Die Heilkraft der Sonne

Die Heilkraft der Sonne

Schöner, attraktiver, gesünder: Das natürliche Licht tut Körper und Seele gut. Wir erklären, warum.

Heilkraft der Sonne
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Die Heilkraft der Sonne

Vor der Erfindung des elektrischen Lichts bestimmte die Sonne den Tagesablauf, heute liefert sie vor allem Grund zur Lebensfreude. Sobald sich die ersten Sonnenstrahlen zeigen, zieht es uns magisch nach draußen. Wir blühen auf, sind fröhlich und energiegeladen, pilgern auch im Urlaub dorthin, wo die Sonne scheint. Hinter der romantischen Formulierung „Frühlingsgefühle“ stecken biochemische Prozesse, die ablaufen, sobald Sonne auf unsere Haut trifft: Licht hemmt die Produktion des Hormons Melatonin, das im Dunkeln müde macht, und kurbelt die Produktion von Serotonin an, das die Stimmung hebt.

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Sicher Bräunen: Pralle Mittagssonne ist ein echter Feind der Haut. Auch wer sich durch Sonnencremes geschützt fühlt, sollte zwischen 12 und 15 Uhr lieber im Schatten bleiben. Ansonsten gilt: Viel hilft viel. Faustregel fürs Eincremen: 30 Gramm für den Körper (ca. 2 EL), 5 Gramm fürs Gesicht (1 TL). Nach dem Schwimmen nur leicht abtupfen und nachcremen, außer die Creme ist wasser- und schwitzfest.
Sonne als Vitaminspender

Noch eine weitere Wunderwaffe produziert unser Körper durch Sonnenlicht: Vitamin D, das selbst durch Nahrungsmittel wie fetten Seefisch, Eier und Milch nicht ausreichend aufgenommen werden kann. Für den wöchentlichen Bedarf müsste man rund 1,4 Kilogramm Thunfisch oder 60 Eier essen. Ein Glück also, dass UV-Licht die Produktion von Vitamin D anregt. „In unseren Breiten reicht die tägliche Lichteinwirkung auf die Haut dafür völlig aus – auch durch Fensterscheiben“, sagt Dermatologe Dr. med. Stefan Rapprich, Oberarzt an der Hautklinik Darmstadt. „15 Minuten Sonnenlicht auf der Haut sichern den Vitamin-D-Bedarf für drei Tage.“

Licht hält gesund

Streng genommen ist Vitamin D ein Hormon und medizinisch gesehen ein Multitalent. Es lindert unter anderem Schuppenflechte, schützt vor Multipler Sklerose und hemmt das Krebszellenwachstum. Eine Studie des Dermatologen Professor Dr. Uwe Reinhold am Medizinischen Zentrum Bonn Friedensplatz zeigte, dass viele Patienten mit Brust-, Prostata-, Darm- und Lungenkrebs an eklatantem Vitamin-D-Mangel litten. Vor allem bei Brustkrebs-Patientinnen lag bereits in der Kindheit ein hoher Vitamin- D-Mangel vor. Eine andere Studie von Professor Dr. Harald Dobnig in Graz belegt sogar eine erhöhte Gesamtsterblichkeit bei Vitamin-D-Mangel. Licht, das dessen Produktion ankurbelt, tut uns also gut. Ist der Spiegel im Blut hoch genug, beugt man sogar Osteoporose vor. Denn nur mit Hilfe von Vitamin D kann Kalzium über den Darm optimal aufgenommen und in die Knochen eingebaut werden. Eine neue Studie der Uni Colorado (USA), die Daten von 19 000 Menschen auswertete, ergab zudem, dass Menschen mit wenig Vitamin D im Blut leichter eine Erkältung bekommen.

Sonnenschutz ganz natürlich


Sonnenschutz ganz natürlich
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Clever pflegen: Damit die Haarfarbe im Sommer ihre Leuchtkraft behält, Pflege mit UVSchutz verwenden (z. B. „Fructis Color Schutz“, Garnier)
Um von den positiven Effekten der Sonne zu profitieren, kommt es auf das richtige Maß an. Selbst die Lichtschwiele, also die Verdickung der Haut, die sich im Sommer aufbaut, entspricht nur einem Faktor drei bis fünf und ist kein Freifahrtschein für lange Sonnenbäder. Generell unterscheidet man zwischen physikalischen und chemischen UV-Filtern. Ein gutes Beispiel für den Aufbau physikalischer Filter liefern Elefanten, die im Sand baden. Die Partikel, die auf der Haut bleiben, reflektieren UV-Strahlen wie Spiegel. Diesem Wirkmechanismus nachempfunden gibt es Cremes, die mineralische Pigmente wie Titandioxid enthalten. Sie sind auch für Allergiker und Kinder gut geeignet. Chemische Filter dagegen dringen in die Haut ein und wandeln UV-Licht in harmlose Wärmestrahlung um. Neu sind Sonnenschutzserien mit Infrarot-Filtern (IRA), die vor einem noch breiteren Strahlenspektrum schützen (z. B. von Ladival). Andere Neuentwicklungen sind von der Pflanzenwelt inspiriert.
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Effektiver denken: Wenn das Gehirn schlappmacht, wirkt ein Sonnenbad Wunder. Über die Augennetzhaut regen Strahlen den Denkprozess an.
Die Meeresalge Kombu etwa ist bei Ebbe der Sonne ausgesetzt Ihre Schutzmechanismen wurden nun in eine Creme umgesetzt (z. B. von Börlind). Genau wie die Wirkstoffe der Sonnenblume – das Antioxidans der Kerne, die Öle der Pflanzenmilch und die vor freien Radikalen schützenden Flavonoide der Blütenblätter (z. B. von Payot). Auch Texturen, die nicht kleben, machen Sonnenschutz angenehmer (z. B. von Nivea). Wen Fettglanz stört, der weicht auf Produkte mit Matteffekt aus (z. B. von Vichy).

Täglicher Wohltäter

Um die Wirkung der Sonne in wohltuende Bahnen zu lenken, bieten sich also immer mehr komfortable Mittel – und damit immer weniger Gründe, ihre Kraft zu ignorieren. Sie begleitet uns jeden Tag im Leben. Wir sollten verantwortungsvoll mit ihr umgehen: Das ist der Schlüssel für eine lebenslange Freundschaft.

Interview: So wird Sonne zum Freund


So wird Sonne zum Freund

Dr. med. Stefan Rapprich, 44, Dermatologe und Oberarzt an der Hautklinik Darmstadt

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Gute Laune tanken: Durch natürliches Sonnenlicht entsteht mehr Serotonin, unser körpereigenes Glückshormon
Wie können wir gefahrlos von der Sonne profitieren?

Entscheidend ist, dass man nicht in der Sonne brät, sondern nur leicht und ohne Sonnenbrand bräunt. Wer sich oft oder lange im Freien aufhält, sollte auf jeden Fall zu Sonnenbrille, Textilien und Lichtschutz greifen.

Viele Sonnenschutzhersteller preisen ihre natürlichen Wirkstoffe an. Macht das aus medizinischer Sicht Sinn?

Der Ansatz ist gut, denn Antioxidantien, die zum Beispiel in Pflanzen enthalten sind, helfen, die schädliche Wirkung der Sonne zu reduzieren.

Ist es sinnvoll, die Sonnenverträglichkeit durch Nahrungsergänzungsmittel oder bestimmte Lebensmittel zu fördern?

Ja, am besten durch frisches Obst und Gemüse, die viele Antioxidantien enthalten. Eine Studie ergab, dass Probanden, die vier Wochen täglich Tomatenpaste aßen, deutlich weniger lichtempfindlich waren. Notfalls kann man auch mal zu Kapseln greifen.

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