3. November 2010
Alltagslärm ausschalten

Alltagslärm ausschalten

Motoren brummen, Lautsprecher plärren: Überall lauern Krachmacher, die nerven und krank machen können – wenn wir es zulassen. Entspannen Sie mit unseren Tipps!

Eine Frau hält sich die Ohren zu, um dem Alltaglärm zu entkommen
© iStockphoto
Alltagslärm ausschalten

Als Hörfunkjournalist braucht Max Kuball, 30, gute Ohren. Seit einem Popkonzert im vergangenen Herbst machen sie ihm jedoch Probleme: Ein Fiepen, ein Dauerton, zerrt in jeder wachen Minute an seinen Nerven. Nur wenn er Ohrstöpsel trägt, verstummt der Ton – aber auch alles andere. Hätte Kuball damit sein Gehör geschützt, als er beim Konzert vor den haushohen Lautsprechern tanzte, hätte er sich Arztbesuche und Ohrgeräusch erspart.

Nicht jeder Lärm schadet


Der Biss in eine Erdbeere mit etwa 30 Dezibel gilt gemeinhin als leise, ebenso eine normale Unterhaltung bei 60 Dezibel. Beim Zwieback, der mit 65 Dezibel kracht, scheiden sich bereits die Geister. Für Schallpegel am Arbeitsplatz, die dauerhaft über 85 Dezibel liegen, gelten Schutzbestimmungen. 100 bis 110 Dezibel werden in Discos gemessen, zehn Dezibel darüber liegt die Schmerzgrenze: Man hält sich instinktiv die Ohren zu. „Was als Lärm empfunden wird, ist individuell unterschiedlich. Aber alles, was stört, ist schädlich“, sagt Professor Dr. König, Hals-Nasen-Ohren-Experte in Berlin. Der Lieblingssong, das Röhren des Motorrads – einige Geräusche lieben wir so sehr, dass sie gar nicht laut genug sein können.
Ein Risiko: Selbst wer sich, wie Max Kuball, nur kurzfristig Dezibelwerten an der Schmerzgrenze aussetzt, muss mit Folgen rechnen. Die meisten Schäden treten jedoch durch „leisere“ Dauerbelastungen auf. Insgesamt sind 14 Millionen Menschen in Deutschland betroffen, schätzt der Berufsverband der HNO-Ärzte, Tendenz steigend, besonders bei Jugendlichen: In der MP3-Generation hat schon jeder Vierte eine beeinträchtigte Hörleistung. Mediziner fordern Pegelbegrenzungen für Abspielgeräte und Musikveranstaltungen. „Solange der Lärmschutz nur eingeschränkt umgesetzt wird, appelliere ich an die Vernunft“, sagt Professor Dr. König. Es helfe, Abstand zu Lärmquellen zu halten, Ohrstöpsel zu tragen, Lautstärkeregler nicht voll aufzudrehen und den Ohren so oft wie möglich ein wertvolles Geschenk zu machen: Stille – einen Tag ohne Musikberieselung oder einen Spaziergang in der Natur. Kopfhörern, die Lärm mit Gegenfrequenzen neutralisieren, steht er skeptisch gegenüber.

Tinnitus: Pfeiftöne früh beachten

Pfeiftöne früh beachten

Ein hochfrequentes Piepen, ein Rauschen oder Klingeln: Tritt ein Ohrgeräusch einmalig als einziges Symptom wenige Sekunden lang auf, besteht normalerweise kein Grund zur Sorge. Hält es jedoch über Stunden an, ist ein Arztbesuch notwendig. „Wer Warnsignale wie einen Dauerton im Ohr oder eine plötzliche Hörver schlechterung ignoriert, riskiert schwere Folgen, sogar einen Hörsturz oder Tinnitus“, so Professor Doktor König. „Die schulmedizinische Behandlung ist in beiden Fällen langwierig und bei Beschwerden, die schon über Monate bestehen, meist nicht wirksam.“


Sein Patient Max Kuball litt während der Therapie unter Herzrasen, einer Nebenwirkung der Medikamente. Den Pfeifton hat er mit ihrer Hilfe bekämpft, allerdings hört er seither ein leises Rauschen, laut Kuball „immerhin eine Verbesserung“. Die Chance, völlig geheilt zu werden, steige, je weniger Lärm und Stress der Erkrankte sich aussetze, sagt der Facharzt. Dauerlärm kann aber nicht nur Töne, sondern auch eine ungewollte Stille verursachen: Er ist eine mögliche Ursache von Schwerhörigkeit. Meist kündigt sie sich mit dem „Cocktailparty-Effekt“ an: Es wird schwieriger, Hintergrundgeräusche zu filtern und zum Beispiel einen Dialog in einer Menschenmenge zu führen. „Wer diese Veränderung bemerkt, sollte zum Arzt gehen“, sagt Professor Dr. König.
Spielzeug ist oft zu laut
„Es war, als säße eine Glasglocke auf meinem Kopf, und rundherum begann es zu fiepen“, so beschreibt Max Kuball den Konzertmoment, als die Nervenzellen seines Innenohrs vor der Schlagzeugbeschallung kapitulierten. Bei „Impulslärm“ wie plötzlichem Knallen versagt die körpereigene Schutzreaktion – der sogenannte „Stapediusreflex“: Winzige Muskeln kontrahieren und verschließen das Innenohr blitzschnell. Überrascht wird das Ohr oft auch von startenden Jets, manchmal sogar Spielzeug: „Es gibt Kinderpistolen, die es auf bis zu 190 Dezibel bringen“, sagt der Facharzt. Silves- terknaller, Babyratschen und Computerspiele seien ebenfalls oft zu laut. „Gerade Kinderohren sollten vor plötzlichem oder dauerhaftem Lärm geschützt werden.“
Das schützt die Ohren
Stress verringern, mehr Wasser trinken und Magnesiumpräparate nehmen, rät Professor König. Dazu Ruhe: „Es gibt Patienten, denen das Problembewusstsein fehlt. Vielen gilt es als uncool, Lärm zu meiden.“ Der Mediziner selbst trägt Ohrstöpsel, vorbeugend, und Musik hört er am liebsten – piano.

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