24. Januar 2013
Erkältung Air-Romic

Erkältung wegatmen

Das geht sogar ohne Arzt: Air-Romic ist eine Kombination aus Atem- und Aromatherapie für eine starke Abwehr.

Frau atmet den Stress mit Hilfe von Atemübungen einfach weg
© Goodshoot/Thinkstock
Erkältung wegatmen

Erkältung wegatmen

Sänger sind besonders gesunde Menschen“, sagt Anna Netrebko, eine der erfolgreichsten Sopranistinnen der Welt. „Durch das tiefe Atmen beim Singen strömt viel Luft in meine Lungen, der ganze Körper arbeitet.“ Ihre Zellen bekommen so jeden Tag eine Riesenportion Sauerstoff. Das schützt den Opernstar unter anderem vor Heiserkeit.

Wer richtig atmet, braucht weniger Medikamente

Luft holen –wir tun es ständig und meist unbewusst. Zwischen zwölf- und 16-mal in der Minute und bis zu 23000-mal am Tag. Mit einem tiefen Atemzug füllen Neugeborene nach der Geburt erstmals ihre Lungen. Was nichts anderes heißt als: „Ja, ich will leben, mich wohlfühlen, gesund bleiben!“ Im Laufe der Jahre scheinen die meisten Menschen diese einfache und natürliche Therapie für Körper und Seele aber zu verlernen.
„Viele atmen viel zu flach, nicht tief genug ein und viel zu kurz aus“, erklärt Atemtherapeutin Heike Höfler aus Trossingen. Das kann auf Dauer fatale Folgen haben: Wenn unsere Zellen und Organe dauerhaft zu wenig Sauerstoffbekommen, gerät unser Immunsystem aus dem Takt, und wir werden anfällig für Krankheiten – für grippale Infekte, Magen- und Darmprobleme, schlimmstenfalls sogar für Bluthochdruck und Herzerkrankungen.

Ärzte raten zu Atemschulungen

Ärzte raten deshalb immer häufiger zu Atemschulungen statt zu Medikamenten – nicht nur bei Stress, sondern auch bei Schnupfen und Husten, Nebenhöhlenentzündung und chronischer Bronchitis. Viele Übungen basieren auf dem jahrtausendealten Wissen indischer Yogis. Etwa die Lufttherapie gegen Erkältung: alle 30 Minuten den Mittelfinger einer Hand auf die Stirn legen, mit dem Daumen ein Nasenloch zuhalten und fünfmal langsam durch die Nase tief ein- und ausatmen.
Dann mit dem Ringfinger das andere Nasenloch zuhalten und wieder tief atmen. Der Effekt: Die Schleimhäute werden besser durchblutet, die Lungenspitzen gründlich mit Sauerstoff versorgt, die Bronchien entkrampft. Dabei ist nicht nur das „Wie“ bei der Atmung für unsere Gesundheitentscheidend, sondern auch das „Was“. Denn Düfte in der Luft können den Körper zusätzlich entstressen, stärken und heilen. „Inhalation von gesunden Aromen ist der direkteste Weg“, erklärt Bettina Exeler, Ärztin für Naturheilverfahren aus Bielefeld.
Die durch Wasserdampf-Destillation gewonnenen ätherischen Öle aus Blättern, Blüten, Früchten, Zweigen und Wurzeln gelangen über die Nase sekun denschnell ins Blut und ins Gehirn. Immunsystem und Blutkreislauf werden stimuliert, Hormone ausgeschüttet und über die Gefühlszentrale im Gehirn positive Emotionen ausgelöst. „Air-Romic“ – die Kombination aus gesundem Atmen und Aromatherapie – kann sogar starke Schmerzen lindern.

Gegen Migräne


Die Air-Romic-Therapie hilft gegen Migräneanfälle

In einer Klinik in Paderborn hat Bettina Exeler große Erfolge mit Aromen. „Meine Patienten, etwa mit Migräne und chronischen Schmerzen, wollten nur eines: den ewigen Kreislauf ihres Leidens durchbrechen und die Menge der Medikamente reduzieren.“ Das gelangder Ärztin mit individuell ausgewählten Ölen. Bei manchen half der Duft von Lavendel: Er erinnerte die Patienten an sonnige Sommertage – die positiven Gefühle überlagerten den Schmerz.
Aber auch ätherisches Öl aus den Wurzeln des Tropengrases Vetiver kann gute Ergebnisse erzielen. „Dessen strenger Duft wirkte tatsächlich nur bei diesem einen Migräne-Patienten“, berichtet Bettina Exeler. „Es hatte für ihn etwas Erdverbundenes, gab ihm das Gefühl von Sicherheit.“

Für jeden gibt es ein individuelles Lieblingsöl

Wichtig deshalb bei der Air-Romic- Therapie zu Hause: Wählen Sie aus dem Potpourri der heilenden Öle immer das aus, das gerade das stärkste Wohlgefühl hervorruft (siehe auch nächste Seiten). Anders als bei Medizin zum Schlucken gilt nicht: „Je bitterer, desto besser.“ Der Effekt von Air-Romic beruht nämlich auf einem ganzheitlichen Geschehen: Körper und Seele werden gleichermaßen zur Heilung angeregt.

Tägliches Air-Programm

Zweimal am Tag sollten wir den Körper mit viel Luft versorgen, um etwa Erkältungen abzuwehren. Für die vier Übungen genügen schon fünf Minuten. Wie’s geht? Stellen Sie sich die einströmende Atemluft als ein Rinnsal aus Wasser vor. Es fließt dorthin, wo Raum und Weite ist. Sie werden bald auch ohne Hände spüren, welche Regionen der Sauerstoff erreicht.
1. In den Bauch:
Die meisten Menschen atmen nicht tief genug in diese Region. Setzen Sie sich aufrecht auf einen Stuhl, legen Sie beide Hände auf den Bauch, sodass sich Zeige- und Mittelfinger unterhalb des Nabels berühren. Schultern nicht hochziehen. Zwei bis drei Minuten tief „nach unten“ atmen. Beim Einatmen das Weitwerden des Bauchs unter den Händen spüren, beim Ausatmen das Zurücksinken.
2. In die Flanken:
Hände seitlich auf die unteren Rippenbögen legen. Fühlen, wie sich die Region beim Einatmen weitet und wie die Rippen beim Ausatmen weich zurückschwingen. Fünfmal wiederholen.
3. In die Brust:
Legen Sie die flachen Hände unter die Schlüsselbeine. Lassen Sie den Atem bis in die Lungenspitzen fließen. Neunmal wiederholen.
4. In den Rücken:
Auf die Kante eines Stuhls setzen. Den Oberkörper nach vorn beugen, mit den Ellenbogen auf den Knien abstützen. Den Kopf hängen lassen und den Rücken rund machen. In diesem „Kutschersitz“ weitet sich Ihr Rücken beim Einatmen automatisch und wird beim Ausatmen enger. Viermal wiederholen. Hilft übrigens auch gegen Rückenschmerzen.

Ihre Lieblingsöle

Lavendel

Die Öle der violetten Schönheit beruhigen uns und wirken schlaffördernd. Tipp: zwei bis drei Tropfen auf ein Stofftaschentuch geben und vor dem Einschlafen neben das Kopfkissen legen.
Nelken

Betäubend und entzündungshemmend: Dieses Öl eignet sich unter anderem zur Therapie von Husten und Halsweh.
Minze

Ihr Öl belebt und lindert Kopfweh – auch wenn es erkältungsbedingt ist. Experten empfehlen oft das hochwertige „Euminz“ (Apotheke).
Eukalyptus

hilft gegen Husten und Schnupfen, aber auch gegen Nebenhöhlenprobleme. Seine Inhaltsstoffe – vor allem das Cineol – wirken entkrampfend und entzündungshemmend. Machen Sie aus Ihrer Atem- eine Air-Romic-Therapie, indem Sie ca. fünf Tropfen hochwertiges ätherisches Öl (am besten aus der Apotheke) in eine Duftlampe geben. Bei akuten Beschwerden können Sie zusätzlich inhalieren: dazu dreimal täglich je zwei Tropfen in eine große Schüssel mit heißem Wasser träufeln. Für fünf Minuten den Dampf unter einem Handtuch tief durch die Nase einatmen.
Zimt

Bei Erkältungskrankheitenideal: Zimtöl wirkt nicht nur gegen den Infekt, sondern stimuliert auch das Immunsystem, fördert die Durchblutung und erzeugt ein warmes Gefühl. Kann auch gegen Schmerzen helfen.
Basilikum

Das Öl entkrampft, hemmt Entzündungen, lindert Schmerzen. Anwendungsgebiete unter anderem: Bronchitis, Nebenhöhlenentzündung.
Melisse

Schon Klosterfrau Hildegard von Bingen verwendete dieses Kraut. Seine Essenzen beruhigen das Nervensystem und stärken die Abwehr. Tipp: Echtes Melissenöl ist sehr teuer. Umso wichtiger ist es, tatsächlich gute Qualität zu kaufen. Deshalb am besten in der Apotheke nachfragen.

Anleitungsbücher

Übungen zur Atem-Entspannung
Das Standardwerk von Therapeutin Heike Höfler heißt schlicht „Atem-Entspannung“. Erschienen bei Trias, 14,99 Euro. Mit vielen Tipps, wie man Atemtherapie in seinen Alltag integrieren kann.
Lexikon der Aromatherapie
Unter mehr als 400 Stichworten gibt die renommierte amerikanische Aromatherapeutin Patricia Davis ausführliche Erläuterungen zur Behandlung von Krankheiten, zu den Eigenschaften von Pflanzen und zur Zubereitung der aromatischen Essenzen: „Aromatherapie von A–Z“, Goldmann, 14,95 Euro.
Reiseführer in die Welt der Düfte
„Aromatherapie – Die Heilkraft ätherischer Pflanzenöle“ von Eliane Zimmermann hat detaillierte und praktische Tipps. Es eignet sich für Einsteiger genauso wie für Fortgeschrit tene (Irisiana, 22,99 Euro).

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