Body Positivity? Warum ich für Body Neutrality plädiere

Body Positivity? Warum ich für Body Neutrality plädiere

Gestatten? Lara, nicht body positive. Warum ich mich bewusst gegen den Körpertrend stelle und stattdessen für mehr Body Neutrality plädiere …

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Die Body Positivity Bewegung stammt ursprünglich aus den USA, ihre Wurzeln reichen bis ins 19. Jahrhundert zurück – zu einem internationalen Phänomen wurde sie allerdings erst durch die sozialen Medien. Body Positivity bedeutet, dass wir unseren Körper so lieben und akzeptieren sollen, wie er ist. Wir sollen Dehnungsstreifen und Cellulite genauso wie Speckröllchen, Pickel und Hängebrüste zelebrieren – und sie im besten Fall sogar noch mit Glitzer bestreuen. Ja, Sie lachen vielleicht. Aber genau diese Botschaft bekommt man nun mal vermittelt, wenn man auf Instagram nach dem Hashtag #bodypositivity sucht.

Einerseits ist das natürlich toll: Unrealistische und teils diskriminierende Schönheitsideale haben sich mehr und mehr aufgelöst, werden auch in der Werbung und auf Social Media hinterfragt. Immer mehr Firmen setzen so auf mehrgewichtigere Models, zeigen auf Werbeplakaten auch mal Frauen mit Dehnungsstreifen oder Falten am Bauch. Andererseits jedoch sorgt die Body-Positivity-Bewegung auch für eine Menge Druck – und das sicher ohne die Absicht der Aktivistinnen.

Darum ist Body Neutrality so viel besser als Body Positivity

Denn haben wir es hier nicht schon wieder mit einem ungesunden Standard zu tun? Was ist, wenn ich meinen Körper heute einfach nicht feiern kann, ihn vielleicht auch gar nicht feiern will? Nur weil es gerade Trend ist, heißt es doch nicht, dass ich meinen Körper einfach so lieben kann. Meistens finde ich ihn ganz okay, ja – aber ihn 24/7 zu "lieben" ist dann doch ein Ziel, das ich wohl nie erreichen werde. Denn irgendwas ist doch eigentlich immer, oder nicht?

Und genau hier kommt die Body Neutrality ins Spiel, die den Fokus endlich nicht mehr auf das Aussehen legt, sondern vielmehr auf die inneren Werte. Zum ersten Mal wurde der Begriff "Body Neutrality" im Jahr 2015 von der Amerikanerin Melissa Fabello verwendet. Body neutral zu sein bedeutet, einen natürlichen Zugang zu seinem Körper zu haben, ihm neutral und ohne negative Gefühle gegenüberzustehen. Hier geht es nicht darum, in den Spiegel zu schauen und sich direkt toll zu finden, sondern darum, sich selbst besser kennenzulernen, in sich hineinzuhorchen, intuitiv herauszufinden, was der Körper wirklich braucht, um glücklich zu sein. Denn fühlen wir uns im Innen wohl, dann strahlen wir dies auch nach außen!

Body Neutrality? Da mache ich gerne mit!

Ganz ehrlich? Hier haben wir es endlich mit einer Bewegung zu tun, an der ich gerne teilnehmen möchte, von der ich vielleicht sogar auch schon, und das ganz unbewusst, ein Teil bin. Ich finde es toll, morgens aufzustehen und erst einmal eine Bestandsanalyse zu machen. Bin ich fit, mache ich morgens gerne eine Runde Yoga und esse danach einen Joghurt mit Früchten und Haferflocken, um mich so richtig "healthy" zu fühlen. Fühle ich mich schlapp und unausgeschlafen, ist dies garantiert nicht der richtige Zeitpunkt, um mir so etwas aufzuzwingen. An solchen Tagen drehe ich mich im Bett einfach noch mal um – und das ist völlig okay!

Und dann wäre da noch dieser völlig überbewertete Blick in den Spiegel oder schlimmer noch, der Schritt auf die Waage. Wissen Sie was? Ich besitze nicht mal eine und ich habe auch nicht vor, das in naher Zukunft zu ändern. Diese Zahl sagt einfach so gar nichts darüber aus, wie ich mich fühle – und entspricht auch ehrlich gesagt nie dem, was mein Spiegelbild mir zeigt. Denn das ist doch auch so eine Sache: Ich kann mich heute völlig gesund ernähren und morgen früh trotzdem aussehen, als sei ich im 5. Monat schwanger. Das kommt bei mir nicht gerade selten vor, ich liebe nämlich Kichererbsen! Mir tun die kleinen Dinger einfach gut, also von innen. Und nur darauf kommt es an. Wie ich mich in meinem Inneren fühle, sollte nie von außen bewertet werden. Ich würde lügen, würde ich ganz nach "Body-Positivity-Manier" behaupten, dass mich der kleine Blähbauch nicht stört – aber ich weiß ja, wo er herkommt.

Und genau das ist der Sinn hinter der Body-Neutrality-Bewegung. Hier soll das Augenmerk weg vom Körper und hin zu unserem Wesen gelenkt werden. Wir wollen unseren Körper mehr als Hülle für Gefühle und Gedanken verstehen. Er definiert uns nicht. Aber unser Innen, das definiert uns. Und ja, DAS sollten wir feiern. Und meinetwegen auch mit Glitzer bestreuen.

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