Ernährung macht schön

Wie richtige Ernährung schön macht

In den USA verzehrt man bereits Anti-Age-Kekse. Frankreich setzt im Kampf gegen Falten auf Marmelade. Unsinn oder kosmetische Zukunft?

Wie richtige Ernährung schön macht

Wie richtige Ernährung schön macht

Nun stellen Sie sich das doch mal vor: Sie sitzen am Frühstückstisch, und ein ordentlich mit Marmelade bestrichenes Brötchen versüßt Ihnen nicht nur den Tag – es glättet auch Ihren Teint. Ein Traum, zu schön um wahr zu sein? Oder stehen wir tatsächlich kurz vor der Erschließung eines Beauty-Schlaraffenlandes, wie einige Lebensmittelhersteller behaupten?

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Unser FÜR SIE Ernährungs-Thema: Die richtige Ernährung spielt eine wichtige Rolle in unserem Leben. Lesen Sie auch noch folgende Artikel:
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Professor Jürgen Lademann ist den schmackhaften Schönmachern auf den Grund gegangen. Der Leiter des Bereichs für experimentelle und angewandte Physiologie der Haut an der Berliner Charité hatte sich schon lange gefragt, ob wir unsere Haut auch von innen mit bestimmten Nährstoffen pflegen und den Alterungsprozess beeinflussen können. Ein Versuch mit einem neuen Messgerät gab nun die eindeutige Antwort: Es klappt. Lademann hatte seine Mitarbeiter täglich vor den Apparat gebeten und mit einem Laserstrahl unter ihre Haut geblickt. Das Gerät erkannte die Stoffe, die Obst und Gemüse ihre gelbe bis rötliche Färbung verleihen, und machte sie als bunte Sprenkel auf dem Computerbildschirm sichtbar. Diese Karotinoide unterstützen den Körper bei der Abwehr von freien Radikalen – das sind Stoffwechselprodukte, die Zellen schädigen und so unter anderem zu vorzeitiger Hautalterung führen können.

Gemüse und Obst geben der Haut den Beauty-Kick

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Süß und gesund: Beeren enthalten viele Antioxidantien
„Der Vergleich zwischen den Essgewohnheiten der Testpersonen machte den Einfluss der Ernährung auf die Haut deutlich: Gemüse-Fans wiesen bis zu viermal mehr pflanzliche Farbstoffe auf und hatten deutlich glattere Haut als diejenigen, die sich vorwiegend von Fleischprodukten und aus der Konserve ernährten“, so Jürgen Lademann, den das Ergebnis nicht überrascht: „Die Nährstoffe aus der Nahrung gelangen über den Darm ins Blut und von dort aus in alle Organe. Und eben auch in die Haut.“ Neben den Karotinoiden gibt es natürlich noch andere Stoffe, die in der Haut gut ankommen. Die B-Vitamine aus Vollkornprodukten helfen, die Spannkraft zu erhalten. Vitamin C zieht sich der Körper zum Beispiel aus Zitrusfrüchten und Paprika – es kurbelt die Kollagenbildung an und stärkt so das Bindegewebe. Das Lecithin aus Eiern dichtet die Zellen gegen Feuchtigkeitsverlust ab. Und Omega-3-Fettsäuren aus Oliven und Fisch liefern wichtige Bausteine für die Schutzmembran der Zellen. Die perfekte Dosis für die Haut wären fünf Handvoll Gemüse und Obst – täglich. Vollkorn- und Milchprodukte und zweimal pro Woche Fisch. Dazu wenig Fleisch, noch weniger Zucker, von Alkohol und Nikotin ganz zu schweigen. Klar, dass nicht jeder Tag vorbildlich laufen kann. Deshalb gibt es Lebensmittel, Getränke und Kapseln, die mit speziellen Nährstoffen angereichert sind. Sie sollen Ernährungssünden ausgleichen, die Haut vor Umwelteinflüssen schützen und Falten reduzieren. Aber sind diese Trendprodukte wirklich ein glatter Erfolg?

Fazit: Wer bereits einen gesunden Lebens-Stil pflegt, viel frisches Obst und Gemüse isst und auch sonst auf Nikotin und Alkohol verzichtet, der macht alles richtig und sollte die Ausgewogenheit beibehalten.

Beauty-Lebensmittel schmecken gut aber helfen sie auch?

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Wussten Sie es? Schokolade bringt die Haut zum Strahlen.
Waschen, eincremen, Schokolade essen Wer schön sein will, muss … essen. Und zwar sogenanntes „Functional Food“, sagen einige Lebensmittelhersteller. In Japan werden Marshmallows mit Kollagen als „Alternative zu einer Falten-Unterspritzung“ gefeiert. US-Teenager hoffen, mit mineralstoffverstärkten „Frutels“- Gummibärchen ihre Akne in den Griff zu bekommen. Reifere Frauen knabbern Anti-Age-Kekse von „Borba’s & DeLuscious“. So manche Französin setzt auf die glättende Wirkung der proteinhaltigen Marmelade „Norelift“. Und Spanier und Italiener löffeln den Joghurt „Essensis“, der Borretschöl für eine bessere Feuchtigkeitsversorgung der Haut enthält und bald auch in deutschen Kühlregalen stehen soll. Die Schokolade „Choc Beauté“von Daniele de Winter ist für deutsche Naschkatzen bereits zu haben. Sie soll die Haut mit Antioxidantien vor Zellschäden schützen. Laut Schätzungen des Zukunftsinstituts in Kelkheim soll das Angebot an Nahrungsmitteln mit Zusatznutzen in den nächsten Jahren um 20 Prozent wachsen. Aber die Wirkung von schönheitsfördernden Substanzen ist zweifelhaft: „Die Kollagen-Partikel der Marshmallows sind viel zu groß, um vom Körper verwertet werden zu können“, kritisiert der französische Lebensmittelchemiker David Guénard, der die süßen Sachen auf ihre Wirkung untersucht hat. Beauty-Joghurt und die Marmelade kommen in seiner Bewertung zwar besser weg, allein brächten aber auch sie keine sichtbare Hautverbesserung: „Die Ernährung muss insgesamt stimmen.“
Fazit: Beauty-Lebensmittel sind bestenfalls lecker. Die Haut und Ihre Gesundheit haben aber mehr davon, wenn Sie täglich einen Apfel essen und auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr mit Mineralwasser oder Säften achten.
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Wie richtige Ernährung schön macht

Einfluss der Ernährung auf die Haut



Genügend Flüssigkeit ist wichtiger Grundbaustein für schöne Haut

Falten glätten – mit Wasser und Säften Wasser ist ein lebenswichtiger Zell-Baustein. Mindestens zwei Liter braucht der Körper täglich – über Nahrung und Getränke. Zuerst werden die wichtigsten Körperorgane und -funktionen wie Atmung und Verdauung versorgt. Die Haut steht ganz hinten an. Ist nichts mehr da, geht sie leer aus. Auf der Suche nach dem perfekten Jungbrunnen mischen Lebensmittelkonzerne Stoffe ins Wasser, die aus dem edlen Nass ein teures Beauty-Elixier machen: So soll Ingwer den Stoffwechsel und damit den Entgiftungsprozess der (Haut-)Zellen ankurbeln, Kieselsäure Schluck für Schluck für ein festeres Bindegewebe sorgen. Und aus der Schweiz kommt ein Mineralwasser mit dem Coenzym Q10. Die vitaminähnliche Substanz spielt bei der Zellerneuerung eine Rolle und aktiviert laut Hersteller die Haut sichtbar. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung gibt zu Bedenken: „Erstens wird Q10 vom Körper produziert. Zweitens nehmen wir es auch noch mit der Nahrung auf.“ Und drittens hat eine Studie des Berliner Hautforschers Dr. Michael Boschman gezeigt: „Um die Haut zu beleben, reicht Leitungswasser vollkommen aus. Schon zehn Minuten nach dem Trinken wird sie besser durchblutet und mit mehr Sauerstoff versorgt.“

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Power-Getränke: Beauty-Drinks sollen zu Schönheit verhelfen.
Unverwässerte Anti-Aging-Wirkung versprechen konzentrierte Säfte – etwa mit feuchtigkeitsspendender Aloe vera, schützenden Pflanzenstoffen oder aufbauenden Vitaminen. Ein besonders üppiger Schönheitsdrink kommt mit 45 Aktivstoffen daher. Der hat allerdings seinen Preis – knapp 200 Euro kostet eine zweiwöchige Kur. Sogar eine Klosterbrauerei aus Brandenburg surft auf der Beauty-Welle: Ihr Bier soll durch den Zusatz von Algen, Vitaminen und Aminosäuren die Zellalterung verzögern.
Fazit: Die meisten Beauty-Drinks sind überflüssig. Enthalten sie Zucker oder Alkohol, reduziert sich die Wirkung für die Haut sogar auf null.

Nahrungsergänzungsmittel für die Schönheit

Beauty-Pillen – starke Schönmacher? „Ich würde nie behaupten, dass unsere Produkte besser wirken als gesunde Ernährung.Aber sie schließen Versorgungslücken und stärken die Zellen gegen äußere Einflüsse“, sagt Marijane Bevanda, wissenschaftliche Leiterin bei Innéov.

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Nahrungsergänzung: Konzentrierte Nährstoffe für die Extra-Portion Beauty.
Die sogenannten Nutricosmetics enthalten Kombinationen aus Pflanzenstoffen und Ölen, zum Beispiel mit faltenglättendem Lykopen aus Tomaten, feuchtigkeitsspendenden Extrakten aus Pinienrinde oder Mikroalgen. Der Körper, so Kritiker, könne die konzentrierten Nährstoffe gar nicht verwerten. „Das war früher ein Problem. Inzwischen wissen wir, wie wir Substanzen aufbereiten müssen, damit sie bis in die Haut gelangen“, sagt Professor Joseph Vercauteren, pharmazeutischer Forscher an der Uni Montpellier. Er hält viel von Polyphenolen. Das sind aromatische Verbindungen, die schädliche Umwelteinflüsse ausgleichen und die natürliche Kollagenproduktion stimulieren. Sie stecken in Obstund Gemüseschalen – und in Wein. „Wir nehmen mit der Nahrung zu wenig davon auf“, so Vercauteren, der die zellschützende Wirkung von Weiß- und Rotwein in Kapseln gebannt hat.

Fazit: Nutricosmetics scheinen tatsächlich in der Haut anzukommen. Für einen spürbaren Effekt müssen sie allerdings konsequent eingenommen werden – mindestens drei Monate lang.

Reichlich Nahrung für Haut und Haar

  • Choc Beauté Dunkle Schokolade (80%) mit straffenden Vitaminen (C, E) und Omega-3-Fettsäuren (über www.danieledewinter.com, 100 g ca. 14,50 Euro).
  • Detox Tonic Getränk mit stoffwechselanregendem Ingwer zur Entgiftung der Zellen (von Firefly, 330 ml ca. 3,50 Euro).
  • Perfect Skin Saft-Konzentrat mit vielen Pflanzenstoffen gegen freie Radikale (von Santa Verde, 500 ml ca. 28 Euro).
  • Shot Beauté 2 Cocktail aus 45 Vitaminen, Proteinen und Pflanzenextrakten für mehr Elastizität (über www.danieledewinter.com, 250 ml ca. 9,50 Euro).
  • Vinexpert Nahrungsergänzungskapseln mit zellschützenden Extrakten aus Weinreben, Borretsch- und Nachtkerzenöl (30 Kapseln ca. 21 Euro).
  • Hautdichte Dragees mit zellerneuerndem Lykopen aus Tomaten, Vitamin C und aufbauendem Soja (von Innéov, 40 Kapseln ca. 20 Euro).
  • Time Control mit Mikroalgen für festere Haut (von Vipurel, 30 Stück ca. 50 Euro).
Im Herbst stecken die reifen Früchte voller natürlicher Pflegestoffe. Hier erfahren Sie mehr über die „Vinotherapie“ auch für zu Hause. Probieren Sie es aus!
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