15. Februar 2021
Angst vor Entscheidungen: Dieses Phänomen steckt dahinter

Angst vor Entscheidungen: Woher sie kommt und was dagegen hilft

Ja, Nein oder Jein? Vielen Menschen fällt es schwer, sich zu entscheiden. Wir verraten, welches Phänomen dahinter steckt, was die Gründe dafür sind und was Sie dagegen tun können.

Der Freundin für Samstag zusagen – oder abwarten, was noch so los ist? Die Jeans kaufen, oder doch lieber noch in den anderen Laden schauen? Dieses Jobangebot annehmen – oder auf eines mit besserem Gehalt warten? Vielen Menschen fällt es schwer, Entscheidungen zu treffen. Ob es um vermeintlich belanglose Dinge geht, oder um lebensweisende, schwerwiegende Entscheidungen: Tief in uns steckt die Angst, die falsche Wahl zu treffen. Doch woher kommt das und was kann man dagegen tun?

Was ist FOBO? Die Angst davor, falsche Entscheidungen zu treffen

Sie haben vielleicht schon von dem „FOMO” Phänomen gehört: Dieses Akronym steht für „Fear Of Missing Out“ und bezeichnet die Angst davor, etwas zu verpassen. Begrifflich und inhaltlich verwandt ist die Bezeichnung „FOBO”, ebenfalls von Geschäftsmann und Autor Patrick McGinnis verbreitet. Sie steht für „Fear Of Better Options“, was wörtlich übersetzt „Angst vor besseren Optionen” heißt.

Gemeint ist damit natürlich nicht die Angst vor besseren Möglichkeiten – sondern vielmehr die Angst davor, bei den vielen Auswahlmöglichkeiten die falsche Wahl zu treffen. Daraus resultiert eine Entscheidungsunfähigkeit. Wir können uns einfach nicht auf eine Sache festlegen – schließlich könnte noch etwas Besseres hinter der nächsten Ecke warten. Die Qual der Wahl scheint sich immer mehr zu verbreiten und besonders den jüngeren Generationen immer mehr Probleme zu bereiten. Doch woran liegt das und was hilft dagegen?

FOBO: Diese Gründe stecken hinter Entscheidungsangst

Die Entscheidungsangst aufgrund der vielen, potentiell besseren Optionen ist natürlich nicht bei jedem gleich stark ausgeprägt. Wie sehr wir von FOBO betroffen sind, hängt von verschiedenen Faktoren ab.

Luxusgesellschaft

Im heutigen Zeitalter in Ländern wie Deutschland aufzuwachsen, bedeutet für die meisten von uns, eine Überschussgesellschaft zu erleben. Wir haben Entscheidungsfreiheiten und den Luxus, die Qual der Wahl zu haben. Der Beruf ist nicht vorgeschrieben, genauso wenig wie unser Essen oder unsere Freizeitaktivitäten. Es eröffnen sich unendlich viele Möglichkeiten, unser Leben zu gestalten – zwischen denen wir eben wählen müssen.

Soziale Medien

Warum dieses Phänomen zuzunehmen scheint und vor allem in den jüngeren Generationen ausgeprägter auftritt, könnte durch den Medienkonsum erklärt werden: Plattformen wie Instagram und Co. vernetzen uns mit dem Leben anderer auf der ganzen Welt. Wir sehen, was andere so treiben und erfahren von viel mehr Möglichkeiten, als wir ohne Internet kennengelernt hätten. Das bringt uns natürlich auf den Geschmack und eröffnet noch mehr Optionen.

Unentschlossenheit

Vor allem Menschen, die noch nicht so richtig wissen, wohin mit sich, was sie im Leben erreichen möchten und wo sie mal landen wollen, neigen dazu, unter FOBO zu leiden. Denn wer noch orientierungslos ist, kann sich nicht mal auf eine Richtung konzentrieren. Dementsprechend stehen umso mehr Türen offen – woher soll man dann beurteilen, welche Option die beste ist?

Zu verkopft denken

Wer zu den sehr logisch denkenden Personen gehört, die immer alle Entscheidungen mit Pro- und Contra-Argumenten abwägen, kann in Gefahr laufen, eher von FOBO betroffen zu sein. Denn manchmal kommen wir mit Vernunft einfach nicht weiter, egal wie lange wir auf einer Entscheidung herumdenken. Wer auf seine Emotionen und sein Bauchgefühl hört, und diesem vertrauen kann, tut sich besonders bei komplexen Entscheidungen leichter.

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Steigende Konkurrenz

Je vernetzter und internationaler die Welt wird, desto mehr Konkurrenz tut sich auch auf. Diese Frauen sind so hübsch, diese so sportlich, diese haben tolle Talente. Das triggert uns, ebenfalls den Anspruch an uns und unser Leben zu erhöhen. Wer besonders ehrgeizig ist und einen starken Optimierungsdrang besitzt, neigt eher dazu, unter FOBO zu leiden.

Darum ist FOBO gefährlich

 Natürlich ist es ganz normal, sich mal nicht entscheiden zu können. Und bei alltäglichen Dingen spielt es manchmal auch keine große Rolle. Verstärkt sich das Phänomen jedoch und entwickelt sich eine starke Angst vor Entscheidungen, kann dies unser Leben stark beeinflussen und im schlimmsten Fall dazu führen, dass es quasi an uns vorbeizieht.

Wer ständig über alles nachgrübelt, verpasst die wahren Möglichkeiten und das echte Leben. Natürlich sollten Sie sich besonders folgeschwere Entscheidungen gut überlegen – bemerken Sie aber, dass Sie selbst vor kleinen Entscheidungen wie in einer Dauerschleife gefangen sind, ist das unverhältnismäßig. Dann kann es passieren, dass Entscheidungen aufgrund der voranschreitenden Zeit automatisch oder von anderen getroffen werden. Das nimmt Ihnen Ihre Selbstständigkeit!

Das hilft bei Entscheidungsproblemen

Die Voraussetzung dafür, FOBO abzulegen, ist, dass Sie sich klarmachen, dass Sie keine falsche Entscheidungen treffen können. Im Nachhinein sieht vielleicht alles anders aus – in dem Moment jedoch handeln wir immer aus bestem Wissen und nach unseren Möglichkeiten. Seien Sie deshalb nicht so hart mit sich und vermeiden Sie, sich im Nachhinein Vorwürfe zu machen oder in Gedankenschleifen a la „hätte ich das, wäre dies…” abzurutschen.
Akzeptieren Sie jede Entscheidung als Lebensschritt, mit dessen Konsequenzen Sie umgehen müssen und auch werden.

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Fokussieren Sie sich auf das, was Sie haben. Versuchen Sie nicht immer, nach etwas Besserem zu suchen – sehen Sie mal, was Sie bereits alles Tolles in Ihrem Leben haben.

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Ebenfalls hilfreich: Begrenzen Sie Ihren Social-Media-Konsum. Immer das vermeintlich perfekte Leben anderer zu sehen, zieht uns runter und gibt uns das Gefühl, als hätten wir unser Leben besser leben können. Lassen Sie sich von diesem unnatürlichen Einfluss nicht zerreißen. Zwanzig Minuten Instagram pro Tag reicht dicke!

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