Die richtige Körpersprache

Die richtige Körpersprache

Mit der richtigen Körpersprache lassen sich Nervosität und Unsicherheit überspielen. Die Musical-Darstellerin Abigail Jaye verrät ihre Tricks

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Die richtige Körpersprache

Die Party ist in vollem Gange, als die Frau im fliederfarbenen Kleid den Raum betritt. Überall vertraute Grüppchen, Gelächter. Außer den Gastgeber kennt sie hier niemanden. Und sie steht da allein, verkrampft. Dabei ist sie doch hier, um neue Leute kennenzulernen.
Ein typisches „Ich bin hier fremd am Platz“-Gefühl macht sich breit. Bei dem unser Körper unbewusst Bände spricht: Die Schultern ziehen sich zusammen, die Finger spielen nervös am Ring. Es kommt uns vor, als hätten wir nicht zwei, sondern 20 Beine, von denen wir nicht wissen, wohin damit.
Gerade wenn es uns besonders wichtig ist, souverän, lässig und sympathisch rüberzukommen, empfängt unser Gehirn das Signal „Bedrohliche Situation“, und schon reagiert unser Körper mit Händen und Füßen. Das geht auch einer erfahrenen Schauspielerin wie Abigail Jaye nicht anders. Mit dem Unterschied, dass sie weiß, wie sie ihre Körpersprache kontrollieren kann. Als Musicaldarstellerin, derzeit in der Rolle der Evita, muss sie nicht nur auf der Bühne Mimik und Gestik perfekt beherrschen, sondern auch beim Vorsprechen überzeugen. Dabei ist für Jaye das Lampenfieber dort oft am größten: „Auf der Bühne bewege ich mich sicher, weil ich weiß, ich habe den Job, und kann mich darauf konzentrieren, mit dem Publikum Spaß zu haben“, erzählt die 31-Jährige. „Aber beim Vorsprechen bin ich wahnsinnig nervös, weil es da um etwas geht, nämlich darum, den Job zu kriegen.“ Als Schauspielerin hat Abigail Jaye gelernt, mit welchen Tricks sich ein selbstbewusster Auftritt inszenieren lässt, ohne aufgesetzt oder gar cool zu wirken. Hier ihre besten Tipps für Situationen, die Lampenfieber auslösen – ob Party, Bewerbungsgespräch oder Vortrag vor Publikum.

Die ersten drei Sekunden


Die ersten drei Sekunden
Ja, sie sind magisch, die ersten Sekunden der Begegnung. In kürzester Zeit bilden sich andere ein Urteil über uns, entscheiden, ob sie uns sympathisch finden, noch bevor wir überhaupt ein Wort gesagt haben. Denn wir senden über unsere Körperhaltung und unsere Mimik (aber natürlich auch über unsere Kleidung) massenhaft nonverbale Signale aus. In 150 Millisekunden werden wir gescannt und als Sympath, Spaßbremse oder arrogante Schnepfe in eine Schublade gestopft. Das Schlimme: Das so über uns getroffene Urteil ist durch neue Eindrücke nur langsam revidierbar. Das Gute: Wir können einiges dafür tun, die ersten Sekunden für uns zu gewinnen.
Mit den Augen lächeln
„Lächeln hilft – nicht aufdringlich, sondern freundlich“, sagt Abigail Jaye. Aber wann wirkt ein Lächeln nur einstudiert und wann wirklich herzlich? Diese Frage ist per Studie beantwortet: Wer erst mit den Augen lacht und dann mit dem Mund, lächelt echt und löst fast automatisch Sympathie aus. Ver zie hen wir nur den Mund, wirkt das schnell wie eine Grimasse. „Und keine Angst vor Augenkontakt. Was kann schon Schlimmes passieren?“, ermutigt die Schaupielerin. Wer seinem Gegenüber offen und ruhig ins Gesicht schaut, weckt dessen Vertrauen. Jemanden länger als vier Sekunden anzusehen kann jedoch ins Gegenteil umschlagen: Der andere fühlt sich dann eher bedroht und von unserem Blick regelrecht durchbohrt. Wichtig ist auch, genügend Distanz zu wahren und nicht zu weit in den Raum des Gesprächspartners einzudringen. Eine Armlänge Abstand gilt als Respekt zone.

Bauch rein, Brust raus


Bauch rein, Brust raus
Besonders wenn man von anderen ge - mustert wird, fällt es schwer, entspannt zu stehen. Besser die Beine nicht überkreuzen, das wirkt defensiv. Auch hochgezogene Schultern signalisieren Abwehr. Wer sich außerdem mit einer Hand am eigenen Arm festhält, zeigt, dass er sich verloren, nicht am rechten Platz fühlt. „Mit locker hängenden Armen und einer aufrechten Haltung vermitteln Sie Selbstbewusstsein“, so Abigail. „Stehen Sie sicher und mit beiden Beinen auf dem Boden“, rät sie. Was Abigail im Englischen als „standing like a duck“ bezeichnet, heißt im Deutschen schlicht: Bauch rein, Brust raus.
Aufmerksamkeit signalisieren
Ob Bewerbungs- oder Kennenlerngespräch: Wenn man jemandem länger gegenübersitzt, wird der Kopf manchmal so schwer, dass man ihn zur Entspannung mit der Hand abstützen möchte. Aber Vorsicht! Diese Geste vermittelt Langeweile und Desinteresse. Oft sinkt in dieser Position auch der Körper in sich zusammen, was Bände spricht. Eine aufrechte Körperhaltung vermittelt Dynamik und Aufmerksamkeit. Um sich gerade zu halten, empfiehlt Abigail, den Stuhl ganz nah an den Tisch zu rücken.

Bitte keine Spielchen


Bitte keine Spielchen!
Spielen mit den eigenen Fingern oder einem Ring deutet darauf hin, dass man emotional angespannt ist. Oft sind es solche automatisierten Gesten, mit denen wir für andere unsere Nervosität enttarnen. „Jeder hat so seine Angewohnheiten, die ihm gar nicht bewusst sind“, erklärt Abigail und erinnert sich, früher beim Singen oft die Hand vor den Bauch gehalten zu haben, bis Kollegen sie darauf hinwiesen, dass das seltsam aussieht. Seitdem kontrolliert sie bewusst, wo sie ihre Hände hat. Bleiben Sie Sie selbst „Authentizität ist wichtig. Sie müssen mit Ihrer Persönlichkeit überzeugen. Wenn Sie zu sehr darüber nachdenken, wie Sie Ihren Körper einsetzen, bleibt die Natürlichkeit auf der Strecke und Sie bewegen sich wie ein Roboter.“
Die Schauspielerin rät, eine neue Körperhaltung oder Gestik allein zu Hause auszuprobieren, bis sie sich stimmig und als Teil der Persönlichkeit anfühlt. „Alles be ruht auf Erfahrung und Praxis. Man kann Selbstbewusstsein nicht durch ein Buch lernen, Sie müssen probieren, bis es wie von selbst funktioniert.“ Positive Ausstrahlung hänge auch davon ab, wie wohl man sich in seinem Körper fühlt. Viele Menschen würden nicht gern in den Spiegel schauen, sie mögen ihr Aussehen nicht. „Aber“, so Abigail Jayle, „das ist immer der erste Schritt: Sich selbst akzeptieren und dann das Beste daraus machen.“
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