21. März 2010
Krankheiten frühzeitig erkennen

Krankheiten frühzeitig erkennen

Viele Krankheiten werden unterschätzt, weil ihre schlimmen Folgen nicht bekannt sind oder sich erst spät bemerkbar machen. Beugen Sie deshalb rechtzeitig vor.

Krankheiten frühzeitig erkennen
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Krankheiten frühzeitig erkennen

Die Zähne können auf Obstsalat sehr gut verzichten

Ein gesundes Gebiss garantiert nicht nur ein strahlendes Lächeln und problemloses Essen. Es schützt auch unser Herz und andere Organe. Das klingt im ersten Moment merkwürdig, ist aber das Ergebnis mehrerer Studien. Wissenschaftler haben nämlich herausgefunden, dass chronische Erkrankungen wie Parodontitis das Risiko für Herzinfarkt oder Schlaganfall deutlich erhöhen. Ein ernst zu nehmendes Problem: Schließlich ist jeder dritte Deutsche von Parodontitis betroffen.

Was macht uns krank?

Zur Parodontitis kommt es meist durch mangelhafte Zahnpflege. Sie fördert Zahnbeläge, auf denen schädliche Bakterien gedeihen können. Diese verursachen nach einiger Zeit Zahnfleischtaschen, in denen sie sich vermehren. Dabei werden Enzyme produziert, die erst das Bindegewebe des Zahnfleischs entzünden und zersetzen (Gingivitis), dann auf den Kieferknochen übergreifen und die Zähne lockern (Parodontitis).

Durch das entzündete Zahnfleisch geraten die Keime in die Blutbahn und setzen dort Giftstoffe frei, die die Immunabwehr schädigen. Zugleich fördern sie Ablagerungen (Plaques) in den Arterien. Diese Ablagerungen können die Gefäße so verengen, dass der Blutfluss zum Gehirn oder zum Herzen blockiert wird. Folge: Schlaganfall oder Herzinfarkt.

Auch an anderen Orten im Körper – etwa künstlichen Hüftgelenken – wurden bereits Parodontitis-Bakterien nachgewiesen. Ein weiteres und kaum bekanntes Zahnproblem wird von Medizinern Craniomandibuläre Dysfunktion (CMD) genannt. Gemeint ist eine Verschiebung des Kiefergelenks. Eine mögliche Ursache ist nächtliches Zähneknirschen. Es führt zu Fehlbelastungen im Kiefer. Folge: Nackenschmerzen und Tinnitus. Dauerhaft können sich die Kiefergelenke verschieben.

Gibt es Warnzeichen?

Gerötetes, geschwollenes Zahnfleisch, das beim Putzen häufig blutet, deutet auf erste Stufen einer Parodontitis hin. Eine bereits vorangeschrittene Entzündung erkennt man an frei liegenden Zahnhälsen sowie vergrößerten Zahnzwischenräumen. Zu den Symptomen einer Craniomandibulären Dysfunktion zählen Knacken und Schmerzen im Kiefer, gestörte Sicht, Schwindel, Kopfschmerzen und Ohrgeräusche.

Wie wird behandelt?

Sitzen die Parodontitis-Bakterien bereits tief unter dem Zahnfleischrand, werden die Zahnfleischtaschen in der Zahnarztpraxis mechanisch oder mit einem Laser gereinigt. Bei sehr aggressiven Formen kann ein Antibiotikum zusätzlich von Vorteil sein. Um CMD zu behandeln, müssen Orthopäden, Physiotherapeuten und Zahnärzte zusammenarbeiten. Individuell angefertigte Aufbiss-Schienen gleichen Fehlhaltungen aus.

Was schützt die Zähne?

Gegen CMD gibt es keine Prävention. Gegen Parodontitis jedoch schon: Die tägliche, gründliche Zahnreinigung beseitigt Zahnbeläge – das nimmt den Bakterien ihren Lebensraum. Am besten die Zahnzwischenräume zuerst mit Zahnseide reinigen, danach jeden einzelnen Zahn sanft rüttelnd von Rot nach Weiß putzen – insgesamt circa drei Minuten lang. Auch die Ernährung beeinflusst unsere Zahngesundheit. Ständig an Fruchtsäften nippen oder vom Obstsalat naschen ist für die Zähne keine Freude. Die Fruchtsäure greift den Zahnschmelz an. Besser: eine große Portion Obst genießen, eine Stunde warten, dann Zähne putzen.

Die Nebenhöhlen


Die Nebenhöhlen mögen es feucht

Freier Atem ist nicht das Einzige, was man gesunden Nebenhöhlen zu verdanken hat. Auch der Rest des Körpers profitiert. Denn eine chronische Sinusitis kann Zahnwurzeln schädigen oder eine Bronchitis auslösen. Seltener ist eine Meningitis die Folge.

Was macht uns krank?

Eine Nasennebenhöhlenentzündung kann durch Viren oder Bakterien ausgelöst werden. Umwelteinflüsse wie trockene Luft im Winter, individuell ungünstig ausgeformte Nasenscheidewände und Nebenhöhlengänge erhöhen das Risiko.

Gibt es Warnzeichen?

Bei einer akuten Sinusitis ist die Nase verstopft, der Kopf dröhnt. Chronisch macht sie sich oft nicht bemerkbar. Ein mögliches Anzeichen: dumpfer Kopfschmerz, der sich beim Bücken oder Husten verstärkt. Auch Dauermüdigkeit kann auf eine Sinusitis hindeuten.

Wie wird behandelt?

Akut helfen Nasentropfen (max. 10 Tage) und Salzwasser-Dämpfe. Bei eitrigen Entzündungen: Antibiotika.

Was schützt die Nebenhöhlen?

Regelmäßige Nasenspülungen (mit einer speziellen Nasendusche, Drogerie) befreien die Atemwege von Keimen. Bei einem Schnupfen nur mit wenig Druck schneuzen.

Die Schilddrüse

Die Schilddrüse verlangt nach Seefisch und Meeresfrüchten. Sie hat die Form eines Schmetterlings und wiegt federleichte 18 bis 25 Gramm. Dabei hat die kleine Schilddrüse eine große Aufgabe: Sie produziert Hormone, die über die Blutbahn in den ganzen Körper transportiert werden und an fast allen biologischen Prozessen beteiligt sind. Gleichzeitig ist sie durchaus anfällig für Störungen: Jeder dritte Deutsche weist einen Schilddrüsenbefund auf, nach dem 45. Lebensjahr sogar jeder zweite. Bei Frauen über sechzig ist eine Schilddrüsenunterfunktion besonders häufig.

Was macht uns krank?

Wer in meeresfernen Bundesländern, etwa in Bayern, lebt, ist oft mit Jod unterversorgt. Der Jodmangel-Kropf ist zwar heute durch den bundesweiten Verbrauch von Jodsalz nicht mehr so stark verbreitet wie früher, es gibt ihn aber immer noch häufig. Eine familiäre Veranlagung kann zu Autoimmunkrankheiten wie Morbus Basedow führen, bei der eine Schilddrüsenüberfunktion mit dem Hervortreten der Augäpfel einhergeht. Auch die Hashimoto- Thyreoiditis, eine entzündliche Veränderung der Schilddrüse, tritt familiär gehäuft auf.

Gibt es Warnzeichen?

Schilddrüsenerkrankungen machen sich oft durch Symptome bemerkbar, die auch von anderen Organstörungen ausgelöst werden können. Nervosität, Schlaflosigkeit, Unruhe, Händezittern, schneller Puls, Gewichtsverlust trotz großem Appetit, Muskelschwäche, beschleunigte Verdauung und Zyklusstörungen – all diese Beschwerden können auf eine Schilddrüsenüberfunktion hinweisen. Wer diese Symptome bemerkt, sollte zum Arzt gehen, denn unbehandelt kann eine Überfunktion zu Schäden am Herzmuskel führen. An eine Schilddrüsenunterfunktion sollte man denken, wenn der Lebensrhythmus verlangsamt ist: bei Gewichtszunahme, trockener, kühler Haut, struppigem, dünnerem Haar, einer tieferen und heiseren Stimme, einem langsamen Puls sowie Zyklusstörungen. Wenn bei älteren Menschen Herzprobleme, verminderte Belastbarkeit oder depressive Verstimmungen auftreten, kann die Ursache eine Fehlfunktion der Schilddrüse sein.

Wie wird behandelt?

Bei einer Überfunktion muss die Hormonproduktion mit Hilfe von Medikamenten gesenkt werden. Auch eine operative Entfernung eines Teils der Schilddrüse kann sinnvoll sein. Eine Alternative ist die Radiojodtherapie, bei der sich radioaktives Jod in den stark hormonproduzierenden Bereichen der Schilddrüse anreichert und so das Gewebe zerstört. Bei einer Unterfunktion werden Schilddrüsenhormone verordnet, die täglich eingenommen werden müssen. Auch wenn die Hormone bei Hashimoto aus dem Gleichgewicht geraten sind, wird behandelt. Manche Hormon- Experten (Endokrinologen) verschreiben zusätzlich Selen.

Was schützt die Schilddrüse?

Am wichtigsten ist es, einen Jodmangel zu vermeiden. Der tägliche Jodbedarf eines Erwachsenen beträgt 180 bis 200 Mikrogramm. Um ihn zu decken, reicht jodiertes Speisesalz allein nicht aus, da man sonst 10 Gramm Salz täglich zu sich nehmen müsste. Deshalb sollten jodhaltige Lebensmittel wie Seefisch und Meeresfrüchte zweimal wöchentlich auf dem Speiseplan stehen. Vorsicht: Bei Menschen mit Hashimoto oder Morbus Basedow kann eine erhöhte Jodzufuhr schädlich sein. Um Hashimoto vorzubeugen, sollte man ausreichend Zink (in Nüssen, Milch, Vollkornprodukten) und Selen (in Fisch, Fleisch und Eiern) zu sich nehmen.

Die Lunge


Die Lunge braucht Tageslicht

Wir können wochenlang ohne feste Nahrung leben, tagelang ohne Wasser, aber nur wenige Minuten ohne Sauerstoff. In der Lunge wird dieser lebenswichtige Brennstoff aus der Atemluft ins Blut überführt. Doch die Lunge ist in Gefahr. Bereits 10 bis 15 Prozent der Deutschen haben Dauerhusten. Klingt harmlos, ist es aber nicht. Denn daraus kann sich eine chronisch-obstruktive Bronchitis (COPD) entwickeln. Die wenigsten kennen diese Erkrankung, dabei belegt sie in Europa bereits Platz sechs der Todesursachen-Statistik.

Was macht uns krank?

Eine COPD entsteht, wenn Schadstoffe wie Rauch die Schleimhaut in den Atemwegen kontinuierlich reizen. Sie entzündet sich, die Bronchien verengen sich, es bildet sich zäher Schleim. Hält dieser Zustand an, kann es zu einem Emphysem kommen, bei dem Bronchien und die mit ihnen verbundenen Lungenbläschen zugrunde gehen. Folge: Die Lunge kann nur noch sehr eingeschränkt arbeiten. Hauptverantwortlich für eine COPD ist das Rauchen. Auch ganz normaler Feinstaub belastet die Lungen, außerdem wiederkehrende Atemwegsinfekte. Vererbung spielt ebenfalls eine Rolle.

Gibt es Warnzeichen?

Neben ständigem Husten (oft verbunden mit schleimigem Auswurf am Morgen) ist Atemnot ein dringendes Warnsignal. Anfangs keucht man nur ein bisschen beim Treppensteigen oder bei anderen körperlichen Anstrengungen, später hat man die Beschwerden auch bei leichten Belastungen. Wenn erste Anzeichen auftreten, sollte man zum Arzt gehen. Er kann einen Lungenfunktionstest durchführen. Auch häufige Infekte sollten ärztlich abgeklärt werden.

Wie wird behandelt?

Ähnlich wie bei Asthma setzt man bei COPD bronchialerweiternde Inhalationssprays ein. Falls die Erkrankung bereits vorangeschritten ist, kann Kortison notwendig sein. Mit dem Rauchen aufzuhören ist in jedem Stadium oberstes Gebot! Sinnvoll ist regelmäßiger Ausdauersport. Das trainiert die geschwächte Körpermuskulatur.

Was schützt die Lunge?

Die wichtigste Maßnahme lautet: Finger weg von Zigaretten. Damit sich aus einer akuten Bronchitis keine COPD entwickelt, sollte man sie immer völlig auskurieren. Ein jährlicher Lungenfunktionstest beim Arzt ist zur Früherkennung absolut empfehlenswert. Er sollte nach Meinung von Lungenspezialisten genauso selbstverständlich werden wie der Cholesterinwerte- Check. Viel Zeit im Freien zu verbringen hilft ebenfalls. Eine amerikanische Studie ergab: Das bei Tageslicht vom Körper produzierte Vitamin D schützt vor Atemwegsinfekten und mindert so indirekt auch das COPD-Risiko.

Das Herz


Das Herz liebt Gemüse und lange Spaziergänge

Unser Herz ist der Motor des Lebens. Und doch schenken wir ihm selten ausreichend Wertschätzung. Ein Fehler: Denn wer Probleme wie Bluthochdruck auf Dauer ignoriert, verdrängt, dass die fleißige Pumpe zum Stillstand kommen könnte. Herz-Kreislauf- Erkrankungen sind in westlichen Industrienationen die häufigste Todesursache. Mehr Herz fürs Herz ist daher eines der wichtigsten Mittel für ein langes, gesundes Leben.

Was macht uns krank?

Wie es dem Herzen geht, hängt zum Großteil vom Lebensstil ab. Denn was wir essen, wie viel wir uns bewegen und ob wir rauchen, entscheidet maßgeblich darüber, wie gesund unsere Gefäße bleiben. Sind sie frei von Ablagerungen? Oder verkalkt, verhärtet, verengt? Trifft Letzteres zu, spricht man von Arteriosklerose. Sie ist Hauptursache für Infarkte und Schlaganfälle. Die wichtigsten Risikofaktoren für Arterienverkalkung sind Rauchen, Bluthochdruck und erhöhte Cholesterinwerte, hinzu kommen Faktoren wie Diabetes oder eine erbliche Belastung. Weitere Schäden am Herzen drohen durch Parodontitis- Bakterien (siehe Seite 95).

Gibt es Warnzeichen?

Ist die Durchblutung des Herzens wegen verkalkter Herzkranzgefäße gestört, spürt man bei körperlicher Belastung ein Enge- und Druckgefühl hinterm Brustbein (Angina Pectoris), oftmals verbunden mit Schmerzen und Atemnot. Treten die Beschwerden auch in Ruhe auf, können das erste Anzeichen eines Herzinfarkts sein. Wichtig: Häufig strahlen die Schmerzen in die Arme, den Kiefer oder Rücken aus, vor allem bei Frauen auch in den Oberbauch. Nicht selten sind bei ihnen Bauchschmerzen, Übelkeit und Erbrechen sogar die einzigen Anzeichen. Viele Frauen rufen daher nicht rechtzeitig den Notarzt.

Wie wird behandelt?

Einen leicht erhöhten Blutdruck kann man zunächst durch eine Umstellung des Lebensstils (siehe nächster Punkt) senken. Gegen hohen Blutdruck gibt es zahlreiche wirksame Medikamente. Auch hier gilt: Leben Sie herzfreundlich. Je mehr Sie das tun, desto weniger Medikamente sind notwendig.

Was schützt das Herz?

Zunächst einmal: Schluss mit den Zigaretten, das ist die Basis. Abgesehen davon sind gesunde Ernährung, regelmäßige Bewegung und effektive Entspannung die wesentlichen Säulen für ein gesundes Herz. Denn alle genannten Maßnahmen schützen vor Bluthochdruck; durch Ernährung und Sport kann man darüber hinaus die Cholesterinwerte positiv beeinflussen.

Konkret empfehlen Herzexperten: 1. Essen Sie viel Gemüse und Obst, genießen Sie Fleisch nur in Maßen (lieber Fisch) und ersetzen Sie tierische Fette wie Butter so oft wie möglich durch Oliven- oder Rapsöl.

2. Bringen Sie ein bisschen mehr Bewegung in Ihr Leben. Ideal sind mindestens zwei Stunden Ausdauersport pro Woche bzw. eine halbe Stunde an wenigstens vier Tagen. Joggen, Walken, Radfahren, Schwimmen – all das stärkt das Herz. Wem das zu viel ist: Studien zeigen, dass auch zügiges Spazierengehen den Blutdruck senkt.

3. Lernen Sie außerdem Entspannungstechniken wie zum Beispiel autogenes Training oder progressive Muskelrelaxation. Damit kann man Stress ganz gezielt abbauen. Tipp: Ab dem 35. Lebensjahr zahlen die Kassen alle zwei Jahre einen Gesundheits-Check, bei dem Risikofaktoren abgeklärt werden. Diese Vorsorge sollte jeder wahrnehmen.

Der Magen


Der Magen steht auf gut trainierte Muskeln

Manchmal liegen uns Entscheidungen schwer im Magen. Dann wird Stress schmerzhaft spürbar und uns bewusst, welche zentrale Rolle das Verdauungsorgan spielt. Der Magen spiegelt psychische Belastungen schneller wider, weil er vom vegetativen Nervensystem gesteuert wird und unabhängig von Bewusstsein und Willen arbeitet. Erkrankt der Magen, ist damit aber auch das Kraftwerk des gesamten Organismus gestört, das Speisen speichert, aufbereitet, weiterleitet und mittels der Magensäure Krankheitserreger abtötet. Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüre, chronische Gastritis bis hin zu Magenkrebs können den Magen quälen.

Was macht uns krank?

Früher sah man Stress als größtes Risiko – heute gilt das Bakterium Helicobacter pylori als Hauptauslöser von chronischer Gastritis, Geschwüren und selbst Magenkrebs. Etwa 20 Prozent der unter 40-Jährigen sind mit dem Magenkeim infiziert, bei den über 60-Jährigen ist jeder Zweite betroffen. Außerdem reagiert der Magen empfindlich auf Schmerzmittel, wenn man sie zu häufig und zu hoch dosiert einnimmt.

Gibt es Warnzeichen?

Die gute Nachricht: Magenverstimmungen sind meist harmlos, die Beschwerden klingen schnell wieder ab. Aufmerksam sollte man werden, wenn etwa saures Aufstoßen gehäuft auftritt, zum Beispiel nach zu viel Alkohol, Zigaretten oder zu scharfem Essen. Wer dann diese Ursachen nicht abstellt, riskiert, dass das Sodbrennen chronisch wird. Im schlimmsten Fall kann es sogar zu Speiseröhrenkrebs führen. Beobachten sollte man auch ständiges Völlegefühl, Druckschmerz im Oberbauch, Appetitlosigkeit und Übelkeit. Diese Symptome weisen auf eine Gastritis, ein Geschwür oder eine Lebererkrankung hin.

Wie wird behandelt?

Bei hartnäckigen Beschwerden aufgrund einer Helicobacter-pylori-Infektion werden Antibiotika eingesetzt, die die Besiedelung des Magens mit diesem Keim zerstören. Der Schmerzmittel-Einsatz sollte überprüft und mit dem Arzt über Alternativen gesprochen werden. Um bei Sodbrennen Magensäure zu reduzieren, werden sogenannte Protonenpumpeninhibitoren (PPI) verabreicht. Prokinetika fördern die Muskelaktivität des Magens.

Was schützt den Magen?

Entspannung kann Stress abbauen. Nehmen Sie sich Zeit für Ihre Mahlzeiten. Der Magen liebt ballaststoffreiche Ernährung mit viel Gemüse, Obst und Vollkornprodukten. Das schützt vor Entzündungen. Essen Sie, was Ihnen schmeckt, aber belasten Sie Ihren Magen nicht mit zu scharfem oder zu fettigem Essen. Und stärken Sie Ihre Bauchmuskeln, dann sind Beschwerden seltener.

Die Leber


Die Leber sehnt sich nach der Fastenzeit

Wenn wir nach unseren wichtigsten Organen gefragt werden, belegen meist Herz, Hirn und Magen die vorderen Plätze, die Leber aber wird oft vergessen. Ähnlich verhält es sich mit Lebererkrankungen: Sie äußern sich zunächst so unauffällig, dass wir sie lange ignorieren. Dabei können wir ohne Leber nur wenige Stunden überleben und würden innerlich verbluten. Sie verarbeitet Nährstoffe, entgiftet unseren Organismus und ist am Auf- und Abbau von Hormonen beteiligt. Zudem produziert sie lebenswichtige Eiweiße wie den roten Blutfarbstoff Hämoglobin, dazu Albumin, das die Blutflüssigkeit in den Blutgefäßen hält, sowie weitere für die Blutgerinnung notwendige Stoffe. All diese lebensnotwendigen Funktionen kann die Leber auch erfüllen, wenn nur ein Drittel von ihr arbeitet. Eine Fähigkeit, die Zirrhose-Patienten zugute kommt.

Was macht uns krank?

Alkohol, Fett, Gifte oder Viren (Hepatitis) können der Leber schaden, sie greifen in den Stoffwechsel ein. Dadurch entstehen freie Sauerstoffradikale, die wiederum die Leberzellen zerstören. So können Alkohol sowie kalorien- und fettreiche Nahrung zu einer Fettleber führen. Eine kleine Berufsgruppe muss mit einer zusätzlichen Gefahr leben: Wer regelmäßig mit Schadstoffen aus Lösungs- oder Pflanzenschutzmitteln in Kontakt kommt, hat ein höheres Risiko, an einer Zirrhose oder sogar an Krebs zu erkranken.

Gibt es Warnzeichen?

Die Symptome bei Lebererkrankungen sind oft undramatisch. Ärzte sagen: Der Schmerz der Leber ist die Müdigkeit. Die Patienten klagen über Abgeschlagenheit, Appetitmangel oder einen Blähbauch. Deutlichere Hinweise gibt es dennoch: Eine Gelbfärbung der Haut und der Augen, Juckreiz, dunkler Urin und heller Stuhl weisen auf Erkrankungen der Leber hin. Alarmzeichen für eine Leberzirrhose (Schrumpfleber) sind Leistungsabfall, Infektanfälligkeit, Müdigkeit, Gewichtsverlust, Juckreiz und Blutungsneigung. Das Blut kann sich bei einer Zirrhose zudem vor der Leber stauen und sogenannte Umgehungskreisläufe, etwa über die Venen der Speiseröhre, bilden. Diese können durch den erhöhten Druck platzen und zu lebensgefährlichen Blutungen führen. Ein unbestimmtes Druckgefühl unter dem rechten Rippenbogen kann auf eine Fettleber hindeuten – erst wenn die Leber derart vergrößert ist, dass sich ihre Bindegewebshülle spannt, hat man dieses dumpfe Empfinden. Die Leber selbst meldet keinen Schmerz, denn in ihrem Inneren hat sie keine Nerven.

Wie wird behandelt?

Bei einer Schädigung der Leber gelangen bestimmte Eiweiße aus den Zellen in das Blut. Erhöhte Leberwerte geben deshalb wichtige Hinweise auf Art und Ausmaß der Erkrankung. Mit Hilfe von Blutuntersuchung und Ultraschall stellt der Arzt rasch die Diagnose. Die Therapie hängt von den Ursachen der Erkrankung ab. Sind Alkohol oder Medikamente die Auslöser, gilt für beide ab sofort ein strenges Verbot. Eine Fettleber reduziert sich so bereits nach vier bis acht Wochen Abstinenz auf Normalmaß. Sie kann zu 100 Prozent geheilt werden. Eine Schrumpfleber hingegen kann sich nicht zurückbilden, aber ihre Entwicklung lässt sich stoppen. Präparate mit Mariendistel- Extrakt können die Leber schützen. Medikamente, die gezielt gegen Lebererkrankungen wirken, gibt es nicht. Eine Ausnahme bilden Virushemmer gegen Hepatitis. Ist die Infektion akut, gelten zudem Alkoholverbot und Bettruhe. Bildet sich aus der Hepatitis-Infektion eine Zirrhose oder Krebs, kann meist nur noch eine Transplantation das Leben retten.

Was schützt die Leber?

Erste Regel: Lebergifte einschränken oder besser ganz meiden! Alkohol sollte man nur in Maßen genießen. Frauen sollten nicht mehr als einen viertel Liter Bier bzw. einen achtel Liter Wein am Tag trinken. Eine gesunde fettarme Ernährung mit viel Obst, Gemüse und Ballaststoffen beugt vor. Auch Fasten entlastet. Lebensmittel, bei denen Sie Schimmelpilze vermuten, sollten Sie wegwerfen. Besonders auf Nüssen, Pistazien oder Mandeln bilden sich krebserregende Gifte. Lebensmittel mit hohem Bitterstoffanteil wie Artischocken und Radicchio helfen, Fett besser zu verarbeiten.

Der Darm


Der Darm muss auf Trab gehalten werden

Wer je in einem urbayerischen Gasthaus die Toiletten aufgesucht hat, kennt den zünftigen holzgeschnitzten Wandspruch: „Wenn’s Arscherl brummt, ist’s Herzerl g’sund“ – und war vielleicht etwas pikiert, denn über so etwas spricht man schließlich nicht. Dabei sollte der Darm besser kein Tabuthema sein, da sonst Erkrankungen dieses Organs verschleppt werden, weil es einem peinlich ist. Auch wenn der Wandspruch nicht wissenschaftlich bewiesen ist, spricht einiges dafür, dass der Darm für unsere Gesundheit eine wichtige Rolle spielt. In den Darmschleimhäuten befinden sich rund 70 Prozent der Abwehrzellen des Organismus. Sie erkennen gefährliche Mikroben, machen sie unschädlich. Der Darm ist also nicht nur für unsere Nährstoffversorgung und den Abtransport von Nahrungsresten zuständig, sondern auch für unsere Immunabwehr. Ist der Darm gesund, wirkt sich das positiv auf den ganzen Organismus aus. Leider ist er jedoch anfällig für eine Vielzahl von Erkrankungen, die häufig erst spät erkannt werden. Das kann im schlimmsten Fall, etwa bei Darmkrebs, lebensbedrohlich sein.

Was macht uns krank?

Jeder leidet mal unter einer Darmverstimmung, die meist von allein wieder verschwindet. Blähungen kommen bei jedem Menschen vor, insbesondere nach dem Genuss von schwer verdaulichen Lebensmitteln wie Hülsenfrüchten oder Kohl. Doch hinter scheinbar harmlosen Beschwerden können sich auch ernsthafte Erkrankungen verbergen. Darmkrebs zeigt in frühen Stadien eher unspezifische Symptome. Jedes Jahr sind in Deutschland mehr als 70 000 Menschen von dieser Diagnose betroffen. Darmbeschwerden sollte man deshalb besondere Aufmerksamkeit schenken, wenn bereits mehrere Familienmitglieder an Krebs erkrankt sind oder Darmpolypen haben. Vor allem, wenn die Krankheit bei ihnen vor dem 50. Lebensjahr ausgebrochen ist. Auch bei chronischen Entzündungen der Darmschleimhaut wie etwa Colitis ulcerosa oder Morbus Crohn können erbliche Faktoren im Spiel sein.

Gibt es Warnzeichen?

Der Darm arbeitet unbemerkt und wird erst wahrgenommen, wenn etwa Blähungen, Durchfall oder Verstopfung auftreten. Deshalb suchen Betroffene häufig erst spät ärztlichen Rat. Dieses Verhalten kann dazu führen, dass Krankheiten chronisch werden. Oder – im Fall von Darmkrebs – so weit fortschreiten, dass eine Heilung kaum mehr möglich ist. Alarmsignale, die Sie nicht ignorieren sollten: Blut im Stuhl, Änderung der Stuhlgewohnheiten – Wechsel von Verstopfung zu Durchfall oder umgekehrt –, bleistiftdünner Stuhl, Gewichtsverlust und anhaltende Schmerzen. Der Arzt muss klären, ob ein Reizdarm, Morbus Crohn, Colitis ulcerosa oder sogar Darmkrebs vorliegt.

Wie wird behandelt?

Bei leichteren Beschwerden wie Durchfall helfen stopfende Lebensmittel oder Loperamid, bei akuter Verstopfung werden sogenannte Laxantien eingesetzt. Bei vielen Beschwerden zeigen auch Akupunktur und Homöopathie positive Wirkung. Bei bösartigen Tumoren kommen Operation, Strahlenoder Chemotherapie infrage. Je nach Lokalisation im Darm und dem Tumorstadium werden diese Therapieformen kombiniert.

Was schützt den Darm?

Eine ballaststoffreiche Ernährung mit viel Vollkornbrot, Vollkornreis, Obst, Hülsenfrüchten und Gemüse hält den Darm auf Trab und verkürzt die Verdauungszeit. Damit die Ballaststoffe auch gut aufquellen können, sind täglich mindestens eineinhalb bis zwei Liter Flüssigkeit nötig, sonst kann es zu Verstopfung kommen. Bewegung, etwa eine halbe Stunde spazieren gehen, regt den Darm zudem an. Studien aus den USA belegen, dass Ausdauersport wie Laufen, Walken oder Radeln das Darmkrebs-Risiko halbieren kann. Wenn Sie gerne Gegrilltes essen, achten Sie darauf, dass kein Fett in die Glut tropft. So verhindern Sie, dass sich krebserregende polyzyklische Kohlenwasserstoffe bilden. Die beste Prävention gegen Darmkrebs ist jedoch die Früherkennung. Ab 50, spätestens ab 55 empfiehlt sich jährlich ein Test auf verstecktes Blut im Stuhl und alle fünf Jahre eine Darmspiegelung.

Die Hüfte


Die Hüfte will unbedingt schlank bleiben

Nach vorn, nach hinten, zur Seite – dass unser Bein derart bewegt werden kann, haben wir den beiden Tischtennisball-großen Kugelgelenken zu verdanken, die sich in der Pfanne des Beckenknochens relativ frei bewegen können. Aufgrund dieser Mobilität sind die Gelenke gleichzeitig anfällig für Verschleiß. Sprich: schmerzhafte Knorpelabnutzungen (Arthrose). Aber selbst wenn man noch keine Schmerzen spürt, kann die Hüfte schon in Gefahr sein. Denn mit zunehmendem Alter werden Knochen porös (Osteoporose) – die Gefahr von Knochenbrüchen steigt. Besonders gefährdet: der fragile Oberschenkelhals.

Was macht uns krank?

Übergewicht fördert Arthrose. Und bei Untergewicht steigt die Osteoporose- Gefahr. Schwere körperliche Arbeit, aber auch Bewegungsmangel erhöhen das Risiko für beide Erkrankungen. Für Knochenschwund ist auch der Östrogenmangel nach den Wechseljahren verantwortlich. Weitere Risiken: Nikotin, zu wenig Aufenthalt im Freien, Stoffwechselstörungen und Langzeitbehandlung mit Kortison.

Gibt es Warnzeichen?

Osteoporose entwickelt sich oft unmerklich. Typisch für Arthrose sind Schmerzen in der Hüfte, die in Gesäß, Rücken und Oberschenkel ausstrahlen, sowie ein nur noch eingeschränkt bewegliches Hüftgelenk.

Wie wird behandelt?

Bei Osteoporose helfen Medikamente, die zum Beispiel Bisphosphonat-Verbindungen enthalten. Östrogene werden nur noch in Ausnahmefällen verordnet. Hüftgelenksarthrose behandelt man mit Krankengymnastik und Antirheumatika. Ist der Verschleiß weit fortgeschritten, muss operativ eingegriffen werden.

Was schützt die Hilfe?

Gegen altersbedingte Arthrose gibt es kein Wundermittel. Durch Sport und Normalgewicht erhöht man die Chancen auf Beschwerdefreiheit. Das Osteoporose-Risiko hängt vor allem davon ab, wie viel Kalzium wir in jungen Jahren gegessen haben. Aber auch später hat man noch Einfluss auf die Knochenstabilität. Sport (vor allem Krafttraining, Tanzen oder Nordic Walking) und eine ausreichende Kalzium- und Vitamin- D-Aufnahme reduzieren das Bruchrisiko. Kalziumreich sind Milchprodukte, grünes Gemüse, viel Mineralwasser. Vitamin D bildet der Körper unter Tageslicht (ideal sind 30 Minuten im Freien pro Tag). Das Vitamin steckt auch in fettem Meeresfisch (zwei- bis dreimal wöchentlich eine Portion ). Gegebenenfalls ist die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln sinnvoll. Nur in Maßen genießen sollte man phosphatreiche Lebensmittel wie Kaffee, Cola und Fast Food – sie hemmen die Kalziumeinlagerung in den Knochen.

Die Muskeln


Die Muskeln sollten viel zu tun haben

Muskeltraining ist nur etwas für Bizeps- und Trizeps-Fans? Falsch. Mit jeder Bewegung – das heißt: mit jeder Muskelaktivität – schützen wir unseren Körper vor Alterungsprozessen. So haben wir zum Beispiel ein deutlich geringeres Demenz-Risiko, wenn wir regelmäßig Sport treiben.

Was macht uns krank?

Wer sich nicht bewegt, hat einen niedrigen Glukoseverbrauch, weil Muskeln diesen Kraftstoff aus der Nahrung nur benötigen, wenn sie arbeiten. Sind sie inaktiv, bleibt ungenutzte Glukose im Blut, der Blutzuckerspiegel steigt, auf Dauer führt das zu Diabetes. Außerdem wird überschüssige Glukose in Fettpolster umgewandelt. Auch die Blutfettwerte erhöhen sich durch fehlende Bewegung. Es kommt zu gefährlichen Ablagerungen in den Arterien, die Herzinfarkt und Schlaganfall verursachen können. Zudem wird das Stresshormon Cortisol nicht mehr richtig abgebaut und schädigt auf Dauer die Gefäße. Weitere Folge: Bei körperlicher Inaktivität produzieren die Muskeln weniger von dem entzündungshemmenden Botenstoff Interleukin 6. Dadurch erhöht sich das Risiko für entzündungsbedingte Krankheiten wie Rheuma. Ohne Muskelarbeit wird mit dem Alter außerdem das Immunsystem schwächer – Erkältungen können leichter zur chronischen Bronchitis werden. Und: Bewegungsmangel gilt als Hauptursache für Rückenschmerzen.

Gibt es Warnzeichen?

Ja, und zwar ganz eindeutige: Schnelles Schlappmachen bei geringen körperlichen Anstrengungen wie Treppensteigen zeigt an, wie schwach unsere Muskeln sind.

Wie wird behandelt?

Auch das ist eindeutig: indem man sich bewegt (siehe nächster Punkt).

Was schützt die Muskeln?

Die Mindestdosis Bewegung liegt bei zwei Stunden pro Woche, verteilt auf vier Tage. Sinnvoll sind Ausdauersportarten, aber auch solche, bei denen die Muskeln gezielt trainiert werden. Dazu zählen zum Beispiel Rückengymnastik, Krafttraining oder auch Yoga. Besonders die tief liegende Rückenmuskulatur, die man spürt, wenn man im Schneidersitz mit gestreckten Armen „Äpfel pflückt“, braucht regelmäßige Impulse.

Kleine Schritte, grosse Wirkung


Kleine Schritte, grosse Wirkung

20 Jahre 40 bleiben ist machbar, behauptet Professor Ingo Froböse. Der Sportwissenschaftler empfiehlt, mit kleinen Veränderungen im Lebensstil anzufangen

Seit Monaten steht sein Buch „Versteckte Krankheiten“ auf den Bestseller-Listen. Der Autor Ingo Froböse, Professor an der Sporthochschule Köln, trifft damit genau den Nerv unserer Zeit. Wir wollen selbst etwas tun, um gesund zu bleiben. Weil die wichtigste Erkenntnis der letzten Jahre ist: Wer mögliche Krankheitsherde erkennt und bekämpft, beugt langfristig irreparablen Schäden vor und altert zudem langsamer.

Herr Froböse, wie können sich Krankheiten verstecken?

Sie verstecken sich nicht direkt, sie kommen meist schleichend in unser Leben und wir ignorieren sie zunächst. Wir akzeptieren, dass wir mit dem Älterwerden auch leistungsschwächer werden. Doch das ist gar nicht nötig.

Wie können wir uns wehren?

Nehmen wir das Beispiel Altersflecken. Sie sind kein notwendiges Zeichen der Alterung, sondern ein Indiz, dass mit der körperlichen Entgiftung etwas nicht stimmt. Da muss man den Grund ausfindig machen und etwas dagegen tun. Ein anderes Beispiel: Treppensteigen. Wenn es zunehmend schwerer fällt, liegt das nicht zwangsläufig am Alter. Es zeigt, dass unser Stoffwechsel nicht so funktioniert, wie er eigentlich könnte.

Es geht also nicht um Krankheiten, sondern um kleine Veränderungen?

Richtig. Man sollte aber aufmerksam sein, wenn das eigene Leistungsvermögen geringer wird. Entscheidend ist es, sich für seinen Körper zu sensibilisieren, Schwachstellen ausfindig zu machen und dann angemessen zu reagieren. Internationale Studien zeigen, dass 70 Prozent unserer körperlichen Entwicklung im Laufe des Lebens mit unserem Lebensstil zusammenhängen. Nur 30 Prozent hängen von den Genen ab.

Also bin ich selbst schuld, wenn meine Leistungskurve bereits mit Mitte 30 nach unten zeigt?

Das kann man so sagen. Primär ist körperliche Unterforderung schuld an den meisten Zivilisationskrankheiten. Aber weder Sie noch irgendjemand sonst muss diese Veränderungen akzeptieren. Sogenannte alte Fitte zeigen uns, dass es auch anders geht und man sich seine Leistungsfähigkeit bewusst erhalten kann. Der Spruch „20 Jahre 40 bleiben“ hat da absolut seine Berechtigung.

Und wie bleibe ich die nächsten 20 Jahre 40?

Ganz einfach: mit der richtigen Ernährung und ausreichend Bewegung. Eine amerikanische Studie ergab beispielsweise, dass Skilangläufer im Durchschnitt sechs bis acht Jahre länger leben und ihr körperlicher Verfall am Ende des Lebens kürzer dauert. Sie sterben sozusagen gesünder.

Wie setze ich das in meinem Leben um?

So erstaunlich es klingt: mit Stress. Was der Körper braucht, ist positiver Stress, zum Beispiel durch Sport. Ungewohnte Leistungen überfordern den Körper und es entsteht ein Defizit. Beim nächsten Mal wird der Körper versuchen, dieses Defizit auszugleichen. Indem die Muskeln mehr leisten. Der amerikanische Sportärzte- Verband empfiehlt deshalb: etwa 20 Minuten körperliche Aktivität pro Tag, um den Körper ausgeglichener und widerstandfähiger zu machen. Für den Alltag heißt das: Ein etwa zwei Kilometer langer strammer Spaziergang am Tag reicht schon aus. Oder Sie teilen es in drei Portionen: morgens ein Stück zur Arbeit gehen, in der Mittagspause einen Gang um den Block und abends wieder zurück. Es sollten aber mindestens zehn Minuten am Stück sein, weil die Stoffwechselprozesse im Körper erst nach etwa drei bis sechs Minuten einsetzen.

Ist es nicht dennoch schwer, diese Aktivitäten sein Leben lang durchzuhalten?

Nein, es geht um kleine Schritte und kleine Veränderungen im Lebensstil. Eine gute Anregung ist es, bewusst eine Kleinigkeit in seinem Leben zu verändern. Man muss nur einen Schalter im Kopf umlegen.

Aber es fällt doch schwer, lieb gewonnene Gewohnheiten aufzugeben?

Das ist der falsche Blickwinkel. Wenn es darum geht, sich etwas abzugewöhnen, steht häufig im Vordergrund, dass man etwas verliert, und genau das stimmt nicht. Es steckt auch immer ein Gewinn darin. Zum Beispiel das Rauchen. Natürlich empfinden Menschen da zuerst einen Verlust. Aber viel wichtiger ist doch, dass der Stoffwechsel dann wesentlich besser funktioniert und dass man mehr Energie hat. Da müssten auch Ärzte umdenken. Man motiviert Patienten viel eher mit positiven Beispielen als negativ oder mit Drohungen.

Brauchen Sie denn Motivation?

Haben Sie noch mit einem inneren Schweinehund zu kämpfen? Doch, ich kenne meinen inneren Schweinehund. Er heißt Uwe und hat die Klappe zu halten, wenn ich etwas für mich tue. Ich habe ein klares Zeitfenster für Sport, und Uwe weiß, dass er mich dann nicht stören darf.

Anti-Stress Strategien


Anti-Stress Strategien von Ingo Froböse

Chronische Überlastung ist eine der Hauptursachen für vorzeitiges Altern und viele Krankheiten. Wenn Sie diese kleinen Entspannungs- Rituale regelmäßig durchführen, bekommen Sie Stress dauerhaft in den Griff:

Das Atemritual

Gleicht aus und belebt: Aufrecht hinsetzen, tief in den Bauch atmen. Ausatmen, dabei den Atem langsam und kräftig ausströmen lassen. Viermal. Denken Sie beim Einatmen: „Ich nehme Energie auf ...“, beim Ausatmen: „... und gebe Stress ab“.

Das Nackenritual

Bewusste Anspannung entspannt: Locker hinsetzen, Schultern so fest es geht zu den Ohren ziehen, die Spannung fünf Sekunden halten. Dann die Schultern locker herunterfallen lassen und den entspannten Zustand genießen. Mehrmals wiederholen.

Das Distanzritual

Kleine Auszeit für die Nerven: Einen ruhigen Platz suchen, Augen schließen. In bequemer Position den Gedanken freien Lauf lassen und nach Lösungen suchen.

Blaues Auge
Rund 100 000 Deutsche können jedes Jahr nach dem kurzen Eingriff die Brille vergessen. Doch nicht für jeden kommt die OP infrage.
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