Bestsellerlisten? Lässt unserer Kolumnistin und Literaturexpertin Isabell Stiller gerne links liegen. Sie vertraut lieber auf ihre Intuition, statt mit dem Strom zu schwimmen.
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Wie findet man eigentlich ein richtig gutes Buch, das einen nicht mehr loslässt und die Zeit völlig vergessen lässt? Diese Frage stellen wir Freunde, Familie und Bekannte wirklich ständig, wenn sie auf der Suche nach frischem Lesestoff sind. Manch einer würde dann vermutlich sagen: Na, in den Bestseller-Listen von Spiegel bis Amazon - und natürlich auf Instagram und TikTok. Was es dort in die engere Auswahl schafft, kann schließlich nur gut sein, oder etwa nicht?
Die Suche nach einem guten Buch ist keine einfache. Denn was macht ein gutes Buch überhaupt aus? Wenn wir mal ehrlich sind, dann lässt sich das tatsächlich gar nicht so genau sagen. Ob wir ein Buch gut oder schlecht finden, hat nämlich in erster Linie mit dem persönlichen, nicht aber dem Eindruck der Masse zu tun. Klingt plausibel, aber auch ich habe lange gebraucht, um das zu verstehen.
In den Fängen der Hype-Spirale
Wer auf der Suche nach einem guten Buch ist, macht sich entweder im Freundeskreis oder in der Buchhandlung des Vertrauens auf die Suche. Oder erledigt die Suche nach dem neuen Lieblingsbuch ganz bequem über Instagram, TikTok oder namhafte Bestseller-Listen. Die letzten drei Optionen klingen zwar unheimlich praktisch und verlockend, haben aber einen großen Haken: Wir laufen ziemlich schnell Gefahr, direkt in die gefürchtete Hype-Spirale abzudriften. Eine Spirale, die vollgestopft mit Büchern ist, die so omnipräsent in Stories, Reels und Fotos geteilt werden, dass es kein Entkommen mehr gibt. Voller Impulsivität landen die besagten Bücher dann in unserem Warenkorb oder werden in der Stamm-Buchhandlung vorbestellt. Muss ja gut sein, denken wir uns noch. Und kaum haben wir die ersten Seiten gelesen, lässt die Wahrheit nicht selten in Form einer saftigen Ohrfeige grüßen: Das gehypte Buch ist alles andere als gut. Autsch!
Lieber eine eigene Meinung bilden
Auch ich habe mich in der Vergangenheit ziemlich oft von solchen Hype-Büchern verführen lassen. Verteufeln möchte ich sie aber trotzdem nicht. Sonst wäre ich vermutlich nie auf Dolly Alderton oder Coco Mellors aufmerksam geworden. Ganz zu schweigen von Ocean Vuong. Und dennoch: Der richtige Umgang ist entscheidend - und der nötige Abstand beim Blick in die Bestseller-Liste und Booktok Community. Wichtig dabei ist, den Meinungen zu diesen Büchern nicht zu viel Raum zu geben und sich dabei auch noch in fantastisch ausgeschmückten Luftschlössern zu verlieren. Die lassen einen meistens nur frustriert zurück. Das gilt übrigens auch für Bewertungen zu Büchern, die von Presse und Publikum regelrecht zerrissen werden...
Büchern mit miesen Bewertungen ruhig mal eine Chance geben
Zugegeben, auch ich kann nicht widerstehen, die Rezensionen der anderen Leser:innen zu studieren. Ich finde es sogar unheimlich spannend, was andere so beim Lesen denken. Das war's aber auch. Wer sich zu sehr darin verliert, dem entgeht womöglich die Chance auf ein neues Lieblingsbuch. Gleiches gilt für die Bestseller-Listen. Was Ihnen gefällt, das muss noch lange nicht mir gefallen.
Ob uns ein Buch gefällt oder nicht, das können letztendlich doch nur wir entscheiden. Nicht Betty84 auf Amazon oder Leseratte3's Instagram-Feed und ihre 500.000 Follower:innen!
Die "Handverlesen"-Buchtipps im Dezember
Japan, Seelenfutter, Lieblingsfilme... Die Buchtipps für den Dezember sind ein buntes Potpourri, mit dem bestimmt auch Sie sich die dunkle Jahreszeit gleich ein wenig schöner lesen können.