Confirmation Bias: Daran erkennen Sie die Wahrnehmungsstörung

Confirmation Bias: Daran erkennen Sie die Wahrnehmungsstörung

Egal, mit wem Sie über Ihre Sorgen sprechen – Sie fühlen sich immer in Ihren Ängsten bestätigt? Was auch immer Ihr Gegenüber sagt, nichts bringt Sie von Ihren Gedanken ab? Dabei kann es sich natürlich um reine Sturheit handeln – möglich ist aber auch, dass Sie Opfer des sogenannten Bestätigungsfehlers sind, auch Confirmation Bias genannt. Woran Sie dies erkennen und woher das kommt, lesen Sie hier.

Was ist der Confirmation Bias?

Der sogenannte Confirmation Bias gehört psychologisch zu den Wahrnehmungsfehlern. Dieser drückt aus, dass sich Menschen immer bestätigt fühlen – bei allem, was sie sagen und denken. Dabei spielt es keine Rolle, wie überzeugend oder korrekt die Argumente der anderen sind. Alles wird so interpretiert, dass es zur eigenen Annahme passt. Dies passiert automatisch und unterbewusst – und zwar bei jedem von uns mehr oder weniger stark.

Das Problem dabei? Unsere Wahrnehmung blendet andere Informationen aus, um unsere Sicht zu bestätigen. So können sich Meinungen und Vorurteile hartnäckig halten, ohne aus der Welt geschafft werden zu können. Auch Streitereien, politische Extreme, Verschwörungen und Ängste nehmen so zu.

Das Phänomen ist auf Social Media besonders häufig zu entdecken – hier sehen wir immer wieder den Content, der uns und unsere Meinung bestätigt. Unbewusst suchen wir gezielt danach. Der Algorithmus reagiert dann darauf, erkennt unser Muster und tut sein Übriges, um uns weiter zu bestätigen. Hat jemand Vertrauensprobleme und befürchtet grundlos, vom Partner betrogen zu werden – so sieht er ständig Videos und Beiträge über betrogene Personen, Beziehungsprobleme und mögliche Warnzeichen. So steigern wir uns immer mehr in unsere Probleme hinein, egal, wie irreal diese auch sein mögen.

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3 Anzeichen, dass Sie unter Confirmation Bias leiden

1. Ihre Befürchtungen werden immer wahr

Der Schiedsrichter beim Fußball pfeift immer gegen Ihre Lieblingsmannschaft. Und natürlich bemerken Sie beim nächsten Spiel mindestens ein Foul, das auch dieser Schiedsrichter mal wieder nicht gesehen hat.

In diesem einen Restaurant sind die Kellner immer wahnsinnig unfreundlich. Selbst, wenn dann Ihre Bedienung mal freundlich sein sollte, fällt Ihnen auf, dass der Barkeeper einen grimmigen Blick drauf hat.

Kommen Ihnen solche Situationen bekannt vor? Wer sich fühlt, als sei er vom Pech verfolgt, weil seine Befürchtungen immer wahr werden, sollte nicht vom Zufall ausgehen. Vielleicht liegt dies an selektiver Wahrnehmung.

2. Ihre Wahrnehmung unterscheidet sich oft von anderen

Ecken Sie mit Ihrer Wahrnehmung oft bei anderen an? Das kann natürlich daran liegen, dass Sie kontroverse Ansichten haben. Wer aber selbst bei alltäglichen und neutralen Feststellungen bemerkt, dass sein Umfeld diese Dinge ganz anders sieht – und zwar mehrheitlich – sollte in Betracht ziehen, dass die Wahrnehmung der anderen korrekter sein könnte, als die eigene.

Sie sind zum Beispiel unzufrieden mit Ihrem Aussehen – während Ihr Partner, Ihre Freunde und Ihre Familie Ihnen versuchen zu erzählen, wie attraktiv Sie sind? Glauben Sie doch einfach mal den anderen!

3. Im Nachhinein merken Sie, dass Sie Unrecht hatten

Bei all den Polizeimeldungen, die Sie täglich aus Ihrer Umgebung lesen, kann die Kriminalitätsrate ja nur gestiegen sein. Doch laut Statistik ist dies am Ende des Jahres gar nicht der Fall?

Manche Wahrnehmungsfehler lassen sich direkt mithilfe von Fakten und Zahlen entlarven. Bemerken Sie häufiger, dass Ihre eigene Wahrnehmung nicht den Tatsachen entspricht, ist dies ebenfalls ein Hinweis auf einen ausgeprägten Confirmation Bias.

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Wie gefährlich ist der Confirmation Bias?

Der Confirmation Bias ist nicht per se schlecht. Der natürliche Sinn dieser Neigung liegt darin, Bekanntes und Vertrautes als korrekt einzustufen. Wer einmal etwas auf diese Weise etwas erfolgreich getan hat, wird es auch beim zweiten Mal tun. Dank des Confirmation Bias können wir viel einfacher und schneller Entscheidungen treffen – er ist also wichtig für einen funktionierenden Alltag.

Allerdings kann die Wahrnehmungsverzerrung gefährlich werden, wenn sie uns in gefährlichen Dingen bestätigt. Besonders auf die psychische Gesundheit kann sich das Phänomen negativ auswirken. Menschen mit Angststörungen werden sich in ihren Ängsten (z.B. Flugangst) immer wieder bestätigt fühlen. Auch Ängste vor Krankheiten, also hypochondrische Neigungen, werden durch Confirmation Bias verstärkt und können so die Entstehung von tatsächlichen Krankheiten begünstigen. Des Weiteren werden Menschen mit Depressionen oder Essstörungen stark in ihren negativen und verqueren Ansichten bestärkt.

Was kann man gegen den Confirmation Bias tun?

Laut Sozialpsychologe Roland Imhoff reicht es leider nicht, sich der Existenz des Wahrnehmungsfehlers bewusst zu sein und auf ihn zu achten.

Das funktioniert nicht, weil wir gar nicht genau wissen, wann der Confirmation Bias wie stark auftritt. Das müssten wir aber wissen, um im richtigen Maße gegensteuern zu können.

Was laut dem Experten aber helfen würde, sei die sogenannte Gegenteil-Strategie.

Das heißt, sich aktiv damit zu beschäftigen, ob nicht genau das Gegenteil wahr sein könnte,

erklärt Imhoff. Um gegen den Confirmation Bias anzukommen, muss man sich also in die gegnerische Position versetzen und überlegen, wie diese argumentieren würde. Was würde wohl die gegnerische Fußballmannschaft über den Elfmeter sagen? Was könnte mein Partner in diesem Streit aus seiner Sicht der Dinge denken?

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