Faire Kosmetik

Faire Kosmetik

Glück kann man nicht kaufen. Aber eine bessere Welt. Zum Beispiel mit Kosmetik, die soziale Projekte unterstützt. Kommt die Hilfe an? Oder geht es nur um Imagepflege?

Fair Trade Kosmetik
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Faire Kosmetik

Flammend rot sollte er sein, wie eine Koralle im Meer, der neue Lippenstift von Melanie Bause. Kein ungewöhnlicher Wunsch für eine 38-Jährige – doch die Hamburgerin ist blind. Innerhalb von zwei Tagen wurde es vor elf Jahren um sie herum Nacht. Als hätte sie ihr Gesicht ganz langsam in das Fell einer schwarzen Katze getaucht. Schuld daran ist eine seltene Verlaufsform der Nervenkrankheit Multiple Sklerose.

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Fair und mit Nachhaltigkeit:  
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Rund 150 000 Blinde gibt es in Deutschland. 1500 davon nutzen, wie Melanie Bause, den Katalog von Yves Rocher, den es seit 2004 auch in Punktschrift gibt, um sich Cremes, Make-up und Parfüm zu bestellen. Und alle, die bei Yves Rocher kaufen, finanzieren dieses Projekt mit, denn die Kosten von 23.000 Euro könnten allein durch die Bestellungen der Blinden nicht gedeckt werden. Klingt interessant und macht neugierig. Aber kommen solche Ideen auch bei den Betroffenen an?

Nah beieinander: Herzenswärme und kalte Geschäfte

Yves Rocher ist ein Naturkosmetik-Unternehmen von vielen, das sich für ein soziales Anliegen stark macht. Ob Handcreme gegen Kindesmissbrauch oder Nagellack zugunsten von Frauenhäusern: „Den Verkaufserlös einzelner Produkte zu spenden oder wohltätige Projekte zu unterstützen, liegt voll im Trend“, bestätigt Alexander Glück, Autor der Bücher „Der Spendenkomplex” und „Die verkaufte Verantwortung”. „Für solche Kosmetik geben viele Frauen auch gerne mehr Geld aus, denn dadurch darf man guten Gewissens eine Weile das Leid auf dieser Welt vergessen.“ Durchschnittlich zwei Milliarden Euro spenden die Deutschen laut Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) pro Jahr. 77 Prozent davon gehen an Menschen in Not, bevorzugt an Kinder. Vor allem Frauen über 45 Jahre, deren finanzielle Situation gesichert ist, sind trotz Wirtschaftskrise gebefreudiger als je zuvor. Was liegt also näher, als diese Zielgruppe mit der Kombination aus Kosmetik und Spenden doppelt zu erreichen?

Im Prinzip eine feine Sache, aber woher weiß man, ob eine Beautyfirma ihren sozialen Einsatz nur als Marketing- Trick für ein besseres Image benutzt oder ob sie tatsächlich ein gutes Werk tut? „Um das besser einschätzen zu können, lohnt es sich, ein paar Kriterien zu kennen“, sagt Jürgen Grosse, Geschäftsführer der Agentur Trust Fundraising in Dattenberg, die Firmen und Spendenorganisationen wie ein „sozialer Partnerschaftsvermittler“ zusammenführt.

Diese Faktoren sprechen für ernste Absichten

Ein sicheres Indiz dafür, dass einem Kosmetikhersteller ein Projekt wirklich am Herzen liegt, ist z. B., dass er schon dafür gekämpft hat, als es noch nicht „in“ war. Dazu gehört z. B. The Body Shop, der schon seit 1987 Wirkstoffe aus fairem Handel bezieht und 1994 mit einer Kampagne zur Aids- Aufklärung für Zündstoff sorgte.

Auch Estée Lauder rief bereits 1992 die rosa Schleife ins Leben, die man heute in aller Welt als Symbol für Brustkrebsvorsorge kennt – und das zu einer Zeit, als Schönheit vor allem durch absolute Makellosigkeit definiert wurde. Seitdem bringen Lauder- Marken wie Aveda oder Clinique jedes Jahr im Oktober Produkte heraus, deren Erlöse an die amerikanische Brustkrebsstiftung gehen, und veranstalten weltweit Aktionen. Bei uns wird z. B. das Brandenburger Tor pink angestrahlt.

Regionalität ist übrigens ein weiterer Glaubwürdigkeitsfaktor, denn solche Angaben lassen sich leichter überprüfen. Ob irgendwo in Afrika ein Trinkwasserbrunnen auch wirklich gebohrt wird, ist oft schwierig zu kontrollieren. Wenn eine Marke wie Catherine Nail dagegen konkret angibt, dass sie das Frauenhaus in Saarlouis unterstützt, kann sich jeder problemlos von der Seriosität überzeugen. Ähnlich ist es mit dem Adventskalender von Babor, der mit Ampullen gefüllt ist. Auch hier wird präzise angegeben, wofür die damit verbundene Spende bestimmt ist: für das Berliner Kinderhospiz „Sonnenhof“ und das Jugendzentrum „Arche“ in Potsdam, das Jugendliche von der Straße holt und Alternativen bietet. Hautpflege auf hohem Sozial-Niveau, die durch Nachhaltigkeit glänzt und die Welt in der wir leben zu einer besseren macht.

Diese Faktoren sprechen für ernste Absichten


Teamwork erhöht die Trefferquote bei Betroffenen

Wenn eine Beautyfirma mit einer bekannten Organisation mit Siegel kooperiert, ist das generell ein gutes Zeichen, weil diese die Bedürfnisse der Empfänger gut kennt – denn die sind oft völlig anders, als wir Außenstehenden ahnen.

Georgisches Sprichwort:

„Spenden sind kein Tropfen auf dem heißen Stein. Sie sind Regen für den Ozean“

Kiehl’s z. B. arbeitet mit dem Verein „Children for a better World“ in München zusammen, der Kindermittagstische in sozialen Einrichtungen organisiert. Und Yves Rocher hat sich den Verein zur Förderung der Blindenbildung in Hannover ins Boot geholt, wo der Katalog von einem Blinden in Punktschrift übersetzt wird. Mit Erfolg: „Die Schminktipps sind gut“, bestätigt Melanie Bause. Denn auch, wenn wir Sehenden es uns vielleicht nur schwer vorstellen können, ist Make-up für sie überraschend wichtig. „Rot war früher meine absolute Lieblingsfarbe. Durch den korallenfarbenen Lippenstift kann ich sie noch einmal spüren und genießen”, erklärt die blinde Frau.

Wenn Kosmetikhersteller dagegen nur mit Schlagwörtern werben, ohne sich bei professionellen Hilfsorganisationen zu informieren, führt das manchmal zu Aktionen, die danebengehen. Kinderarbeit z. B. ist grundsätzlich abzulehnen. Wenn sie aber zu pauschal bekämpft wird, wird vielen Familien in der Dritten Welt die Lebensgrundlage entzogen. „Das ist schwer zu akzeptieren, ist aber so. Die Kinder selbst wünschen sich einfach nur bessere Arbeitsbedingungen“, erklärt Spendenexperte Alexander Glück. Dafür setzen sich auch einige angesehene Organisationen wie Terre des hommes ein, die für gerechtere Löhne und kürzere Arbeitszeiten kämpfen. Alexander Glück: „Wir müssen viel mehr Gespür dafür entwickeln, dass es nicht nur um unsere eigenen Vorstellungen von der ,richtigen‘ Lebensweise geht.“

Wer jetzt dranbleibt, zeigt sein wahres Gesicht

Ein weiterer Hinweis auf echte Hilfe ist die Höhe der Spende. Wenn eine Beautyfirma von einer Creme, die 160 Euro kostet, nur 50 Cent für einen guten Zweck weiterleitet, deutet das eher auf eine preiswerte Eigenwerbung hin. Hersteller wie MAC oder Clinique spenden dagegen von Einzelprodukten den kompletten Verkaufspreis, wenn auch nur über einen begrenzten Zeitraum. Dafür aber regelmäßig! An solchen Aktionen kann man erkennen, dass dabei nicht nur die Käuferin selbst spendet, sondern auch der Hersteller, denn der schießt die gesamten Material- und Herstellungskosten zu.

Auch die Finanzkrise dürfte uns zeigen, wem das Helfen ein echtes Anliegen geworden ist. Buchautor Alexander Glück: „Spreu und Weizen werden sich schon bald voneinander trennen, denn Sponsoring steht auf den Streichlisten der Firmen weit oben. Wer daran nicht spart, sondern an sozialen Projekten festhält, meint es mit Sicherheit ernst.“ So entsteht faire Hilfe, die wirklich ankommt. Wie bei Frau Bause, die trotz Blindheit weiterhin in Farben schwelgen kann.

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