Hämorrhoiden nicht aussitzen

Hämorrhoiden nicht aussitzen

Niemand mag darüber sprechen, aber jeder Zweite kennt das unangenehme Jucken. Zum Glück lässt sich das Problem gut therapieren.

Hämorrhoiden
© Oliver Flörke-fotolia
Hämorrhoiden nicht aussitzen

Dieses Tabu hat bislang noch keiner geknackt. Wer auf dem Örtchen ein Brennen und Zwicken im Po verspürt, schweigt diskret. Selbst wenn die Hämorrhoiden helles Blut auf dem Toilettenpapier hinterlassen, wird das peinvoll ertragen. „Es ist erstaunlich, wie lange manche Patienten leiden, bevor sie zum Arzt gehen“, sagt die Enddarmspezialistin Dr. Heike Schlick aus Schkeuditz bei Leipzig.

Gefahr durch Druck


Gefahr durch Druck

Dabei mangelt es den Betroffenen nicht an Hygiene, wie viele glauben. Drängen die zarten Schwellkörper am After ans Tageslicht, liegt das meist an einem erhöhten Druck im Enddarm. Aus diesem Grund leiden Frauen häufig in der Schwangerschaft an Hämorrhoiden. Auslöser ist die wachsende Gebärmutter. „Sehr oft fördern auch chronische Verstopfungen die Ausstülpungen“, sagt Proktologin Schlick. Durch Pressen steigt der Druck auf die Blutpolster. Die Folge: Sie wachsen, lockern sich und treten beim Stuhlgang nach außen. Handelt es sich um Hämorrhoiden ersten oder zweiten Grades, können sie von allein wieder verschwinden. Lassen sie sich nur noch mit dem Finger zurückbefördern, spricht der Arzt von Hämorrhoiden dritten Grades. Im vierten Grad liegen die Schwellkörper dauerhaft im Freien. Das muss nicht immer Beschwerden hervorrufen. Erst wenn Symptome wie Juckreiz, Nässen, Blutungen oder ein irritierendes Druckgefühl am Po auftreten, spricht der Arzt von einem Hämorrhoidal- Leiden. Heike Schlick: „So weit muss es nicht kommen. Wer vorbeugt, kann sich das Leiden ersparen oder das Fortschreiten der Erkrankung verhindern.“

Die wichtigste Prophylaxe besteht darin, „Härtefälle“ auf der Toilette zu vermeiden: Ein weicher Stuhlgang erspart das schädliche Pressen. „Dabei helfen Ballaststoffe, etwa aus Vollkornprodukten, Gemüse und Obst oder auch in Form von Weizenkleie und Flohsamen“, sagt Heike Schlick. „Diese Pflanzenbestandteile bringen den Darm auf Trab, weil sie vom Körper größtenteils nicht verdaut werden.“ Zudem vergrößern Quellstoffe in Verbindung mit Flüssigkeit die Stuhlmenge, das kurbelt die Darmtätigkeit an. Ausreichend trinken – mindestens 1,5 Liter Flüssigkeit täglich – und Bewegung helfen zudem, Verstopfungen vorzubeugen.

Darmkrebs ausschliessen


Darmkrebs ausschliessen
Kommt es trotzdem zu Problemen, hilft ein Proktologe. Er erkennt, ob tatsächlich Hämorrhoiden verantwortlich sind. „Oft stecken ganz andere After- oder Beckenboden erkrankungen hinter den Beschwerden, etwa eine Analvenenthrombose. Bei starken Schmerzen kann auch eine Fissur die Ursache sein“, so Heike Schlick. Gerade bei Blutungen sollte man rasch einen Arzt aufsuchen, um Darmkrebs auszuschließen. Zumeist genügen Blickdiagnose, Austasten des Analkanals und eine Enddarmspiegelung, um die Ursache zu finden.

Verursachen Hämorrhoiden keine Beschwerden, brauchen sie keine Therapie. Kurzzeitig lassen sich Juckreiz und Brennen mit Cremes, Pasten oder Zäpfchen selbst behandeln. Inhaltsstoffe wie Benzocain oder Lidocain wirken leicht betäubend, Sitzbäder mit Zusätzen von Kamille beruhigen. Salben mit Hamamelis-Gerbstoffen haben einen abschwellenden Effekt.

Efektive Operationen


Efektive Operationen

Bessern sich die Beschwerden nicht, muss der Arzt ran. Je nachdem, wie weit das Leiden fortgeschritten ist, wählt der Proktologe seine Technik. Er kann Gewebeknoten ambulant veröden oder mit einem Gummiband abklemmen. Der lokale Blutfluss erlahmt, wenige Tage später stirbt der Gewebeteil ab und wird mit dem Stuhlgang ausgeschieden. Eine dritte Möglichkeit ist die Hämorrhoidenoperation. Chirurgin Schlick: „Es gibt auch Methoden, bei denen die Hämorrhoiden erhalten bleiben. Dabei ,liftet‘ man die vorfallenden Hämorrhoiden und versetzt das verrutschte Gewebe an seine Ursprungsstelle zurück.“

Der erste Schritt ist jedoch immer derselbe: Der Patient muss seine falsche Scham überwinden. Gerade bei Po-Problemen funktioniert Aussitzen am wenigsten.

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