Partnerschaft Wie Paare es schaffen, zusammen zu bleiben

Irgendwann erkennen wir: Perfekt ist der Partner nicht. Und jetzt? Trennung? Wenn die eine Liebe uns dennoch durchs Leben tragen soll, braucht sie Pflege und Fürsorge. Welche Lösungen Paare gefunden haben, um zusammen zu bleiben.

Wie Paare es schaffen, zusammenzubleiben Wie Paare es schaffen, zusammen zu bleiben © iStock

Artikelinhalt „Wie Paare es schaffen, zusammen zu bleiben“

1. 92 Prozent der Paare wünschen sich ewige Liebe
2. Eigene Kontakte und Freundschaften pflegen
3. 3 Paare, 3 Beziehungstipps

92 Prozent der Paare wünschen sich ewige Liebe

Fast jeder wünscht sie sich. Doch je mehr wir sie uns wünschen, je mehr wir sie idealisieren, desto schwieriger scheint sie erreichbar zu sein: Die Liebe des Lebens, die für immer hält. Laut einer ElitePartner-Studie träumen knapp 92 Prozent der Liierten davon, mit ihrem Partner ein Leben lang zusammen zu bleiben. Auf der anderen Seite wird mehr als ein Drittel der Ehen geschieden. „Wenn die Liebe scheitert, liegt das meist an der Kommunikation“, erklärt die Hamburger Paartherapeutin Miriam Fritz. „Ich erlebe immer wieder Paare, die sich permanent Vorwürfe machen und den anderen abwerten. Wenn nur noch Verachtung übrig ist, haben sie oft keine Chance mehr.“

Das belegt auch die Wissenschaft: Wenn ein Paar heftig streitet, steigen Puls, Blutdruck und Entzündungswerte. Macht es sich gegenseitig auch noch nieder und verletzt sich, sind die Stresswerte noch am nächsten Tag messbar. „Paare verlieren den Respekt füreinander, wenn sie ihre Liebe nicht mehr pflegen, sich nicht mehr austauschen und einander letztlich nicht mehr verstehen“, erklärt Miriam Fritz. Sich Zeit zu nehmen ist darum eine wichtige Zutat für eine tiefe Bindung. „Viele Menschen glauben, Liebe müsse ganz romantisch von alleine passieren und spontan sein, aber so funktioniert es leider nicht“, erklärt Fritz weiter. „Es ist wichtig, sich zu verabreden, so wie man das mit guten Freunden auch macht, und diese Verabredung wirklich ernst zu nehmen. Dabei definiert jedes Paar für sich, was eine gute gemeinsame Zeit ist: Manche gehen einmal pro Woche miteinander aus. Andere halten sich einen Tag im Monat füreinander frei. Paare, die das ausprobieren, finden wieder zueinander. Weil man die Gelegenheit schafft, sich gegenseitig mal wieder richtig zuzuhören: Wie geht es dir in der Beziehung, wie mir?“ Wenn der Zauber der alten Liebe wieder aufflammt, probieren es viele Paare wieder miteinander.

Eigene Kontakte und Freundschaften pflegen

Die Balance zwischen Nähe und Distanz zu finden kann eine Herausforderung sein – auch weil die Bedürfnisse sich oft unterscheiden. Die Berliner Psychoanalytikerin und Paar-Expertin Prof. Eva Jaeggi plädiert für Eigenständigkeit: „Es ist wichtig, dass Paare nicht immer nur zusammenkleben, sondern dass jeder eine eigene Welt hat: den Beruf, Freunde, ein Hobby. Die Interessen dann in die Beziehung hineinzubringen und mit dem anderen zu teilen beugt Langeweile vor. Und der Sprachlosigkeit, die oft nach vielen gemeinsamen Jahren Einzug hält.“ Gleichzeitig sinkt so die Gefahr, den Partner mit den eigenen Bedürfnissen zu überfrachten – allen voran die Forderung, er allein sei für unser Glück verantwortlich. „Der Partner soll Liebhaber, bester Freund, Zuhörer und Vater sein“, so Miriam Fritz. „Das kann niemand jederzeit zu 100 Prozent leisten. Wenn man sich zu nah ist, sieht man sich nicht mehr. Es braucht Abstand, um den anderen wieder attraktiv zu finden. Ein eigenes Hobby, mal einen Tag allein verbringen: Kleine Veränderungen bewirken oft Großes.“

3 Paare, 3 Beziehungstipps

1. Ulrike und Uwe Maßmann aus Bielefeld: „Wir sind nicht gerne getrennt.“

Seit 35 Jahren sind Ulrike (55) und Uwe Maßmann (61) ein Paar, seit 25 Jahren arbeiten die Eltern von zwei erwachsenen Kindern zusammen in ihrem eigenen Bekleidungsgeschäft.

FÜR SIE: Reden Sie auch am Abendbrot-Tisch noch über das gemeinsame Geschäft?

Sie: Wir reden immer über das Geschäft. Nur im Urlaub machen wir das bewusst nicht. Das ist aber auch kein Problem, solange alles gut läuft. Und wenn’s mal Streit gibt? Sie: Wir streiten natürlich, aber … Er: … nie sehr lange. Sie: Genau. Wir sind gut darin, uns wieder zu vertragen, bevor wir ins Bett gehen. Er: Das stimmt. Und wenn wir streiten, hat es meist mit dem Geschäft zu tun, dass irgendetwas nicht rundläuft. Meine Frau und ich haben jeweils unseren eigenen Bereich: Sie ist für Verkauf und Warenpräsentation zuständig, ich mache die Buchhaltung, den Einkauf und kümmere mich um die Lieferanten. Und ganz ehrlich: Manchmal hilft ein Streit auch, sich gegenseitig wachzurütteln, wenn man festgefahren ist. Das weckt neue Energie, die man dann nutzen muss, um gestärkt aus der Sache hervorzugehen.

FÜR SIE: Was ist toll daran, zusammenzuarbeiten?

Sie: Dass wir immer beieinander sind. Am Anfang unserer Beziehung, als wir noch studiert haben, führten wir vier Jahre lang eine Fernbeziehung. Das mochten wir beide nicht, wir wissen heute, dass wir das so nicht wollen. Ich mag außerdem, dass wir großes Verständnis für den anderen haben. Ich glaube, wenn beide in unterschiedlichen Berufen arbeiten oder die Frau zu Hause ist, fällt das vielleicht schwerer.

FÜR SIE: Machen Sie auch privat alles zusammen?

Sie: Nein, wir haben auch jeder einen ganz eigenen Bereich. Ich gehe dann mit meinen Freundinnen etwas essen oder einen Kaffee trinken. Er: Ich unternehme gerne lange Radtouren.

FÜR SIE: Tut es gut, auch mal getrennt zu sein?

Sie: Ja, denn für uns fühlt es sich ja selbstverständlich an, dass der andere immer da ist. Von daher ist es gut, ab und zu mal zu erkennen, dass das nicht so ist. Man lernt den anderen noch mal ganz neu schätzen, wenn man ihn vermisst. Er: Man merkt dann wieder, dass man zu Hause einen echten Anker hat. Wenn ich meine Frau zwei Tage lang nicht sehe, fehlt sie mir sehr. Sie: Ich denke oft, dass wir zwei jetzt schon gut für den Ruhestand gerüstet sind. Unsere Kinder sind schon fast flügge, und ich bin mir sicher, dass Uwe und ich gut miteinander auskommen werden. Wir üben das ja schon seit 35 Jahren!

2. Annabel und Philipp Crotogino aus Kiel: „Reden? Klar, aber nicht sofort.“​

Annabel Crotogino (35) ist seit fünf Jahren mit Seemann Philipp (33) verheiratet. Wenn er auf See ist – rund die Hälfte des Jahres – ist sie mit den Töchtern Philine (3) und Rixa (2) allein.

SIE SAGT: „Drei Monate am Stück ist Philipp auf einem Kreuzfahrtschiff in der Welt unterwegs, dann für drei Monate wieder zu Hause. Wenn er kommt, fühlt es sich anfangs so an, als würden wir einen Gast aufnehmen, der sich erst mal in Ruhe alles anguckt. Was die Kinder in der Zwischenzeit gelernt haben, welche neuen Nachbarn es gibt. Über die Jahre haben wir gelernt, dass es nichts bringt, sich hinzusetzen und stundenlang alles durchzusprechen – man kann Probleme schließlich auch herbeireden. Für uns funktioniert es besser, aktiv zu werden: Wir gehen zusammen auf den Spielplatz, besuchen Freunde, spielen mit den Mädchen. So fühlt es sich ganz schnell wieder nach Normalität an, zu viert zu sein.

Die meiste Zeit komme ich gut als Teilzeit-Alleinerziehende zurecht. Ich plane nur, was ich auch allein hinkriege – zum Beispiel keine großen Urlaubsreisen. Bei beiden Kindern habe ich mir eine Beleghebamme organisiert, mit der ich die Geburt zur Not allein durchgezogen hätte. Aber als mein Stiefvater gestorben war und ich schwanger mit einem Kind an der Hand allein dastand, war das schwer. Geburtstage, Hochzeiten sind auch nicht leicht. Letztes Jahr, Philipp war auf dem Schiff, stand kurz vor Weihnachten eine Traube von Müttern aus der Kita vor der Tür, um mit mir den Baum zu schmücken. Dazu hatte ich mich bis dahin noch nicht durchringen können. Die unerwartete Hilfe hat mich gerührt. Als ich wieder anfing, als Mediatorin zu arbeiten, ruckelte es bei uns ein wenig. Es hat mich Überwindung gekostet, das Gespräch zu suchen und Philipp zu erklären, was genau ich von ihm brauche, um mich unterstützt zu fühlen, und dass es mir nicht reicht, wenn er einfach irgendwas im Haushalt macht. Zum Glück liegt uns beiden daran, die Dinge auszuknobeln, bis alle zufrieden sind. Das hat auch diesmal geklappt.“

3. Melanie und Andreas Mittermaier aus Bad Aibling: „Wir haben unsere Ehe geöffnet.“​

SIE SAGT: Als mein Mann mir nach gut 13 Jahren Beziehung sagte, er sei mit unserem Sexleben unzufrieden, fiel ich aus allen Wolken. Auf der Suche nach Hilfe fand ich ein Buch, das wir parallel gelesen haben: „Die Psychologie sexueller Leidenschaft“. Wir haben dann zum ersten Mal überhaupt über Sex geredet, was uns total schwergefallen ist. Ich habe ihm erklärt: Wenn ich gestresst bin, kann ich keine Lust empfinden. Und wir haben die Uhrzeit verändert, denn abends bin ich platt, morgens aber fit. Ausgerechnet in dieser Phase verliebte ich mich in einen anderen. Ich war verwirrt, merkte aber, dass ich meine Gefühle ausleben wollte, und schlug Andreas eine offene Ehe vor. Das war nicht immer leicht. Es gab Nächte, die ich durchheulte, weil er bei einer anderen war. Es ist nur so: Ich glaube nicht an Monogamie. Und ich weiß aus meiner Arbeit als Beziehungscoach: Wenn eine Affäre im Nachhinein auffliegt, zerstört das mehr, als wenn man sich vorher die Erlaubnis gegeben hat.

ER SAGT: Eine offene Ehe? Ich dachte, ich höre nicht richtig. Wir hatten doch gerade erst unser Sexleben wiederbelebt! Weil ich grundsätzlich gerne Neues ausprobiere und mich weiterentwickle, habe ich Ja gesagt. In der ersten Phase haben wir dann gemerkt, dass nicht alles so lief, wie wir uns das vorgestellt haben. Melli hatte damals einen Typen, bei dem ich jedes Mal Angst bekommen habe, wenn sie zu ihm gefahren ist. Seit einigen Jahren nutzen wir unsere Erlaubnis für andere Sex-Partner kaum noch – als wäre es weniger interessant, wenn man es darf. Ich bin stolz darauf, dass wir dieses Experiment gewagt haben. Es zeichnet unsere Ehe aus, dass wir großes Vertrauen zueinander haben und jede Spinnerei des anderen mitmachen. Bis jetzt ist für uns immer etwas Gutes dabei herausgekommen.

 

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