20. August 2020
Trotz Schuppenflechte ins Rampenlicht

Trotz Schuppenflechte ins Rampenlicht

Der schwierige Weg eines Models zum Erfolg: Marie-Luise Besenlehner hat im Kampf gegen ihre Psoriasis-Arthritis nie aufgegeben – und schaffte es schließlich doch auf den Laufsteg.

Marie-Luise Besenlehner
© Jeff Mangione

Heute kann Marie-Luise Besenlehner alles entspannter sehen. Denn für die 37-Jährige hat sich ein Traum verwirklicht. Dass sie es einmal als Model auf den Laufsteg schaffen würde – das hätte sie selbst über lange Jahre niemals für möglich gehalten. Jahre des Unwohlseins, der Quälerei, der Schmerzen. Verursacht durch ihre schwere Schuppenflechte – eine Erkrankung, die Mediziner Psoriasis nennen.

Bis die Österreicherin 20 Jahre alt war, lebte sie ein gesundes, fröhliches Leben. Doch dann bemerkte sie plötzlich kleine rote Flecken an ihren Ellenbogen. Was sie nicht ahnte: Es waren Symptome einer Schuppenflechte und Vorboten einer langen Krankheitsgeschichte. Zwar wurde die Psoriasis schon früh erkannt, doch die verschriebenen Kortisonsalben halfen trotz eifriger Anwendung nicht. Im Gegenteil: Die Schuppenflechte breitete sich auf die Unterarme aus, die Kopfhaut begann unerträglich zu jucken. Und beim Tippen im Büro verspürte die kaufmännische Angestellte immer stärkere Schmerzen in den Fingergelenken.

Hoffnung und Rückschläge

Mit dieser Symptomatik ist Marie-Luise kein Sonderfall. Professor Alexander Kreuter, Chefarzt der Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie am Helios Klinikum Oberhausen, erklärt: „Bei der Psoriasis, also Schuppenflechte, handelt es sich um eine sogenannte autoinflammatorische Erkrankung. Die Entzündung läuft zwar meist in der Haut ab, kann aber in 20 bis 30 Prozent der Fälle auch die Gelenke betreffen. Oft sind die Fingergelenke betroffen. Sie schwellen an, bereiten Schmerzen. Das gilt auch für andere Gelenke, etwa das Knie“.

Tatsächlich diagnostizierte man auch bei Marie-Luise Besenlehner bald eine Psoriasis-Arthritis. Die Krankheit ist zwar nicht heilbar, lässt sich aber medikamentös eindämmen. Das ermöglicht ein weitgehend symptomfreies Leben. Marie-Luise jedoch brauchte fünf lange Jahre, bis sie die passende Medikation fand. „Diese fünf Jahre waren nicht einfach, weil ich mein Leben auf diese Krankheit abstimmen musste und ich auch an Gewicht zunahm“, erinnert die junge Österreicherin. Erschwerend kam hinzu, dass sich die morgendliche Steifigkeit der Gelenke trotz Behandlung verschlimmerte. Sie kam sich vor wie eine Greisin: „Das Treppensteigen war sehr mühsam. In öffentlichen Verkehrsmitteln musste ich um einen Sitzplatz bitten.“

Schuppenflechte
© Jeff Mangione

Licht am Horizont

Erst als sogenannte Biologika verfügbar wurden – therapeutische Antikörper, die das falsch funktionierende Immunsystem regulieren – sah Marie-Luise wieder Licht am Horizont. Doch die zuerst wunderbar wirkenden Medikamente ließen bei ihr immer mehr nach: „Ein als Infusion verabreichtes Biologikum hat anfangs ganz toll gewirkt. Die Schuppenflechte ging völlig weg, und die Gelenke waren wie geölt. Aber dann hat mein Körper leider Antikörper entwickelt, und es hat nicht mehr gewirkt.“ Marie-Luise wurde vollends mutlos. Sie fand sich aufgrund der roten Flecken und silbrigen Hautschuppen hässlich, begann sich zurückzuziehen, wurde depressiv.

Stark und aufrecht

Doch aufzugeben, das war keine Perspektive; Marie-Luise glaubte an sich selbst, suchte weiter nach der geeigneten Medizin. Professor Kreuter: „Uns stehen mehr als ein Dutzend Medikamente zur Verfügung. Dazu gehören neben klassischen Arzneien auch die Biologika. So können wir heute für jeden Menschen mit Schuppenflechte eine optimale und erfolgreiche Therapie anbieten.“ Auch Marie-Luise war schließlich erfolgreich: Sie fand das passende Medikament und ist heute weitgehend symptomfrei.

Mit der Krankheit zu leben, hat ihr wichtige Impulse gegeben. Sich selbst vorbehaltlos anzunehmen: Das hat Marie-Luise Besenlehner während der Jahre mit ihrer Psoriasis-Arthritis tief verinnerlicht. Und daraus gewann sie nicht nur die Kraft, ihre Schuppenflechte zu akzeptieren. Es ist auch ihre Energiequelle, um einem großen Ziel näherzukommen – sie lief als Freizeit-Model auf ersten Modenschauen mit. Und in einem Interview verriet sie: „Ich arbeite hart für meinen Traum, einmal als Curvy-Model vom Cover eines Magazins zu lächeln.“ Wer sie auf dem Catwalk erlebt, würde niemals glauben, welch schwierigen Weg sie gemeistert hat.

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