27. April 2020
Gesundheit: Osteoporose - Vitamine K und D besser als Milch?

Osteoporose: Warum die Vitamine K und D besser sein sollen als Milch

Über 6 Millionen Frauen leiden hierzulande unter Osteoporose. Wie der krankhafte Knochenabbau entsteht, warum die Vitamine K und D hilfreicher sind als Milch, erläutert Dr. Martin Rinio, ärztlicher Direktor der Gelenk-Klinik Gundelfingen, im Experten-Interview.

Osteoporose Vitamin K
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Osteoporose: Warum die Vitamine K und D besser sein sollen als Milch

Experten-Interview zum Thema: Osteoporose: Weshalb die Vitamine K und D besser sind als Milch

Dr. Martin Rinio
© Dr. Martin Rinio
Experte im Interview: Dr. Martin Rinio ist Facharzt für Orthopädie, Chirurgie und Unfallchirurgie sowie ärztlicher Direktor der Gelenk-Klinik Gundelfingen
Herr Dr. Rinio, Mediziner empfehlen neuerdings die kombinierte Gabe von Vitamin D3 mit Vitamin K2. Bringt das wirklich etwas?

Ja, diese Kombination ist äußerst sinnvoll. Denn Vitamin K2 sorgt maßgeblich dafür, dass Kalzium in den Knochen und nicht in anderem Gewebe eingelagert wird. Entsprechende Präparate sind in der Apotheke erhältlich.

Wie entscheidend ist Vitamin D generell beim Schutz gegen Osteoporose?

Eine ausreichende Vitamin D-Versorgung ist Basis jeder effizienten Osteoporose-Prävention. Deshalb bitte möglichst viele Spaziergänge bei Sonnenlicht unternehmen. Durch das Licht im Freien bildet sich Vitamin D 3 in der Haut, was die Einlagerung von Kalzium im Knochen fördert.

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Und wie kann ich durch mein Essen nachhelfen?

In nennenswerter Menge ist Vitamin D3 in Seefisch (etwa Hering oder Makrele), in Leber oder Eigelb enthalten. Um den Knochenstoffwechsel zu beeinflussen, ist zudem kalziumreiche Ernährung außerordentlich wichtig. Denn so lässt sich das Risiko von Knochenbrüchen senken. Auch wenn das Leitungswasser in Deutschland von hervorragender Qualität ist, so kann ein kalziumreiches Mineralwasser zusätzlich unterstützend wirken.

Wie sollte ich mich ernähren, wenn ich bereits an Osteoporose leide?

Grundsätzlich empfiehlt sich eine ausgewogene, vitaminreiche Kost. Diese sollte möglichst wenig Fleisch und Fett, dafür aber reichlich Obst und Gemüse enthalten. Wichtig für die Gesundheit der Knochen sind zudem Spurenelemente wie etwa Magnesium (enthalten unter anderem in Fisch und Hülsenfrüchten), Zink (enthalten u.a. in Geflügel und Vollkornprodukten) sowie Carotinoide (enthalten u.a. in Karotten und roter Paprika).

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Welche Lebensmittel sollte man meiden, wenn man unter Osteoporose leidet?

Phosphatreiche Lebensmittel wie Wurst sollten vom Speiseplan weitgehend verbannt werden. Denn das sind wahre Kalziumräuber. Zurückhaltung ist auch beim Konsum von Alkohol und Tabak ratsam. Und auch Milch ist nur bedingt hilfreich: Wurde bisher im Zusammenhang mit Osteoporose stets die Zufuhr von Milch empfohlen, so stellen neue Studien diese Empfehlung infrage. Denn Milch enthält zwar tatsächlich reichlich Kalzium, aber auch Phosphor, das die Kalziumaufnahme im Darm hemmt.

Was kann ich im Alltag noch tun?

Ganz wichtig ist tägliche Bewegung. Egal ob ich gehe, laufe, Fahrradfahre oder Kraftsport betreibe: Hauptsache ist, ich mache es regelmäßig. Denn dadurch fördere ich Durchblutung und basische Verhältnisse in den Knochen. Grundsätzlich wirkt sich körperliche Bewegung positiv auf den Knochenbau aus. So hat eine Studie in den USA mit über 10.000 Seniorinnen gezeigt, dass Muskelaufbau durch moderates Krafttraining einer medikamentösen Osteoporose-Behandlung deutlich überlegen ist.

Wie entsteht eigentlich Osteoporose?

Ungefähr bis zum 30. Lebensjahr nehmen die Knochendichte und damit die Knochenmasse des Menschen zu. Danach beginnt der Körper, den Knochen langsam wieder abzubauen. Die Knochenstruktur verändert sich und die Tragfähigkeit des Knochens reduziert sich, was zu einer Instabilität des Skeletts führt. Dadurch sind Brüche (Frakturen) schon bei kleinsten Fehltritten möglich. Bereits ein Stolpern kann da zur Katastrophe, sprich einem Wirbelbruch führen. Betroffen sind meist Menschen in der zweiten Lebenshälfte.

Wie erkenne ich Osteoporose?

Dr. Rinio: Durch eine Knochendichtemessung erkennt der Facharzt den Knochenabbau. Besteht Verdacht auf eine Erkrankung, so lässt sich per Röntgenbild bei stark fortgeschrittener Osteoporose eine vermehrte Knochentransparenz im Vergleich zu gesunden Knochen feststellen.

Ab welchem Alter und wie häufig sollten Knochendichtemessungen durchgeführt werden?

Dr. Rinio: Männer sollten diese Vorsorgeuntersuchung ab 60 vornehmen lassen. Frauen hingegen bereits ab dem 50. Lebensjahr. Denn bei ihnen beschleunigt sich der natürliche Abbau durch die hormonelle Umstellung in den Wechseljahren dramatisch. Fast 30 Prozent sind nach der Menopause betroffen. Empfehlenswert sind in der Regel weitere Messungen nach zwei bis fünf Jahren, je nach Lebensumständen des Patienten.

Was tun bei leichter Osteoporose?

Dr. Rinio: Die medikamentöse Zufuhr von Vitamin D 3 ist unverzichtbarer Bestandteil jeder Osteoporose-Therapie. Dabei sollte die Dosierung entsprechender Nahrungsergänzungsmittel bei 1000 bis 2000 i. E. (Internationale Einheiten) täglich liegen, ausgehend von einem durchschnittlichen Körpergewicht. Nach neuesten Erkenntnissen ist, wie erwähnt, ein Kombinationspräparat aus Vitamin D 3 und K 2 sehr förderlich für die zusätzliche Einlagerung von Kalzium im Knochen.

Wann sind spezielle Medikamente (Bisphosphonate) erforderlich?

Dr. Rinio: In der Regel wird zunächst einmal wöchentlich hochdosiertes Vitamin D 3 (20.000 i.E.) gegeben. An den anderen Tagen der Woche Kalzium (1000 mg). Zeigt die Knochendichtemessung nach einem Jahr keine Verbesserung, so wird zu Biphosphonat oder Alendronsäure gewechselt. Vorab muss jedoch der Zahnarzt konsultiert werden, um jedwede Entzündung und somit die Gefahr einer möglichen Knochennekrose (umgangssprachlich: Knocheninfarkt) auszuschließen.

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