31. Dezember 2020
Silvesterbräuche - So feiern andere Länder

Traditionelle Silvesterbräuche: So feiern andere Länder

Die Silvester-Nacht: Der Jahreswechsel bringt weltweit viele Traditionen mit sich. Wir verraten Ihnen, welches Land welche Silvesterbräuche pflegt.

Internationale Silvesterbräuche

Raketen steigen, das Feuerwerk erhellt die Nacht. Menschen prosten sich zu und wünschen sich ein frohes neues Jahr. Sieht der Jahreswechsel überall auf der Welt so aus? Wir gehen den Silvesterbräuchen verschiedener Länder auf die Spur. In Sachen Tradition gibt es fast keine Grenzen, lassen Sie sich überraschen.

Deutschland

Warum nennen wir den Jahreswechsel eigentlich Silvester?

Ausnahmsweise hat diese alte Tradition keinen Bezug zur biblischen Geschichte. Dennoch hat sie indirekt etwas mit der Kirche zutun: Am 31. Dezember 335 starb der damalige, römische Papst namens Silvester. Seitdem trägt dieser Tag im Heiligenkalender seinen Namen. Dennoch wird nicht international am selben Tag das neue Jahr gefeiert. Im westlichen Kulturraum hat sich aber der 1. Januar seit dem Mittelalter als Neujahrstag durchgesetzt.

Silvesterbräuche in Deutschland

Eine durchaus gesellige Form des Silvester-Dinner ist ein Käse-Fondue. Stundenlang kann man sich die Bäuche vollschlagen und das Jahr ausklingen lassen. Genauso lecker wie auch gemütlich ist ein Raclette-Essen. Je nach Lust und Laune landen die Lieblings-Zutaten in der kleinen Pfanne und werden mit Käse überbacken. Dann ist es auch schon so weit und die Uhr schlägt 12! Nachdem mit Sekt angestoßen wurde, werden die sogenannten Neujahrs-Berliner gereicht. Gefüllt sind diese zumeist mit einer Konfitüre, Fruchtmus, Schokolade, Likör oder schlimmstenfalls mit Senf. Falls es sich bei dem Gastgeber um einen Scherzkeks handelt, hat dieser nämlich schon präventiv die gemeine Marmeladen-Alternative beim Bäcker seines Vertrauens geordert und sie unbemerkt unter die harmlosen Klassiker gemischt. Wer den mit Senf gefüllten Berliner erwischt, dem steht ein glückliches, neues Jahr bevor.

Zeitvertreib an Silvester: Bleigießen, Knallbonbons & Co.

Um sich in Deutschland die Zeit bis zum Jahreswechsel zu vertreiben, können Gesellschaftsspiele und Zukunftsdeutungen betrieben werden. Ein traditioneller Silvesterbrauch ist das sogenannte Bleigießen, das schon von den alten Germanen praktiziert wurde. Dabei werden Bleistücke in einem Löffel über einer Flamme erhitzt, bis sie flüssig sind. Anschließend kippt man in einer schnellen Bewegung die Füllung in kaltes Wasser, wo sich das Bleistück neu formt. Danach wird es herausgenommen, begutachtet und die Form analysiert. Nun lassen sich darin Figuren sehen, die gedeutet und interpretiert werden. Seit 2018 ist dieses Ritual allerdings verboten – zumindest mit Blei. Grund dafür ist der neue Grenzwert für Blei in Produkten, den die Europäische Union in der Chemikalienverordnung festgelegt hat. Stattdessen gibt es mittlerweile Sets aus Wachs oder Zinn. Sie funktionieren genauso – ganz ohne schädliche Dämpfe. Beliebt sind auch Knallerbsen, Tischfeuerwerke und Knallbonbons. Zieht man letztere an den Enden auseinander, fallen kleine Überraschungen und Konfetti heraus. Oftmals enthalten sind Glücksbringer-Figuren in Form von Schweinchen, vierblättrigem Kleeblatt, Babyflaschen oder Hufeisen. Sie alle symbolisieren etwas Positives im neuen Jahr. Der dabei entstehende Knall ist genau wie die Feuerwerke und Böller ein beliebtes Ritual in Form von Licht- und vor allem Lärmerzeugung, das früher vorrangig der Vertreibung böser Geister diente. Damals wurde Krach mithilfe von Töpfen, Trommeln und Co. erzeugt. Das erste Feuerwerk soll aus dem China des 12. Jahrhunderts stammen, das erste deutsche Knallwerk gab es 1506. Besonders Jugendliche ziehen in der Silvesternacht gerne um die Häuser, um laute Böller anzuzünden. Wer es etwas ruhiger mag, kann sich in der Silvesternacht den Schwarz-Weiß-Filmklassiker „Dinner for One“ anschauen. Übrigens stammt der Original-Film tatsächlich aus deutscher Hand, es handelt sich um eine NDR-Produktion. Ursprünglicher Autor des Stücks war aber der Brite Lauri Wylie, daher die englische Sprache und Besetzung.

Silvestertraditionen und ihr Ursprung

Wie sicher jeder weiß, ist es Sitte, anderen in der Silvesternacht einen „Guten Rutsch“ (ins neue Jahr) zu wünschen. Das kommt aber keinesfalls vom Sinnbild ins neue Jahr zu rutschen. Sondern stammt vom Jiddischen „Rosch“ ab, was „Anfang“ bedeutet. Das beim Trinken oft ausgesprochene „Prosit Neujahr“ bedeutet Ähnliches und kommt aus dem Lateinischen. Nach dem Essen und kurz vor Mitternacht werden bei der Silvesterfeier die letzten zehn Sekunden heruntergezählt und danach mit Sekt, Champagner oder ähnlichem angestoßen. Beliebt ist auch die aus dem gleichnamigen Film bekannt gewordene „Feuerzangenbowle“. Sie gilt als Verbrüderungsgetränk, das sich hervorragend anbieten lässt und für eine gefestigte Gemeinschaft im neuen Jahr sorgen soll. Dabei handelt es sich um mit Rum, Gewürznelken, Zimt und Orangenschalen gewürzten, erhitzten Rotwein. Anschließend lassen sich beim Trinken Feuerwerke beobachten oder selbst Raketen abschießen und alle in der Nähe befindlichen Personen mit frohen Neujahrswünschen bedenken.

Neujahr - Der Tag nach der Party

Am nächsten Tag lässt es sich wunderbar im Bett oder auf dem Sofa entspannen, gefolgt von einem leckeren Resteessen. Falls Ihnen nach Bewegung ist, eignet sich der traditionelle Neujahrsspaziergang. Was kaum zu vermeiden ist und auch für etwas Bewegung sorgt, ist das Reinigen der Umgebung von Feuerwerksüberbleibseln. Für sehr Aktive gibt es den Neujahrslauf in Form vom gemeinsamen Joggen am 1. Januar und das Neujahrsbaden, bei dem (trotz der Kälte) oftmals nackt kollektiv ins Meer oder in einen See gestiegen wird.

Europäische Silvesterbräuche:

Dänemark

Wir kennen es so ähnlich als Polterabend – die Dänen zertrümmern Geschirr an Silvester. Man nimmt ausgedientes Porzellanservice und wirft es vor die Haustür der Personen, denen man Glück bescheren möchte. Diese Tradition besagt, je mehr Scherben, desto mehr Glück! Um Punkt zwölf wird von einem Stuhl gesprungen, auch das soll das kommende Jahr positiv unterstützen. Im Fernsehen sehen die Dänen gerne die Neujahrsansprache der Königin.

England

In London findet jährlich das größte Feuerwerk Europas statt. Es wird an der Themse gleich neben dem berühmten Riesenrand gezündet. Ein traditioneller Song begleitet das Spektakel: „Auld Lang Syne“. Er wird zum Jahreswechsel gesungen, um verstorbenen Verwandten, Freunden und Bekannten zu gedenken. Alle Engländer, die nicht vor Ort sind, können sich das Feuerwerk im TV ansehen. An Neujahr werden dann traditionsgemäß kleine, dreieckige Törtchen gegessen, die mit Hackfleisch gefüllt sind. Das Besondere: Niemand bereitet sie für sich selbst zu, sondern verschenkt sie jeweils an Freunde und Verwandte. Dies soll Glück bringen.

Griechenland

Alte Bräuche sind immer noch angesagt. Die Griechen mögen es traditionell und hausgemacht. An Silvester wird im Land der mediterranen Küche ein Brot gereicht, das sogenannte Basiliusbrot. Doch wer ein Stück davon abbekommen hat, sollte besser nicht gierig hineinbeißen, denn in dem Brot hat sich eine Münze versteckt. Wer diese erwischt, dem steht ein besonders glückliches Jahr bevor.

Anstatt Feuerwerkskörper anzuzünden sitzen die Griechen an Silvester lieber bei einer guten Runde Karten- oder Würfelspiele zusammen. Das Glücksspiel bestimmt generell den Verlauf des Silvesterabends. Die Menschen sitzen bis spät in die Nacht zusammen und spielen um ihr Hab und Gut, ihr Bestes – Ihr Geld. Der Gewinner darf nicht nur das Geld behalten, sonder gewinnt auch noch eine Extra-Portion Glück.

Italien

In Italien wird der Wechsel der Jahre ähnlich gefeiert wie in Deutschland. Um Mitternacht gibt es ein großes Feuerwerk und geknallt wird im Land der Pasta und Pizza ebenso. Der einzige Unterschied zu den deutschen Bräuchen ist das Tragen eines roten Slips. Dieser bringt beiden Geschlechtern Glück für das neue Jahr.

Österreich

Diese Tradition überrascht eigentlich nicht: Die Österreicher tanzen bei ihrer Silvesterfeier um Mitternacht den Walzer! Und zwar ganz egal, ob sie sich gerade in einer Disco, Zuhause oder auf der Straße befinden. Erst danach geht es an‘s Böllern. Da sind die Prioritäten klar gesetzt.

Portugal

Den Portugiesen liegt ihre finanzielle Situation am Herzen, weshalb es hierfür einen Brauch gibt. Um Mitternacht muss eine Münze in der Hand gehalten werden – diese soll für finanzielle Sicherheit sorgen und außerdem Glück bringen. Alternativ kann es auch in den Hauseingang geworfen werden, allerdings nur in den eigenen! Die Tradition mit der farbigen Unterwäsche gibt es in Portugal übrigens ebenfalls. Und die letzte Mahlzeit des Jahres sollte nicht aus Geflügel bestehen – das Glück soll einem schließlich nicht davonfliegen.

Russland

Russland kombiniert die uns bekannten Weihnachts- und Silvesterbräuche. Am 31.12. kommt nämlich Väterchen Frost und bringt Geschenke, ähnlich wie unser Weihnachtsmann an Heilig Abend. Danach beginnt das Neujahrsfest, das offiziell bis zum 10. Januar reicht. Eine Tradition der Russen ist es, Neujahrswünsche auf einen Zettel zu schreiben. Dieser wird anschließend verbrannt, die Asche in ein Glas Champagner gegeben und bis Mitternacht ausgetrunken.

Schottland

Silvester ist für die Schotten einer der wichtigsten Feiertage des Landes. Sie feiern den Jahreswechsel, „Hogmanay“ genannt, gerne drei Tage lang. Dabei trinken sie ein traditionelles Getränk namens „Hot Pint“. Es besteht aus Whisky, Starkbier und Eiern. Überhaupt sind die Schotten an Silvester kein großer Fan von Sekt oder Champagner, sondern greifen durchaus lieber zu einem Glas Whiskey. Traditionell gibt es zahlreiche Fackelumzüge mit Dudelsack-Musik, aber auch hier ist um Mitternacht immer das Lied „Auld Land Syne“ zu hören, das von allen mitgesungen wird.

Spanien

Es hat schon etwas mit Können zu tun, was die Spanier jedes Jahr an Silvester um Mitternacht leisten. Und zwar ist es dort Tradition, 12 Trauben um punkt zwölf zu sich zu nehmen – Eine Traube pro Glockenschlag. Diese gibt es bereits abgezählt in speziellen Dosen zu kaufen. Sehr sportliche Bedingungen, die sich hier bieten. Schafft man es nicht, diese zwölf Trauben um Mitternacht zu verdrücken, verschluckt oder verzählt sich, bedeutet dies Unglück für das neue Jahr. Schafft man es hingegen, so darf man sich etwas wünschen, in der Hoffnung, dieser Wunsch würde im neuen Jahr in Erfüllung gehen.

Wie auch in Deutschland stoßen die Spanier mit einem Glas Sekt an. Der Clou: In dem Sekt befindet sich ein goldener Ring, der zusätzlich Glück bringen soll. In Spanien ist also Vorsicht geboten! Es gilt den Ring bloß nicht zu verschlucken.

Tschechien

Hier gibt es einen interessanten Silvesterbrauch: Ein Apfel verkündet, ob das kommende Jahr Glück oder Unglück bringt. Er wird quer halbiert, dann werden die Kerne betrachtet. Sind sie sternförmig angeordnet, heißt das Glück für‘s neue Jahr. Bilden die Kerne ein Kreuz, droht leider Pech.

Weltweite Silvesterbräuche:

Argentinien

Wie befreiend: Die Argentinier zerschreddern zu Silvester allerlei nicht mehr benötigte Unterlagen und Dokumente. Diese werden anschließend in Form von Papierschnipseln aus dem Fenster hinausgerieselt – Schnee in Südamerika!
Aber die Argentinier haben noch weitere kreative Ideen, ihr Altpapier zu verwerten. Sie fertigen Riesenpuppen aus Pappmaché, die dann verbrannt werden. Das soll für das kommende Jahr frei machen.

Australien

In Sydney findet das längste Feuerwerk der Welt statt. An der Oper wird das Lichtspektakel für volle 12 Minuten entzündet – jede Minute steht für einen vergangenen Monat.

Brasilien

Zum Jahreswechsel ist es in Brasilien Brauch, weiße Kleidung zu tragen. Diese symbolisiert Reinheit und Frieden. Außerdem werden am Strand Kerzen aufgestellt. Weiße Kerzen stehen, wie auch die Kleidung, für den Frieden, gelbe Kerzen sollen einen Geldsegen bewirken und rote Kerzen stehen für Glück in der Liebe. Ein weiterer Brauch treibt es unter die Gürtellinie - die Farbe der Unterwäsche spielt eine große Rolle. Wer weiße Unterwäsche trägt, der kann sich auf ein harmonisches, neues Jahr freuen. Wer sich für die rote Variante entscheidet, dem wird laut Tradition die große Liebe begegnen.

Ein Ritual der Brasilianerinnen ist es, an Silvester der Meeresgöttin Yemanja zu gedenken. Zu diesem Zweck werfen sie Blumen in das Meer und lassen kleine Schiffchen, gefüllt mit Süßigkeiten, zu Wasser. Dies soll die Fruchtbarkeit stärken und die Beziehung festigen. Zu Essen gibt es an Silvester einen klassischen Bohneneintopf, den Feijoada, welcher Wohlstand bringen soll.

China

Im Reich der Mitte wird Silvester erst am Tag des ersten Vollmonds nach dem 21.01. gefeiert. An diesem besonderen Tag wird das Haus erst einmal auf Vordermann gebracht und gesäubert. Es ähnelt einem Frühjahrsputz und birgt den Anfang von etwas Neuem. Außerdem werden eine Stunde vor Mitternacht alle Fenster im Haus geöffnet, um das Glück reinzulassen, welches das Haus erfüllen soll.

Auch in China gibt es für die Frauen eine besondere Tradition. Unverheirateten Frauen soll es Glück bringen, wenn sie Mandarinen in das offene Meer werfen. Durch diesen Akt sollen ihre zukünftigen Ehemänner angelockt werden. Außerdem wird an dem Tag des Jahreswechsels eine große, traditionelle Tafel gedeckt, auf der eine riesige Auswahl an chinesischen Speisen gereicht wird.

Ecuador

Die Südamerikaner praktizieren einen etwas gewöhnungsbedürftiger Brauch: An Silvester werden um Mitternacht Puppen mit Böllern gefüllt und diese anschließend entzündet. Dies können Hexenköpfe oder aber auch bestimmte Personennachbildungen (wie etwa Politiker) sein. Sinn des Brauches ist das symbolische Loswerden von allem Schlechten.

Sie sind noch etwas unentschlossen, was Sie dieses Jahr an Silvester machen wollen? Wir haben drei tolle Inspirationen gesammelt, mit denen Sie sicher einen tollen Abend verbringen.

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