Tipps für richtiges Aufräumen

Tipps für richtiges Aufräumen

Mal ehrlich, haben wir nicht von allem zu viel? Bücher, Klamotten, Zeitschriften ... Richtiges Aufräumen hingegen öffnet dem Glück die Tür, so lautet die Strategie der Erfolgs-Autorin Marie Kondo und hat damit einen Hype ausgelöst. So funktioniert „Magic Cleaning“!

Eine Frau geht durch Berge von Unordnung, sie sollte mal wieder aufräumen
© Ryan McVay/Thinkstock
Tipps für richtiges Aufräumen

Die Unordnung im Zimmer entspricht der Unordnung im Herzen“, sagt ein japanisches Sprichwort. Aufräum-Coach Marie Kondo ist Japanerin und kann das unterstreichen. Sie beschäftigt sich schon ihr Leben lang mit Aufräumen, hat das „Hobby“ zum Beruf gemacht und in ihrer Heimat einen Mega-Bestseller gelandet, der gerade auch bei uns erschienen ist. „Magic Cleaning“ heißt ihr Buch, und darin behauptet sie, dass richtiges Aufräumen das Leben verändert. Ach, was sage ich: nicht nur verändert, sondern endlich das Glück zur Tür hereinlässt.

Magic Cleaning

Ausmisten soll uns zu selbstbewussten, zufriedenen, ausgeglichenen Menschen machen. Frauen, die nach ihrer Methode aufgeräumt haben – Marie Kondo nennt sie die KonMari-Methode oder Magic Cleaning – schwärmen davon, wie plötzlich alles leichter geht. „Ich weiß jetzt, was ich im Leben brauche, es gibt keine Frustkäufe mehr.“ Oder: „Als ich losgelassen habe, wurde mir klar, dass ich in meinem Job nicht mehr glücklich bin. Ich habe mich selbstständig gemacht.“ Oder: „Unsere Ehe hat von der neuen Ordnung im Haus profitiert. Wir lieben uns wieder wie früher.“ Hallo? Das alles schafft man mit Aufräumen? Glaube ich nicht. Aber ich bin neugierig geworden, will es selbst ausprobieren. Marie Kondo gibt zu, dass es für die erstaunlichen Veränderungen, die simples Ausmisten im Leben ihrer Kundinnen erreicht hat, keine wissenschaftliche Erklärung gibt und wohl auch nie geben wird. Aber das ist auch nicht wichtig. Es geht ums Gefühl. Es geht ums Glücklichsein.

Ballast abwerfen schafft Freiraum

Ehrlich gesagt: Ich bin kein Aufräum-Typ. Schon als Kind stand ich damit auf Kriegsfuß. Bei einer Freundin von mir ist es immer tipptopp. Es liegt nicht mal eine Zeitschrift herum. Bei mir undenkbar. Ich sehe mich kritisch zu Hause um. Immerhin: Es herrscht eine gewisse Ordnung. Alles ist an seinem Platz. Aber ich bin ein Mensch, der sich ungern von Dingen trennt. Bücher oder Zeitschriften (und, glauben Sie mir, davon hab ich eine Menge) kann ich schlecht wegschmeißen. In meinem Kleiderschrank herrscht zwar kein Chaos, aber dort gilt das Motto: Das Kleid habe ich zwar lange nicht getragen, an der Hüfte kneift es, aber ich will sowieso demnächst detoxen, und irgendwann passt es dann schon wieder. „Stopp“, sagt Marie Kondo, „irgendwann kommt nie.“ Und das gilt nicht nur für Kleidungsstücke, die zu eng oder aus der Mode gekommen sind. Es gilt auch für Bücher, die man noch nicht gelesen hat, Zeitungsartikel, die man archivieren will, Rezepte, die man „irgendwann“ mal ausprobieren möchte. Alles das, erklärt Marie Kondo, bleibt im Regal liegen, im Schrank hängen. Kosmetikpröbchen, die man „irgendwann“ im Flieger mitnehmen will, vergammeln im Bad.

Sie machen uns ein schlechtes Gewissen

Doch das Schlimmste ist: Die Dinge nehmen nicht nur Platz weg, sie machen uns ein schlechtes Gewissen. Und stehen damit unserem Glück entgegen. Na gut, in einem Messie-Haushalt mag das zutreffen, denke ich, aber bei allen anderen? „Ein Leben zu führen, in dem man umgeben ist von Dingen, die einen glücklich machen – ausschließlich von Dingen, die einen glücklich machen. Ist das nicht der Idealzustand?“, fragt der Aufräum-Coach. „Einmal in einem Rutsch aufräumen ist wie ein Neuanfang. Danach steht einem glücklichen, befreiten Leben nichts mehr entgegen.“ Das klingt plausibel, aber vor allem: paradiesisch und verführerisch.

Was heißt in einem Rutsch? Die Magic-Cleaning-Methode funktioniert so: Es gibt eine festgelegte Reihenfolge, in der man ausmistet. Man beginnt mit dem Kleiderschrank, dann kommen die Bücher, danach die Papiere, dann der Kleinkram und ganz zum Schluss wagt man sich an die Erinnerungsstücke. Es wird also nach Kategorien und nicht nach Zimmern aufgeräumt. Der gesamte Inhalt des Kleiderschranks, alle Schubladen, auch alle Kleidungsstücke, die auf dem Dachboden lagern, kommen raus, werden mitten ins Zimmer gelegt. Erst dann beginnt man mit dem Magic Cleaning.

Ein Frühjahrsputz für die Seele

Das ist mir zu kompliziert. Warum kann ich nicht jeden Tag ein bisschen ausmisten? Mir graut davor, aus dem ganzen Haus Sachen hervorzusuchen und mitten ins Schlafzimmer zu werfen. „Nur das drastische Aufräumen in einem Rutsch löst einen Bewusstseinswandel aus“, erklärt Marie Kondo. Nur so habe man ein Wow-Erlebnis. Und fühle sich tief im Innern befreit. Okay, dann los. Ich räume meinen Kleiderschrank aus, lege alles aufs Bett. Der Stapel wird immer größer. Die Pullis aus den Schubladen, Strümpfe, Dessous, immer mehr türmt sich zum Klamottenberg, das Bett ist längst zu klein.

Auf dem Dachboden habe ich noch Mäntel, im Keller steht eine Kiste mit Sportsachen. Mein Mann kommt ins Zimmer und reißt die Augen auf: „Hast du nicht gestern noch behauptet, dass du nichts zum Anziehen hast?“ Habe ich. Aber jetzt kommt mir das lächerlich vor. Es kann doch nicht sein, dass ich so viele Sachen besitze? Der nächste Schritt: Ich soll nicht einfach gnadenlos wegschmeißen, sondern jedes einzelne Teil in die Hand nehmen und meinem Gefühl nachspüren: Macht mich dieses Kleidungsstück glücklich? Fühle ich mich damit wohl? Wenn ja, darf es bei mir bleiben. Wenn nicht, darf ich mich von ihm verabschieden.

Achtsamkeit und Wertschätzung

Mit Achtsamkeit, sagt Marie Kondo, und Wertschätzung. Schließlich hat es mich eine Zeit lang in meinem Leben begleitet.Ich fische das Etuikleid aus dem Stapel, in das ich schon seit zwei Jahren nicht reinpasse, und betrachte es wehmütig. Marie Kondo hat recht. Immer wenn ich das Kleid sehe, werde ich ans Abnehmen erinnert und bekomme ein schlechtes Gewissen. Will ich das wirklich? Auf keinen Fall. Aber wegschmeißen? Es ist ein Designer-Kleid. Als professioneller Aufräum-Coach ist Marie Kondo kompromisslos. Das Kleid muss weg. Ich kann es ja verschenken. Will ich aber nicht. Mir kommt eine andere Idee. Ich lasse es „re-designen“. Eine Kollegin kennt eine tolle Frau, die aus guten Stücken neue Entwürfe macht, sodass man sie wieder tragen kann. Anderen Sache kommen auf den Stapel für Oxfam, manche in den Müllsack.

Alles, was mich glücklich macht, sortiere ich wieder ein. Natürlich nach der Methode von Marie Kondo: Pullis und Shirts werden nicht einfach aufeinandergestapelt, sondern vorsichtig gerollt und „stehend“ gelagert. Das wirkt viel schöner, die unteren Sachen werden nicht von den oberen erdrückt, ich kann alle Shirts auf einen Blick sehen. Zugegeben, das ist gewöhnungsbedürftig. Aber als ich fertig bin und alles, was ich gern trage, so wunderbar geordnet ist, spüre ich, wie gut gelaunt ich bin und wie leicht ich mich fühle.

Weg damit - mit einem Lächeln

Nächster Schritt: die Bücher. Oh my God! Das wird eine größere Aktion. Auch hier gilt: Erst müssen alle Regale leer sein, dann nehme ich jedes Buch noch mal in die Hand. Aber Bücher wegschmeißen? Schaffe ich nicht. Deshalb schiebe ich diesen Teil des Magic Cleanings schon seit Tagen vor mir her. Marie Kondo vergleicht das Aufräumen mit einem Ritual. „Wenn man sich intensiv mit den einzelnen Dingen beschäftigt und seinen Empfindungen nachgeht, dann ist es fast, als ob zwischen den Dingen und einem selbst einleiser Dialog entstehen würde.“ Deshalb rät sie dazu, beim Aussortieren unbedingt für eine ruhige Atmosphäre zu sorgen. Keine hämmernden Beats, keine Gute-Laune-Musik, sondern Stille. Vielleicht eine CD mit Naturklängen. Es ist fast wie eine Meditation.

Und: für dieses Ritual nicht die ältesten Schlabbersachen, die man sonst zum Putzen trägt, anziehen, sondern etwas, in dem man sich schön und wohlfühlt. So wird das Ausmisten zu einem Moment der Entspannung, das Bewusstsein kommt zur Klarheit. Meine Regalwand reicht bis zur Decke und ist mehrere Meter breit. Gefühlte Stunden schon stapele ich Bücher auf dem Wohnzimmerboden. Gesamtausgaben, Bildbände, Belletristik, Taschenbücher. Viele davon sind Krimis. Warum habe ich die noch? Ich kenne den Plot, ich kenne den Mörder, ich werde sie mit Sicherheit nicht noch mal lesen. Also kommen sie auf den Verschenk-Stapel.

Ich finde tatsächlich Bände, die noch in Folie eingeschweißt sind. Irgendwann will ich sie mal lesen. Also zurück ins Regal? Stopp. Irgendwann kommt nie, fällt mir ein. Also weitergeben, damit jemand anderes damit glücklich wird. Am Ende bleiben zwei ganze Regale leer. Mein Mann und ich räumen sie zur Seite, das Zimmer wirkt größer, luftiger, die Atmosphäre heiterer. Und wie fühle ich mich? Aufgeräumt. Ich habe alles behalten, was meinem Herzen Freude macht. Endlich keine Regal-Leichen mehr! Der letzte Schritt: Erinnerungsstücke. Dazu gehört nach Marie Kondo auch, was die Kinder in der Grundschule so gebastelt haben. Ich atme tief durch und werfe einen Blick auf die inzwischen verknitterten Papierschachteln auf meinem Schreibtisch, die unsere Tochter vor Jahren zusammengeklebt hat. „Bist du traurig, wenn ich die Schachteln entsorge?“, schicke ich eine E-Mail aufs Smartphone. „Was, die ollen Dinger hast du noch? lol“, schreibt sie zurück. Laughing out loud. Recht hat sie. Weg damit. Mit einem Lächeln.

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