11. August 2013
Warum finde ich keinen Mann?

Waurm finde ich keinen Mann?

Anja ist eine erfolgreiche, selbstbewusste Frau. Nur die große Liebe lässt schon lange auf sich warten. Warum finde ich keinen Mann? Liegt es etwa doch an ihrem hohen Kontostand?

Frau Single
© iStockphoto/Thinkstock
Waurm finde ich keinen Mann?

Warum finde ich keinen Mann?

Eigentlich liebe ich den Sommer, die Sonne, die blühenden Wiesen, den Duft von Heu. Der bittere Beigeschmack: Als Single entdeckst du nur glückliche Paare. Gefühlt ungefähr eine Million. Sie sitzen vor den Cafés, schmusen in der Schlange vor der Eisdiele. Wenn ich diese vielen verliebten Menschen sehe, gibt mir das jedes Mal einen Stich – und das seit Jahren. Ich hätte gern einen Mann an meiner Seite, ich wäre lieber zu zweit. Natürlich komme ich auch prima allein zurecht, aber ich habe nie davon geträumt, ein Langzeit-Single zu werden. Ich wünsche mir auch ein bisschen Romantik für mein Leben. Nur: Ich bin jetzt 39 Jahre alt und nicht mehr 20. Es gibt einfach Dinge, die ich bei einem Mann mittlerweile voraussetze, und andere, über die ich nicht hinwegsehen kann. Das macht die Suche für mich zu einem wahren Hindernislauf.

Ich komme klar, so ganz für mich

Mit meinem letzten Freund war ich neun Jahre lang zusammen. Als wir uns kennenlernten, war ich Anfang 20, Verkäuferin, wir waren beide noch offen für alles. Aber über die Jahre entwickelten wir uns völlig unterschiedlich: Ich blühte auf in meinem Job, traf mich gern mit Freunden, liebte es auszugehen. Er hingegen blieb am liebsten zu Hause, sprach früh von einer eigenen Familie. Irgendwann wussten wir abends nicht einmal mehr, worüber wir noch reden sollten – und trennten uns. Ich brauchte lange, um abzuschließen. Und genoss dann erst mal das Single-Leben, das ich so lange nicht gehabt hatte. Ich arbeitete mich zur Einkaufsleiterin hoch, verdiente mehr und mehr Geld. Ich suchte mir eine schöne, geräumige Wohnung, kaufte mir neue Klamotten. Ich verreiste mit Freundinnen. Ich fand mich nicht nur ab mit der neuen Situation, ich wurde glücklich. Und lernte vieles, was mein Freund mir vorher abgenommen hatte. Heute kann ich ohne Probleme ein Regal aufbauen, ganz allein. Wenn ein Rohr in meinem Bad leckt, kriege ich das in den Griff. Meine Wasserkisten schleppe ich ohne Murren in den dritten Stock. Ich komme also klar, so ganz für mich. Was ein Mann, den ich mir seit einigen Jahren so sehr wünsche, da noch soll, ist vielen meiner Bekannten ein Rätsel. „Ich hätte Angst vor dir“, sagte mir gerade ein männlicher Kollege. „Du wirkst so stark, als könntest du eigentlich alles allein, und dann verdienst du auch noch super. Da ist doch gar kein Platz für einen Mann.“

Ich arbeite hart für mein Geld

Da scheint er nicht der Einzige zu sein. Vor ein paar Wochen lernte ich Thomas kennen, als ich mit Freundinnen auf Kneipentour unterwegs war. Er trug zerrissene Jeans und ein T-Shirt, das mit dem Logo einer Band bedruckt war. Nicht ganz mein Typ, aber wir unterhielten uns großartig. Und verabredeten uns für den nächsten Abend. Ich hatte eine Bar vorgeschlagen, aber schon bei der Begrüßung murmelte er: „Ganz schön nobel hier.“ Wir bestellten jeder ein Glas Wein, nicht ganz billig dort, und ich spürte, dass Thomas sich unwohl fühlte. Als der Kellner später auf unsere leeren Gläser deutete, schüttelte Thomas den Kopf – ich glaube, weil es ihm zu teuer war, einen weiteren Wein zu bestellen. Ich schlug vor, dass ich ihn einlade, was er nur knurrig kommentierte mit: „Das ist jetzt nicht dein Ernst!“ Danach hatte ich keine Lust mehr, ihn wiederzusehen. Ich lerne häufiger Männer kennen, die weniger verdienen als ich und deshalb auch weniger ausgeben können. Für mich ist das kein Problem. Ich möchte mich nur nicht dafür rechtfertigen müssen, dass ich in schicke Bars gehe und in einer schönen Wohnung lebe. Ich arbeite in manchen Wochen 60 Stunden für meine 4000 Euro Monatsgehalt und lasse es mir in meiner wenigen freien Zeit auch mal gut gehen. Mit einem Mann, der mir das vorwirft, möchte ich nicht zusammen sein. Deshalb glaube ich seit Längerem daran, dass ich nur mit einem Partner glücklich werden kann, der mindestens so viel verdient wie ich. Wenn ein Mann und ich finanziell ebenbürtig sind, löst sich die Frage, wie viel ein Glas Wein kosten darf, doch einfach in Luft auf.

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Muss sich ein Mann immer überlegen fühlen?

Und ein Mann muss sich nicht alimentiert fühlen, wenn ich mehr für den gemeinsamen Urlaub zahle. Ich bin auch davon überzeugt, dass nur dann die Prioritäten übereinstimmen. Kann ein Mann, der halb so viel verdient, das Gleiche wollen wie ich? Die gleichen Wünsche, Träume haben? Ich war mir immer sicher: Nein, das geht nicht. Aber nach Thomas, obwohl es sich ja nur um eine kurze Bekanntschaft handelte, musste ich lange nachdenken. Was, wenn es doch an mir liegt? Wenn ich mir selbst ein Bein stelle?

Ich sprach darüber mit meiner besten Freundin. Die das tatsächlich etwas anders sah als ich: „Du urteilst oft vorschnell“, sagte sie mir. „Dass du viel verdienst und so unabhängig bist, kann für Männer im ersten Moment abschreckend sein. Gib ihnen doch wenigstens eine Chance.“ Also kann ein Mann sich nur für eine Frau begeistern, wenn er sich ihr überlegen fühlt? In dem Moment, als ich Thomas in der Bar einladen wollte, glaubte ich zu spüren, wie er förmlich in sich zusammensackte, sein Selbstbewusstsein verlor. Das ist doch nicht fair. Muss ich als Frau wenig verdienen und schwach erscheinen, damit Männer die starke Schulter hinhalten können? Andererseits hat meine Freundin schon oft recht gehabt. Gehe ich es vielleicht einfach falsch an? Als ich Thomas kennenlernte, saßen wir ganz entspannt bei einem Bier zusammen. „Warum musstest du ihn dann in diesen Schickimicki-Schuppen bitten?“, fragte mich meine Freundin. „Das ist fast so, als wolltest du von vornherein klarstellen, in welcher Liga du spielst. Dabei geht es dir doch gar nicht ums Geld.“

Ich wünsche mir Geborgenheit

Und das stimmt. Ich wünsche mir ganz andere Dinge, zum Beispiel Geborgenheit, irgendwann eine Familie. Ich hatte genug Zeit, mir darüber Gedanken zu machen. Und wenn ich mir ein Wunschbild von meiner Zukunft ausmale, sehe ich gar nicht einen erfolgreichen Business-Typen an meiner Seite. Keinen Manager mit übervollem Terminkalender, der auch 60 Stunden in der Woche arbeitet. Ich sehe einen Mann, den ich liebe und der mich liebt. Der dieselben Dinge mag wie ich. Klingt wie ein romantischer Mädchentraum? Was ich sagen will, ist aber: Das Geld ist in dieser Zukunftsfantasie kein Hauptdarsteller. Viel wichtiger ist doch, dass alles andere passt. Dass wir dieselben Dinge mögen, Dinge, die man nicht einfach kaufen kann. Zusammen kochen, spazieren gehen, auf dem Sofa liegen und lesen.

Mache ich es das nächste mal anders?

Ich hätte Thomas vor unserem Date ja auch fragen können, worauf er Lust hat. Ein kleiner Italiener wäre für mich auch in Ordnung gewesen. Ich hätte seinem Kommentar mit einem lockeren Scherz begegnen können. Ich frage mich heute noch, wie es dann weitergegangen wäre. Vielleicht hätte er darüber gelacht, weil wir den gleichen Humor haben? Später in meiner DVD-Sammlung Filme gefunden, die er auch mag? Und, noch viel später, so ganz nebenbei erwähnt, dass wir dieselben Träume haben? Warum stehe ich eigentlich nicht dazu, dass ich mir einen Mann in meinem Leben wünsche, statt immer die Obercoole zu spielen? Ja, ich kann Bilder selbst an die Wand nageln – aber es fällt mir ja kein Zacken aus der Krone, wenn ich es ihn machen lasse und mich darüber freue, oder?

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