11. Mai 2012
Heilende Gartenkräuter

Heilende Gartenkräuter

Die beste Medizin wächst direkt vor der Haustür. Die Wirkung vieler Heilpflanzen ist den Menschen längst bekannt – und inzwischen auch wissenschaftlich belegt.

Heilkräuter
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Heilende Gartenkräuter
Kraut Sonnenhut
© Susanne Thurn
Sonnenhut: Sonnenhut

SONNENHUT unterstützt das Immunsystem

Wo er herkommt: Der Sonnenhut stammt aus Amerika, blüht aber auch bei uns in vielen Gärten. Wenn er am schönsten ist und sich seine purpurfarbenen Blätter nach oben recken, verströmt er keinen Duft. Erst wenn sie sich zurückbiegen, riecht er nach Honig. Dann wird das freiliegende Körbchen zur Anflugstelle von Bienen und Schmetterlingen. Nach der Bestäubung duftet der Sonnenhut nach Vanille. Was er kann: Als „Echinacea“ waren Extrakte bestimmter Sonnenhutarten in den USA schon vor 100 Jahren Bestseller. Die Mittel wurden vor allem zur Wundheilung, bei Harnwegsinfekten und bei Erkältung eingesetzt. Inzwischen gibt es Hunderte von Studien zur Wirkung auf das Immunsystem. Wie wir ihn heute nutzen: In Kombination mit Wildem Indigo und Lebensbaum (z.B. als rezeptfreies Fertigpräparat „Esberitox“ aus der Apotheke) scheint der Sonnenhut besonders effektiv zu sein. Studienteilnehmer mit Erkältungen wurden damit zwei bis drei Tage früher gesund als eine Vergleichsgruppe ohne Medikamente.

Kraut Traubensilberkerze
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Traubensilberkerze: Traubensilberkerze

TRAUBENSILBERKERZE stoppt Wechseljahrsprobleme

Wo sie herkommt: Nordamerikanische Indianerinnen verwenden die Traubensilberkerze („Cimicifuga“) traditionell gegen Regel- und Wechseljahrsbeschwerden. Was sie kann: Die Wirkung gegen Hitzewallungen und andere Probleme in den „heißen Jahren“ ist wissenschaftlich bestätigt. Untersuchungen der Universität Göttingen zeigten, dass der Pflanzenextrakt ganz anders wirkt als ein Hormon. Der Grund: Er beeinflusst im Gehirn die Nervenbotenstoffe Serotonin und Dopamin. Im Gegensatz zur „Hormonersatztherapie“ mit synthetisch hergestellten Östrogenen erhöhen die Extrakte daher nicht das Risiko für Krebs und Herzkrankheiten. Wie wir sie heute nutzen: Traubensilberkerzen-Präparate sollten Sie ausschließlich in Apotheken kaufen, um eine ausreichend hohe Dosierung zu bekommen (empfehlenswert ist z. B. das rezeptfreie „Remifemin“). Diese Mittel schützen zusätzlich die Knochen, wirken dem Abbau (Osteoporose) entgegen.

Kraut Wasserdost
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Wasserdost: Wasserdost

WASSERDOST beugt Erkältungen vor

Wo er herkommt: Auch der Wasserdost wurde zuerst von Schamanen als Heilmittel entdeckt. Sie kurierten mit ihm Fieber, Schmerzen und Erkältungen. In England galt er im 17. Jahrhundert kurioserweise als Hausmittel gegen Sommersprossen. Was er kann: „Xylane“ heißen die Substanzen des Astergewächses, welche die „Fresszellen“ des Immunsystems aktivieren können. Studien zeigen, dass Wasserdost-Präparate die Erkältungszeit halbieren. Sie wirken aber auch vorbeugend. Wie wir ihn heute nutzen: Apotheken bieten homöopathische Arzneimittel mit Wasserdost rezeptfrei an (z.B. „Contramutan“). Diese können problemlos mit anderen Mitteln gegen Erkältung und sogar mit Antibiotika kombiniert werden.

Kraut Rosskastanie
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Rosskastanie: Rosskastanie

ROSSKASTANIE gibt den Beinen Power

Wo sie herkommt: „Werden Rosscastanien genennt, dieweil sie den keichenden Rossen behülfflich seyn“, heißt es 1625 in den Schriften des Kräuterkundlers Tabernaemontanus. Damals wurden nämlich Pferde mit Kastanien gefüttert, wenn sie Husten oder Schnupfen hatten. Was sie kann: Die Samen enthalten viele Gerbstoffe und Flavonoide. Vor allem das sogenannte Aescin hilft gegen Entzündungen, stabilisiert die Gefäßwände und verbessert die Fließeigenschaften des Bluts. Wie wir sie heute nutzen: Rezeptfreie Rosskastanien-Mittel aus der Apotheke helfen gegen Krampfadern, Venenentzündungen, Hämorrhoiden, schwere Beine und Juckreiz.

Kräuter, die beruhigen


Kraut Baldrian
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Baldrian: Baldrian

BALDRIAN bringt guten Schlaf

Wo er herkommt: Schon die Römer kannten Baldrian als Heilpflanze, allerdings nicht als Schlafmittel. Damals empfahlen Heilkundige Baldrian-Tees bei Regelbeschwerden, Tuberkulose und Gicht. Was er kann: Die durch viele Studien belegte Baldrianwirkung als Einschlafhilfe lässt sich nicht an einem einzelnen Inhaltsstoff festmachen. Offenbar ist ein Zusammenspiel mehrerer Substanzen verantwortlich für den Effekt. Baldrian ist das ideale Mittel gegen Nervosität: Tagsüber eingenommen, ermüden die Pflanzenextrakte nicht, sondern entspannen nur. Abends fördert Baldrian das Einschlafen, ohne abhängig zu machen. Wie wir ihn heute nutzen: Rezeptfreie Präparate wie z. B. „Nervenruh Baldrian Forte 600“ (Apotheke) sind das Mittel der Wahl bei Schlafproblemen. Das Misstrauen gegenüber chemischen Schlafmitteln ist nämlich berechtigt. Nicht nur wegen der Gefahr der Abhängigkeit, sondern weil sie laut neuester Forschung zudem im Verdacht stehen, Krebs zu begünstigen. Statistisch erhöht sich das Risiko bereits, wenn man lediglich 18-mal pro Jahr zu solchen Schlaftabletten greift. Baldrian dagegen gilt als sicher.

Lavendel: Lavendel

LAVENDEL nimmt die Angst

Wo er herkommt: Zur Blütezeit ist die Luft in Südfrankreich erfüllt von würzigem Lavendelduft. Aroma und Farbe machen ihn zu einem beliebten Grundstoff für Parfums, Badezusätze und Cremes. Was er kann: Da seine ätherischen Öle desinfizierend wirken, beschützte er die Parfümeure im südfranzösischen Grasse angeblich vor der Pest. Heute weiß man, dass die Stärke des „echten Lavendel“ seine beruhigende Wirkung ist. Wie wir ihn heute nutzen: Schon wenn man an Lavendel schnuppert, setzt Entspannung ein. Für die innere Anwendung gibt es Kapseln mit besonders hochwertigem Lavendelöl. „Es ist wissenschaftlich bestätigt, dass es Angst löst. In der Folge wird dann oft auch der Schlaf der Patienten verbessert“, erklärt FÜR SIE-Vertrauensarzt Dr. Martin Adler. „Und es macht nicht ab - hängig.“ Das Präparat („Lasea“) gibt es rezeptfrei in Apotheken.

Johanniskraut
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Johanniskraut: Johanniskraut

JOHANNISKRAUT hellt die Seele auf

Wo es herkommt: Schon die Klostermediziner des Johanniterordens im mittelalterlichen Jerusalem versorgten die Wunden der Kreuzritter mit diesem Kraut. Von seiner stimmungsaufhellenden Wirkung wussten sie jedoch noch nichts. Was es kann: „Johanniskraut-Präparate zeigten sich in Studien als ebenso effektiv wie synthetische Antidepressiva, allerdings ohne deren Nebenwirkungen“, erklärt der Naturmediziner Dr. Martin Adler. Wie wir es heute nutzen: Johanniskraut- Mittel müssen hoch genug dosiert sein, um zu wirken. Täglich 900 Milligramm sind nötig. In der Regel erfüllen nur Apotheken-Produkte die hohen Anforderungen (z.B. das rezeptfreie „Laif 900 Balance“).

Kraurt Melisse
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Melisse: Melisse

MELISSE beruhigt die Nerven

Wo sie herkommt: Araber brachten sie im 11. Jahrhundert nach Spanien. Von dort kam sie zu uns. Sie wurde vor allem in Klöstern angebaut. Was sie kann: Äbtissin Hildegard von Bingen schrieb ihr „Kräfte 15 anderer Kräuter“ zu. Tatsächlich dämpfen die ätherischen Öle Nervosität, beruhigen Magen und Darm, lösen Krämpfe, entblähen, unterstützen den Kreislauf, lindern Wetterfühligkeit. Wie wir sie heute nutzen: Da man Melisse selbst ziehen kann, lässt sich ein Anti-Stress-Tee aus dem eigenen Beet herstellen. Nehmen Sie dafür eine Handvoll frischer Blätter und übergießen Sie sie mit 150 ml kochendem Wasser. Zehn Minuten ziehen lassen.

Pflanzen, die uns heilen


Kraut Augentrost
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Augentrost: Augentrost

AUGENTROST lindert Entzündungen

Wo er herkommt: Augentrost kannte man bereits in der Antike. Schon im 1. Jahrhundert nach Christus erwähnte ihn der griechische Arzt Dioskurides in seinen Schriften. Was er kann: Der Name verrät es. Augentrost (lateinisch: „Euphrasia“) hilft bei vielen Augen- und Lidrandentzündungen. Schwellungen, Brennen, vermehrte Tränenabsonderung und Ermüdung, sogar Gerstenkörner lassen sich damit behandeln. Wie wir ihn heute nutzen: „Augenbäder oder -kompressen sollten Sie nicht selbst herstellen“, rät Dr. Martin Adler. „Für die empfindlichen Augen sollte der Pflanzenauszug unbedingt filtriert und keimfrei sein.“ In der Apotheke gibt es entsprechende Produkte, zum Beispiel „Weleda Augen- Apotheke“. Augentrost-Auszüge werden auch in der Kosmetik verwendet, etwa in „Eyeliner liquid“ und „Mascara“ von Dr. Hauschka (Apotheke).

Kraut Bärentraube
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Bärentraube: Bärentraube

BÄRENTRAUBE bekämpft Blasenentzündung

Wo sie herkommt: Das Heidekrautgewächs stammt aus dem Norden. In Russland wurde es wegen seiner Gerbstoffe früher für die Lederverarbeitung verwendet. Was sie kann: Der wichtigste Inhaltsstoff der Bärentraube ist Arbutin. Es wird im Körper zu einem Stoff umgebaut, der Wachstum und Vermehrung von Bakterien in der Blase hemmt. Wie wir sie heute nutzen: Bärentraubenblätter sind eine der meistempfohlenen Therapien gegen Blasenentzündung. Doch Vorsicht: Bei Überdosierung können sie die Leber schädigen. Kaufen Sie daher am besten Tees aus der Apotheke (z. B. von Sidroga). Oder Sie nehmen – ebenfalls rezeptfreie – Fertigarznei (wie z. B. „Cystinol akut“). Beginnen Sie mit der Therapie am besten gleich beim ersten Anzeichen einer Entzündung, etwa Brennen beim Wasserlassen. Dann kann die Pflanzenmedizin die Krankheit in der Regel stoppen. Ohne ärztlichen Rat sollten auch Bärentrauben-Mittel allerdings nicht öfter als fünfmal im Jahr und nicht länger als jeweils eine Woche angewendet werden.

Kraut Beinwell
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Beinwell: Beinwell

BEINWELL verhindert Blutergüsse

Wo er herkommt: Schon in der Antike wusste man, dass Beinwellwurzeln die Heilung von Wunden und Knochen beschleunigen können. Im Mittelalter stellten Ärzte aus der Pflanze Gurgellösungen gegen Zahnweh her. Was er kann: Beinwell-Extrakte heilen nicht nur Blutergüsse, sondern auch Verstauchungen, Prellungen und Zerrungen. Sie regen die Zellbildung an. „In homöopathischen Zubereitungen können sie sogar die Heilung von Knochenbrüchen unterstützen“, erklärt Dr. Martin Adler. „Ich selbst empfehle diese Mittel übrigens auch bei Gelenkschmerzen nach stumpfen Verletzungen.“ Wie wir ihn heute nutzen: Alle Pflanzenteile enthalten giftige Stoffe, die im Verdacht stehen, krebserregend zu sein. Deshalb sollte man sie nicht auf offene Wunden auftragen und ausschließlich sichere Präparate aus der Apotheke verwenden (zum Beispiel das rezeptfreie „Traumaplant“).

Kraut Arnika
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Anrnika: Anrnika

ARNIKA lässt Prellungen abklingen

Wo sie herkommt: Arnika ist als Heilpflanze erst seit dem 16. Jahrhundert bekannt. Bergbauern hatten damals entdeckt, dass man mit einer verdünnten Blüten-Tinktur Fieber senken konnte. Wild wächst die Blume in Höhenlagen von ganz Mittelund Südeuropa. Am besten gedeiht sie auf sonnigen, feuchten Wiesen mit kieselhaltigem Boden. Was sie kann: Im Volksmund wird Arnika auch die „Schutzheilige der Muskeln und Prellungen“ genannt. Denn ihr Inhaltsstoff Helenalin desinfiziert und hemmt Entzündungen. Zudem kurbelt er die Regenera tion des Gewebes an. In der Homöopathie ist Arnika ebenfalls ein wichtiges Mittel bei Verletzungen. Wie wir sie heute nutzen: Die Heilpflanze steht unter Naturschutz. Kaufen Sie also bitte nur Produkte aus der Apotheke (von Weleda beispielsweise gibt es „Arnika-Salbe 10%“ sowie „Arnika-Gelee“ mit kühlendem Effekt). Extra-Tipp aus der Sportmedizin: Arnika-Massageöl eignet sich auch gut zur Vorbeugung und zur Behandlung von Muskelkater.

Experten-Interview


Dr. Marcela Ullmann
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Dr. Marcela Ullmann: Dr. Marcela Ullmann

„Nur in der Apotheke erhalten Sie gute Qualität“ - Dr. Marcela Ullmann vom Komitee Forschung Naturmedizin e. V. beantwortet Fragen zum Umgang mit Naturmedizin

FÜR SIE: Frau Dr. Ullmann, worauf sollte ich achten, wenn ich mich mit Heilpflanzen selbst behandle?

Dr. Ullmann: Pflanzenmedizin ist in der Regel sehr gut verträglich und wirksam. Trotzdem sollte man sie nicht unbedacht einnehmen. Im Zusammenspiel mit chemisch-synthetischen Arzneimitteln kann Pflanzenarznei deren Wirkung durchaus hemmen oder verstärken. Deshalb sollte man auch in der Selbstmedikation prinzipiell den Beipackzettel genau lesen.

Buch „Die magischen 11 der heilenden Pflanzen“
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Buchtipp: Pflanzenwissen: Sie möchten mehr erfahren? Dr. Frank Meyer und Michael Straub porträtieren Arzneikräuter in „Die magischen 11 der heilenden Pflanzen“ (GU, 19,99 Euro)

Darf ich Heilpflanzen selbst sammeln?

Verbieten kann es Ihnen keiner. Jedenfalls gilt das bei Pflanzen, die nicht unter Naturschutz stehen. Ob es allerdings ratsam ist, möchte ich bezweifeln. Wild wachsende Pflanzen können mit Schadstoffen belastet sein. Außerdem droht Verwechslungsgefahr. Das kann manchmal gefährliche Folgen haben. Ich empfehle daher, alle Heilpflanzen beziehungsweise Kräuterarznei in der Apotheke zu kau fen. Die dort angebotenen Produkte sind qualitätsgeprüft.

Wo sind die Grenzen der Naturtherapie?

Dort, wo jede Selbstmedikation, aber auch jede medikamentöse Therapie ihre Grenzen hat: Keine Arznei wirkt hundertprozentig. Wenn Sie sich also selbst behandeln und innerhalb weniger Tage keine Besserung eintritt, sollten Sie unbedingt zum Arzt gehen.

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