3. Februar 2021
Antworten auf die häufigsten Fragen an eine Frauenärztin

Frauenärztin beantwortet die am häufigsten gegoogelten Fragen

Manche Fragen brennen uns unter den Fingern, doch sie sind so intim, dass wir uns kaum trauen, sie zu stellen. Andere Fragen wiederum begegnen uns zwar ständig, doch eine eindeutige Antwort ist nicht zu finden... Zeit, mit Vorurteilen und Gerüchten aufzuräumen: Wir haben einer Frauenärztin die am häufigsten gegoogelten Fragen zum weiblichen Körper gestellt!

Sehr private Fragen recherchieren wir lieber im Internet, anstatt sie jemandem direkt ins Gesicht zu stellen. Verständlich – jedoch ist eine konkrete, seriöse Antwort so nicht immer einfach zu finden.

Wir haben die am häufigsten gegoogelten Fragen gesammelt und diese von einer Expertin beantworten lassen, die es wissen muss: Frau Dr. Mangler, Chefärztin der Klinik für Gynäkologie und Geburtsmedizin im Auguste-Viktoria-Klinikum in Berlin, klärt ein für allemal auf und räumt Gerüchte und Vorurteile aus dem Weg. Hier kommen die häufigsten Fragen rund um den weiblichen Körper.

Eine Frauenärztin beantwortet die am häufigsten gegoogelten Fragen

Liebe Frau Dr. Mangler, Sie beschäftigen sich tagtäglich mit dem weiblichen Körper. Wir freuen uns, dass Sie Ihre Expertise dafür einsetzen, Antworten auf häufig gestellte Fragen zu geben.

FS: Auch, wenn wir bereits wissen, dass jede Vulva anders aussieht, haben sich doch viele von uns doch schonmal gefragt: Sehen meine Schamlippen eigentlich normal aus?

Vielleicht können wir auch mal hinterfragen, ob das Wort unbedingt „Schamlippen” heißen muss – also etwas, wofür Frau sich schämen muss? Wer möchte, kann Vulvalippen sagen. Auch die Worte „große und kleine Schamlippen” sind eine Wertung und Einteilung in Kategorien, die oft nicht stimmen.
Hilfreicher ist es von inneren und äußeren Vulvalippen zu sprechen, denn bei vielen Frauen sind die inneren Vulvalippen größer, als die Äußeren und diese Frauen denken dann sofort, es stimme etwas nicht mit ihnen.

Vulvalippen können alle Formen und Längen haben, auch verschiedene Farben. Man kann sich dazu mal die Vulvagallery ansehen, eine Kunstausstellung, die die Vulva beleuchtet.
Am besten, man nimmt sich einen Spiegel und sieht sich die eigene Vulva ganz genau an und befriedet sich mit dem Aussehen. Es ist sicher normal. Man kann an der Vulva oder den Vulvalippen weder die Sexfrequenz noch sonst irgendetwas ablesen.
 

Neulich kam eine junge Frau, die sagte, ihr Freund hätte behauptet, man würde an ihren Vulvalippen sehen, dass sie schon mit ganz vielen Männern Sex gehabt hat. Das kann nicht stimmen.

Ich habe tausende Vulvalippen und Genitalbereiche von Frauen gesehen und kann sagen, dass alle verschieden aussehen und man an der Form oder Farbe oder Größe nichts ablesen kann. Die Wertung der Vulvalippen dient nur dazu, uns Frauen mit unserem Äußeren zu beschäftigen, anstelle von wirklich wichtigen Dingen.

FS: Neben der Optik gibt es da auch noch eine andere Komponente, die viele Frauen verunsichert. Wie sollten wir im Intimbereich nun eigentlich riechen?

Jede Person riecht anders. Insgesamt riecht die Vulva etwas nach Lactobacillen, also ein bisschen wie Joghurt. Aber je nach Nahrung und Pflege verändert sich auch der Geruch bei ein und derselben Person.

Hinweis: Bemerken Sie plötzlich einen sehr strengen oder fischigen Geruch, kann es sich um eine Infektion handeln. Lassen Sie sich im Zweifelsfall einmal untersuchen.

FS: Wie viel und welche Art von Ausfluss ist normal?

Ausfluss besteht aus Zellen der Vulva und Vagina und der Flüssigkeit der Drüsen der Vagina und Vulva. Er tritt während des gesamten Zyklus auf. Er verändert sich in der Farbe und Konsistenz, am Ende des Zyklus ist er zum Beispiel weißlicher.

Ausfluss ist komplett normal! Kein Ausfluss ist unnormal. Am besten, man macht sich ein Bild vom eigenen Ausfluss, dokumentiert das in der eigenen Zyklusapp. Dann weiß man, was bei einem selber normal ist und was nicht.

Nur, wenn sich etwas ändert, dann ist es verdächtig auf eine Entzündung.

FS: Fast jede Frau hatte schon mal mit einem Scheidenpilz zu kämpfen. Was können wir tun, um ihm effektiv vorzubeugen?

Scheide ist übrigens auch gar kein so tolles Wort. In eine Scheide steckt man ein Schwert. Das Wort Vagina hingegen täuscht eine gewisse Autonomie vom Penis vor.

Also – vaginale Pilzinfektionen entstehen, wenn das vaginale Mikrobiom durcheinanderkommt. Das geschieht zum Beispiel, wenn man sich zu viel wäscht. Auch durch einseitige Ernährung kann ein Pilz entstehen, besonders durch viel Zuckerkonsum kann er gut wachsen. In der Schwangerschaft haben circa 30 Prozent aller Frauen Pilze in der Vagina.

Ebenfalls ein Risikofaktor für die Entstehung von Pilzinfektionen: Bestimmte Sexpraktiken wie das Wechseln von Analsex zu Vaginalsex. Verwenden Sie hier idealerweise immer ein neues Kondom.

FS: Waschen, wie oft, wo genau und mit oder ohne Pflegeprodukte: Welches Maß an Intimhygiene ist denn nun wirklich optimal?

Die Vulva (der äußere, sichtbare Bereich) kann man mit warmem Wasser und neutraler Seife Waschen. Die Vagina (der innere Part) auf keinen Fall waschen! Damit zerstört man die guten Bakterien des Mikrobioms. Je weniger Chemie an Vulva und Vagina, desto besser.

FS: Was hilft wirklich gegen starke Regelschmerzen? Haben Sie einen Expertentipp für uns?

Bei sehr starken Regelschmerzen sollte man eine Endometriose abklären, dagegen helfen manchmal gestagenhaltige Pillen.

Ansonsten gilt: Wärme, Akkupunktur, Akkupressur, Sport und Ruhe, gegebenenfalls Schmerzmittel. Das ist bei jedem etwas unterschiedlich. Probieren Sie aus, was Ihnen guttut.

FS: Viele Frauen, die einen Kinderwunsch haben, fragen sich: Wie werde ich am schnellsten schwanger?

Wer schnell schwanger werden möchte, sollte spätestens alle zwei Tage Sex haben – wenn es geht, den ganzen Zyklus hindurch. Das führt dazu, dass das Immunsystem der Frau sich an das genetisch fremde Material (Sperma) gewöhnt, und sich die Schwangerschaftsrate erhöht.

Wer möchte, kann noch Eisprung-Urin-Tests dazu verwenden. Dann weiß man, wann der Eisprung genau stattfindet.

Auf Rauchen zu verzichten, Sport zu treiben, eine gesunde Lebensweise anzustreben und eine ideale Schlafdauer (nicht zu viel, nicht zu wenig) hilft auch.

FS: Welche Vorsorgeuntersuchungen sollten Frauen auf keinen Fall bei der Frauenärztin verpassen?

Auf jeden Fall zumindest die jährlichen Krebsvorsorgeuntersuchungen und die Brustuntersuchungen.

FS: Müssen diejenigen unter uns, die sich in den Wechseljahren befinden, eigentlich noch verhüten?

Eher nicht. Es gibt nur sehr selten Schwangerschaften in dieser Zeit. Das kann aber natürlich individuell unterschiedlich sein. Wer auf Nummer sicher gehen möchte, sollte mit seiner Gynäkologin sprechen.

FS: Haben Sie einen Expertentipp gegen Hitzewallungen?

Eine gesunde Lebensweise, sprich ausreichend Sport, kein Übergewicht, kein Rauchen hilft. Auch gewisse Lebensmittel, wie zum Beispiel Soja können unterstützend wirken.

FS: Und wie sieht nach den Wechseljahren aus? Müssen wir dann überhaupt noch zur Gynäkologin?

Sie müssen unbedingt ganz besonders nach den Wechseljahren regelmäßig zu Ihrer Frauenärztin, da ein großer Teil der Krebserkrankungen in diesem Alter erst auftreten.

FS: Viele Userinnen fragen sich: Ist man schon harninkontinent, wenn man beim Lachen oder Niesen ein Tröpfchen Urin verliert?

Nein, das ist ganz normal. Nur, wenn man es ständig nicht halten kann, handelt es sich um eine Inkontinenz. Selbst da lässt sich aber noch viel machen, zum Beispiel mit Beckenbodentraining.

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