6. März 2013
Dick durch Stress

Dick durch Stress?

Manchmal sitzt der Stress mit am Tisch. Seine Kumpel heißen: Kalorienzählen, schlechtes Gewissen, Zeitdruck, hektischer Alltag. Bestseller-Autorin Marion Grillparzer sagt, was gegen Zunehmen durch Stress hilft.

Dick durch Stress - Seelische Probleme begünstigen das Zunehmen
© iStockphoto/Thinkstock
Dick durch Stress?

Dick durch Stress

Du hast schöne Augen. Du bist ein freundlicher Mensch! Morgens lächelt sich Michaela Amtsmann im Spiegel an und spricht dabei diese Sätze laut aus. Und irgendwann lacht sie. „So starte ich positiv in den Tag! Dass ich mich mal wieder wohlfühle und ohne zu hungern abnehme, das ist fast ein Wunder“, erzählt die 48-jährige Münchnerin. An ihrem Tiefpunkt wog sie nicht nur 98 Kilo, sondern schlitterte auch knapp an einer Depression vorbei.
Ein Umzug hatte sie völlig aus der Bahn geworfen. „Eigentlich wollte ich neue Freunde und in den Arm genommen werden. Aber außer Essen gab es nichts für die Seele. Nach dem ersten Kuchenstück war ich dann wütend auf mich selbst. Jetzt wirst du noch dicker, dachte ich. Und um mich zu bestrafen, habe ich gleich noch ein Stück gegessen. Ich war mittendrin im Teufelskreis.“ Einige gescheiterte Diätversuche und einsame Monate später wusste Michaela keinen Ausweg mehr und ging zu einer Therapeutin. Dort lernte sie, dass negative Gedanken unser Handeln negativ beeinflussen. Und ihr wurde klar: Das Essen mochte zwar schuld am Übergewicht sein. Die Ursache aber war ihre unglückliche Seele. Die stresste den Körper so sehr, dass er sich eine Schutzschicht zulegte.
„Um solche Stress-Pfunde wieder loszuwerden, gibt es clevere Anti-Stress-Strategien“, sagt Ernährungs-Expertin Marion Grillparzer. „Eine klassische Diät bringt da meist wenig. Das erhöht den Druck eher noch. Wichtiger ist es, die seelischen Abwehrkräfte zu aktivieren. Dann kann man in stressigen Situationen schnell sein inneres Gleichgewicht wiederfinden und ist weniger anfällig für kalorienreiche Tröster.“

Seelisches Schutzschild

Diesen seelischen Schutzschild, den Fachleute „Resilienz“ nennen, hat übrigens jeder von uns – er ist nur ganz unterschiedlich ausgeprägt. So erklärt sich auch, warum die eine lange über das Extrastück Kuchen nachgrübelt, während die andere sich einfach über den Genuss freut. „Ein Mensch mit guter Resilienz ist wie ein Gummiball, der sich beim Aufprall kurz verformt und dann ganz mühelos wieder in seine Ursprungsform zurückfindet.“
Um unsere Resilienz auszubauen, empfiehlt Marion Grillparzer ein Programm, das auf fünf verschiedenen Säulen steht. Es ist genau jene Methode, mit deren Hilfe auch Michaela ihre innere Balance wiederfinden konnte – und so nach und nach ihre Wohlfühlfigur erreichte. „Es war toll, meine alte Leichtigkeit wiederzuentdecken. Durch Yoga und Trampolinspringen habe ich die neue Verbindung zu meinem Körper gefestigt. Und auch wenn es komisch klingt: Je wohler ich mich fühlte, umso gesünder ernährte ich mich. Klar purzelten die Pfunde nicht so schnell wie bei einer strengen Diät. Dafür aber mit Genuss und glücklicher Seele.“

1. Bilder wecken Kräfte

"Selbstvertrauen ist wichtig für unsere innere Balance“
Wer an sich selbst glaubt, hat weniger Stress. Ach ja, das klingt super. Aber wie schafft man das unter Druck, wie gelingt das, wenn etwas schiefgegangen ist? „Mit einem Fotoalbum“, sagt Marion Grillparzer. „Es ist ein wahrer Schatz, um seine eigenen Stärken aufzuspüren.“ Da finden sich Bilder von der selbst organisierten Abifeier, dem Vortrag, den man vor 20 Leuten gehalten hat, den beiden wohlgeratenen Kindern. Wir wählen uns Fotos, die uns beim Betrachten ein Lächeln aufs Gesicht zaubern.
Die schönsten hängen wir so auf, dass wir sie immer wieder sehen – etwa von innen an die Wohnungstür. Wir verlassen das Haus mit einem Glücksgefühl, mit neuer Power für den Alltag. „Vor allem wir Frauen essen oft aus mangelndem Selbstvertrauen – darunter leiden wir sechsmal häufiger als Männer“, sagt die Expertin. Die Bilder zeigen uns, was wir erreicht haben. Sie öffnen uns die Augen für das Positive. Genau wie bei Michaela: „Ich hab meinem Körper gedankt, dass er so stark war und bei all dem Stress und Übergewicht gesund geblieben ist.“

Tricks gegen Stress


2. Tricks gegen Stress

Wer seinen Körper wahrnimmt, gibt ihm das, was er braucht.
Resiliente Menschen sind besonders gut darin, Stress zu erkennen. Eine einfache Übung kann dabei helfen: Ist mein Kiefer locker, oder presse ich die Zähne zusammen? Habe ich eine Denkerfalte auf der Stirn? Scannt man sich regelmäßig auf diese Weise, bemerkt man schnell, was einen stresst. Und was hilft? „Da gibt es verschiedene Wege. Oft bringt wenig viel.
Etwa tief ausatmen – oder eine Streicheleinheit. Studien zeigen: Unsere Glückshormone steigen an, wenn wir uns durch die Haare streichen oder an die Nase fassen“, sagt Marion Grillparzer. Der naturverbundenen Michaela half vor allem eins: „Mich erden. Ich bin in die Sonne rausgegangen, habe mir angehört, wie die Vögel singen, hab ein paarmal tief ausgeatmet. Und das Reiten hat mir sehr dabei geholfen, meinen Körper besser zu lesen, Anspannung oder Entspannung wahrzunehmen.“ Der schöne Nebeneffekt bei der Achtsamkeit: Wer seinem Körper täglich Aufmerksamkeit schenkt, isst bald ganz automatisch das, was ihm wirklich guttut.

3. Unterstützung von außen

Auch ein Glücksbringer kann ein wertvoller Helfer sein.
Niemand kann alles allein schaffen. Im Prinzip weiß das jeder. Trotzdem werden viele Menschen gerade unter Stress zu verbissenen Einzelkämpfern. Marion Grillparzers Trick gegen Stress: Sie erstellt sich eine „Erst-Helfer-Liste“ für die Schublade. Dort stehen gute Freunde und Bekannte, die einen bei bestimmten Problemen besonders gut unterstützen können. Ist der Ernstfall da, ersetzt der Griff zu Liste und Telefon womöglich den Frustgang zum Kühlschrank. Michaela wählte einen ähnlichen Weg: Zusammen mit ihrem Therapeuten erforschte sie Stressquellen und suchte nach Lösungen. Ein wertvoller „Erst-Helfer“ kann übrigens auch ein Glücksbringer sein: etwa ein schöner Stein, der uns durch den Tag begleitet. Etwas, das immer greifbar ist, bei Stress etwas Glück und Energie gibt.

4. Den Glauben wiederfinden

Man weiß heute: Eine feste Überzeugung kann sich auch körperlich auswirken.
„Oh Mann, der Kuchen geht bestimmt direkt auf meine Hüfte!“ Solche Sätze kennt man. Sie können wie eine selbsterfüllende Prophezeiung wirken. Nicht nur Kalorien, auch Gedanken können dick machen. Die innere Einstellung verändert, wie der Körper funktioniert. Deshalb arbeiten viele Therapeuten heute mit Affirmationen. Solche Glaubenssätze stellen uns in den Mittelpunkt, sind liebevoll und klar formuliert.
„Ich bin es wert, schlank zu sein“ ist einer von ihnen. Ein anderer lautet: „Ich bin stolz auf die Person, die ich bin.“ Auch Michaela arbeitet mit solchen Affirmationen. Sie sagt sich diese Sätze jeden Morgen vor dem Spiegel. Was wir damit erreichen? Ein positives Gefühl, das oft viele Stunden anhält. Und eine gewisse Leichtigkeit uns selbst und unseren Problemzonen gegenüber. Dadurch setzen wir uns beim Abnehmen weniger unter Druck. Das bewirkt zwar keine Wunder, hält auf Dauer aber die Stresshormone im Zaum.

5. Der Komfortzone entkommen

Wer Neues wagt und Schönes erlebt, baut Stress ab.
Im Lauf unseres Lebens entwickeln wir fast alle Gewohnheiten, die Pölsterchen wachsen lassen. Müde? „Jetzt einen Latte macchiato!“, sagen wir. Dabei schreit unser Körper eigentlich: Ich brauch mal wieder Sauerstoff! Am besten, rät die Expertin, durchsucht man seinen Tagesablauf in aller Ruhe nach solch kalorienreichen Gewohnheiten. Und bastelt sich eine Wenndann-Liste. Etwa: Wenn ich müde bin, dann gehe ich 15 Minuten spazieren. Was das bringt? „Wer dadurch Schönes erlebt, ist inspiriert, fühlt sich glücklich und baut Stress ab.“

Warum macht Stress eigentlich dick?


Warum macht Stress eigentlich dick?

Marion Grillparzer, die Ökotrophologin und Bestseller-Autorin setzt beim Abnehmen auf den ganzheitlichen Weg
Frau Grillparzer, warum haben resiliente Menschen nur selten Figurprobleme?
Weil sie auch unter Druck entspannt bleiben! Wer dagegen dauerhaft unter Strom steht, bei dem verändert sich tatsächlich der Hormonhaushalt. Zum Beispiel produziert der Körper dann reichlich von dem Stresshormon Cortisol. Und das ist einer der stärksten Dickmacher überhaupt!
Wie macht das Stresshormon denn dick?
Cortisol schickt unsere Kohlenhydrat-Reserven in Form von Zucker ins Blut und treibt so den Insulinspiegel in die Höhe. Die Folge: Unsere Fettverbrennung stoppt.
Entsteht durch Insulin nicht auch Heißhunger?
Genau! Wenn viel Insulin im Blut herumschwirrt, transportiert unser Körper den Zucker so rasch wie möglich zur Energiegewinnung ab. Der Blutzuckerspiegel rauscht runter – und wir bekommen Heißhunger. Deshalb essen wir bei Stress ja auch so gern Schokolade, Kuchen oder Fast Food.
Gibt es noch andere Ansätze, mit denen wir unsere inneren Abwehrkräfte aufbauen können?
Das ist ja das Tolle! Studien zeigen: Auch kulturelle Aktivitäten, Sport und Haustiere stärken unsere Resilienz. Wir haben es also selbst in der Hand, wie widerstandsfähig wir sind.
In ihrem Buch „GLYX – So macht Stress nicht länger dick“ verrät Marion Grillparzer weitere Anti-Stress-Strategien. Zum Beispiel die besten Wohlfühl-Rezepte und Sportübungen, die uns körperlich und mental stark machen. Gräfe und Unzer, 12,99 Euro. Mehr zur Autorin: www.mariongrillparzer.de

Sofort-Helfer bei Stress: Wechselatmung

Auch wenn wir unsere Stressquellen kennen, erwischen sie uns manchmal trotzdem noch. Mit diesem kleinen Trick kommen wir schnell wieder runter:
1 Mit dem rechten Daumen das rechte Nasenloch zudrücken und links 4 Sekunden tief einatmen.
2 Den Atem 8 Sekunden anhalten, dabei beide Nasenlöcher verschließen. Rechts etwa 4 Sekunden lang ausatmen, dabei mit dem rechten Ringfinger das linke Nasenloch verschließen.
3 Dann rechts einatmen, anhalten und links ausatmen. Die komplette Atemrunde 4-mal wiederholen.

Weitere Tipps gegen Stress

  • Lachen Sie: Beim Lachen wird das Glückshormon Serotonin ausgeschüttet.
  • Schlafen Sie ausreichend: Wer über längere Zeit nur kurz schläft, schüttet mit der Zeit das Stresshormon Cortisol aus. Also schlafen Sie wenigstens am Wochenende ausgiebig aus, sollten Sie in der Woche zu wenig Schlaf bekommen.
  • Kochen Sie sich etwas Leckeres: Kochen und Backen entspannt, besonders die Vorbereitung in Form von Gemüse schnippeln hat eine beruhigende Wirkung. Der anschließende Genuss des Selbstzubereiteten ist umso schöner, wenn er bewusst geschieht, also genießen Sie!
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