Herzrisiken

Herzrisiken

Unser zentrales Organ ist nicht nur von Risikofaktoren wie Zigaretten und Cholesterin bedroht. Genauso gefährlich sind Ängste, Stress und Depressionen.

Wenn die Seele das Herz bedrängt
© Berchtesgaden-Fotolia
Herzrisiken

So eine Patientin war den Herzspezialisten des Offenbacher Krankenhauses noch nicht untergekommen. Mit Verdacht auf Herzinfarkt in die Klinik eingeliefert, berichtete die 60-Jährige von ihren akuten Beklemmungen in der Brust – doch weder EKGMuster noch Herzkatheter zeigten Auffälligkeiten. Ihr Herz pulsierte im gewohnten Rhythmus, die Herzkranzgefäße waren frei und durchlässig. „Die Ärzte sagten, mein Fall sei ein echtes Rätsel“, erinnert sich Christa Rogg. Auch andere Spezialisten wussten keinen Rat, obwohl Brustschmerzen und das Herz-Engegefühl anhielten.

Heute, vier Jahre später, ist das Rätsel gelöst: Die ehemalige Stewardess litt am Tako-Tsubo- Syndrom. Bei dieser Krankheit, die auch als Broken-Heart-Syndrom bezeichnet wird, schüttet der Körper anfallartig irrwitzige Mengen an Stresshormonen aus: Ihre Blutwerte steigen bis zum 34-Fachen des Normalwerts. Das führt dazu, dass sich der Herzmuskel verkrampft und seine Besitzerin heftige Brustschmerzen und Atemnot verspürt. Fast immer trifft es Frauen, die Gründe hierfür sind bisher unbekannt. Es fühlt sich an wie ein echter Infarkt; trotzdem heilt das „gebrochene Herz“ in den meisten Fällen von selbst, sobald sich der akute Krampf löst.

Erst seit wenigen Jahren wird das Tako-Tsubo- Syndrom, das in Japan bereits Anfang der 90er Jahre beschrieben wurde und seinen Namen (übersetzt: „Tintenfischfalle“) einer flaschenartigen Verformung der linken Herzkammer verdankt, auch in westlichen Medizinjournalen diskutiert. Das hängt vor allem mit seiner Seltenheit zusammen. Auf hundert arterielle Herzinfarkte kommen schätzungsweise ein bis zwei Broken-Heart-Syndrome. Es ist sicher kein Zufall, dass die Erforschung dieses ungewöhnlichen Leidens in eine Zeit fällt, in der die Herzmedizin die Patientenseele neu entdeckt. Zunehmend wächst die Erkenntnis, dass das Herz-Kreislauf-System nicht nur von klassischen Risikofaktoren wie Übergewicht, Nikotinkonsum oder hohen Cholesterinwerten bedroht wird, sondern auch durch Ängste oder belastende Lebensereignisse. „Epidemiologische Studien zeigen, dass solche psychosozialen Faktoren bei jedem dritten Herzinfarkt eine Rolle spielen“, sagt Dr. Jochen Jordan, der in Bad Nauheim die Klinik für Psychokardiologie leitet. „Menschen mit Depressionen beispielsweise sind beinahe so infarktgefährdet wie Kettenraucher. Sie stehen einerseits unter Dauerstress, andererseits pflegen sie häufig einen ungesunden Lebensstil.“ Im Gegensatz zum Tako-Tsubo- Syndrom, das sich zwar wie ein Infarkt anfühlt, aber von selbst heilt, sind Herzinfarkte, die durch psychische Faktoren mit verursacht wurden, echt und lebensbedrohlich.

Psychologieprofessor Jordan gilt als Pionier der Psychokardiologie. Diese neue Wissenschaftsrichtung erforscht, wie Gemütszustände unser Herz beeinflussen und wie vorhandene Herzkrankheiten umgekehrt die Seele belasten. Eine entscheidende Rolle spielen hierbei Stresshormone. „Katecholamine wie etwa Adrenalin unterdrücken die Aktivität des Immunsystems und begünstigen schleichende Entzündungen an den Gefäßwänden. Das führt dazu, dass sich Plaque ablagert und die Arterien verdicken – bis sich das Gefäß irgendwann verschließt.“ Hinzu kommt: Stresshormone bewirken, dass die Reizleitungen des Herzens instabil werden. Es kommt zu Herzrhythmusstörungen.

Dauerstress und Ärger sind Gift für das Herz


Dauerstress und Ärger sind Gift für das Herz

Keine Sorge, ein paar anstrengende Wochen kann unser Herz normalerweise ganz gut verkraften. Gefährlich hingegen sind chronisch erhöhte Stresspegel, wie sie Frauen beispielsweise nach dem Verlust ihres Partners erleben, nach einer kränkenden Kündigung oder während der aufreibenden Pflege eines behinderten Kindes. „Schätzungsweise jeder zweite Patient in kardiologischen Reha-Einrichtungen hatte ein schwerwiegendes Ereignis zu verdauen“, erklärt Jordan.

Zu den Gefühlen, die dem Herzen auf Dauer Schaden zufügen können, gehören auch chronische Erschöpfung, lang anhaltende Einsamkeit oder ständiger Ärger. Die Auslöser der Herzbeschwerden sind jedoch nicht immer so offenkundig. „Ich fühlte mich vor meiner Attacke überhaupt nicht gestresst. Vielmehr sah ich mich auf eine positive Weise angespannt“, erinnert sich Tako-Tsubo-Patientin Christa Rogg. Erst ein erfahrener Psychologe, der sie nach ihrer zweiten Stress-Kardiomyopathie im Frühjahr 2008 behandelte, öffnete ihr die Augen: Wie ein batteriebetriebenes Trommeläffchen stand sie jahrelang nahezu pausenlos unter Strom. Sie engagierte sich im Chor und im Bridgeclub, organisierte Gruppenreisen für bis zu 200 Personen und ging als Gelegenheits- Skipperin mit Gästen auf Ostseetörns. „Vor allem die enorme Verantwortung an Bord saß mir im Nacken. Nachts tat ich kaum ein Auge zu, obwohl mir das Segeln wirklich Spaß machte.“

Harmonie und Hobbys sind ein guter Ausgleich


Harmonie und Hobbys sind ein guter Ausgleich

Schon nach wenigen Gesprächen mit dem Klinikpsychologen beschloss Christa Rogg, ihren Lebensstil radikal zu ändern. Sie kündigte ihr aufreibendes Engagement als Skipperin und zog sich aus der Vereinsarbeit zurück. „Seitdem geht es mir viel besser. Und ich schlafe endlich auch wieder gut.“

Persönliche Probleme aufzuarbeiten gehört zur psychosomatischen Behandlung, genau wie Verhaltenstraining und Stressbewältigungskurse. All das hilft, neuen Herzbeschwerden vorzubeugen. Allerdings gelingt es nur wenigen Patienten, belastende Lebensumstände mühelos abzuschütteln. Schließlich ist es unmöglich, sich davor zu schützen, dass der Arbeitgeber in Konkurs geht oder dass ein nahestehender Mensch stirbt. Aus diesem Grund setzt die Psychokardiologie darauf, die andere Waagschale zu füllen. „Hobbys, eine harmonische Paarbeziehung und eine ausgewogene Ernährung mit viel Obst und Gemüse sind wichtige Kompensationsfaktoren. Erst wenn dieser Ausgleich fehlt, macht sich Stress als herzschädlich bemerkbar“, so Jordan.

Als besten Korrosionsschutz für einen gestressten Lebensmotor empfiehlt der Experte, regelmäßig Sport zu treiben – mindestens zweimal pro Woche. Er fördert den Abbau von Adrenalin und senkt die Produktion von Kortisol in der Nebennierenrinde. Zugleich werden beim Training Endorphine freigesetzt, Botenstoffe, die heiter und zufrieden stimmen – das ideale Gegengewicht zu Ärger und Sorgen.

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