9. April 2011
Impfungen: Tipps & Infos

Impfungen: Tipps & Infos

Für Schulmediziner steht fest: Der Nutzen von Impfungen ist wesentlich größer als mögliche Gefahren. Dennoch bleiben, vor allem bei Eltern, manche Fragen. Wir haben die Antworten.

Impfungen: Tipps und Infos
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Impfungen: Tipps & Infos

Wer legt eigentlich fest, welche Impfungen nötig sind?

Ärzte richten sich in der Regel nach den Empfehlungen der STIKO, der Ständigen Impfkommission des Robert-Koch-Instituts in Berlin. Die Fachleute erstellen auch den Zeitplan für die Erst- und Auffrischungsimpfungen von Kindern und Erwachsenen. Wer keinen Impfausweis besitzt und sich über seinen Immunstatus unsicher ist, sollte sich von seinem Hausarzt beraten lassen.

Stimmt es, dass sich die „alte“ Kinderkrankheit Masern wieder ausbreitet?

Ja. Das Ziel der Weltgesundheitsorganisation WHO, sie wie einst die Pocken vollständig auszurotten, wurde bis jetzt nicht erreicht. Dafür reicht die Zahl der Impfungen nicht aus. In Deutschland erkranken pro Jahr bis zu 6000 Kinder, und die Häufigkeit einer Ansteckung im Alter von über 18 Jahren nimmt zu.

Was ist dran an der Theorie, dass Impfungen zwar Krankheiten verhindern, dafür aber das Allergierisiko vergrößern?

Es gibt tatsächlich eine Studie aus den USA, die darauf hinweist, dass Kinder, die eine Masernerkrankung überstanden haben, später seltener an Allergien leiden. Dagegen spricht jedoch zum Beispiel, dass in der DDR zwar eine konsequente Impfpflicht bestand, die Zahl der Allergiker jedoch deutlich kleiner war als im Westen.

Pro und contra: Macht Impfen wirklich Sinn?
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Sind die Deutschen impfmüde?

Nein. Nur maximal fünf Prozent aller Eltern lehnen Impfungen kategorisch ab, meist aus weltanschaulichen Gründen oder aus der Befürchtung heraus, die Präparate könnten schwere Erkrankungen wie Autismus oder Diabetes verursachen. Es gibt tatsächlich tragische, jedoch sehr seltene Einzelfälle. Professor Hermann Schätzl, Virologe an der TU München sagt: „Ich würde mir schon wünschen, dass die Menschen das Thema etwas rationaler und positiver angehen.“

Ist die Angst vor Impfungen tatsächlich irrational?

Aus wissenschaftlicher Sicht ist sie jedenfalls in den allermeisten Fällen unbegründet. Etwa die verbreitete Befürchtung, dass Impfungen wichtige Entwicklungsschritte von Kindern unterdrücken. Dafür gibt es keine seriösen Belege.

Welche Risiken bestehen?

Bis zu 15 Prozent der Geimpften reagieren mit einer harmlosen Rötung oder Schwellung um die Einstichstelle. Für schwerere Folgeerkrankungen wie hohes Fieber, Krampfanfälle oder Diabetes konnten zahlreiche Studien keinen direkten Zusammenhang mit der vorausgegangenen Impfung belegen. „Kritiker berücksichtigen nicht den Zufallsfaktor“, sagt Professor Dr. Ulrich Heininger von der Uni-Kinderklinik in Basel und stellvertretender Vorsitzender der STIKO.
Eine absolute Sicherheit gebe es zwar nie: „Aber die Gefahr einer Erkrankung durch die Impfung ist um ein Vielfaches geringer als die Gefahr, die von einer Infektion ausgeht. Moderne Präparate gewähren optimalen Schutz bei minimalem Risiko.“ Beispiel Masern: Laut Statistik verursachen sie bei jedem tausendsten Patienten eine lebensbedrohliche Hirnentzündung; bei einer Impfung liegt die Quote bei rund eins zu einer Million. Ganz selten treten nach der Impfung Symptome der Krankheit auf. Sie verläuft dann aber in einer wesentlich abgeschwächten Form.

Impfungen vor dem Urlaub

Der Impfplan für Babys sieht vor, dass sie sieben Impfstoffe auf einmal bekommen. Ist das nicht zu viel für den kleinen Organismus?

„Schon ein Säugling kann viele verschiedene Antigene gut verarbeiten“, sagt Professor Dr. Johannes Liese von der Uni-Kinderklinik Würzburg. Auch das Vorurteil, dass Kombi-Präparate weniger wirksam und dabei riskanter wären, ist nicht wissenschaftlich belegt.

Stimmt es denn, dass es das Immunsystem stärkt, wenn man die „Kinderkrankheiten“ durchleidet?

„Ob Impfstoff oder ,wilder‘ Virus, das Immunsystem lernt von beiden“, sagt Professor Liese. Jedoch: Die möglichen Folgen einer echten Erkrankung sind, nicht nur bei Masern, erheblich. So ist eine der häufigsten Ursachen für männliche Unfruchtbarkeit eine frühere Mumps-Erkrankung. Und Röteln oder Wind pocken während der Schwangerschaft können zum Tod des ungeborenen Kindes führen.

Verlaufen Kinderkrankheiten bei Erwachsenen wirklich schwerer?

Ja. In der Regel dauert die Genesung länger, es treten häufiger Komplikationen auf, und die Sterblichkeitsrate liegt zwei- bis zehnmal höher.

Welche Impfungen brauchen Erwachsene?

Auf jeden Fall gegen Tetanus und Diphtherie. Alle 10 Jahre steht eine Auffrischung an. Wer nicht sicher ist, welche Kinderkrankheiten er hatte, kann sich mit der „MMRV-Impfung“ vor Masern, Mumps, Röteln und Windpocken (Varizellen) schützen. „Das schadet übrigens auch dann nicht, wenn doch schon Antikörper vorhanden sein sollten“, sagt Professor Heininger. Motto: Lieber doppelt impfen als gar nicht. Das gilt auch für Keuchhusten. Selbst wer die Krankheit als Kind gehabt hat, ist nicht immer lebenslang immun. Für Gefährdete wird eine Auffrischung empfohlen.

Die Urlaubssaison beginnt. Wo erfährt man, welche Impfungen vor der Reise sinnvoll sind?

Informationen erhält man bei seiner Krankenkasse, bei Tropeninstituten und -ärzten sowie beim Auswärtigen Amt und der STIKO (rki.de).

Warum müssen Impfungen eigentlich aufgefrischt werden?

Um Erreger abzuwehren, ist eine Mindestmenge an „Gedächtniszellen“ nötig, die im Blut zirkulieren. Und diese Zahl kann mit den Jahren abnehmen. Daher muss das Immungedächtnis von Zeit zu Zeit aufgefrischt werden. Ein Blick in den Impfpass verrät, wann es wieder so weit ist.

Dürfen sich Schwangere impfen lassen?

Prinzipiell impft man nur im Notfall, etwa nach einem Unfall gegen Tetanus. Impfstoffe, die geringe Mengen lebender Erreger enthalten –wie bei Mumps, Masern, Röteln, Windpocken –, sind tabu. Anders beim Grippeschutz: Er wird im zweiten und dritten Drittel der Schwangerschaft sogar von der STIKO empfohlen, weil das Neugeborene mitgeschützt wird.

Kann man trotz Impfung erkranken?

Im Prinzip schon. Einen 100-prozentigen Schutz gibt es nicht. Bei Keuchhusten und Grippe besteht eine etwa 85-prozentige Sicherheit, bei den anderen Impfungen nahezu 100 Prozent.

Muss man Nachteile befürchten, wenn man seine Kinder nicht impfen lässt?

Es gibt keine gesetzliche Impfpflicht. Allerdings müssen Eltern damit rechnen, dass Krippen, Kindergärten und Schulen verlangen, dass bei der Aufnahme des Kindes der Impfausweis mitgebracht wird. Wenn dort Eintragungen fehlen, sollte man sich auf schwierige Gespräche einstellen.

Impfkalender

IMPFKALENDER

Die aktuellen Empfehlungen der STIKO, der Ständigen Impf - kommission in Berlin, an denen sich Ärzte orientieren:

FÜR SIE ONLINE-TIPP:

Fragen rund ums Impfen, beantwortet, gut verständlich, die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung: www.impfen-info.de

  • Bis 14 Monate: Impfungen gegen Tetanus, Diphtherie, Keuchhusten und Polio, gegen Kinderkrankheiten (Mumps/Masern/ Röteln/Windpocken) sowie gegen Haemophilus influenzae Typ b, Hepatitis B, Pneumokokken (Erreger von Lungenentzündung) und Meningokokken (Hirnhautentzündung, im 2. Lebensjahr).
  • Für Kinder und Jugendliche: Neben den Auffrischimpfungen wird für Mädchen die Impfung gegen Papillomviren, die Gebärmutterhalskrebs verursachen können, empfohlen. Wurde ein Kind nicht schon als Säugling gegen Hepatitis B geimpft, sollte die Impfung möglichst bald nachgeholt werden.
  • Für Erwachsene: Alle 10 Jahre eine Auffrischung für Tetanus und Diphtherie (1x zusätzlich Keuchhusten). Bei unklarem Immunstatus können Impfungen gegen Kinderkrankheiten nachgeholt werden (wichtig: Röteln-Impfung für Frauen im gebärfähigen Alter).
  • Für Senioren: Zusätzlich Schutz vor Pneumokokken (s. o.) und die jährliche Grippe-Impfung.
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