Was wirklich dahintersteckt Was ist Social Scoring?

Alte Sache mit modernem Wording? Warum es sich bei Social Scoring lohnt, zweimal hinzuschauen. Denn: Je nach Einsatz ist der Hype alles andere als hip.

Social Scoring Was ist Social Scoring? © iStock

Social Scoring: Wolf im Schafspelz?

Klingt doch erst mal gut: Für eine Blut­spende gibt es Bonuspunkte, und wer angetrunken Auto fährt, bekommt Abzüge. Eine App informiert über den eigenen Punktestand. „Wie sinnvoll“, ist vielleicht der erste Gedanke, wenn man vom neuen Bonussystem Chinas hört, das die Regierung dort ab 2020 zur Beurtei­ lung aller Bürger und für die öffentliche Sicherheit einführen möchte.

Totale Überwachung

Doch was hilfreich klingt, entpuppt sich als Versuch der kompletten Überwachung und Umerziehung der Chinesen. In einigen Städten laufen dazu bereits seit etwa fünf Jahren Pilotprojekte. Privat­sphäre? Fehlanzeige. Die Daten bekommt die chinesische Regierung u. a. aus Behörden­ und Bankangaben, Kranken­ und Gerichtsakten sowie über Online­-Shopping oder Beiträge in sozialen Netz­ werken. Was zukünftig gesammelt wird, entscheidet der Staat. Wie oft werden z. B. die alten Eltern besucht? Da ist dann natürlich die „nützliche“ Hilfe der Nach­barn gefragt. Wer die maximale Höhe von 1300 Punkten erreicht, wird bevorzugt behandelt: Beförderung im Job, vergüns­tigte Kredite, verbilligte Flugreisen. Und wer sich nicht linientreu verhält, dem werden Sozialleistungen gekürzt, der verliert seine Kreditwürdigkeit ... Social Scoring ­ ein modernes Wort für totale Kontrolle. Gab’s hierzulande auch mal.

Datum: 09.10.2019

Autoren: Kerstin Görn & Vera Vaelske


 

Schlagworte: