Chinesische Medizin für den Alltag

Chinesiche Medizin im Alltag

In der chinesisches Medizin (TCM) hat jedes Organ seine eigene Zeit. Wer sein Herz, Magen oder Milz nach einem Plan stärkt, lebt gesünder und ausgeglichener.

Chinesische Medizin im Alltag
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Chinesiche Medizin im Alltag

Alles hat seine Zeit“, heißt es in der Bibel. Moderne Wissenschaftler haben mittlerweile sogar das Uhrwerk gefunden, das unserem Organismus den Takt vorgibt: eine reiskorngroße Nervenansammlung im Gehirn, etwa auf Höhe der Nasenwurzel. Auch in der chinesischen Medizin (TCM) spielen Rhythmen eine Rolle. „Schon vor 2000 Jahren kamen TCM-Ärzte zu der Erkenntnis, dass sich unser Befinden im Zwei-Stunden-Takt verädert“, erklät Andreas A. Noll, Professor an der chinesischen Chengdu-Uni. „Und dass wir Gesundheit und Energie gewinnen können, indem wir im Einklang damit leben.“ Die „Chinesische Organuhr“, die daraus entwickelt wurde, ordnet jedem Zwei-Stunden-Abschnitt ein Organ zu. Das ist der Ort, an dem man die Lebensenergie (Qi) zu einer bestimmten Zeit am besten beeinflussen kann – und zwar lange über die beiden Stunden hinaus. Zudem kann man Köper und Seele ganzheitlich stäken, wenn man ein Organ genau zu „seiner“ Zeit unterstüzt. „Wenn Sie zum Beispiel um sieben mit einer Klopfmassage den Magen therapieren, können Sie nicht nur Sodbrennen loswerden, sondern Sie werden auch insgesamt wacher“, so der Experte. Jeweils drei Varianten zu „zeitgemäßen“ Therapien stellen wir vor. Sie können alle anwenden oder probieren, welche Ihnen besonders guttun.

5–7 Uhr: Der Traumwelt sanft entschweben

Für chinesische Mediziner sind die frühen Morgenstunden die „Dickdarmzeit“. Denn unsere Verdauung entwickelt jetzt ihre größte Kraft, während etwa Körpertemperatur und Reaktionsfähigkeit noch nicht ihr Optimum erreicht haben. Drei Methoden, mit denen Sie Ihren Körper dabei unterstützen, frisch und munter zu werden:

  • Atmen Sie sich wach Verschließen Sie mit dem rechten Daumen das rechte Nasenloch. Atmen Sie durchs linke Nasenloch langsam ein. Halten Sie nun beide Nasenlöcher zu, während Sie die Luft einige Sekunden anhalten. Das rechte Nasenloch frei machen und dadurch langsam ausatmen. Dann die Seite wechseln. Insgesamt 15-mal.
  • Massieren Sie sich die Nase frei Sanft mit den Zeigefingern links und rechts von der Nase zu den Seiten streichen.
  • Trinken Sie nach dem Zähneputzen in Ruhe ein Glas warmes Wasser (fördert auch die Ausscheidung).

7–9 Uhr: Mit Selbstbewusstsein den Tag beginnen

Zwischen sieben und neun Uhr morgens ist unser Organismus besonders aufnahmebereit für Nahrung. Chinesische Ärzte raten, sich dabei nicht „durch zu viel Denken, Zweifeln und Grübeln zu belasten“. In der „Magenzeit“, wie sie sie nennen, kann man die Seele auf diese Weisen stärken:

  • Tee aus gleichen Teilen Kamille, Pfefferminze, Melisse und Schafgarbe (Apotheke) sind gut für den Magen. 2 TL der Mischung in einer Tasse überbrühen, zugedeckt 10 Minuten ziehen lassen.
  • Schüßler-Salz Nr. 11 (Silicea) ist das „Willenssalz“. Es kräftigt die Seele – und als Nebeneffekt auch Haut und Bindegewebe. Drei Stück (aus der Apotheke, rezeptfrei) langsam unter der Zunge zergehen lassen.
  • Lassen Sie kräftig die Arme nach hinten schwingen und versuchen Sie mit den lockeren Fäusten etagenweise so viele Regionen Ihres Rückens abzuklopfen wie möglich.

9–11 Uhr: Das innere Kraftwerk in Aktion bringen

Jetzt können wir am besten lernen und denken. Wie gut unser Organismus die Energie dafür bereitstellt? Das hängt davon ab, wie gut wir mit all den Reizen umgehen, die auf uns einströmen. In der TCM ist unser inneres Kraftwerk die Milz. So können Sie sie aktivieren:

  • Tee aus Ackerschachtelhalm (Apotheke) gibt Power, weil er seelisch und körperlich von „nicht Verdautem“ entschlackt: 2 TL in einer Tasse mit kochendem Wasser übergießen, 10 Minuten ziehen lassen.
  • Ein Akupressurpunkt, der stärkend auf die Milz wirkt, liegt am Grundgelenk des großen Zehs (dort, wo der Ballen ist). Reiben Sie ihn ungefähr drei Minuten lang, bis diese Stelle und auch Ihre Finger warm werden.
  • Als Zwischenmahlzeit gibt eine klassische Hühnersuppe Extra-Power, wenn Sie sie mit frischem Thymian und Rosmarin zubereiten (Kräuter einfach mitkochen).

Mittag und Nachmittag


11–13 Uhr: Die Sonne ins Herz lassen

Mittags ist „Herzenszeit“ aus der Sicht der chinesischen Medizin. Wenn sie sich zeigt, strahlt die Sonne nämlich dann am hellsten und wärmsten. Man trifft sich, um sich mit anderen auszutauschen und für den Rest des Tages neue Energie zu tanken. Das tut Körper und Seele jetzt gut:

  • Eine Qigong-Übung für das Herz Sie stehen aufrecht und strecken die Hände mit angewinkelten Ellbogen zum Himmel. Atmen Sie tief ein und aus. Führen Sie die Hände vor den Brustkorb und öffnen Sie sie wie eine Schale nach oben. Senken Sie dann die Hände beim Ausatmen nach unten bis zum Unterbauch.
  • Bevorzugen Sie mittags „rotes“ Essen: Paprika, Tomaten, aber auch rote Beeren aktivieren Seelenkräfte über die Farbe – nach TCM-Lehre liefern sie nämlich „feurige“ Energie.
  • Würzen Sie Reisgerichte, Desserts oder Ihren Milchkaffee mit Zimt, dem Gewürz zur Herzensstärkung. Wenn Sie den Geschmack nicht mögen, können Sie auch Zimtextraktkapseln nehmen (z. B. „Diabetruw“, rezeptfrei, Apotheke).

13–15 Uhr Auf das Bauchgefühl hören

Während der Organismus die Nährstoffe des Mittagessens verarbeitet, herrscht das „Bauchgehirn“ im Dünndarm über den Kopf. Sie können ihn beim Sortieren der Eindrücke der ersten Tageshälfte damit unterstützen: Π Schüßler-Salz Nr. 6 (Kalium sulfuricum; rezeptfrei in Apotheken) hilft, mit seelischen Belastungen wie etwa Ärger oder Ängsten fertigzuwerden. Drei Tabletten langsam unter der Zunge zergehen lassen.

  • Machen Sie wann immer möglich in dieser Zeit ein kurzes Nickerchen (maximal 20 Minuten) oder einen Spaziergang.
  • Lavendel ist eine große „Seelenpflanze“ Chinas, die laut TCM beruhigend auf das Sonnengeflecht wirkt. Dieses Nervennetz ist an der Steuerung des „Bauchgefühls“ beteiligt. Wenn Sie zum Grübeln neigen, können auch Lavendelkapseln aus der Apotheke helfen („Lasea“, rezeptfrei).

15–17 Uhr: Eigene Stärken gezielt nutzen

„Blasenzeit“ heißen diese Stunden in der TCM. Nach dem kleinen Mittagstief kommt die Energie zurück. Blutdruck und Kreislauf erreichen noch einmal ein Maximum. Sie können Ihre persönlichen Stärken jetzt optimal einsetzen. Besonders gut tut uns während dieser Phase:

  • Den Blasen-Akupressurpunkt 66 aktivieren. Das wirkt wärmend und stärkend. Er liegt am Grundgelenk der linken kleinen Zehe. Reiben Sie ihn drei Minuten lang kräftig mit den Fingern. Sie werden eine angenehme Wärme spüren.
  • Schüßler-Salz Nr. 1 (Calcium fluoratum, rezeptfrei in Apotheken) schafft ein Gleichgewicht zwischen Festigkeit und Nachgiebigkeit. Drei dieser Harmonie-Tabletten langsam unter der Zunge zergehen lassen.
  • Die Blase verlangt jetzt nach Flüssigkeit. Ideal ist entschlackendes Ingwer-Wasser: Raspeln Sie ein 2 cm langes Stück Ingwer in ein großes Glas Wasser und lassen sie es 15 Minuten lang ziehen. Das beugt auch Harnwegsinfekten vor.

Der Abend


17–19 Uhr: Das Tempo zurückfahren

Puls und Blutdruck sinken gegen Abend automatisch, obwohl der Organismus noch eine Weile auf Hochtouren läuft. So können Sie in dieser „Nierenzeit“ den Körper dabei unterstützen, zur Ruhe zu kommen:

  • Füllen Sie Ihre Vitamin- und Mineraliendepots mit Vogelmiere auf. Dieses Kraut (gibt’s z. B. in Kräuterläden) passt prima zu Salat und Gemüsegerichten. Einfach 2 EL zum Essen geben.
  • Tee mit Goldrute (z. B. „Salus Stoffwechsel-Aktiv Tee Nr. 7“, rezeptfrei in Apotheken) unterstützt die Nieren bei der Entgiftung.
  • Das Schüßler-Salz Nr. 12 (Calcium sulfuricum, rezeptfrei in Apotheken) bekämpft zum Beispiel Verunsicherungen, die gesunde Entspannung behindern. Drei Tabletten langsam unter der Zunge zergehen lassen.

19–21 Uhr: Bewusst die Ruhe genießen

Nun stellt der Organismus endgültig auf den Ruhemodus um. In der TCM ist diese Phase dem Perikard zugeordnet, der bindegewebsartigen Hülle, die unser Herz umschließt. Wir haben das Bedürfnis, uns zurückzuziehen. Um das zu unterstützen, kann man Folgendes tun:

  • Beruhigend wirkt es, wenn man die Akupressurpunkte „Perikard 8 und 6“ jeweils einige Minuten lang drückt. Sie liegen genau in den Mitten der Handflächen.
  • Schließen Sie die Augen und konzentrieren Sie sich im Sitzen auf Ihren Schoß. Atmen Sie ein und stellen Sie sich dabei vor, wie die Energie von dort an der Vorderseite des Körpers hoch bis zum Mund fließt. Beim Ausatmen lassen Sie sie in Ihrer Vorstellung vom Mund über den Kopf und den Rücken hinunter bis zum Steißbein fließen. Dreimal wiederholen.
  • Tausendgüldenkraut stärkt das Perikard durch seine Bitterstoffe. Einen gestrichenen TL Kraut (z. B. aus dem Kräuterhaus) mit einer Tasse heißem Wasser überbrühen und 10 Minuten lang ziehen lassen.

Die drei großen Rhythmen unseres Körpers

Es ist kein Zufall, dass wir nachts schlafen, Frauen einmal pro Monat ihre Regel bekommen und sowohl Christen als auch Muslime in Jah - resabständen Fastenzeiten haben. Körpervorgänge und -veränderungen laufen in drei immer wiederkehrenden Rhythmen ab, sagen Chronobiologen: In den sogenannten „ultradianen Rhythmen“ finden mehrmals täglich wiederkehrende Ereignisse statt. Beispiele dafür sind unsere Mahlzeiten, Traumphasen, aber auch der Herzschlag. Ein sogenannter „zirkadianer Rhythmus“ ist der Tag. Ebbe und Flut funktionieren danach, aber auch unser Schlafwach- Rhythmus und der Stoffwechsel. Sprechen Experten dagegen von „infradianen Rhythmen“, meinen sie Jahre, Jahreszeiten und Monate. In diesen Rhythmen finden Heilungs-, Wachstums- und Fortpflanzungsprozesse statt.

Weitere Strategien zur Stärkung von Körper und Seele im optimalen Rhythmus: „Die Organuhr“ von Andreas Noll und Dagmar Hemm, GU, 12,99 Euro

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