illinois, herausgefunden. Auch die Impulskontrolle spiele eine Rolle: Einige haben als Kind weniger gut gelernt, spontaner Lust nicht nachzugeben. Und: Attraktive oder mächtige Männer finden leich ter eine Frau für eine Affäre. Letzter Punkt: Während der Lehrer der Sozialkontrolle durch Kollegium und Schüler unterworfen ist, kann der Arzt auf anonymen Kongressen Kolleginnen umwerben.

Dr. Satoshi Kanazawa, Psychologe an der London School of Economics, hat eine ganz andere These. Er vermutet, dass Treue ein Zeichen von Intelligenz ist: Clevere Männer erkennen, dass für eine moderne Partnerschaft Spielregeln gelten, und sie halten sich daran, weil sie gewinnen wollen – Ansehen, Sicherheit, Anerkennung. Und betrachten wir es doch einmal so: Wenn 50 Prozent fremdgehen, ist die Chance nicht schlecht, dass der eigene Mann zur besseren Hälfte gehört.

Experten-Interview


Zu mächtig oder schön, um treu zu sein?

Verhaltensforscher Professor Karl Grammer aus Wien über notorische Schürzenjäger

Für Sie: Wer ist beim Anbahnen einer Affäre erfolgreicher, ein mächtiger oder ein gut aussehender Mann?

Beides sind gute Voraussetzungen. Beim One-Night-Stand dürften attraktive Männer erfolgreicher sein, bei längeren Liebschaften eher mächtige und wohlhabende.

Manche Männer können ihre Hände einfach nicht von anderen Frauen lassen. Liegt das am Fremdgeh-Gen?

Auf keinen Fall! Bei Zebrafinken gibt es so etwas, aber Menschen sind keine Vögel. Zwar scheint der Wunsch, Sex mit unterschiedlichen Frauen haben zu wollen, ein evolutionsbiologisch eingebautes Programm zu sein. Aber wenn es zum Seitensprung kommt, lässt sich das gewiss nicht auf einzelne Gene zurückführen.

Welche Faktoren spielen dann wichtige Rollen bei der Entscheidung, mit vielen Frauen Sex zu haben?

Das ist ein komplexes Zusammenspiel von Biologie, Kultur und individueller Persönlichkeit. Leider gibt es da keine einfache Antwort.

Und warum sind Männer überhaupt treu?

Gute Frage. Bei allem, was wir tun, geht es unbewusst immer um den Fortpflanzungserfolg. Und da gibt es eben verschiedene Strategien. Die einen verbreiten ihre Gene möglichst vielfältig, die anderen konzentrieren Bemühungen und Investionen auf eine Frau und den gemeinsamen Nachwuchs. Beides macht Sinn aus biologischer Sicht.

So erkennen Sie einen Frauenhelden


So erkennen Sie einen Frauenhelden

  • Sein Ringfinger verrät ihn: Ist dieser lang, lässt er mit ziemlicher Sicherheit nichts anbrennen. Grund: Solche Männer haben besonders viel männliches Sexualhormon Testosteron im Blut. Je länger sein Ringfinger im Vergleich zum Zeigefinger ausfällt, mit desto mehr Frauen hat er in seinem Leben geschlafen, besagt eine Studie der TU Chemnitz. Das erhärtet die Ergebnisse älterer Studien, denen zufolge Männer mit langem Ringfinger besonders viele Kinder zeugen.
  • Er spielt den interessierten Zuhörer: Eigentlich konzentriert er sich selten auf ein Gespräch, aber er weiß, dass Frauen auf gute Zuhörer stehen. Doch wenn man nachfragt, hat er wenig behalten.
  • Er lässt seine Augen sprechen: Psychologen sagen: Die ersten 3 Sekunden entscheiden, ob man den anderen attraktiv findet. Seine Strategie: Er hält von Anfang an intensiven Blickkontakt.
  • Er befeuchtet seine Lippen: Dass glänzende Lippen sexy wirken, hat er beim Friseur gelesen. Er macht das ganz unauffällig – aber bewusst!
  • Er telefoniert lieber allein: Wenn sein Handy klingelt, geht er schnell damit raus. Schließlich könnte am anderen Ende eine seiner aktuellen Eroberungen sein, von der Sie nichts wissen sollen.
  • Er ist ein super Entertainer: Er steht in kleinen wie großen Runden liebend gern im Mittelpunkt, Wenn er was erzählt, ist er extrem unterhaltsam, Zuhörer hängen an seinen Lippen. Gern reißt er dabei Witze (oft auf Kosten anderer Männer).
  • Er kann alles, was Frauen lieben: Gitarre spielen, ein Gedicht aufsagen, Milchreis kochen. Und er hat den neuen Frauen-Bestseller gelesen!
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Anja ist eine erfolgreiche, selbstbewusste Frau. Nur die große Liebe lässt schon lange auf sich warten. Warum finde ich keinen Mann? Liegt es etwa doch an ihrem...
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