Optimismus lernen Ab jetzt bin ich happy!

Optimismus schenkt uns Zuversicht, lässt uns länger leben und sympathischer wirken. Gut, wenn wir also optimistisch statt pessimistisch sind. Das ist aber nicht immer der Fall. Tatsächlich kann man laut Experten Optimismus lernen, so dass das Credo lautet: Ab jetzt bin ich happy – so geht’s!

Optimismus für ein glückliches Leben - Frau lacht im Regen Ab jetzt bin ich happy! © iStock

Warum sind manche Menschen optimistisch und andere nicht?

Es regnet mal wieder. Die anstehende Jobpräsentation geht auch bestimmt schief. Und die geplante Party wird sicher ein Reinfall. Ziemlich pessimistisch, oder? Da stellt sich doch die Frage: Warum sind manche Menschen eigentlich zuversichtlicher als andere? Astrid Schütz, Professorin für Persönlichkeitspsychologie, sagt: „Es gibt eine genetische Komponente. Darüber hinaus spielen Erfahrungen eine Rolle.“ Das Gute: Eingefahrene Denkmuster lassen sich ändern. Jens Weidner, Vorsitzender im Hamburger Club der Optimisten, rät zu einem anderen Blickwinkel: „Viele Menschen fokussieren sich auf den Mangel: dass sie viel leistungsstärker, schöner, besser sein könnten. Dabei hindert uns nichts daran, eine andere Perspektive einzunehmen.“ 

Eine gesunde Portion Zuversicht

Schließlich hat eine positive Lebenseinstellung viele Vorteile. Da ist zum einen die Lebenserwartung. So ergab eine Studie der Boston University School of Medicine, dass besonders optimistische Frauen im Schnitt länger lebten als sehr pessimistische Zeitgenossinnen. Die Wahrscheinlichkeit, 85 Jahre oder älter zu werden, war bei den Optimistinnen sogar um 50 Prozent erhöht. Das heißt nicht, dass Optimisten per se älter werden oder sogar vor lebensbedrohlichen Krankheiten gefeit sind. Aber die Studie belegt eben auch, dass eine positive Haltung oft mit einem längeren Leben einhergeht. 

„Optimisten sind in puncto Lebensqualität den Pessimisten überlegen“, so Jens Weidner. Wer also positiv durchs Leben geht, hat einfach eine bessere Zeit. Das Schöne: Diese positive Aura strahlt auf unser Umfeld ab – zumal Optimisten häufig großzügig Lob an ihre Mitmenschen verteilen. Sie werden dadurch, klar, meistens als sympathischer empfunden. Was ihnen wiederum deren Wohlwollen einbringt. Voilà: Es entsteht eine Art Perpetuum mobile der Zufriedenheit. 

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Optimismus lernen: sich überlisten

Dabei geht es beim Thema Optimismus nicht darum, sich etwas schönzureden. „Wenn Sie einen Fehler gemacht haben, sollten Sie natürlich darüber nachdenken, warum die Sache falsch lief“, so Jens Weidner. „Aber: Sie müssen deswegen keine schlaflosen Nächte haben.“ Sein Trick: „Notieren Sie sich auf einer Liste Ihre positiven Seiten. Das können Eigenschaften wie „empathisch“ oder „hilfsbereit“ ebenso sein wie ein Kompliment, das Ihnen jemand wegen Ihrer Arbeit oder Ihres Outfits gemacht hat. Es ist also ein Mix aus substanziellen und oberflächlichen Dingen. Diese Liste gelegentlich durchzugehen führt uns unsere guten Seiten vor Augen – und entpuppt sich so als wahre Optimismus-Stütze. Und die hilft besonders in Zeiten, in denen es auch mal schlecht läuft: Bei zwanzig positiven Punkten relativiert sich der eine Fehler sofort: Der „Glücksquotient“ macht optimistisch und gibt uns wieder Zuversicht in die eigenen Fähigkeiten.

„Optimismus hat im guten Sinne einen narzisstischen Effekt“, so Weidner, der zudem rät, nicht gedanklich in der Vergangenheit zu verharren und sich mit Grübeleien über verpasste Chancen aufzuhalten. „Das nimmt schlicht die Kraft für neue Projekte.“ Gut, manchmal steigt unsere Laune trotzdem nicht im Handumdrehen auf Heißluftballon-Niveau. Das hat ganz einfache, offensichtliche Gründe. Weil Optimismus-Killer wie übertriebene Perfektionsansprüche und die Angst vorm Scheitern aus der rosaroten Brille ganz schnell eine mit verdunkelten Gläsern machen. Dann ist es gut, einen Joker zu ziehen.

Selbstwirksamkeits-Glaube

Jens Weidner empfiehlt, bewusst Etappensiege einzubauen und sich die Erfolge in kleinen Schritten auszumalen. „Sagen Sie zum Beispiel nicht, Sie wollen drei Kilo in drei Monaten abnehmen. Setzen Sie sich 300 Gramm als Ziel. Das schaffen Sie.“ Der Clou: Während zu ambitionierte Ziele Pessimismus und Frust fördern, wirken Mini-Meilensteine wie Zuversichts-Booster – und motivieren uns weiterzumachen. Dazu haben Optimisten eine wichtige Eigenschaft: Sie sehen sich nicht als Spielball des Schicksals, sondern glauben daran, die Dinge selbst in der Hand zu haben. Im Gegenzug bedeutet das: Klappt etwas nicht, gibt man sich selbst die Schuld. Verabschieden Sie sich also von Plänen, die zwar schön klingen, aber nicht umsetzbar sind. Astrid Schütz, die auch Autorin des Buches „Positives Denken: Vorteile - Risiken - Alternativen“ (Kohlhammer Verlag) ist, rät zudem: „Manchen Menschen hilft ein defensiver Pessimismus.“ Dabei spielt man die Situation durch und stellt sich vor, was schieflaufen kann - um im Echtfall gerüstet zu sein.

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Schöner Schein

Forscher geben zu bedenken: Nimmt man den Erfolg mentalvorweg, steigert das zwar die Zufriedenheit für den Moment. Es kann aber dazu verleiten, die Hände in den Schoß zu legen. Dennoch können positive Visionen und Selbstbäder Erstaunliches bewirken. So fanden Wissenschaftler der Universität Stanford heraus: Menschen, die sich für überdurchschnittlich aktiv hielten, hatten eine längere Lebenserwartung als solche, bei denen dies nicht der Fall war – obwohl die Vergleichsgruppe mit dem positiven Selbstbild gar nicht sportlicher war. Ein bisschen Selbstbetrug kann also nicht schaden.

Laut einer Studie erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, früher zu sterben, um 71 Prozent – wenn man sich für weniger aktiv hält. Egal, wie viel man sich bewegt. Quelle: Stanford University

Was unser Experte rät

Prof.-Dr. Jens Weidner

Jens Weidner, Vorstand des Hamburger Clubs der Optimisten und Autor des Buches „Optimismus. Warum manche weiter kommen als andere“ (Campus Verlag)

Es gibt ein paar einfache Tricks, mit denen wir im Alltag optimistischer werden. Unser Experte Jens Weidner hat sie uns verraten:

1. Above-Average-Effekt
Kein Scherz: Halten Sie sich für überdurchschnittlich toll. Das ist natürlich ein kleiner Selbstbetrug, aber einer, der einem das Leben verschönert. Der Effekt macht gute Laune und motiviert uns, tatsächlich toller zu werden.

2. Mentale Zeitreisen
Malen Sie sich aus, was in Zukunft gut laufen könnte. Wenn Sie Gutes konkret denken, erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, dass Sie es auch erreichen.

3. Werden Sie ein Fan der Ähnlichkeit-Hypothese
Vermeiden Sie Wörter wie „aber“ und betonen Sie in Gesprächen stattdessen Gemeinsamkeiten mit Ihrem Gegenüber. Das fördert eine optimistische Atmosphäre.

4. Schaffen Sie sich ein gutes Umfeld
Umgeben Sie sich mit schönen Fotos, mit Bildern von Menschen, die Ihnen wichtig sind. Das stimmt positiv.

5. Raum für Vorfreude lassen
Vorfreude ist ein echter Optimismus-Verstärker. Die Wartezeit auf ein positives Ereignis fördert die Zuversicht – schnell und ganzheitlich.

6. Innere-Monolog-Übung
Formulieren Sie Ihren pessimistischen Gedanken – und begraben Sie ihn unter fünf positiven Dingen. Dabei können Sie sich auch Ihre „Moments of Excellence“ vor Augen führen, also Situationen, in denen Sie geglänzt haben.

7. Meiden sie negative Menschen
Sie jammern, sehen meistens schwarz und rauben einem unglaublich viel Energie: Machen Sie einen Bogen um Nörgler und Ideenzerfleischer.

8. Konstruktive Kritik zulassen
Konstruktive Kritiker sind hingegen ein erstklassiges Frühwarnsystem für potenziellen Ärger. Ihr Rat hilft, rechtzeitig die rosarote Brille abzusetzen.

9. Mut zum Eigenlob
Klopfen Sie sich ruhig selbst mal auf die Schulter, auch für Kleinigkeiten: Positiv-Labelling führt zu mehr Wertschätzung und Zufriedenheit.

10. Misserfolge als temporär sehen
Fehler passieren, aber sie gehen vorbei und sind nicht etwa unser Schicksal.

Manchmal steht's in den Sternen: Ihr Horoskop

Datum: 29.01.2020
Autor: Sörre Wieck
 

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