Rücken-Therapie: Nie wieder Schmerzen

Rücken-Therapie: Nie wieder Schmerzen

Stärken Sie Ihre Wirbelsäule mit einem Training nach Maß – entwickelt an der Deutschen Sporthochschule in Köln.

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Rücken-Therapie: Nie wieder Schmerzen

Gerade ist man noch fröhlich aus den Federn gehüpft, hat sich im Bad nach dem Handtuch gebückt – und schon ist es passiert. Wie ein Messerstich fährt der Schmerz blitzschnell ins Kreuz. Gekrümmt steht man da und wartet, bis die Qual vorbei ist. Ob heftig stechend oder dumpf ziehend, ob als Folge einer Bückbewegung oder nach langem Sitzen: Rückenschmerzen sind beinahe so verbreitet wie Schnupfen. „Nur jeder Fünfte bleibt sein Leben lang gänzlich davon verschont“, erklärt der Sportwissenschaftler Professor Dr. Ingo Froböse. Mit seinem Team vom Zentrum für Gesundheit an der Deutschen Sporthochschule in Köln hat er deshalb ein neues Rückentraining entwickelt, das auch von Krankenkassen empfohlen wird.

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Eine Operation hilft oft nur kurzfristig

Schuld an den Schmerzen sind meist die Bandscheiben. Diese 23 knorpeligen Scheiben sind mitsamt den benachbarten 24 knöchernen Wirbeln (plus Kreuz- und Steißbein) wie ein Hamburger- Brötchen angeordnet. Oben und unten liegen die beweglichen Wirbelflächen, also die Brötchenhälften, und in der Mitte, wie die gebratene Frikadelle, die puffernde Bandscheibe. Diese flexible Konstruktion, die von etlichen Bändern und Muskeln unterstützt wird, hält uns biegsam wie ein Bambushalm. Leider ist jedoch die zentrale Stütze störanfällig. Belastet man die Bandscheiben zu viel oder zu wenig, kann es passieren, dass sie sich langsam vorwölben (Protrusion). Im schlimmsten Fall reißt ihr äußerer Faserring, der Gallertkern quillt hervor und drückt auf einen Nerv – der gefürchtete Bandscheibenvorfall.

Die Operation eines solchen Prolapses ist der häufigste neurochirurgische Eingriff, allein in Deutschland kommen deshalb jährlich rund 35 000 Menschen unter das Messer. Eine Reihe von Untersuchungen zeigt allerdings, dass solch eine OP die Beschwerden oft nur kurzfristig lindert – und dass die Ursache allen Übels ohnehin nur sehr selten in der Bandscheibe sitzt. „Bei neun von zehn Rückenpatienten stammen die Beschwerden aus der Muskulatur, den Bändern oder den kleinen Gelenken an den Wirbelkörpern“, sagt Rückenexperte Froböse. Exakt lässt sich das meist gar nicht feststellen, selbst wenn Röntgenbilder das Gegenteil versprechen. Sicher ist aber, dass zu viel Sitzen, zu viele Kilos und zu wenig Sport die Probleme vergrößern. Ein passiver Lebensstil bringt die Rückenmuskulatur ins Ungleichgewicht, das fördert Fehlhaltungen, Verschleiß und Verspannungen.

Sport als Alternative

Als klassische Vorbeugung galt bislang Krafttraining für den Rücken. Doch ein Schwarzenegger- Kreuz schützt nicht automatisch vor Rückenschmerzen. „Vielmehr braucht die gesunde Wirbelsäule eine ausgewogene Harmonie zwischen Stabilität und Flexibilität“, so Froböse. Der Sportwissenschaftler hat deshalb ein modernes Rücken- Coaching entwickelt, das aus drei verschiedenen Komponenten besteht: Aktivierung, Kräftigung und Entlastung. Ein aktiver Lebensstil ist nötig, um die Bandscheiben elastisch zu halten. Diese Puffer werden ausschließlich über Bewegung mit Nährstoffen versorgt.

Ob jemand lieber Rad fährt, schwimmt oder Volleyball spielt, ist dem Rücken nahezu egal. Neuerer Forschung zufolge gibt es keinen rückengerechten oder rückenschädigenden Sport. „Bewegungen oder Übungen, die sich locker durchführen lassen, sind niemals falsch“, bestätigt Froböse. Das gilt auch für das lange Zeit umstrittene Joggen, das angeblich die Bandscheiben stauchen soll: Der Rücken merkt gar nicht, ob man gerade joggt, walkt oder schwimmt. Die Hauptsache ist, man kommt runter vom Sofa. Ein inaktiver Rücken verliert innerhalb kürzester Zeit Stabilität, Festigkeit und Beweglichkeit.

Körper und Geist regelmässig lockern

Den notwendigen Gegenpol zur Belastung schafft man mit dem zweiten Aspekt aus Froböses Rückenprogramm – der Entspannung. Stress verursacht gerade im oberen Rücken häufig Schmerzen: Seelische Belastung versetzt die Nackenmuskeln rund um den siebten Halswirbel in Dauerspannung. Wer dagegen Körper und Geist regelmäßig lockert, kann frühzeitig auf Warnsignale reagieren.

Die optimale Entspannungsmethode wird von individuellen Vorlieben bestimmt. Die Palette reicht von Atemübungen über Relax-Bäder und Dehnrituale bis hin zu Yoga und Tai-Chi. Wer Rückenbeschwerden gezielt vorbeugen oder einen chronischen Schmerz beheben will, darf allerdings auch den dritten Baustein aus Froböses Rücken-Coaching nicht vernachlässigen: das planmäßige Dehnen und Kräftigen von Rücken- und Rumpfmuskulatur.

Dehnen hält den Bewegungsapparat mobil und baut Spannungen in der Muskulatur ab. Regelmäßige Kraftübungen wiederum sorgen für ein starkes Muskelkorsett, das die Wirbelsäule entlastet. Dabei kommt es vor allem auf die Tiefenmuskulatur des Rückens an. Diese kleinen Stell- und Haltemuskeln, die sich von Wirbelkörper zu Wirbelkörper ziehen, werden beim Training in klassischen „Geräteschuppen“ oft übersehen. Dabei sorgen diese kleinen Muskeln für die präzise Steuerung der Wirbelgelenke. Sie geben dem Rückgrat Halt, entlasten die Bandscheiben. Unser Trainingsprogramm zeigt Ihnen, wie Sie anhand von Professor Froböses Rücken-Coaching einen schmerzfreien Rücken bewahren.

Buchtipp:

Noch mehr Übungen und Rückentipps finden Sie in Das neue Rückentraining von Professor Dr. Ingo Froböse (GU, 12,90 Euro)

Nacken und Schultern, Kreuz und Knie – das sind typische Schmerzzonen. Die Übungen in unserer Galerie lindern und beugen vor, stärken und schützen.
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