Die Schwiegertochter als Konkurrentin

Die Schwiegertochter als Konkurrentin

Dauerzoff mit der Schwiegermama, das kennen viele Frauen. Terri Apter ist dem Problem gründlich auf die Spur gegangen, als Psychologin – und als Betroffene

Die Schwiegertochter als Konkurrentin
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Die Schwiegertochter als Konkurrentin

Mrs. Apter, wie viele Frauen kennen Sie, die sagen: „Ich habe ein super Verhältnis zu meiner Schwiegermutter“? Gute Beziehungen sind nicht unmöglich. Immerhin haben mir 10 Prozent der Frauen, die ich für mein aktuelles Buch über den Umgang mit Schwieger- Verwandten interviewt habe, Positives berichtet. Bis hin zur Aussage: „Sie ist wie die Mutter, die ich immer wollte.“ Aber die Mehrheit der Befragten hatte weniger gute Erfahrungen? Ja, rund 60 Prozent der Schwiegertöchter und -mütter beschrieben ihr Verhältnis als angespannt, schwierig, feindlich oder schrecklich. Meist beklagen sich Schwiegertöchter über Einmischung und Besserwisserei.

Ist diese Kritik berechtigt? Ein bisschen. Wenn Menschen ihren Status bedroht sehen, können sie intolerant werden. Frauen fühlen sich immer noch stark für den Familienzusammenhalt verantwortlich. Sie messen ihren Wert an ihrem Einfluss in der Familie. So kann zwischen den beiden Frauen ein Wettbewerb entstehen. Denn die Schwiegermutter meint, beweisen zu müssen, wie wichtig sie auch für die neue Familie ihres Sohnes ist.

Heißt das, Schwiegermütter beanspruchen lebenslänglich Platz eins im Leben ihres Sohnes? Für eine Mutter bedeutet die Heirat des Sohnes, dass eine Außenstehende den Platz der engsten Vertrauten einnimmt. Sie fragt sich, ob diese neue Frau liebevoll und gut genug für ihren Sohn sorgen wird, ob ihre Position in der Familie bedroht ist, sich das Verhältnis zum Sohn verändert. Die Schwiegertochter wiederum möchte mit ihrem Partner eine eigene Familie bilden und empfindet den Anspruch der Schwiegermutter als Angriff auf diese Einheit.

TIPP :

Bemühen Sie sich von Anfang an um eine gute Beziehung zu Ihrer Schwiegermutter. Je festgefahrener Konflikte werden, desto schwieriger wird es später diese zu lösen. Wenn erst einmal der Bund der Ehe geschlossen wurde und Kinder mit im Spiel sind, werden Sie wahrscheinlich auf die Unterstützung Ihrer Schwiegermutter angewiesen sein.

Ursachen der Konflikte

Der Konflikt entsteht also tatsächlich dadurch, dass Mütter ihre Söhne nicht loslassen können? Schwiegertöchter behaupten oft: „Sie kann ihren Sohn nicht teilen.“ Oder: „Sie akzeptiert nicht, dass er erwachsen ist.“ Betrachtet man die Fälle näher, wird jedoch klar, dass es nicht einfach um das Klischee der eifersüchtigen Mutter geht. Worum geht es dann? Meist entstehen die Probleme durch Interaktion zwischen den dreien. Klar, die Schwiegermutter hat Angst, ihren Sohn zu verlieren. Doch da ist auch der Anspruch der Schwiegertochter, die wichtigste Frau im Leben ihres Mannes zu sein. Sie will außerdem von ihrer Schwiegermutter unterstützt, aber auch in Ruhe gelassen werden.

Schwiegertöchter sind also auch keine Unschuldsengel? Oh nein! Sie können ihr Ziel, die Frau Nummer eins in der Familie zu sein, aggressiv verfolgen. Viele geben zu, im Umgang mit der Schwiegermutter so mürrisch und launisch zu sein wie als Teenager der eigenen Mutter gegenüber.

Warum gibt es so selten unlösbaren Zoff zwischen Männern und ihren Schwiegereltern? Da gibt es auch Unstimmigkeiten, sie eskalieren nur nicht so. Männer halten sich bei Besuchen der Schwiegereltern mehr im Hintergrund und neigen weniger als Frauen dazu, sich über subtile Kritik den Kopf zu zerbrechen. Oft können Schwiegertöchter und -mütter am Anfang richtig gut miteinander.

Was passiert dann? Jede Familie hat ihre eigene Streitkultur. Eine Familie zu werden bedeutet auch, Regeln zu lernen. Solange man diese nicht kennt, ist der Umgang miteinander von Unsicherheit geprägt. Wir sind nett, um Konflikte zu vermeiden. Doch das ständige Bemühen um Harmonie steigert letztlich das Unbehagen.

Harmoniesucht bremst Kommunikation

Das müssen Sie bitte näher erklären. Krampfhaft Konflikte zu vermeiden schränkt die Kommunikation ein. Das kritisieren viele Frauen. Sie finden die betonte Freundlichkeit ihrer Schwiegermutter aufgesetzt – und reagieren mit Unmut. Woraufhin sich die Schwiegermutter wundert, warum man ihr so kühl und abstoßend begegnet. Aus Angst, die Situation könnte sie womöglich von ihrem Sohn entfernen, reagiert sie mit dem Nettigkeits-Syndrom, das die Schwiegertochter weiter nervt.

Ihr Buch basiert auf Ihren eigenen Erfahrungen als Schwiegertochter. Wo lagen da die Probleme? Meine Schwiegermutter war durch und durch eine Frau der 50er Jahre. Sie glaubte, dass man sich allein durch seine Rolle als Ehefrau und Mutter definiert. Deshalb konzentrierte sich ihre Wertschätzung für mich auf diese Lebensbereiche. Lob gab es zum Beispiel für gut gemachte Wäsche. Das war mir zuwider. Ich sah mich als gleichberechtigte Partnerin und reagierte schroff. Aus ihrer Sicht wollte sie jedoch nur freundlich sein. Also lobte sie mich weiter für Dinge, für die ich kein Lob wollte – und ich zog mich noch mehr zurück. Ein typischer Teufelskreis.

Welche Rolle spielen die Männer in solchen Konflikten? Eine ganz entscheidende! Der Partner könnte die Probleme abfedern: indem er seiner Mutter versichert, dass sie immer ein wichtiger Teil seines Lebens bleibt, er sie liebt und respektiert. Gleichzeitig kann er ihr aber zeigen, dass seine wichtigste Bezugsperson seine Frau ist, etwa indem er Kritik an ihr sofort abblockt. Diese wird sich weniger schnell von seiner Mutter provoziert fühlen, wenn sie sicher ist, dass er auf ihrer Seite steht.

Konkurrenzkampf verhärtet die Fronten

Woran scheitert diese Strategie häufig? Daran, dass sich Männer mit ihr schwer tun. Frauen üben sich schon als Teenager darin, ihren Müttern Grenzen zu stecken: „Sage mir nicht immer, was ich tun soll!“ Männer haben als Jungs weniger Erfahrung in solcher Beziehungs-Feinarbeit gesammelt, weil sie von ihren Müttern weniger zur Hausarbeit angehalten wurden. Wenn sie ihrer Mutter dann, als Ehemänner, plötzlich Grenzen setzen sollen, überlassen sie diese Beziehungsarbeit lieber ihren Frauen.

Schwiegermütter lassen sich ja auch höchst ungern in Schranken weisen. Warum sind sie so empfindlich? Sie setzen großes Vertrauen in ihre eigene Lebenserfahrung und Urteilskraft. Warum sollten sie sich von jemandem zurechtweisen lassen, der wahrscheinlich über eine geringere Autorität als Mutter und Hausfrau verfügt? Dieser Konkurrenzkampf führt oft sogar zu Ehescheidungen.

Muss das sein? Die Spannungen wirken in der Regel erst dann zerstörerisch auf die Ehe, wenn die Frau das Gefühl hat, in ihrem eigenen Haus macht- und schutzlos zu sein. Wenn ihre eigenen Bedürfnisse im täglichen Familienleben weniger zählen als die der Schwiegermutter.

Gegenmaßnahmen

Wie können Paare der Gefahr rechtzeitig entgegensteuern? Prinzipiell ist der Loyalitätskonflikt des Mannes ein großer Risikofaktor. In solchen Konstellationen spielt sich oft ein typischer Schlagabtausch ab: Er muss sich der Frage seiner Frau stellen, auf welcher Seite er stehe. Worauf er kontert, warum sie ihn nicht bei seinen Pflichten als Sohn unterstütze. Eine solche Zuspitzung ist jedoch vermeidbar: indem das Paar die Rolle seiner Mutter innerhalb der Familie definiert und einen Weg erarbeitet, wie sie den Kontakt halten, ohne das eigene Glück zu vernachlässigen. Der Trick ist, aus Wettkampf Zusammenarbeit zu machen.

Die Expertin:

Dr. Terri Apter, 57, Psychologin, lehrt am Newnham College in Cambridge, England. Ihre Bücher über familiäre Beziehungen sind international anerkannt.In ihrem aktuellen Werk „What Do You Want from Me? Learning to Get Along with In-Laws“ (Norton) ergründet sie den Konflikt zwischen Schwiegertöchtern und -müttern. Apter ist verheiratet und hat zwei erwachsene Töchter.

Und da spielen Schwiegermütter mit? Sie akzeptieren viel, solange sie sich eines Platzes im Familiengefüge sicher sind. Eine Absage wie „Das ist kein guter Zeitpunkt für einen Besuch“ oder „Diese Entscheidung möchten wir allein treffen“ ist leichter zu schlucken, wenn man sich nicht grundsätzlich ausgeschlossen fühlt.

Würden Sie im Rückblick auf Ihre eigene Biografie als Schwiegertochter Dinge anders machen? Natürlich! Ich begreife heute, dass auch unser Konflikt aus einer Wechselwirkung entstand. Hätte ich es ihr leichter gemacht, hätte sie vielleicht mehr Verständnis für mich gehabt. Allerdings denke ich, dass sie ihr Leben lang überzeugt war, das Richtige zu tun. Und das ist sie sicher heute noch, mit 91 Jahren.

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