Gelenke knacken: Diese Ursachen können dahinterstecken

Gelenke knacken: Diese Ursachen können dahinterstecken

Ob knackende Knie oder knirschende Fingerknöchel, viele kennen das unangenehme Knacken der Gelenke. Doch welche Ursachen stecken eigentlich dahinter? Alles rund ums Thema und die wichtigsten Fragen an eine Expertin finden Sie hier. 

Ob Fingerknacken oder knackende Fußgelenke, wenn man die Treppe hinuntergeht, viele kennen es nur zu gut, wenn es im Körper irgendwo knirscht oder knackt. Doch was löst es aus?

Knackende Gelenke: Was steckt dahinter?

Knackgeräusche können an den verschiedensten Stellen des Bewegungsapparates vorkommen: Knirschende Knie, knackende Schultern oder die Fußgelenke, irgendwo knackt es immer. Ein simpler Grund für das Knacken ist sehr häufig mangelnde Bewegung. Wenn man nach einem langen Bürotag endlich vom Schreibtisch aufsteht, kann es also immer vorkommen, dass ein Knacken zu hören ist. Dies ist kein Grund zur Beunruhigung. Oft tritt das Phänomen auch ohne ersichtlichen Grund auf und die Betroffenen fragen sich, woran das liegen kann. Bei anderen hingegen kommt das Gelenkknacken nur bei bestimmten Bewegungen vor, also zum Beispiel beim Sport oder Treppensteigen.

Wir haben Dr. med. Meike Diessner zu dem Thema befragt. Sie ist Leiterin der Praxis für Integrative Orthopädie in Bochum, Host des Blogs Doc Diessner Inside und Autorin des Buches Gelenke im Glück: So läuft es wie geschmiert.

>> Hier geht's zum Buch

Für Sie: An welchen Stellen tritt das Gelenkknacken am Körper am häufigsten auf?

Wahrscheinlich an den Fingern, wenn man es genau nimmt. Wir alle kennen bestimmt noch irgendeinen Mitschüler, der ständig gezeigt hat, wie toll er auf Kommando mit seinen Fingern knacken kann :). Davon würde ich übrigens abraten. Wer das Knacken absichtlich herbeiführt, kann zum Beispiel die Bänder in seinen Finger überdehnen und verliert dadurch im schlimmsten Fall eines Tages einen starken Griff. Wenn es knackige „Spitzenreiter“ gibt, dann sind es wohl am ehesten die Finger, die Knie und auch die Wirbelsäule, weil diese auch ständig in Bewegung und im Einsatz sind.

Warum knacken meine Gelänke?

Derzeit gehen Wissenschaftler davon aus, dass der Grund für das Knirschen und Knacken winzige Gasblasen sind, die sich in den Gelenken befinden. Diese können bei Bewegung platzen und als das "typische" Knacken zu hören sein. Doch wer leidet eigentlich eher unten knackenden Gelenken: Frauen oder Männer? Und in welcher Altersgruppe tritt es vermehrt auf? Das sagt Frau Dr. Diessner:

Für Sie: Wer ist besonders häufig von knackenden Gelenken betroffen?

Grob kann man sagen, dass es bei Frauen häufiger zu knackenden Gelenken kommt. Das ist meistens auf unser weicheres Bindegewebe und den elastischeren Kapselbandapparat zurückzuführen. Frauen sind eher hypermobil, ihre Gelenke lassen einen größeren Bewegungsradius zu. Durch Überdehnung wird ein Vakuum erzeugt. Dadurch kommt es häufiger zu Gasblasenbildung in der Gelenkschmiere. Durch Bewegung oder Zug am Gelenk ändert sich der Aggregatzustand des Gases, es entsteht ein „Saugnapf-Effekt“. Die CO₂-Bläschen platzen, es macht „knack“. Im Alter nimmt das typische Knacken eher ab. Die Gelenke steifen ein. Es melden sich dann die leiseren Töne, die mehr an ein Knirschen oder Reiben erinnern. „Schuld“ daran sind die zunehmenden Knorpelschäden.

Was kann ich selbst bei knackenden Gelenken tun?

Wer unter knackenden Gelenken leidet, kann einiges dagegen tun. So ist vor allem Bewegung ein wichtiger Faktor. Moderate Beschäftigungen wie Spazierengehen, Schwimmen oder Radfahren sorgen dafür, dass die Gelenke geschmiert werden. Außerdem werden dabei mögliche Blockierungen gelöst. Sanfte Massagen an den betroffenen Stellen sorgen zudem für Entlastung. Außerdem werden die Gelenke dabei gut durchblutet. Auch Bewegungs- oder Dehnübungen sowie Yoga und Gymnastik können helfen, Muskeln aufzubauen und damit die Gelenke zu entlasten. Denn bei verkürzten Muskeln fehlt den Gelenken eine Stütze.

Für Sie: Frau Dr. Diessner, gibt es sportliche Übungen, die Betroffene durchführen können, wenn sie z.B. unter knackenden Knien leiden?

Der Schlüssel liegt in stabilisierenden Bewegungsübungen (Propriozeptionstraining). Das geht zum Beispiel mit dem eigenen Körpergewicht auf einem Balance Pad. Auch gleichförmige Bewegungen auf dem Fahrrad oder dem Ergometer kräftigen die stabilisierende Muskulatur und den umgebenden Kapselbandapparat. 

Im Übrigen spielt oft auch die Ernährung eine Rolle. Die richtige Ernährung sorgt nämlich dafür, dass unsere Gelenke, Muskeln und Sehnen optimal mit Nährstoffen versorgt werden. Wer etwas für seine Gelenke tun will, sollte insbesondere auf Meeresfrüchte setzen. Diese beinhalten nämlich jede Menge Glucosamine, denen knorpelaufbauende Eigenschaften innewohnen und die dabei helfen, Gelenkschmiere zu bilden. Dies beugt Knacken vor.

>> Auch spannend: Yogaübungen gegen Rückenschmerzen

Gelenknacken: Harmlos oder nicht?

Betroffene fragen sich häufig, ob sie aufgrund ihrer knackenden Gelenke besser einen Arzt aufsuchen sollten sowie ob das Vorkommen des Knackens harmlos ist oder nicht. 

Für Sie: Frau Dr. Diessner, wann sollte man besser zum Arzt?

Bevor man zum Arzt geht, möchte ich erstmal „Entwarnung“ geben und einen Großteil Ihrer Leserinnen und Leser beruhigen: Denn wie gerade beschrieben, ist ein Knacken in den Gelenken in der Regel harmlos.

Wenn Patienten mit knackenden Knien zu mir kommen, aber keine Schmerzen verspüren, kann die Ursache nicht nur Überbeweglichkeit, sondern zum Beispiel auch eine zu schwache Oberschenkelmuskulatur sein. Das geht dann auf Kosten einer guten Stabilisierung. Sind die Muskeln im Oberschenkel nicht kräftig genug, wird das Gelenkspiel gestört, weil unsere Kraftpakete die Kniescheibe während der Bewegung nicht in die richtige Position drücken können. Da steckt also meist kein Knorpel-Verschleiß hinter. 
Zum Arzt sollte man aber auf jeden Fall gehen, wenn mit dem Knacken auch Schmerzen einhergehen, es zu Rötungen oder Schwellungen kommt. Natürlich erst recht, wenn das knackende Knie nicht mehr belastet werden kann oder Knack-Phänomene nach Verletzungen auftreten. Dann muss gecheckt werden, was dahintersteckt.

Für Sie: Gelenk-Knacken kann ja auch ein Hinweis auf Arthrose sein, was sind mögliche Anzeichen dafür?

Wenn zum Knacken Schmerzen kommen oder wenn das Geräusch eher an ein „Knirschen“ oder Reiben erinnert, als würde man ein Möbelstück mit Schmirgelpapier bearbeiten. Ebenfalls die schon angesprochenen Schwellungen oder auch Anlaufbeschwerden, welche häufig Symptome einer sich entwickelnden Arthrose sind. Und ob Arthrose oder nicht: Knackt und schmerzt ein Gelenk, sollte man es ernst nehmen und untersuchen lassen, weil auch andere Diagnosen möglich sind und die Ursache gefunden werden muss. So kann man weitere Schäden verhindern – Therapie und Regeneration schnell einleiten.

Im Video: Sportarten, die sich bei Arthrose eignen

Ätherische Öle sind wahre Allrounder: Mit ihnen können wir Räume aromatisieren und sie vielseitig zur Haut- und Haarpflege einsetzen. Dazu sind sie günstig und...
Weiterlesen
Lade weitere Inhalte ...