Psychologie: Was verrät die Lieblingsfarbe über den Charakter?

Was verrät die Lieblingsfarbe über den Charakter?

Ob Grün, Blau, Pink oder Schwarz. Farben haben einen großen Einfluss auf unsere Psyche und unseren Körper. Aber wie sieht es eigentlich mit der Lieblingsfarbe aus? Sagt die wirklich etwas über unseren Charakter aus? Wir haben mit Farbforscher, Diplom-Psychologe und Autor Klausbernd Vollmar gesprochen.

Die Lieblingsfarbe der Deutschen? Ganz klar: Blau – gefolgt von Rot und Grün auf dem zweiten und dritten Platz. Aber was sagt die Lieblingsfarbe eigentlich über unseren Charakter aus? Schließlich lassen sich im Hinblick auf die Sitzposition oder die Stimme ebenfalls Rückschlüsse ziehen. Wir wollten es genau wissen und haben bei Klausbernd Vollmar, Farbforscher und Autor des Buches "Das große Buch der Farben", nachgefragt.

Psychologie: Was verrät die Lieblingsfarbe über den Charakter?

FÜR SIE: Jetzt mal Butter bei die Fische: Kann die Lieblingsfarbe wirklich etwas über unseren Charakter aussagen? Wie stehen Sie als Farbexperte dazu?

Dass Lieblingsfarben etwas über unsere Charaktereigenschaften aussagen, halte ich für einen Mythos, der u.a. von Lüscher in die Welt gesetzt und von Wissenschaftlern einhellig abgelehnt wurde. Welche Farben man bevorzugt, hängt davon ab, in welchem Zusammenhang sie auftreten. Die bevorzugte Farbe fürs Auto wird eine andere sein als die für die Wände des Wohnzimmers oder des Pullovers.  

FÜR SIE: Eine Erklärung, warum die Deutschen gerade Blau als Lieblingsfarbe bevorzugen?

Es sind nicht nur die Deutschen, die Blau bevorzugen. Es handelt sich um eine weitverbreitete Vorliebe in der Welt. Das ist verständlich, da wir in einem Zeitalter der Beschleunigung leben und Blau als beruhigende Farbe den Gegenpol bietet. Es ist sozusagen die Anti-Stress-Farbe.

FÜR SIE: „Dopamine Dressing“, also das Tragen von gleich mehreren Farben, ist gerade total angesagt und soll sogar glücklich machen. Ist was dran an der Theorie?

Das ist nicht ganz aus der Luft gegriffen. Denn Farben wirken, ohne dass wir es bemerken – übrigens besonders gut, wenn sie direkt auf der Haut getragen werden. Mehrere Farben zu tragen, drückt eine Ganzheit aus und wirkt entsprechend auf das System von Trägerin und Träger. Es ist allerdings auch die Rechtfertigung eines modischen Trends. Da nun alle Farben bereits als Modefarben kreiert wurden, war Dopamine Dressing die einfachste Lösung, um Neues anzubieten.

FÜR SIE: Und welche Farben sollte man besser meiden, wenn sich die Stimmung nicht in den Keller verabschieden soll?

Das hängt vom persönlichen Geschmack ab. Allerdings würde ich grundlegend mit Goethes Farbenlehre sagen: Je öfter eine Farbe gemischt ist, desto nachteiliger wirkt sie. Wer eine blasse Haut hat, sollte zum Beispiel Weiß und Schwarz meiden, da diese Farben jene Person noch blasser wirken lassen. Wer etwas gebräunt ist, der kann z.B. mit Gelb seine Bräunung verstärken.

FÜR SIE: Können bestimmte Farben eigentlich auch Schlafstörungen verursachen oder einen gesunden Schlaf fördern?

Rot als aktivierende Farbe kann sich als Wandfarbe oder Farbe der Bettwäsche negativ auf den Schlaf auswirken. Farben der rechten Seite des Farbenkreises (also die kalten Farben) wirken sich positiv auf den Schlaf aus – da sie beruhigen oder, wie Kandinsky es ausdrückte, sie eine ‚zentripetale Wirkung‘ besitzen. Das heißt, sie lassen einen nach innen wenden, sich zurückziehen, wie es auch die viel zitierte ‚Blaue Blume der Romantik‘ (Novalis) ausdrückt.

FÜR SIE: Dass Menschen Farben unterschiedlich wahrnehmen, ist nicht neu. Aber gibt es eigentlich auch Unterschiede zwischen Mann und Frau?

Männer und Frauen nehmen nicht signifikant unterschiedlich Farben wahr. Es kommt mehr auf den Beruf an. Eine Person, die z.B. im Modegeschäft, im Design oder anderweitig künstlerisch tätig ist, nimmt Farben differenzierter wahr als eine Person, deren tägliche Beschäftigung nichts mit Farben zu tun hat. Allerdings können Frauen weitaus mehr Farbtöne unterscheiden als Männer.

FÜR SIE: In Ihrem Buch „Das große Buch der Farben“ gehen Sie auch auf das Thema „Heilen mit Farben ein“. Wie genau muss man sich das vorstellen?

Es gibt mehrere Möglichkeiten, mit Farben zu heilen. In der anthroposophischen Medizin werden z.B. farbige Seidenstückchen auf den entsprechenden Meridian oder auf die Stelle der Schmerzen gelegt. Man kann sich auch in eine monochrome Farbumgebung begeben. Es gibt Theorien, dass so im alten Ägypten geheilt wurde. Eine weniger materielle Weise besteht darin, dass man mit Farblichtbestrahlung arbeitet oder dass man sich die Farbe vor seinem inneren Auge vorstellt, vorzüglich an der Problemstelle.
Farbheilen kann unterstützend wirken, allein angewandt nur leichte Verstimmungen lindern oder beseitigen.  

FÜR SIE: Ihre Lieblingsfarbe und warum?

Ich trage am liebsten kalte Farben. Beim Auto finde ich mittleres Grau oder Schwarz schick. Die Wände in meiner Wohnung sind ein ganz leicht gelbliches helles Grau, kombiniert mit Weiß. Warum? Bei der Kleidung, weil meine Augen kaltfarbig sind. Beim Auto, weil diese Farben eine unauffällige Eleganz ausstrahlen, was auch bei den Wandfarben der Fall ist. Die Farben mit dem Namen ‚Skimming Stone‘ in Kombination mit ‚Elephant’s Breath‘ (zwei helle Grautöne) gefallen mir am besten. Sie sind weitgehend neutral und begrenzen einen wenig bei den anderen Elementen des Raums wie etwa Vorhänge, Teppich, Möbel etc.

Buchtipp: Sie möchten noch tiefer in die Themen Farbenlehre, Farbpsychologie und Farbtypen eintauchen? Weitere spannende Einblicke liefert das Buch "Das große Buch der Farben" von Klausbernd Vollmar.

Welche Farbe steht für welche Eigenschaft?

In der Farbpsychologie werden Farben unterschiedliche Eigenschaften zugesprochen. Vielleicht erkennen Sie sich anhand der Eigenschaften, die Ihrer Lieblingsfarbe zugesprochen werden, ja wieder?

Lieblingsfarbe Rot: Die Farbe steht für Leidenschaft und Energie, aber eben auch für Gefahr.

Lieblingsfarbe Grün: Die Farbe steht für Harmonie, Wohlstand und Stabilität. Und (natürlich) für die Natur.

Lieblingsfarbe Orange: Die Farbe wird mit Kreativität, Jugend und Enthusiasmus verbunden.

Lieblingsfarbe Violett: In der Farbpsychologie steht die Farbe für Luxus, Spiritualität und eine geheimnisvolle Aura.

Lieblingsfarbe Pink: Weiblichkeit, Verspieltheit, Lebensfreude und Romantik – dafür steht die Farbe Pink!

Im Video: "Dopamine Dressing" – dieser Mode-Trend macht glücklich

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