5. Juli 2021
Delta-Variante: Die wichtigsten Fragen und Antworten

Delta-Variante: Die wichtigsten Fragen und Antworten zur Corona-Mutante

Die Delta-Variante breitet sich auch in Deutschland immer weiter aus. Doch wie gefährlich ist sie, welche Symptome treten auf, ist der Impfschutz überhaupt noch gegeben und was hat es mit "Delta Plus" auf sich? Wir klären Sie über die wichtigsten Fragen rund um die Mutante auf.

Die gefürchtete Delta-Variante schwappt von Indien, Großbritannien und Moskau aus nun auch immer öfter nach Frankreich und Deutschland über. Innerhalb einer Woche hat sich der Anteil der Delta-Variante an allen neu registrierten Fällen in Deutschland fast verdoppelt.

Aus Sorge vor einer erneuten Welle wurden die von Premierminister Boris Johnson geplanten Lockerungen in Großbritannien bereits auf den 19. Juli verschoben. Und auch hierzulande kommt immer öfter die Frage auf: Rollt nach der Freiheit jetzt möglicherweise die 4. Welle auf uns zu? Und wie sieht es überhaupt mit der Wirksamkeit der Impfung aus? Welche Symptome gibt es und für wen ist die Delta-Variante besonders gefährlich?

Delta-Variante: Die wichtigsten Fragen und Antworten zur Corona-Mutante

Wie gefährlich ist die Delta-Variante für uns?

Die Delta-Variante ist deutlich ansteckender als die bisherigen Virus-Varianten. Nach neuen Erkenntnissen der britischen Gesundheitsbehörde Public Health England ist die Delta-Variante bis zu 60 Prozent ansteckender. Auch das Risiko, Angehörige aus dem gleichen Haushalt anzustecken, sei damit deutlich gestiegen.

Was hat es mit "Delta Plus" auf sich?

Doch nicht nur die Delta-Variante, auch die neue Mutante mit dem Namen Delta Plus, die in Indien neu entdeckt wurde, bereitet Expertinnen und Experten weltweit große Sorge. Delta Plus soll nicht nur deutlich ansteckender, sondern auch resistenter gegenüber Antikörpern - also Impfungen - sein. Dies geht aus einer Pressemitteilung des Gesundheitsministeriums in Neu-Dehli hervor.

Fälle in Deutschland sind derzeit noch nicht bekannt. Einen Weg nach Europa hat Delta Plus jedoch bereits gefunden. In Russland, Polen, Portugal und Großbritannien wurden bereits erste Fälle gemeldet. Auch in der Schweiz, in China und den USA wurden Infektionen mit Delta Plus registriert.

Wie viele Fälle der Delta-Variante gibt es in Deutschland?

Nach Schätzungen des Robert-Koch-Instituts dürfte bereits jede zweite Corona-Ansteckung auf die Delta-Variante zurückzuführen sein. Also in knapp 37 Prozent der Proben. Tendenz steigend. Das RKI verzeichnet aktuell eine leichte Zunahme bei der Infektion mit der Delta-Variante. In der Woche vom 31. Mai bis zum 6. Juni würden noch 410 Ansteckungen mit der Delta-Variante erfasst. In der Zeit vom 14. bis 20. Juni waren es laut Robert-Koch-Institut bereits 724 gemeldete Fälle

Erstmals seit Anfang Juni ist die Sieben-Tage-Inzidenz leicht gestiegen. Dies ist wohl vor allem auf die Ausbreitung der Delta-Variante zurückzuführen. (Stand 05.07.2021) Besonders München hat unter der Delta-Variante zu leiden. Während am 1. Juni noch 29 Fälle registriert wurden, waren es am 3. Juli bereits 170.

Wie schnell breitet sich die Delta-Variante aus?

Sehr schnell. Das zeigen vor allem die Entwicklungen in Großbritannien, wo die Delta-Variante derzeit besonders stark grassiert. "Im Moment ist es so, dass (...) es einen Anstieg um ungefähr 50 Prozent jede Woche gibt", so Sandra Ciesek. "Das ist natürlich ein Warnsignal", so die Leiterin des Instituts für Medizinische Virologie am Universitätsklinikum Frankfurt am Main.

Die Sieben-Tage-Inzidenz in Großbritannien lag Anfang Mai noch unter 20. Mittlerweile steigt diese aber auf mehr als 70 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner an. Und das innerhalb von sieben Tagen. Für Premierminister Boris Johnson Grund genug, die geplante Aufhebung der Corona-Maßnahmen auf den 21. Juli zu verschieben. Auch Virologe Christian Drosten von der Berliner Charité beobachtet die Entwicklungen kritisch und geht davon aus, dass die Delta-Variante "sicherlich bis zum Herbst hier auch das Feld dominieren" wird.

RKI-Chef Lothar Wieler äußerte sich ebenfalls besorgt: "Es ist keine Frage, ob Delta zur führenden Variante wird, sondern wann. Wichtig ist daher, dass wir die Ansteckungen jetzt unten halten", so Wieler in einer Pressekonferenz in Berlin. Vorstandschef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, Andreas Gassen, hält die anhaltende Diskussion um die Delta-Variante für überzogen: "Ich halte die Debatte derzeit für in Teilen fast schon hysterisch", so Gassen im Gespräch mit dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. "Es ist unverantwortlich, immer wieder mit Endzeitszenarien zu operieren."

Auch interessant: Diese Nebenwirkungen können bei einer Corona-Impfung auftreten>>

Welche Symptome treten bei der Delta-Variante auf?

Die Delta-Variante wird aktuell vor allem im Hinblick auf die auftretenden Symptome mit Besorgnis betrachtet. Denn diese unterscheiden sich von den bisher bekannten Symptomen einer "normalen" Corona-Infektion. Betroffene klagen beispielsweise über Kopfschmerzen, eine laufende Nase und eine raue Kehle. Auch Fieber gehört zu den Symptomen, nicht aber der Verlust des Geruchs- und Geschmackssinn, von dem Infizierte in der Vergangenheit häufig betroffen waren.

Wie gut schützt eine Impfung vor der Delta-Variante?

Derzeit geht man davon aus, dass Impfungen mit den Vakzinen BionTech und AstraZeneca vollständig Geimpfte sehr gut gegen einen schweren Krankheitsverlauf schützen können. Die Wirksamkeit sei vergleichbar mit der Alpha-Variante. Auch Krankenhausaufenthalte kommen bei geimpften Personen deutlich seltener vor. Das Risiko hat sich hier um fast 90 Prozent verringert.

Auch interessant: An diesen Symptomen erkennen Geimpfte eine erneute Corona-Infektion>>

Anders sieht es dagegen bei Geimpften aus, die bisher nur eine Impfdosis erhalten haben. Sie sind deutlich weniger geschützt und damit anfälliger für die Delta-Variante. Vor allem bei einer Impfung mit AstraZeneca.

Gefährdet die Delta-Variante jetzt meinen Urlaub?

In wenigen Ländern ist schon jetzt mit Störungen bei der Urlaubsplanung zu rechnen. Aufgrund steigender Infektionszahlen zog Lissabon bereits für zweieinhalb Tage die Notbremse. Die 2,8 Millionen Bewohnerinnen und Bewohner der portugiesischen Hauptstadt durften diese nur aus triftigem Grund verlassen. Mit 928 neuen Infektionen binnen 24 Stunden verzeichnete die Stadt den höchsten Wert seit dem 19. Februar.

Aufgrund der starken Verbreitung der Delta-Variante, kann es durch das in Portugal herrschende Beförderungsverbot und die Quarantäneregeln zu massiven Störungen bei der Urlaubsreise kommen. Reisende, die einen Urlaub nach Portugal geplant haben, sollten daher unbedingt Rücksprache mit ihrem Reiseveranstalter halten.

Neben Portugal gilt auch Russland ab Dienstag als Virusvariantengebiet. Dies teilte das Robert-Koch-Institut mit. Auch hier ist also mit deutlichen Einschränkungen bei der Urlaubsplanung zu rechnen. Ganze 90 Prozent der Covid-Erkrankungen sind laut Moskaus Bürgermeister Sergei Semjonowitsch Sobjanin bereits auf die Delta-Variante zurückzuführen.

In der thailändischen Hauptstadt Bangkok sieht es ähnlich aus. Auch hier wird das öffentliche Leben wieder weitgehend eingeschränkt. Zurzeit ist die Einreise mit einem negativen Covid-Test noch möglich. Vor Ort gelten jedoch strenge Quarantäneregeln sowie eine strikte Testpflicht. Eine Übersicht mit von der Delta-Variante betroffenen Urlaubsländern finden Sie hier>>

Die Zahl der Ungeimpften in Deutschland ist immer noch hoch. Totimpfstoffe wie Valneva oder Novavax könnten das ändern – als Alternative zu mRNA- und...
Weiterlesen
Lade weitere Inhalte ...