Rückenschmerzen heilen

Rückenschmerzen heilen

Medikamente, Spritzen oder gar eine Operation müssen nicht sein: Diese Methoden halten das Rückgrat stark und beweglich

Rückenschmerzen - Eien Frau fasst sich an den Rücken, denn sie leidet an Rückenschmerzen
© Jacek Chabraszewski - iStockphoto
Rückenschmerzen heilen

Früher verordnete der Arzt bei Rückenschmerzen Bettruhe, außerdem Schmerzmittel, später gab es dann auch noch ein paar Stunden Krankengymnastik. Und bei einem Bandscheibenvorfall – wenn eines der elastischen Polster zwischen den Wirbeln aus der Reihe tanzt und auf die umliegenden Nerven drückt – wurde den Betroffenen oft zur Operation geraten. Heute ist das anders. Man weiß, dass rund 80 Prozent der Bandscheibenvorfälle wieder ausheilen, nur im Notfall raten Ärzte noch zu einer Operation.

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© Dan Zoubek
Das hilft gegen Rückenschmerzen: Lust auf mehr Tipps für einen gesunden Rücken? Dann empfehlen wir Ihnen, sich folgendes anzusehen:
Yoga für einen starken Rücken
- Rücken-Übungen
- Die Rückenmassage
Viele weitere Beiträge über das Thema Gesundheit finden Sie hier >>
Und auch von der Bettruhe hat man sich verabschiedet. Stattdessen gibt es zahlreiche Therapien, die Rückenbeschwerden lindern und vorbeugen. Das Spektrum reicht von der klassischen Physiotherapie mit Massagen, Fango und Gymnastik über Yoga und Osteopathie bis zu Entspannungsübungen wie autogenem Training. Denn mittlerweile ist klar: Hauptursache für Rückenschmerzen sind Stress, Haltungsfehler und Bewegungsmangel. „Der Rücken ist der Tummelplatz der Seele“, sagt Dr. Jan-Peter Jansen, Ärztlicher Leiter des Schmerzzentrums Berlin. „Für den erfolgreichen Umgang mit Rückenschmerzen ist die aktive Bewältigung seelischer Faktoren ein entscheidender Punkt.“ Wir haben zehn Methoden zusammengestellt, die den Rücken stärken und die Seele in Balance bringen.

Akupunktur: Nadeln gegen Schmerz


Akupunktur: Nadeln gegen Schmerz
Um Blockaden anderer Art geht es bei der Akupunktur. Nach Vorstellungen der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM), zu der sie gehört, fließt die Lebensenergie („Qi“) in unserem Körper auf unsichtbaren Bahnen, Meridiane genannt. Kommt es dort zu einem Stau, entstehen Krankheiten und Schmerzen. Der Akupunkteur setzt seine haarfeinen Nadeln sowohl an die Problemstellen als auch im Umfeld. Sein Ziel: die Energieblockaden aufzulösen und damit die Ursache der Schmerzen zu beseitigen. Wissenschaftliche Studien haben gezeigt, dass sich Rückenprobleme mit Akupunktur gut behandeln lassen, Medikamente, Massagen und Krankengymnastik schneiden im Vergleich schlechter ab. Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen bei chronischen Schmerzen im Lendenwirbelbereich die Kosten.
Therapeuten in seiner Nähe findet man über www.dgfan.de

Alexander-Technik und Feldenkrais: Aufmerksam wahrnehmen
Unabhängig voneinander erkannten Moshé Feldenkrais (1904 –1984) und der australische Schauspieler Frederick Matthis Alexander (1869–1955), dass sich die meisten Erwachsenen nicht mehr so natürlich bewegen wie Kinder. Das kann auf Dauer zu Fehlhaltungen und Schmerzen führen. Eingefahrene Gewohnheiten zu erkennen und das Gefühl für den Körper neu zu schulen ist das Ziel beider Lehren. Feldenkrais-Kurse mit zehn Übungsstunden werden an vielen Volkshochschulen ab 50 Euro angeboten. Alexander-Technik wird in Einzelunterricht gelehrt, eine Übungsstunde kostet ab 35 Euro. Erfahrungsgemäß dauert es 20 Stunden, bis neue und gesunde Bewegungsabläufe wirklich „sitzen“. Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Kosten für beide Lehren in der Regel nicht.
Mehr Infos: www.alexandertechnik.org und www.feldenkrais.de

Chirotherapie: gekonnt einrenken
Chirotherapie ist Handarbeit im wörtlichen Sinn: Durch gezielte Griffe mobilisiert der Chiropraktiker (ein Arzt oder Heilpraktiker) Knochen und Gelenke. Diese schnellen „Impulse“ – oft von einem harmlosen Knacken begleitet – bringen Wirbel wieder an die richtige Position. Wenn Ärzte mit der Zusatzausbildung zum Chiropraktiker behandeln, übernehmen gesetzliche Krankenkassen in der Regel die Kosten. Immer mehr Patienten suchen aber auch im Ausland graduierte „Chiropraktoren“ auf, die bei uns als Heilpraktiker niedergelassen sind.
Infos: www.chirotherapie.net, www.chiropraktik.de

Entspannungstechnik: Sorgen vergessen
Zwei Entspannungstechniken haben sich bei Rückenschmerzen bewährt: die Progressive Muskelentspannung (PM) nach Jacobson und das autogene Training. Beide Methoden gehen davon aus, dass die Ursache von Verspannungen im Kopf liegt: Sie helfen, zur Ruhe zu kommen und Alltagssorgen auszublenden. Bei der PM werden nacheinander alle wichtigen Muskelgruppen kurz angespannt – etwa fünf bis acht Sekunden lang – und dann wieder gelockert. Mit der Zeit erzielt man dadurch einen Zustand der Gelöstheit. Das autogene Training funktioniert rein über die Vorstellungskraft. Sätze wie „Mein Arm wird ganz warm und schwer“ sollen erst zu intensiver Konzentration und dann zu Entspannung führen. Wer die Technik beherrscht, kann sich rasch aus aktuellen Stress-Situationen lösen. Beide Entspannungsmethoden muss man allerdings regelmäßig üben: PM etwa dreimal pro Woche, autogenes Training am besten täglich. Manche Krankenkassen übernehmen die Kosten für Kurse.
Weitere Infos: www.batev.de

Kieser-Training: Muskeln gezielt stärken

Kieser-Training: Muskeln gezielt stärken
„Ein starker Rücken kennt keinen Schmerz“ heißt das Credo von Werner Kieser, dem Gründer der gleichnamigen Studio-Kette. Sein Trainingskonzept: die die Wirbelsäule umgebenden Muskeln regelmäßig an speziellen Fitnessgeräten kräftigen. Eine Einheit dauert maximal 90 Sekunden, das ganze Programm insgesamt eine halbe bis dreiviertel Stunde. Beratung sowie ein regelmäßiger Fitnesscheck gehören zum Service. „Eine große wissenschaftliche Studie hat gezeigt, dass 86 Prozent der Teilnehmer, die zweimal pro Woche zu uns kommen, schon nach drei Monaten wieder schmerzfrei sind“, sagt Dr. Sven Goebel, Leiter Forschung und Entwicklung bei Kieser. Monatsbeitrag: ca. 45 Euro. Einige Krankenkassen erstatten die Kosten.
Infos: www.kieser-training.com

Osteopathie: Blockaden lösen
Ähnlich wie der Chiropraktiker arbeitet der Osteopath. Allerdings sind Druck und Hebelwirkung sanfter. Sein Ziel ist es, mit ruhigen Handbewegungen „Störpunkte“ zu beheben. Die Theorie dahinter: Blockaden, Verhärtungen und Verspannungen können die Selbstheilungskräfte hemmen und Schmerzen verursachen. Eine verkrampfte Schulter muss demnach nicht unbedingt genau dort wehtun, sondern kann sich beispielsweise auch als Hexenschuss ausdrücken. Zu Beginn der Sitzung tastet der Osteopath den ganzen Körper des Patienten nach solchen Funktionsstörungen ab. Sind sie behoben, verschwinden die Schmerzen oft sofort. Kosten pro Sitzung: zwischen 60 und 130 Euro. „Ich halte Osteopathie bezüglich Rückenkrankheiten für eine der besten Entwicklungen der vergangenen Jahre“, sagt der Rückenspezialist Professor Dietrich Grönemeyer. „Leider läuft sie nur schleppend an, weil sie nicht über die Kasse abgerechnet werden kann.“
Infos: www.osteopathie.de

Physiotherapie: massieren und turnen
Ärzte stellen bei Rückenproblemen meist ein Rezept für sechs Physiotherapie-Stunden (Krankengymnastik) aus. Zur Behandlung gehören je nach Beschwerden beispielsweise Massagen, Fangopackungen und Reizstrombehandlungen für die Mobilisierung der Muskeln. Zudem stellt der Therapeut für den Patienten einen speziellen Gymnastikplan zusammen, um die Rückenmuskulatur zu stärken und die Haltung zu verbessern. Der Erfolg der Physiotherapie hängt entscheidend von der Selbstdisziplin ab: Wer die Übungen daheim regelmäßig macht, hat gute Chancen, die Schmerzen dauerhaft loszuwerden. Eine Studie mit mehr als 1000 Patienten an der Dartmouth Medical School im US-Staat New Hampshire hat gezeigt, dass die Bewegungstherapie selbst bei Bandscheibenvorfällen ebenso nachhaltig wirkt wie eine Operation. Schon bei den ersten Kontrolluntersuchungen nach sechs Wochen fühlten sich Operierte und Physiotherapie-Patienten nahezu gleich gut. Das Ergebnis der zweijährigen Studie: Wer regelmäßig turnt, bleibt häufig beschwerdefrei – auch ohne OP. Verordnete Physiotherapie bezahlen die Krankenkassen.
Geprüfte Physiotherapeuten findet man über den Dachverband: www.zvk.org

Qigong und Tai Chi: Meditation in Bewegung

Qigong und Tai Chi: Meditation in Bewegung
Ebenfalls aus Asien kommen die beiden Bewegungslehren Qigong und Tai Chi. Die Übungen unterscheiden sich leicht, haben aber ein gemeinsames Ziel: Die geschmeidigen, fast meditativen Bewegungen, Haltungen und Atemtechniken sollen die Lebensenergie Qi wieder zum Fließen bringen. Konzentriert ausgeführt, leiten sie zu innerer Ruhe, machen die Muskeln elastisch und schulen die Balance. Dem Rücken tut gut, dass so auf Dauer auch die Haltung besser wird. Viele Krankenkassen bieten kostenlose Kurse an. An Volkshochschulen gibt’s sie ab etwa 20 Euro.
Mehr dazu: www.tai-chi-zentrum.de

Rückenschule: Daheim üben
Volkshochschulen, Sportvereine und Krankenkassen veranstalten Rückenschulen, und die Gesellschaft für Konsumforschung in Nürnberg hat ermittelt, dass sich bereits jeder zehnte Rückenpatient für einen solchen Kursus entscheidet. Er besteht aus drei Lerneinheiten: Informationsvermittlung, praktische Übungen für Muskeln, Balance und Haltung sowie Entspannungstechniken. Die Teilnehmer lernen, wie sie am Computer den Rücken schonen oder wie es gelingt, sich in Stress-Situationen nicht zu verspannen. Die Übungen müssen daheim regelmäßig geturnt werden. Kosten: rund 100 Euro. Viele Krankenkassen erstatten die Gebühr.
Infos: www.bdr-ev.de

Yoga: alles in Balance
Wenn Alltagsstress die Hauptursache für Schmerzen und Verspannungen im Rückenbereich ist, bietet sich Yoga als Therapiemethode an. Die fernöstliche Kombination von gymnastischen Übungen mit Meditation und Atemtechnik soll mehr Gelassenheit bringen und so den Teufelskreis der Beschwerden unterbrechen: Bei seelischer und körperlicher Überforderung neigen wir nämlich zu einer verkrampften Körperhaltung, was zu Schmerzen führt. Diese wiederum versuchen wir häufig durch eine einseitige Schonhaltung zu kompensieren, was dann erneut zu Beschwerden führt. Yoga macht zugleich kräftiger, beweglicher und gelassener. Besonders geeignet für Rückenpatienten ist die Präzision beim Iyengar-Yoga. Jede Übung wird genau studiert, die Symmetrie des Körpers und der Muskeln spielt eine große Rolle.
Yogalehrer bundesweit: www.iyengar-yoga-deutschland.de

Was tun, wenn der Schmerz trotzdem bleibt?


Was tun, wenn der Schmerz trotzdem bleibt?

Die Ursachen von Rückenbeschwerden sind manchmal schwer zu ermitteln. Wenn Bewegungstherapie oder Akupunktur nicht wirken, sollten sich Patienten an ein Schmerzzentrum wenden. Drei Fragen dazu an Gerhard MüllerSchwefe, den Präsidenten der Deutschen Gesellschaft für Schmerztherapie:

Was ist das Besondere an Schmerzzentren? Die Behandlung umfasst nicht nur Spritzen und Schmerzmedikamente, sondern ein ganzes Bündel von Maßnahmen. Neben Krankengymnastik und Bewegungstherapie beispielsweise auch Verhaltenstherapie.

Verhaltenstherapie? Spielt die Psyche eine so große Rolle? Ja, eine enorme. Seelische Belastungen in Familie oder Beruf verursachen Muskelverspannungen – und damit Rückenschmerzen. Es ist wissenschaftlich belegt, dass Menschen mit starken seelischen Belastungen häufiger Rückenprobleme haben.

Kann eine Psychotherapie auch allein helfen? Nein, meistens ist darüber hinaus ein Mix aus Übungen sowie schmerzund spannungslösenden Medikamenten notwendig. Sinnvoll sind außerdem Verfahren, die die körpereigene Schmerzkontrolle verbessern, wie beispielsweise Akupunktur. Wir müssen schließlich verhindern, dass der Schmerz chronisch wird.

In Deutschland gibt es 120 Schmerzzentren. Eine Liste finden Sie unter www.dgschmerztherapie.de. Weitere Infos: www.schmerzliga.de.

Fast jeder kennt sie: Die Beschwerden haben viele Ursachen. Doch Sie können ihnen die Stirn bieten – und das sogar ganz natürlich.
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