7. Dezember 2020
3 typische Konflikte mit dem Partner und was Sie tun können

3 typische Konflikte mit dem Partner und was Sie tun können

Konflikte in der Partnerschaft bleiben nie aus und sind völlig normal. Gerade in der aktuellen Situation, in der Paare viel Zeit gemeinsam in den eigenen vier Wänden verbringen oder auch in den kommenden Weihnachtstagen, kann es schon mal heftig krachen. Wir zeigen drei typische Konflikte in der Partnerschaft auf. Experte Eric Hegmann hat hilfreiche Tipps und Lösungsansätze für uns parat und erklärt, wie wir uns in den entsprechenden Situationen verhalten können, wie wir Konflikte im Voraus vermeiden und sie lösen.
 

Konflikt Nr. 1: Der Haushalt

Der Haushalt ist in vielen Partnerschaften ein großes Streitthema, denn er birgt jede Menge Konfliktpotential. In den seltensten Fällen sind die Partner nämlich auf demselben Nenner, wenn es um die Themen Ordnung und Sauberkeit geht. Er liebt eine aufgeräumte Wohnung, sie legt nicht so viel Wert darauf, ständig zu putzen. Er lässt überall seine Socken herumfliegen und sie hat keine Lust mehr darauf, ihm ständig hinterher zu räumen.

Für Sie: Was können wir tun, um Konflikte, die das Thema Haushalt betreffen, zu vermeiden? Wie kommen beide Partner auf einen Nenner und wie bleibt man gelassen, wenn einen das Verhalten des Partners stört?

Eric Hegmann
© Robert Hilton
Der Experte: Eric Hegmann ist Paartherapeut, Autor und Single-Coach. Er hat über ein Dutzend Bücher zu Liebe und Partnerschaft sowie zur Partnersuche veröffentlicht. Außerdem ist er Chefredakteur des Online Magazins und Gründer der Modern Love School. 

Das rät Paartherapeut Eric Hegmann: Zunächst sollten die Partner verstehen, dass es beim Konflikt nicht wirklich um die Hausarbeit geht. Deshalb bringt es auch kein Paar weiter, hier immer wieder argumentativ Kreise zu drehen. Das ist ermüdend und frustrierend und hinterlässt den Eindruck, man trete auf der Stelle. In Wirklichkeit geht es darum, was die empfundene ungerechte Aufteilung mit den Partnern macht. Nämlich, dass meist sie sich degradiert fühlt, dass sie Respekt und Wertschätzung vermisst, dass sie zweifelt, dass er sie auf Augenhöhe ernst nimmt. Der Konflikt entsteht also durch die ausgelösten Emotionen, nicht durch Sachthemen. So lange die Partner aber über die vermeintlichen Sachthemen streiten, können sie keine Einigung auf der emotionalen Ebene finden. Ist die aber hergestellt, dann lassen sich auch alle Sachthemen leicht und für beide zufriedenstellend verhandeln. In der Praxis erlebe ich oft, dass ein Partner zu früh nachgibt, weil der andere „das ja dann auch nicht richtig macht“. Hier braucht es oft Geduld, vielleicht muss der Partner tatsächlich erst einmal gewisse Dinge lernen, weil sie neu sind für ihn. Und Toleranz, dass der Partner es eben nicht so macht, wie man es selbst tun würde – was auch völlig in Ordnung ist. Denn wenn der Partner immer kritisiert wird, wird er sich erst recht verweigern, weil er sich dann nämlich ebenfalls nicht respektiert fühlt. Und schon ist das Paar wieder im negativen Kreislauf.

Konflikt Nr. 2: Die Macken des Partners

Den Einen nervt, dass der Partner ständig laut Musik hört, der Andere stört sich am lauten Telefonieren oder am Pfeifen des Partners. Es gibt viele Dinge, die uns beim Zusammenleben mit jemandem in den Wahnsinn treiben können. Jeder hat nun einmal seine Macken und je länger und intensiver wir mit jemandem Zeit verbringen, desto eher fallen uns diese auf. Mit vielen Macken lernt man zu leben, schließlich sind wir selbst auch nicht fehlerfrei, aber manche Dinge bringen einen total auf die Palme. Gerade in Zeiten von Corona, wo Homeoffice und Kontaktbeschränkungen dazu führen, dass die Meisten viel mehr Zeit als zuvor mit dem Partner verbringen, entstehen dann schnell Konflikte.

Für Sie: Was können wir tun, wenn uns ein bestimmtes Verhalten oder eine bestimmte Angewohnheit des Partners so richtig auf den Wecker geht? Wie sprechen wir es am besten an, ohne den Partner zu verletzen?

Das rät der Experte: Die Wünsche und Bedürfnisse der Partner sind gleichberechtigt. Diese Erkenntnis ist sehr wichtig. Kein Partner kann etwas vom anderen verlangen oder fordern, denn niemand ist dazu da in einer Beziehung, die Erwartungen des anderen zu erfüllen. Allerdings dürfen und sollen Partner Wünsche formulieren und über deren Umsetzung muss dann verhandelt werden. Zu Konflikten kommt es, wenn ein Partner seine Wünsche als berechtigter empfindet. Ganz praktisch fehlt es vielen Paaren aber auch an Rückzugsmöglichkeiten. Orte, an denen man tatsächlich ungestört bleibt. Wer den Eindruck hat, er könne nirgends so sein, wie er möchte, fühlt sich rasch unter Druck gesetzt. Und ein elementares Bedürfnis in einer Beziehung ist, genau so angenommen und geliebt zu werden, wie man ist. Wer sich an den Macken des Partners stört, sollte versuchen, den eigenen Fokus auf andere Dinge zu lenken, statt versuchen zu wollen, den Partner zu verändern. Umgekehrt würde man sich das auch verbitten und darüberhinaus ändern sich Menschen nur dann dauerhaft, wenn sie das selber wollen. 

Konflikt Nr. 3: Nicht zuhören

„Hörst du überhaupt zu? Ich habe dir gerade was erzählt!“ Diese Sätze fallen häufiger mal in Partnerschaften. Sie wollen dem Partner etwas erzählen, doch dieser scheint mental abwesend zu sein. Das kann viele Gründe haben und muss nicht bedeuten, dass sich der Partner nicht für Sie interessiert. So können etwa Stress oder Müdigkeit dafür verantwortlich sein, dass jemand gerade mit den Gedanken woanders ist.
Für Sie: Doch was können wir tun, wenn wir das Gefühl haben, dass der Partner uns nicht zuhört? Und wie vermeiden wir Schuldzuweisungen?

Das rät Eric Hegmann: Tatsächlich scheint es, dass immer jene Partner sich finden, die unterschiedlich ihre Energie auftanken. Einer macht dies durch Kommunikation, der andere benötigt erst einmal Zeit für sich. Hier gibt es dann auch keinen Kompromiss, das ist einer der 69 % unlösbaren Konflikte aller Paare.* Hier müssen die Partner lernen, damit umzugehen. Häufig erlebe ich aber auch, dass der vermeintlich nicht erreichbare Partner aus Sorge etwas Falsches zu sagen und einen Streit zu provozieren, lieber nichts sagt. Dies sorgt jedoch dafür, dass der nicht gehörte Partner nur noch lauter und drängender wird – worauf der andere sich noch mehr zurückzieht. Diese Forderungs-Rückzugs-Dynamik kann nur durchbrochen werden, wenn das Paar nicht einander als Gegner, sondern eben diese Dynamik als gemeinsamen „Feind“ ansieht und zusammenarbeitet, um neue Wege auszuprobieren und zu gehen, weil die alten eben niemals funktionieren werden.

*(Quelle: John Gottman: „Zwei Drittel aller Konflikte lassen sich nicht lösen“)

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