Patientengeschichten Wie Angela Gwinner (48) mit zwei Schicksalsschlägen zurechtkam

„Der Sturm wird stärker ... Ich auch!“ Angela Gwinner (48) erlebte zwei Schicksalsschläge innerhalb weniger Jahre. Heute weiß sie: Krisen sind auch Chancen.

Angela Gwinner Wie Angela Gwinner (48) mit zwei Schicksalsschlägen zurechtkam © Angela Gwinner

Ich konnte nicht verstehen, dass sich die Erde weiterdreht

Als sich der Notarzt zu mir umdrehte und stumm den Kopf schüttelte, bin ich zusammengebrochen. Mein Lebens­ gefährte war völlig überraschend an einem Herzinfarkt gestorben. Kurz vor seinem Tod hatten wir noch telefoniert, gelacht und uns mit den Worten verab­ schiedet: „Bis später.“ Aber da war kein Später. Die ersten Monate nach seinem Tod fühlte ich mich wie gelähmt. Ich konnte nicht verstehen, dass sich die Erde weiterdreht, dass Menschen lachen und Freude haben. Aber irgendwann wusste ich, auch dank guter Freunde, die immer für mich da waren, dass ich es schaffen würde, mit dem Schmerz und dem Verlust zu leben. Ich würde es schaffen, weil ich es schaffen wollte! Ich begann, nach vorn zu blicken und wieder nach schönen Dingen im Leben Ausschau zu halten. 

Wer bin ich ohne Job? 

Auch die nächste Katastrophe kündigte sich nicht an. Von einem Tag auf den anderen verlor ich meinen Job als Ge­schäftsführerin eines mittelständischen Unternehmens. Ich war verzweifelt,
 hatte kein Geld, musste in eine kleinere Wohnung ziehen. Ich hatte überhaupt kein Selbstvertrauen mehr, hatte das Gefühl, dass auf meiner Stirn dick und fett „Versagerin!“ stand. Ich fing an, auf Facebook Mut­-Zitate zu posten. Das war reine Beschäftigungstherapie. Ich hätte nicht im Traum daran gedacht, dass sich daraus ein Geschäftsmodell entwickeln könnte. Aber die Resonanz war über­ wältigend. So habe ich mich an meinen Kindheitstraum erinnert. Ich wollte schon immer Karten gestalten, aber das war ja nichts Vernünftiges. Inzwischen habe ich mit Wunderwort.com meine Leidenschaft zum Beruf gemacht und bin dafür sehr dankbar. Mit den Sprüchen auf meinen Karten will ich Menschen berühren und sie stärken. 

Ich lerne nie aus

Heute kann ich sagen, dass die Trauer und die Kündigung wichtige Teile meiner Geschichte sind. Ich gehe bewusster durchs Leben, habe gelernt, dass uns jede Krise prägt. Wie sie uns prägt, liegt in unserer Hand. Mich hat das stärker gemacht. Wenn jetzt die Dinge nicht so laufen, halte ich es mit Pippi Langstrumpf: „Der Sturm wird stärker. Das macht nichts. Ich auch.“ Ich überlege, wozu die Schwie­rigkeiten gut sein könnten, was kann ich lernen? Es gibt immer was zu lernen. Das macht das Leben ja so spannend. 

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