Zusammenleben in der Coronakrise 9 Regeln, um anderen Grenzen zu setzen

Schon nach wenigen Wochen Corona-Krise ist das Homeoffice für viele zur familiären Konfliktzone geworden: Beide Partner gestresst, die Kinder genervt. Die Firma kämpft um die Existenz, fordert daher ständig mehr. „Wer jetzt nicht auf sich achtet, hält das nicht lange durch”, sagt Coach und Autor Attila Albert: „Auch in einer Krise darf man Nein sagen – schon aus Selbstschutz!” So bleiben Sie stark in der Krise.

Kinder streiten, Mutter verzweifelt: So bleiben Sie stark in der Coronakrise 9 Regeln, um anderen Grenzen zu setzen © iStock

Regel 1: Es ist völlig in Ordnung, Nein zu sagen

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Jeder hat das Recht, jemanden um Hilfe zu fragen oder um einen Gefallen zu bitten. Ebenso hat jeder das Recht, zu all dem auch Nein zu sagen. Es ist nicht nötig, das “Nein” zu begründen, sich zu erklären oder sich in Diskussionen darüber verwickeln zu lassen. Ein schlechtes Gewissen sollten Sie schon gar nicht haben. Wenn Sie sich noch nicht schlagfertig genug fühlen, üben Sie mögliche Antworten: „Das möchte ich nicht, aber es ist okay, dass du gefragt hast”, „Das passt mir nicht”, „Das ist nicht das Richtige für mich, vielen Dank”. Oder einfach: „Nein”. Finden Sie heraus, welcher Satz am besten zu Ihnen passt.  

Regel 2: Sie können den anderen nicht alles abnehmen

Sie sollten anderen ihre Entscheidungen nicht abnehmen, daher sollten Sie auch die Konsequenzen nicht übernehmen. Lassen Sie die Verantwortung bei der Person, bei der sie tatsächlich liegt. Damit zeigen Sie Grundvertrauen in die Fähigkeiten Ihrer Mitmenschen, die im Normalfall auch ohne Sie klarkommen, falls es sich nicht um Kleinkinder oder Kranke handelt. Aber auch dann müssen Sie nicht alles alleine stemmen. Wenn Ihnen jemand von seinen Problemen erzählt, stellen Sie interessierte Nachfragen, statt sofort Ihre Hilfe anzubieten. Dadurch erfahren Sie, was Ihr Gegenüber bisher unternommen hat, um zu einer Lösung zu gelangen. 

Regel 3: Sie sind nicht der Therapeut der anderen

Es gibt ausgebildete Therapeuten und Sozialarbeiter. Wenn Sie dieser Berufsgruppe nicht angehören, versuchen Sie auch nicht, Ihr privates Umfeld zu ergründen, zu analysieren oder verbessern zu wollen. Ein solches Verhalten entmündigt Ihr Gegenüber, bringt diese Beziehung in Schieflage und es wird Ihnen am Ende nicht einmal gedankt. 90 Prozent des Helfens besteht darin, einfach nur da zu sein: viel Geduld mit jemandem zu haben, den man gern mag oder gar liebt, ohne all dessen Probleme lösen zu wollen. Beschränken Sie Ihre Hilfe auf akute Krisen oder Ausnahmefälle. Manche Menschen müssen erst ihre Lektion lernen, damit es endlich besser wird.

Regel 4: Es ist okay, wenn andere auch mal leiden

Es ist nie besonders angenehm, leiden zu müssen. Aber nur so lernt man etwas dazu. Leiden ist nie angenehm, gehört aber zum Lernen und zum Leben. Erlauben Sie anderen, die gerade unter etwas leiden, diese Erfahrung zu machen. Nur so können sie stärker werden. Wenn jemand, den Sie mögen oder gar lieben, unter etwas leidet, werden Sie trotzdem erst einmal nur zum aufmerksamen Beobachter: Wie viel davon ist selbst verschuldet, obwohl die anderen oder die allgemeinen Umstände angeblich schuld sind? Wie geht die andere Person mit ihrem Problem um, klagt und fordert sie nur oder wird sie selbst aktiv? Entscheiden Sie dann über Ihr Angebot. 

Regel 5: Gedankenlesen ist nicht Ihre Aufgabe

Sie sind nicht dafür da, die Bedürfnisse anderer zu erahnen. Es ist gut, Empathie zu zeigen: darauf zu achten, auch die Bedürfnisse anderer wahrzunehmen, rücksichtsvoll und sensibel zu sein. Das bedeutet aber nicht, dass Sie immer für alle mitdenken müssen: Jeder Erwachsene hat selbst die Verantwortung, sich mitzuteilen. Lassen Sie sich nicht dazu verleiten oder gar erpressen zum Gedankenleser zu werden. Umgeben Sie sich mit Menschen, die sich Ihnen auf eine positive Weise mitteilen und ermutigen Sie diejenigen, die sich aus Schüchternheit oder Unerfahrenheit damit noch schwertun. Richten Sie Ihre Energie auch darauf, selbst klar mitzuteilen, was Sie möchten.

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Regel 6: Mitleid ist keine Basis für eine Beziehung

Wer immer nur Ihre Hilfe braucht, kann niemals ein echter Freund oder Partner sein. Mitleid ist keine Basis für gesunde Beziehungen. Weder für Freundschaften noch für Partnerschaften und im Berufsleben schon gar nicht. Beenden Sie Beziehungen, die auf Mitleid beruhen. Wenn Sie jemanden unterstützen dann lieber freiwillig und im Einzelfall. Sollten Sie feststellen, dass Sie sich immer mit Partnern, Freunden oder Kollegen umgeben, die Ihnen völlig unterlegen sind, deutet das auf den Wunsch nach einer Machtposition oder ein unangemessen niedriges Selbstbewusstsein hin. Dann lohnt es sich, diesen Aspekt genauer zu betrachten. 


Regel 7: Helfen Sie sich selbst, nur so können Sie auch anderen helfen

Wer hilfsbereit sein will, muss dafür sorgen, dass er genug eigene Ressourcen dafür hat. Hilfsbereitschaft ist eine gute Eigenschaft, aber schon das Wort beinhaltet die wichtigste Bedingung dafür: „Bereitschaft”. Um helfen zu können, müssen Sie dazu in der Lage sein. Das bedeutet, mehr Ressourcen – Kraft, Zeit, Geld – zu haben, als Sie für sich selbst benötigen.  Füllen Sie Ihre Kräfte durch ausreichend Ruhe und Schlaf, gesunde Ernährung und Zeit für Sport regelmäßig wieder auf. Pflegen Sie Ihre sozialen Kontakte: belebende, inspirierende Freundschaften, gute Partnerschaften und Beziehungen zu Ihrer Familie. 

Regel 8: Ich bin in Ordnung, so wie ich bin

Zuerst müssen Sie sich selbst mögen. Anders sind gesunde Beziehungen gar nicht möglich. Ich bin in Ordnung, so wie ich bin und kann so bleiben. Wer das für sich akzeptiert und damit seinen Wert anerkennt, kann sich auch abgrenzen. Denn damit ist klar, dass Ihre Bedürfnisse nicht weniger wichtig sind als die anderer. Wenn Sie dauerhaft das Gefühl der Unzulänglichkeit plagt – nicht intelligent, attraktiv, interessant, männlich beziehungsweise weiblich genug zu sein –, mühen Sie sich nicht ab, das durch Leistung kompensieren zu wollen. Das kaschiert vielleicht kurzzeitig, löst aber niemals das Problem. 

Regel 9: Jeder ist für sein Glück verantwortlich

Glück ist höchst individuell: Jeder definiert, sucht und findet es anders, zudem unterliegt es äußeren Umständen und kurzfristigen Moden. Das bedeutet, dass Sie für sich selbst herausfinden und entscheiden müssen (und auch können), was Sie persönlich glücklich macht. Umgekehrt: Sie können anderen zwar helfen, ein gutes Leben zu führen, sie aber nicht glücklich machen. Das ist ihre Aufgabe und Verantwortung, nicht Ihre. Ihr Wissen, was Sie glücklich macht und was nicht, nimmt mit jeder Erfahrung zu. Probiere Sie also vieles aus und erforschen Sie die Welt und sich selbst. Sorgen Sie immer für Abwechslung in Ihrem Leben und bleiben Sie lange neugierig und offen. 

Datum: 21.04.2020
 

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