23. April 2020
Gesundheit: Lungenkrankheiten - wie man sich schützt

Lungenkrankheiten auf dem Vormarsch: Wie man sich schützt

Die Aufregung um Corona täuscht darüber hinweg, dass andere Lungenkrankheiten viel mehr Menschen betreffen. Vor den meisten könnten wir uns ganz einfach schützen, sagt unser Experte Dr. med. Rolf Dichmann und räumt gleichzeitig mit einem Mythos auf!

Lungenkrankheiten auf dem Vormarsch - erschreckende Zahlen

Dr. Rolf Dichmann
© Dr. Rolf Dichmann
Dr. med. Rolf Dichmann - Facharzt für Innere Medizin und Pneumologie mit eigener Praxis in Witten klärt auf, warum Lungenerkrankungen auf dem Vormarsch sind, welche Erkrankungen frühzeitig behandelt werden könnten und räumt mit einem Mythos auf.
Die Lunge ist rund 100 Quadratmeter groß und schuftet mit 300 Millionen Lungenbläschen, um uns mit frischem Sauerstoff zu versorgen. Das erledigt sie leise und unauffällig, weil sie keine Nerven hat, um sich bemerkbar zu machen. Wenn es der Lunge schlecht geht, spüren wir das lange nicht. Kaum registriert wird auch, dass die Zahl der Erkrankungen kontinuierlich steigt: Bis zu 500.000 Menschen in Deutschland entwickeln jedes Jahr eine Lungenentzündung, 45.000 sterben an Lungenkrebs. Noch viel mehr, zehn bis zwölf Prozent der über 40-Jährigen, leiden an COPD (chronisch obstruktive Bronchialleiden), etwa acht Millionen an Asthma. Dr. Rolf Dichmann erklärt, wer gefährdet ist und wie wir uns vor Lungenkrankheiten schützen können.

Warum steigt die Zahl der Lungenentzündungen bei uns stetig an?

Das hängt mit dem zunehmenden Alter der Bevölkerung zusammen. In Deutschland ist bald jeder Dritte über 60. Bei älteren Menschen ist oft die Abwehr zu schwach, um auf aggressive Erreger zu reagieren. Es gibt zwar eine Schutzimpfung, die wird aber zu selten in Anspruch genommen. Oft treten Lungenentzündungen auch infolge einer Grippe auf. Und die ist viel aggressiver als Corona, die Impfungsrate mit 30 Prozent niedrig.

Was würde helfen?

Regelmäßige Grippeimpfungen, und zwar im Dezember und Januar statt wie bisher im Herbst, denn die Grippesaison verschiebt sich immer weiter ins Frühjahr. Bis dahin ist der Impfschutz aber weg.

Was passiert bei einer Lungenentzündung?

Das Lungengewebe entzündet sich durch die Besiedelung mit Bakterien, Viren oder Pilzen. Übertragen werden sie vor allem durch die Tröpfcheninfektion beim Sprechen, Niesen, Husten. Symptome sind plötzlich auftretendes Fieber, Schüttelfrost, Husten und eitriger Auswurf. So eine Pneumonie schädigt die Lungenbläschen und das dazwischenliegende Lungengewebe. Die für den Gasaustausch wichtigen Hohlräume werden durch Eiter und Wassereinlagerungen verdichtet, was den Austausch der Atemgase (Sauerstoff und Kohlendioxid) und damit die Atmung stark behindert. Die erkrankte Person wird kurzatmig.

Behandelt werden bakterielle Lungenentzündungen meist mit Antibiotika. Welche Rolle spielen Antibiotika-Resistenzen?

Keine große, höchstens im Intensivbereich, bei aggressiven Keimen. Probleme mit Antibiotika sind meist hausgemacht, sprich, die Dosierung stimmt nicht.

Warum verlaufen Lungenentzündungen dann trotzdem oft tödlich?

Die Lunge ist ein doppelseitiges Organ. Wenn die Entzündung beide Flügel befällt, fehlt älteren Patienten oft die Kraft zu atmen, sie müssen an Beatmungsmaschinen. Die Antibiotika wirken zwar, aber die Organe sind nicht mehr fit. Junge Menschen mit einem intakten Immunsystem kommen auch mit einer beidseitigen Lungenentzündung klar.

Das Immunsystem ist also der Schlüssel?

Ja. Organe, die gut durchblutet und so mit immunaktiven Zellen versorgt werden, bleiben fit. Die meisten Menschen werden aber nicht fitter, Bewegungsarmut und Übergewicht tragen dazu nicht bei. Für eine gute Durchblutung können wir sorgen, indem wir Sport machen, in die Sauna gehen und möglichst oft an die frische Luft, auch bei schlechtem Wetter.

Welche Lungenerkrankungen sind am gefährlichsten?

Folgeschäden des Rauchens, die COPD verursachen. Auch Shishas und E-Zigaretten. Eine Schädigung der Lunge bemerken Raucher daran, dass sie jeden Morgen abhusten. Das ist wie eine Wunde, die nicht heilt. Aus dem Schleim entstehen immer wieder Eiterungen, die die Lunge ebenfalls zerstören. Schlimmstenfalls wächst ein Tumor, davon haben wir 48.000 pro Jahr. Wer 20 Jahre lang 20 Zigaretten täglich geraucht hat, hat ein erhöhtes Risiko.

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Wie schlimm sind Umweltbelastungen als Auslöser für Lungenkrankheiten?

Weniger schlimm, als man denkt. Dadurch gelangen nicht annähernd so viele Stoffe in die Lunge wie durch eine Zigarette. Sie verbrennt die Lunge förmlich, denn eine Zigarette hat an der Spitze 1000 Grad, der Rauch in der Lunge noch 60 Grad. Äußere Stoffe sind meist grob und gelangen nur bis kurz vor die Lungenbläschen. Ausgenommen Gase, etwa von Gasheizungen oder Autos, die sind gefährlich für die Lunge. Und Pollen, Milben oder Tierhaare fördern das allergische Asthma.

Könnten die Heilungschancen für Lungenkrebs verbessert werden?

Ja, durch Früherkennungsmaßnahmen. Tückisch ist, dass Betroffene nichts merken, nicht mal, wenn der Tumor Tennisballgröße erreicht. Es sei denn, ein Gefäß reißt, und plötzlich ist Blut im Taschentuch. Oder der Tumor sitzt an den Rippen, die deshalb schmerzen. Wenn alle Starkraucher ein CT-Screening machen lassen würden, könnte man mehr Tumoren im Frühstadium erkennen. Aber das bezahlen die Krankenkassen leider noch nicht.

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