19. März 2010
Biofeedback

Biofeedback

Schmerzen ohne Medikamente lindern - das ist möglich mit der sanfte Biofeedback-Methode. Man benötigt dazu moderne Technik, einen Therapeuten und viel Einfühlungsvermögen.

Eine Frau macht den Yoga Lotus-Sitz in einem grünen Wald
© iStockphoto - webphotographeer
Biofeedback
Detox
© Dan Zoubek
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Ob Herzschlag, Durchblutung, Gehirntätigkeit oder Muskelspannung – all diese wichtigen Körperfunktionen laufen sozusagen automatisch ab. Sie werden ohne unseren Willen vom Nervensystem gesteuert. Wir können sie also eigentlich nicht regulieren. Aber das lässt sich ändern: mit der Biofeedback-Methode.

Wie funktioniert die Biofeedback-Methode?

„Sie gibt dem Patienten eine Rückmeldung – also ein Feedback – zu diesen unbewussten Vorgängen des Körpers, macht sie sichtbar und erlebbar“, erklärt Dr. Jörg Heuser, Psychologe und Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Biofeedback. Dadurch erhält der Mensch nun die Möglichkeit, sehr wohl bewusst Einfluss auf diese Abläufe zu nehmen. Doch was bedeutet das konkret? Zunächst wird der Patient verkabelt, damit die – je nach Beschwerden – relevanten Körperfunktionen gemessen werden können. Die Ergebnisse erscheinen direkt, meist als Grafik auf einem Monitor oder aber in Form von Tönen. Der Therapeut leitet dann den Patienten an, diese Rückmeldung zu deuten und die dargestellten Vorgänge im eigenen Körper zu beeinflussen. In erster Linie nutzt man dafür die Kraft der Gedanken, konzentriert sich also auf das, was man erreichen will – etwa eine Lockerung der Muskeln. Zusätzlich helfen Entspannungsübungen und bestimmte Atemtechniken. Da während des Vorgangs jede Veränderung auf dem Bildschirm sofort sichtbar ist, ermöglicht das Biofeedback eine direkte Erfolgskontrolle. Einem wird vor Augen geführt, wie der Körper reagiert, wie der Herzschlag sich langsam beruhigt, die Muskelspannung sich löst, sich sogar Arterien verengen. Und man erkennt auch, wo es noch nicht mit der Einflussnahme gelingt.

Positive Ergebnisse bei Migräne-Patienten

Auf diese Weise kann man zum Beispiel Migräne-Angriffen vorbeugen. Oft ist bei diesen Attacken die Schläfenarterie ungewöhnlich geweitet. In Biofeedback-Sitzungen wird daher ein Sensor an der Stirn befestigt. Mittels Infrarotstrahlen misst er den Durchmesser der Schläfenarterie und zeigt diesen auf einem Bildschirm an, etwa in Form von zwei Balken. Der Patient versucht dann, den Abstand der Balken mittels seiner Gedanken zu verändern, sie zu weiten oder zu verengen. „Wie das geht, ist individuell verschieden“, so Experte Heuser. „Manchen Patienten hilft schon der Gedanke an Kälte, um die Arterie zu verengen. Manche denken an einen Wasserlauf in einer Röhre, die sich immer weiter verjüngt, oder sie beißen gedanklich in eine Zitrone.“ Die Erfolge der Gedankenkraft beeindrucken. Durch die Auswertung von 56 Einzelstudien mit über 2000 Migräne-Patienten konnte die Psychologin Yvonne Nestoriuc von der Universität Marburg belegen, dass Biofeedback langfristig die Häufigkeit, Dauer und Stärke der Attacken reduziert. Es gilt inzwischen als die effektivste nichtmedikamentöse Therapie gegen Migräne. Und auch bei Spannungskopfschmerzen ist die Wirksamkeit belegt: Sie können durch Biofeedback ebenso gut gelindert werden wie durch Schmerzmittel – nur ohne Nebenwirkungen.

Von ADHS bis Tinnitus: vielseitig einsetzbar


Von ADHS bis Tinnitus: Vielseitig einsetzbar

Poletto mit Bio-Zitone
© Dennis Williamson
Biofeedback:Na? Neugierig geworden? 
Weitere Infos zum Thema Biofeedback finden Sie hier.
Es gibt darüber hinaus viele andere Anwendungsmöglichkeiten. So leiden chronische Schmerzpatienten zum Beispiel häufig unter Depressionen und Angstzuständen. Auch hier hat Biofeedback positive Effekte. Ohnehin können Krankheiten, die ganz oder zum Teil psychosomatischer Natur sind, mit der Methode gut behandelt werden. Als Leitender Psychologe der Klinik Roseneck in Prien am Chiemsee blickt Jörg Heuser auf 19 Jahre Erfahrung zurück: „Wir haben Biofeedback auch bei Erkrankungen wie Tinnitus und Schlafstörungen, Rückenschmerzen, Angstattacken, Depressionen, bei ADHS, Epilepsie sowie gegen Inkontinenz, Asthma und Bluthochdruck erfolgreich angewendet.“ Was genau dabei gemessen und beobachtet wird, ist unterschiedlich. Es gibt verschiedene Messwerte, die je nach Krankheitsbild hilfreich sind, wie Heuser erklärt. „Die Elektromyografie misst die Muskelspannung, hilfreich bei verspannungsbedingten Schmerzen. Der Hautwiderstand ist ein Zeichen für Stress und innere Anspannung. Zudem können wir Herz-Kreislauf-Funktionen wie den Blutdruck oder die Aktivität des Herzmuskels mittels EKG sichtbar machen.“ Besonders interessant ist das relativ neue Neurofeedback: Dabei werden die Gehirnströme gemessen und als EEG angezeigt. Zu lernen, sie zu kontrollieren, kann sogar bei Epilepsie oder Aufmerksamkeitsstörungen helfen. Neuere Studien zeigen, dass Neurofeedback in der Behandlung von ADHS bei Kindern ähnlich gut wirkt wie die klassische medikamentöse Therapie mit Ritalin.

Nicht auf eigene Faust das Feedback deuten

Egal, welches Problem man mit der Methode beheben möchte: Wichtig ist immer, einen erfahrenen Therapeuten aufzusuchen und ein individuelles Therapieprogramm zusammenstellen zu lassen. Biofeedback-Geräte gibt es zwar auch für zu Hause. „Ganz in Eigenregie sollte man sie aber nicht anwenden“, warnt Heuser, „denn man kann sich auch falsche Gedankenmuster einprägen und Beschwerden verschlimmern. Zudem gehören die meisten Anwendungsgebiete eindeutig medizinisch abgeklärt.“ Als Ergänzung seien die Apparate jedoch sinnvoll: „Nach sorgfältiger Einweisung eines Therapeuten können Heimgeräte den Trainingseffekt steigern. Langfristig ist das Ziel aber, die Vorgänge ganz ohne ein Gerät zu steuern.“

Nackenschmerzen
Nackenverspannungen und -schmerzen kennt ja fast jeder. Dabei gibt es eine ganze Reihe sanfter Therapien, die verblüffend gut helfen.
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