Mikroplastik in Kosmetik: Apps für den Produkt-Check

Mikroplastik in Kosmetik

Peelings, Shampoos, Cremes: In fast allen Beauty-Produkten versteckt sich Mikroplastik. Lesen Sie, warum die winzigen Kunststoffkügelchen Mensch und Umwelt schaden – wie Sie kontaminierte Produkte erkennen und was Sie aktiv tun können.

Mikroplastik in Kosmetik
© Fotolia
Mikroplastik in Kosmetik

Artikelinhalt Mikroplastik in Kosmetik

1. Plastik: Vom Paulus zum Saulus
2. Was ist Mikroplastik und warum ist es so gefährlich?
3. Umweltschutzbeginnt zu Hause – mit Apps
4. Werden die Prognosen Wirklichkeit?

Plastik: Vom Paulus zum Saulus

Noch vor 50 Jahres als DAS Produkt gefeiert, wird Plastik heute verteufelt – was den Müll anbelangt, zu Recht. Das Internet ist voll von Tipps für ein kunststoffärmeres Leben, denn seit einigen Jahren ist klar: Der Planet droht daran zu ersticken. Rund 8,3 Milliarden Tonnen Plastik wurden laut einer US-Studie seit 1950 weltweit hergestellt. Das entspricht einer Menge von 1,5 Milliarden Elefanten. Der Großteil landet in Verpackungen, Textilien und Autoreifen.

Doch auch die Kosmetikindustrie leistet ihren Beitrag zur Verschmutzung der Ozeane. In Peelings, Shampoos, Cremes und Make-up versteckt sich sogenanntes Mikroplastik, das als Bindemittel und Füllstoff für die geliebten Effekte wie Geschmeidigkeit, Glanz oder Abrieb sorgt. Dabei gibt es ausreichend natürliche Alternativen wie Salz, Kaffee oder Zucker. Doch Kunststoff ist eben immer noch am günstigsten.

Was ist Mikroplastik und warum ist es so gefährlich?

Chemiker und Geologe Professor Dr. Gerd Liebezeit weiß das ganz genau: Der Experte auf dem Gebiet der Meeres-Chemie war einer der Ersten in Deutschland, der die Auswirkungen von Plastik auf die Umwelt erforschte. „Spricht man von Mikroplastik, sind feste, wasserunlösliche synthetische Partikel oder Fasern mit einer maximalen Größe von fünf Millimetern gemeint“, erklärt Liebezeit. Aufgrund seiner winzigen Größe kann Mikroplastik daher die meisten Kläranlagen ungehindert passieren und landet im Meer. Ohne es zu ahnen, verschmutzen wir also beim Zähneputzen und Duschen unsere Seen, Flüsse und Meere. Schon einmal Duschen kann bis zu 100 000 Plastikteilchen ins Abwassersystem spülen. Gefährlich ist das nicht nur für die Umwelt, sondern auch für uns Menschen. „Das Tückische an Mikroplastik ist, dass es wie ein Magnet für Bakterien und Schadstoffe wirkt. Wenn Fische Nahrung aufnehmen, gelangen also auch Giftstoffe in ihre Organismen, die zu Krankheiten und Fehlbildungen führen können“, sagt Liebezeit. Am Ende landen diese Fische wieder auf unseren Tellern. Wir essen also unseren eigenen Abfall.

Umweltschutz beginnt zu Hause – mit Apps

Um das zu verhindern, fordert die internationale Umweltorganisation Greenpeace schon länger ein gesetzliches Verbot für den Einsatz von Kunststoffen in Kosmetikprodukten. Bisher gibt es lediglich eine freiwillige Selbstverpflichtung zur Reduzierung von Mikroplastik. Hersteller umschiffen dieses Commitment jedoch oft, indem sie allein auf festen Kunststoff verzichten und weiterhin gelöste, gelartige Polymere einsetzen. Sie sind für das menschliche Auge unsichtbar. Greenpeace-Meeresexpertin Dr. Sandra Schöttner betont immer wieder: „Der Einsatz von festen und flüssigen Kunststoffen ist überflüssig und muss per Gesetz verboten werden. Zertifizierte Naturkosmetik zeigt, dass es auch ohne geht.“

Bis es jedoch so weit ist, dass die Politik ein offizielles Verbot durchsetzt, gilt es für Verbraucher, selbst aktiv zu werden. Umweltschutz beginnt im eigenen Badezimmer. Da Mikroplastik nur in Peelings erkennbar ist, hilft allein der Blick aufs Etikett. Doch mal ehrlich: Die Inhaltsstofflisten aus Polyethylenterephthalat, Sodium Laureth Sulfate und Acrylates Crosspolymer wirken wie riesige Buchstabensalate statt aufklärende Hilfsmittel. Erste Hilfe bietet der Einkaufsratgeber vom BUND (Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland). Gelistet sind alle Produkte, die Kunststoffe enthalten. Noch schneller geht es mit folgenden Apps:

  1. CodeCheck
  2. ToxFox oder
  3. Beat the Microbead

Einfach den QR-Code des Lieblingsprodukts scannen, fertig. Alle drei Applikationen geben in Echtzeit Auskunft über die bedenklichen Kunststoffe. „Code- Check“ schlägt zudem Alternativprodukte ohne Mikroplastik vor. Das spart Zeit. Wer kein Smartphone hat, kann sich den kostenlosen „Einkaufshelfer fürs Portemonnaie“ von Greenpeace als PDF ausdrucken. Die Infokarte nennt alle Kunststoffe, die Verbraucher meiden sollten. Generell gilt: Finger weg von Produkten mit folgenden Inhaltsstoffen wie

  • Polyethylen (PE)
  • Polypropylen (PP)
  • Polyamid (PA) oder
  • Polyethylenterephthalat (PET).

Sicherheit geben auch die Naturkosmetiksiegel „Natrue“ und „BDHI“. Wer ganz sichergehen möchte, setzt auf zertifizierte Naturkosmetik. Dort wird konsequent auf Mikroplastik verzichtet. Oder man stellt Kosmetik wie Cremes und Peelings einfach selbst her.

Werden die Prognosen Wirklichkeit?

Ganzheitlich oder teilweise auf natürliche Kosmetik umzusteigen ist aber nur eine Möglichkeit, uns und unsere Ökosysteme zu schützen. „Fachgerechtes Entsorgen und Recycling von Verpackungen verhindert, dass Mikroplastik überhaupt in der Umwelt landet“, weiß Professor Dr. Liebezeit. Schwimmt Kunststoff erst einmal im Ozean, formt er sich durch Meeresströmungen zu gigantischen Müllbergen zusammen. Der weltweit größte dieser Art schwimmt im Nordpazifik und misst traurige 1,6 Millionen Quadratkilometer. Eine Fläche mehr als viermal so groß wie Deutschland. „Gelangt Mikroplastik erst in die Umwelt, ist es zu spät zum Handeln“, warnt Liebezeit.

Oder etwa nicht? Die Aachener Architektin und Trägerin des Bundespreises Ecodesign Marcella Hansch hat eine Lösung entwickelt, wie sich Plastikabfall aus unseren Weltmeeren entfernen lässt. Ihre Idee: eine schwimmende, kammähnliche Plattform, die es ermöglicht, Plastikpartikel aus dem Meer zu filtern. „Pacific Garbage Screening“ heißen die Plattformen der 32-Jährigen, die sich energetisch autark versorgen und ohne Netze auskommen, sodass kein Meeresbewohner gefährdet wird.

Vermeiden ist aber ja wohl in jeder Hinsicht die bessere Strategie – außerdem wird ein Kamm nur schwerlich Mikroplastik einfanangen können ... Sonst werden die Prognosen wahr, dass es bis 2050 mehr Plastikteile als Fische in den Weltmeeren gibt. Jedes Mikrogramm Kunststoff ist also zu viel.

Blitz-Lifting
Fahlen Teint, schlaffe Konturen und erste Fältchen bekämpfen neuartige Beauty-Fluids gezielt mit geballter Wirkstoff-Power. Eine bequeme und vor allem sanfte...
Weiterlesen
Lade weitere Inhalte ...