Gesundheit Wissenswertes über Unterleibserkrankungen

Jetzt mal unter uns: Wir sollten locker und ohne Hemmungen über sie reden können - denn mit Unterleibserkrankungen ist Frau nicht allein. Und es gibt effektive Hilfe.

Frau hält sich den Unterleib Wissenswertes über Unterleibserkrankungen © manusapon kasosod/iStock

Ein leichtes Brennen und Ziehen hier, Jucken und Ausfluss da: Probleme im Unterleib fangen oft unspektakulär an. Und sind für betroffene Frauen schwer einzuschätzen. „Leider wird dadurch jede zweite Erkrankung zu spät erkannt. Das erschwert die Therapie“, sagt der Hamburger Gynäkologe Dr. Thomas Gent. „Denn durch Verschleppen kann aus einer Bagatelle plötzlich ein größeres Gesundheitsproblem entstehen. Beispiel Chlamydien, die unbehandelt zu ungewollter Kinderlosigkeit führen können.“ Heißt im Umkehrschluss: Frauen, die aufmerksamer und kundiger in sich hineinhorchen, haben die besten Chancen, Beschwerden zügiger und dauerhaft loszuwerden. Und weil Frauen laut Studie auch noch schneller ein Schmerzgedächtnis entwickeln als Männer, nützt es erst recht, folgende Zeichen rechtzeitig zu erkennen und Leiden effektiv entgegenzusteuern …

Blasenentzündung

Zu 80 Prozent sind Escherichiacoli-Bakterien aus dem Darm im Spiel. Oft wandern sie durch den Druck beim Sex in die Blase.
Daran erkennen Sie es: Harndrang, Brennen beim Wasserlassen, Krämpfe.
Das schützt: 250 ml/Tag Cranberry-Saft (Keime nisten sich schwerer ein) und die Blase regelmäßig entleeren.
So helfen Sie sich selbst: 1 TL Natron in 1 Glas Wasser verrühren. 1-mal/Tag auf nüchternen Magen trinken. Badewanne halb mit 37 Grad warmem Wasser füllen, 2 l Apfelessig, 0,75 l Cranberry-Direktsaft (Reformhaus) zugeben. Oder pflanzliche Mittel wie Bärentraubenblätter („Cystinol akut“, Apotheke) einnehmen.
So hilft der Arzt: Wenn Hausmittel nach 2 Tagen nicht helfen, bei Fieber oder Blut im Urin ist ein Antibiotikum ratsam. Kommt der Infekt wieder, macht der Natur-Wirkstoff D-Mannose („Femannose N“, Apotheke) Keime unschädlich.
Das rät Dr. Gent: Verzichten Sie auf synthetische Slips, sie fördern Infekte durch Wärmestau. Besser: atmungsaktive Baumwolle. 2 bis 2,5 l/Tag alkoholfreie, kalorienarme Getränke trinken, Intimbereich nur mit warmem Wasser waschen, keine Intimlotionen, -sprays.

Chlamydien-Infektion

Mit 300000 Neuerkrankungen pro Jahr ist die Infektion mit dem Bakterium Chlamydia trachomatis eine der häufigsten Frauenkrankheiten. Sie wird beim Sex übertragen, ist einer der Hauptgründe für Unfruchtbarkeit.
Daran erkennen Sie es: Meist bleibt sie beschwerdefrei oder zeigt sich nur mit leichtem Ausfluss, Brennen, Unterleibsziehen, Jucken in der Harnröhre.
Das schützt: Kondome.
So hilft der Arzt: Der verordnet für mindestens 10 bis 14 Tage ein Antibiotikum.
Das rät Dr. Gent: Sexuell aktive Frauen sollten mindestens einmal im Jahr zum Chlamydien-Test. Bei den ersten Anzeichen sofort zum Arzt. Nur eine Frühtherapie lässt die Infektion folgenlos ausklingen! Und den Partner unbedingt mitbehandeln lassen, um einen Pingpong-Effekt zu verhindern.

Eierstock-Entzündung

Damit haben fast nur Frauen zwischen dem 16. und 39. Lebensjahr zu tun. Bakterien wie Gonokokken, Chlamydien entzünden einen oder beide Eierstöcke, oft auch die Eileiter.
Daran erkennen Sie es: Starke, oft einseitige, in Rücken und Beine ausstrahlende Schmerzen im Unterbauch. Starker Ausfluss, Fieber, Übelkeit, Krankheitsgefühl.
Das schützt: In der Regel werden die Erreger beim Sex übertragen. Den kann nur ein Kondom infektionssicher machen.
So helfen Sie sich selbst: Unterstützend zur ärztlichen Therapie helfen Moor-Sitzbäder (Apotheke), Kühlung mit Eispacks. Laut neuester Studie aus Cardiff aktiviert Manuka-Honig die Immunzellen und wirkt so wie ein natürliches Antibiotikum: Tagesdosis: 4 EL.
So hilft der Arzt: Von ihm gibt’s Antibiotika, Schmerzstiller und Entzündungshemmer.
Das rät Dr. Gent: Den Infekt nicht verschleppen, sondern bei den ersten Anzeichen zum Gynäkologen. Wichtig: eine Partnerbehandlung.

Gardnerella-Scheidenentzündung

Eigentlich gehört Gardnerella vaginalis zu den guten Bakterien der Scheidenflora. Gerät aber das gesunde Milieu aus der Balance, kommt es zur häufigsten bakteriellen Vaginose.
Daran erkennen Sie es: Ausfluss, Brennen in der und um die Scheide herum.
Das schützt: Zum abwehrstarken, sauren pH-Wert von 3,8 bis 4,4 verhelfen präbiotische Lebensmittel wie Knoblauch, Joghurt, Kimchi, Sauerkraut. Auch ein ausbalancierter Hormon spiegel stabilisiert die Flora. Super: Leinsamen, Soja, Kichererbsen, Granatapfel, in den Wech sel jahren Traubensilberkerzenextrakt („Remifemin mono“, Apotheke).
So helfen Sie sich selbst: Weil die Scheide nach einer Antibiotika-Therapie besonders anfällig für eine erneute Gardnerella-, auch Pilzinfektion ist, beugen Milchsäurebakterien („Vagisan Milchsäure Vaginalzäpfchen“, Apotheke) vor. Wichtig auch: bei starkem Ausfluss ein Plus an Intimhygiene beispielsweise durch atmungsaktive, parfumfreie Slipeinlagen („Carefree classic flexiform“, Drogeriemarkt).
So hilft der Arzt: Er verordnet meist bis zu 7 Tage Creme oder Vaginalzäpfchen mit antibiotischen Wirkstoffen wie z. B. Metronidazol, Clindamycin, in schwereren Fällen auch als Tabletten zum Einnehmen.
Das rät Dr. Gent: Da diese Vaginalinfektion gern wiederkommt, sollte die Patientin auf die richtige Intimhygiene achten: vor allem keine Duschgele, Intimwaschlotionen – und Scheidenspülungen! Und den Intimbereich akribisch abtrocknen. Nach dem Sex immer gründlich waschen.

Hämorrhoiden

Fast jeder zweiten Frau über 30 machen die krampfader artigen Erweiterungen der Venen zwischen Enddarm und Schließmuskel zu schaffen.
Ursache: Bindegewebsschwäche, Bewegungsmangel, Verstopfung, starkes Pressen, Pille.
Daran erkennen Sie es: Juckreiz, Nässen, Brennen, hellrotes Blut auf dem Klopapier.
Das schützt: Viel darmfreundliche Ballaststoffe (Obst, Gemüse, Vollkornbrot, Müsli) essen. Schokolade, Reis, Kartoffeln, Weißbrot, Schwarztee meiden.
So helfen Sie sich selbst: 1 Handvoll Rosskastanienrinde (Apotheke) in 1 l Wasser 3 Minuten kochen, 10 Minuten ziehen lassen. In Wanne mit lauwarmem Wasser abseihen. 10 Minuten hineinsetzen. Um die Verdauungsarbeit des Darms zu schützen, täglich ein Probiotikum einnehmen (z. B. „Omni-Biotic 6“, Apotheke).
So hilft der Arzt: Leichtere Beschwerden stoppt oft Kortison oder der Entzündungshemmer Zaubernuss („Hametum Hämorrhoidenzäpfchen“, Apotheke). Sonst: Spritzen-Verödung, Abbinden mit Gummiband oder Tacker.
Das rät Dr. Gent: 1,5 bis 2 l Wasser/Tag trinken, täglich mindestens 30 Minuten spazieren gehen. Ab Mitte 40 alle fünf Jahre zur Darmspiegelung, bei der Hämorrhoiden gleich verödet werden können.

Myome

Die gutartigen Wucherungen der Gebärmutter bekommen ca. 25 Prozent der Frauen zwischen 35 und 50 Jahren. Stimuliert werden sie durch Östrogen, aber auch Gestagen.
Daran erkennen Sie es: Unregelmäßige, starke oder lange Regelblutungen mit einem Blutverlust von mehr als 150 ml am Tag. Oft auch Schmerzen im Unterbauchbereich, Blasendruck, Verstopfung, Rückenschmerzen.
So helfen Sie sich selbst: Krampfartige Periodenschmerzen lindert eine sanfte Wirkstoff-Kombi aus dem Schüßlersalz Nr. 7 und Heilkräutern wie Koloquinte, Rosskastanie, Kamille und Gänsefingerkraut (z. B. „DHU Magnesium phosphoricum Pentarkan“, Apotheke).
So hilft der Arzt: Die schonende Thermoablation per fokussiertem Ultraschall (MRHIFU- Methode) schrumpft die Myome mit einer gebündelten Hitze von 60 bis 80 Grad. Kosten: ca. 3600 Euro. Noch zahlen nur wenige Kassen.
Das rät Dr. Gent: Der Wirkstoff Ulipristalacetat („Esmya“, rezeptpflichtig) verringert die Größe der Myome um 50 bis 60 Prozent.

Scheidenpilz

In der feuchtwarmen Intimzone fühlt sich der Hefepilz Candida albicans pudelwohl. Das führt bei 75 Prozent der Frauen wenigstens 1-mal im Leben zum Pilzbefall.
Daran erkennen Sie es: Juckreiz, Brennen der Scheide, bröckelig-gelblicher Ausfluss.
Das schützt: Das vaginale Immunsystem stärken, etwa mit Vitaminbomben wie Petersilie, Brokkoli, Tomaten, Nüssen, Sprossen. Dazu 1000 I. E. Vitamin D (Apotheke) am Tag. Übrigens: Stress strapaziert die Scheidenflora. Durch Achtsamkeitsmeditation (z. B. in Volkshochschulen) abbauen.
So helfen Sie sich selbst: 40 g Berberitzenwurzelrinde (Apotheke) in dunkles Schraubdeckelglas geben, mit 200 ml 70%igem Alkohol aufgießen. Verschraubt 14 Tage an dunklen Ort stellen, täglich schütteln. Abseihen, in dunkle Flasche füllen. 10 ml mit 1/2 l handwarmem Wasser mischen. Scheide 2-mal täglich mit einer Vaginaldusche (Apotheke) spülen.
So hilft der Arzt: Der Wirkstoff Clotrimazol (z. B. „Canesten“, Apotheke) hilft in den meisten Fällen.
Das rät Dr. Gent: Bekommt eine Frau öfter als 4-mal im Jahr eine Pilzinfektion, sollte der Arzt Grunderkrankungen wie Diabetes, Schilddrüsenstörungen oder eine Immunschwäche ausschließen. Nimmt die Patientin die Pille, könnte ein östrogen- oder gestagenärmeres Präparat helfen.

Trichomonaden-Infektion

Beim Sex werden die Geißeltierchen übertragen. Bei etwa 15 Prozent der Frauen kommt es 5 bis 28 Tage nach der Ansteckung zu einer Entzündung.
Daran erkennen Sie es: Schaumiger Ausfluss, Brennen. Die Scheide ist oft rot, geschwollen.
Das schützt: Kondom.
So helfen Sie sich selbst: Bei Juckreiz oder Brennen: 8 EL Kamillenblüten (Apotheke) in 1/2 l Wasser aufkochen, 10 Minuten ziehen lassen. Abseihen, in Badewanne geben, die 15 cm hoch mit 40 Grad warmem Wasser gefüllt ist. 15 Minuten baden.
So hilft der Arzt: Er verordnet Antibiotika wie Metronidazol, Tinidazol, Natamycin oder Amoxicillin.
Das rät Dr. Gent: Schon bei leichten Beschwerden, dem leisesten Verdacht einen Abstrich machen lassen. Den Partner stets mitbehandeln lassen.

 
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