Netzhautablösung - die unterschätzte Gefahr

Netzhautablösung - die unterschätzte Gefahr

Eine Netzhautablösung ist fast immer vollständig heilbar. Doch nur die wenigsten kennen die Alarmsignale. Worauf Sie achten sollten und warum jährliche Vorsorge ab vierzig so wichtig ist.

Netzhautablösung - die unterschätzte Gefahr
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Netzhautablösung - die unterschätzte Gefahr

Lichtblitze vor den Augen, das Gefühl, dass ein Rußregen niedergeht oder Teile des Gesichtsfelds schwarz werden – all dies sind Anzeichen für eine beginnende Netzhautablösung. Wer diese Symptome bemerkt, sollte sofort einen Augenarzt aufsuchen. Denn wird die Erkrankung nicht umgehend behandelt, droht der Verlust der Sehkraft. Vor allem bei Menschen ab vierzig steigt die Gefahr einer Netzhautablösung. „Es gibt in Deutschland rund 8000 neue Patienten pro Jahr“, sagt Professor Maren Klemm, stellvertretende Direktorin an der Klinik für Augenheilkunde des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf.

Nachlassende Sehkraft allein ist noch kein Alarmsignal. Denn der Sehkraftverlust hat weniger mit der Netzhaut (Retina) als mit der Linse zu tun. Sie verliert im Alter ihre Geschmeidigkeit, wird weniger biegsam und kann das Gesehene nicht mehr scharf auf die Netzhaut projizieren.

Vielfältige Ursachen

Sehbehinderungen, die durch eine Netzhautablösung entstehen, sind dagegen nur durch eine Operation zu beheben. Die Ablösung entsteht fast immer durch einen Riss oder ein kleines Loch. Nach und nach löst sich die Retina an dieser Stelle von ihrer nährenden Unterlage ab. Es gibt vielfältige Ursachen: Häufig tritt eine Netzhautablösung bei Kurzsichtigen auf (ab etwa minus zwei Dioptrien), weil bei ihnen die Retina stark gedehnt wird. „Diese Veranlagung wird häufig vererbt“, erklärt Augenärztin Maren Klemm.

Auch wer bereits am grauen Star operiert wurde, kann leichter an einer Netzhautablösung erkranken. Ebenso Patienten, die eine Augapfel-Prellung erlitten haben. In diesem Fall sind regelmäßige Kontrollen nötig, denn Verletzungen können noch Jahre später zu einer Ablösung führen.

Vorsorge rettet das Sehvermögen


Vorsorge rettet das Sehvermögen

Doch auch wer nicht zu den typischen Risikogruppen gehört, sollte ab vierzig jährlich zum Netzhaut-Check gehen (leider werden die Kosten von rund 40 Euro nicht von den Krankenkassen übernommen). Ab diesem Alter nämlich verändert sich der Glaskörper – eine gelartige, durchsichtige Masse im Inneren des Auges, die an einigen Stellen mit der Netzhaut verbunden ist. „Schrumpft der Glaskörper, entsteht Spannung auf der Netzhaut. Dadurch können sich Risse bilden, durch die Glaskörperflüssigkeit unter die Netzhaut gelangt und für eine Ablösung sorgen kann“, erklärt Maren Klemm. Da in der Retina keine Schmerzrezeptoren sitzen, spüren Betroffene nichts.

Bei der Vorsorgeuntersuchung können weitere Veränderungen rechtzeitig erkannt werden, wie das Glaukom (grüner Star) oder die „altersabhängige Makula-Degeneration“ (AMD), eine Netzhauterkrankung, die das Zentrum des schärfsten Sehens (Makula) zerstört. Im Ernstfall gilt: Je schneller gehandelt wird, desto größer ist die Chance, die Sehkraft vollständig zu erhalten. Der Arzt untersucht unter lokaler Betäubung bei erweiterter Pupille den Augenhintergrund. Kleine Risse oder kleine Löcher lassen sich oft mittels Laser „kitten“. Dieser Eingriff erfolgt ambulant.

Hat sich die Netzhaut abgelöst, wird eine Operation erforderlich. Ist die Ablösung auf einen kleinen Bereich beschränkt, näht der Operateur von außen eine durchsichtige Silikonschicht auf das Auge, sodass der Augapfel künstlich eingedellt wird. Dadurch legt sich die Netzhaut wieder an. Bei großen Rissen wird ein Silikonband um den Augapfel gelegt (Cerclage). Mit Laser oder durch eine Kältesonde wird die Netzhaut dann mit der Unterlage verschweißt. Und das Augenlicht ist gerettet.

Experten-Tipps


„Dauerstress beeinträchtigt auch die Augen“

Unsere Expertin:

Prof. Maren Klemm, Fachärztin für Augenheilkunde am Uniklinikum Hamburg- Eppendorf.

Experten-Tipps: Wie man seine Sehkraft stärkt und was bei viel PC-Arbeit hilfreich ist.

Was kann jeder tun, um seine Augen zu schützen?

Bei Sportarten, die das Auge gefährden können, sollte grundsätzlich eine Schutzbrille getragen werden. Außerdem ist eine gute Sonnenbrille wichtig bei heller Sonne und für einen Aufenthalt in den Bergen, im Schnee und an der See, wo die UV-Strahlung besonders stark ist. Denn UV-Strahlen greifen das Auge an. Darüber hinaus ist eine jährliche Vorsorgeuntersuchung ab dem 40. Lebensjahr zu empfehlen.

Kann die richtige Ernährung die Sehkraft zusätzlich stärken?

Der gesamte Körper profitiert, wenn man sich ausgewogen ernährt. Viel frisches Obst, Gemüse und Seefisch versorgen auch die Augen mit lebenswichtigen Nährstoffen wie Vitamin A, Beta-Carotin, Zink und Omega-3-Fettsäuren.

Wie kann man seine Augen im Alltag entlasten?

Wer lange konzentriert am PC arbeitet, vergisst oft zu blinzeln. Die Augen trocknen aus, brennen, Krankheitserreger haben leichtes Spiel. Es tut den Augen daher gut, ab und zu in die Ferne zu schauen. Auch künstliche Tränenflüssigkeit lindert Beschwerden.

Schadet Stress den Augen?

Er ist sicher kein alleiniger Auslöser für Augenerkrankungen. Da er aber zu Gefäßverengungen führen kann, beeinträchtigt Dauerstress auch die Versorgung der Augen mit Nährstoffen.

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