Gesunde Erdbirne Alles über Topinambur

Sie schmeckt roh mild-nussig und gegart süßlich, steckt voller Ballaststoffe und wird auch als „Kartoffel für Diabetiker“ bezeichnet. Die süßliche Alternative zur Kartoffel gehört zu den Wurzelgemüsen und besitzt eine bräunlich-violette Schale und weißes-cremefarbenes Fleisch. Sie wird oft mit der Süßkartoffel verwechselt und diente früher häufig als Pferdefutter. 

Topinambur Alles über Topinambur © margouillatphotos/iStock

Kartoffel der Diabetiker – für alle gesund

Topinambur ist in Deutschland auch als Erdbirne, Erdsonnenblume oder Rosskartoffel bekannt und geriet mit der Einführung der Kartoffel fast in Vergessenheit. Während schon im 17. Jahrhundert die Indianer bei ihrer Rückkehr aus der Neuen Welt in Nord- und Mittelamerika die Vorzüge der stärkefreien Knolle schätzten, verbreitete sie sich dort und wurde schnell eines der beliebtesten Gemüse. Aus dieser Zeit stammt auch der Begriff „Indianische Kartoffel“, denn Topinamba hieß der damalige Stamm der Rückkehrer. Die Kulturpflanze erfreut sich in Deutschland zunehmender Beliebtheit, denn sie liefert nicht nur wertvolle und gesunde Inhaltsstoffe, sondern enthält anstatt Stärke das Inulin. Das Inulin ist ein präbiotischer löslicher Ballaststoff, der vor allem für die Ernährung bei Diabetes von Bedeutung ist. Nicht nur, das Inulin lange sättigt, es wird im Dickdarm zu kurzkettigen Fettsäuren umgewandelt. Das führt zu einem extrem geringen Kaloriengehalt von nur 1 Kilokalorie pro Gramm. Dabei besitzt Inulin gegenüber herkömmlichen Zucker noch immer 30 bis 50% seiner Süßkraft und beeinflusst die Darmflora positiv. Als präbiotischer Inhaltsstoff führt der Verzehr zur vermehrten Ansiedlung von gesunden Bakterien in unserem Darm. 

Das Wintergemüse enthält viel Wasser und Ballaststoffe

Topinambur beeinflusst mit seinem Inulin kaum den Blutzuckerspiegel, was Diabetiker besonders erfreut. Die als „Diabetiker-Kartoffel“ bezeichnete Knolle verhindert das rasche Ansteigen und anschließende Absinken eures Blutzuckerspiegels und verhindert so die gefürchteten Heißhungerattacken. Neben dem Ballaststoff besteht die Power-Knolle zu einem großen Teil aus Wasser, aber in ihr enthalten sind auch die Vitamin A, B, C und D sowie beispielsweise Kalium, Eisen, Magnesium und Selen. Sekundäre Pflanzenstoffe in dieser schmackhaften Erdknolle stärken das Immunsystem, verbessern das Hautbild und unterstützen die nützlichen Bakterien im Darm. Geerntet wird die schnell verderbliche Knolle zwischen Oktober und März. Im Handel findet ihr die frischen Knollen, aber auch Sirup, Saft oder Mehl. Im frischen Zustand sind sie leider nur kurz haltbar, daher sind die Alternativen eine gute Möglichkeit für vielfältige Anwendungen in der Küche. 

Auch im heimischen Garten ist der Anbau möglich

Wenn die bis zu drei Meter hohe Pflanze blüht, dann bilden sich leuchtend gelbe Blütenstände, die in ihrer Form den Sonnenblumen ähneln. Auf lockerem, leicht sandigen Boden und an einem sonnigen bis halbschattigen Platz kann die Knolle im Frühjahr eingepflanzt werden. Mit viel Wasser täglich gießen und mit Kompost regelmäßig düngen – Fertig ist der hausgemachte Vorrat an schmackhaften Topinambur. Einmal geerntet müssen sie jedoch schnell verarbeitet werden. Sie sind nur wenige Tage lagerungsfähig und gehören am besten ungewaschen ins Gemüsefach eures Kühlschranks. Der Gehalt an Inulin ist direkt nach der Ernte besonders hoch und fällt mit der Lagerung konstant ab. Wer nicht alle Knollen selber essen möchte, der kann sie auch an Pferde, Hunde, Kleintiere, Schafe und Schweine verfüttern. Topinambur gehören schon seit 1922 zum empfohlenen Speiseplan für Diabetiker, da das Inulin nicht von uns verdaut werden kann. Erst im Dickdarm fermentiert es und wirkt deshalb auf den menschlichen Darm wie ein Ballaststoff. Einige Menschen reagieren jedoch auf die Aufnahme von Topinambur mit Blähungen, dann solltet ihr auf den Verzehr lieber verzichten. Als Kautablette oder Getränk ist die Wunderknolle ein wirksames Mittel gegen das Hungergefühl. Kurz vor den eigentlichen Mahlzeiten eingenommen quillt es in Verbindung mit Wasser auf und dämpft das Hungergefühl ab. Besonders in Baden-Württemberg stellt man gerne den Topinambur-Schnaps aus der Erdknolle her. Das hochprozentige Destillat mit seinem nussigen Geschmack gilt als Verdauungsschnaps nach dem Essen und wird zu den Obsterlern gezählt. Ein Großteil der jährlichen Ernte in Deutschland geht in die Spirituosenherstellung. 

Topinambur wirkt nicht nur entzündungshemmend

Die in den Knollen enthaltene Phenolsäure Salicylsäure ist bekannt für ihre antimikrobielle sowie entzündungshemmende Wirkung. Daneben findet sich auch Clorogensäure und Gentisinsäure in Topinambur. Während Erstere eine krebsvorbeugende Wirkung besitzt, hemmt Gentisinsäure die Bildung von ungesunden Bakterien im Darm. Auch krebshemmendes Betain, Cholin und Saponine sind in der wertvollen Knollenfrucht vorhanden. Polyphenole wirken beim Menschen wie freie Radikale mit einer hohen antioxidativen Wirkung. Den besonders nussigen Geschmack erhaltet ihr bei der Verarbeitung der rohen Knolle zum Beispiel im Salat oder als Gemüse. Gebraten oder püriert erhalten sie einen besonders süßen Geschmack. Ihr könnt sie aber auch ungeschält verzehren, braten, dünsten, gratinieren oder frittiert zubereiten. Rezepte für saftiges Brot und schmackhafte Chips sind genauso zu finden wie als Beilage zu Fisch oder frisch gerieben im Salat. Frisch angeschnittene Knollen könnt ihr mit ein paar Tropfen Zitronensaft beträufeln, dann werden sie nicht so schnell braun. Die Schale ist anders als bei der Kartoffel verzehrfähig und besitzt einen angenehmen Geschmack. Die vitaminreiche Knolle ist vielfältig einsetzbar und kann zu zahlreichen leckeren Gerichten verarbeitet werden. Bei einer Fructoseintoleranz kann der Verzehr von Topinambur aber zu Bauchweh, Durchfall, Blähungen und Darmkrämpfen führen.

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