Liebe: Bindungsangst - warum wähle ich die falschen Männer?

Bindungsangst: Warum gerate ich immer an den Falschen?

Haben Männer tatsächlich Bindungsangst oder warum gerate ich immer an den Falschen? Laut Expertin greift ein klarer Mechanismus.

Liebesaus: Warum gerate ich immer an den Falschen?
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Bindungsangst: Warum gerate ich immer an den Falschen?

Bindungsangst: Warum klappt keine Beziehung?

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Jessica Samuel, Online-Coach für Frauen, die auf der Suche nach echtem Liebesglück sind. Ihr Buch „Sei dir selbst der Partner, den du dir wünschst“ ist bei Goldmann erschienen und kostet 10 Euro.
Wenn ich Vorträge halte, werde ich manchmal auch als Beziehungsexpertin vorgestellt. Für mich klingt das noch immer ziemlich komisch, schließlich habe ich selbst viele Jahre lang Beziehungen gegen die Wand gefahren. Egal, ob ich dreieinhalb Jahre mit jemandem zusammen war oder auch nur drei Stunden im Online-Chat in Kontakt: Nie hatte ich das Gefühl, eine Chance zu bekommen. Immer haben sich die Männer irgendwann vor mir zurückgezogen. Also war ich auf der Hut, versuchte alles zu tun, um die drohende Gefahr schnell wieder abzuwenden. „Wie ist seine Stimmung gerade?“, fragte ich mich.

Und: „Wie reagiere ich richtig? Beschwichtigend? Deeskalierend?“ „Ich bleibe dran, ich bin die einzige Frau, die ihm zeigen kann, wie Liebe wirklich funktioniert“ – diese Überzeugung trieb mich an. Wie sehr mich mein permanentes Interpretieren immer weiter von mir selbst weggebracht hat, merkte ich nicht. Alles drehte sich nur noch um „die Männer“ und ihre angebliche „Bindungs-Unfähigkeit“. Ich bin eben eine starke Frau, sagte ich mir. Starke Frauen haben es besonders schwer. Meine Freundinnen nickten. In bester Gesellschaft findet man sich, wenn man so denkt. Das wiederum hindert einen daran, das Muster zu durchbrechen. Vor sechs Jahren schien sich dann alles zum Guten zu wenden: Alexander schien der Richtige – und diesmal wirklich. Sofort hat er mich seinen Eltern vorgestellt. In seinem ganzen Verhalten gab er sich verbindlich.

„In meinem Leben drehte sich alles nur noch um die Männer und ihre angebliche Bindungs-Unfähigkeit“

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War ich zu offensichtlich?

Und trotzdem kam nach zwei Monaten wieder der bekannte Punkt: Wir waren verabredet, ich schrieb eine Nachricht – es kam nichts zurück. Also das Übliche: Trennung, emotionaler Aufstand. Der Schmerz, durch den ich durchgegangen bin, als er meinte, er könne das nicht, „so nah, so eng“, war furchtbar. Aber auch vertraut irgendwie. „Wie lange begleitet mich das schon?“, fragte ich mich nun erstmals. „Woher kenne ich das?“ Die ein oder andere Therapie hatte ich bereits hinter mir, so manches hatte ich bearbeitet – die Beziehung zu meinem Vater, zu den Großeltern etwa. Aber eines, das hatte ich nie getan: Die Sache mit den angeblich falschen Männern, an die ich immer wieder geriet, einmal gedanklich zu drehen. Er hat kein Interesse an mir?

Heute sehe ich es anders: Ich selbst war diejenige, die zu lange kein Interesse an sich hatte. Gerne erzähle ich in meinen Vorträgen, wie super wohl ich mich fühlte, als ich endlich begann, mir selbst ein guter Partner zu sein. Wie ich dann zum Beispiel spazieren gegangen bin. Früher hatte ich mich dabei oft alleine gefühlt, wurde traurig, wenn ich andere Paare sah. Jetzt konnte ich die Sonne genießen, die Schönheit der Natur. „Es war spürbar, dass da was in dir passiert war“, hat Alex später mal gemeint. Nach langer Funkstille war er wieder auf mich zugekommen. Erneut wurden wir ein Paar und sind es bis heute.

Angekommen fühle ich mich. Bei mir, bei ihm, bei uns.

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