25. November 2021
Psychologie: 3 Anzeichen, dass Sie Ihre Beziehung überdenken sollten

Psychologie: 3 Anzeichen, dass Sie Ihre Beziehung überdenken sollten

Steht die Beziehung oder Ehe auf der Kippe, ist eine Trennung natürlich das Letzte, was wir wollen. Oft ist sie aber nicht nur unausweichlich, sondern auch die bessere Entscheidung. Doch woran merkt man, dass die Partnerschaft keinen Sinn mehr macht? Wir verraten Ihnen 3 typische Anzeichen sowie wertvolle Tipps von den Gründern der digitalen Paarberatung Myndpaar.

Eine perfekte Partnerschaft? Gibt es nur in Märchen. Streit, Auseinandersetzungen und Meinungsverschiedenheiten sind ganz normal. Gehören Sie jedoch zum Alltag dazu und nehmen Überhand, ist Vorsicht geboten. Möglicherweise passen Sie und Ihr Partner oder Ihre Partnerin einfach nicht (mehr) zusammen. Aber woran merkt man das eigentlich genau? Kommen Ihnen diese 3 Anzeichen bekannt vor, sollten Sie Ihre Partnerschaft unbedingt auf den Prüfstand stellen.

Psychologie: 3 Anzeichen, dass Sie Ihre Beziehung überdenken sollten

Anzeichen 1: Sie hegen Misstrauen

Misstrauen ist pures Gift für die Beziehung. Neues Vertrauen aufzubauen (etwa dann, wenn der Partner oder die Partnerin fremdgegangen ist), ist daher besonders schwer. Haben Sie sich jedoch dazu entschieden, es noch einmal zu probieren, kommen Sie nicht drumherum: Entweder, Sie vertrauen Ihrem Partner/Ihrer Partnerin, oder eben nicht. So hart das auch klingen mag. Sollte letzteres der Fall sein, macht auch ein Neustart wenig Sinn. Sie werden nicht nur ständig aneinandergeraten, auch die eigenen Gedanken ("Ist er nur mit seinem Kumpel unterwegs oder ist da vielleicht doch wieder eine andere Person involviert?") können sehr quälend sein. Auf Dauer halten das weder die Psyche noch die Beziehung aus.

Anzeichen 2: Sie gehen ungern nach Hause

Zu Hause ist der Ort, wo wir uns geborgen und wohlfühlen. Doch was, wenn das nicht mehr zutrifft und wir lieber Überstunden, längere Spaziergänge machen oder extra lange im Fitnessstudio oder bei der Freundin bleiben? Sieht der Alltag bei Ihnen ähnlich aus, sollten Sie das Gespräch mit Ihrem Partner oder Ihrer Partnerin unbedingt suchen. Ignorieren Sie die Probleme weiterhin, verhärten sich die Fronten nur weiter und eine Trennung wird unumgänglich.

Anzeichen 3: Sie reden schlecht über Ihren Partner/Ihre Partnerin

Sich ab und an mal über den Partner oder die Partnerin bei der besten Freundin auszulassen, ist völlig normal. Bei wem läuft es schon perfekt? Doch auch hier gilt: Die Häufigkeit und Intensität machen den Unterschied. Lassen Sie beim Gespräch mit Freuden, Familienmitgliedern oder Arbeitskollegen überhaupt kein gutes Haar mehr an Ihrem Partner, ist das nichts anderes als lästern. Das schadet nicht nur Ihrer Beziehung, sondern auch Ihrer eigenen Psyche. Denn statt die Probleme mit Ihrem Partner oder Ihrer Partnerin zu besprechen, gehen Sie diesen lieber aus dem Weg.

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Interview: Die Gründer der Beziehungs-App Myndpaar verraten ihre besten Beziehungstipps

Leonie Wilken und ihr Vater Ulrich Wilken sind Gründer der ersten digitalen Paarberatung Myndpaar und kennen sich mit dem Thema Partnerschaft und Ehe bestens aus. In unserem Interview verraten die beiden Unternehmer, warum eine Beziehung/Ehe scheitert, wie man aus der Krise herausfindet sowie Geheimtipps für eine gute Beziehung.

Was sind die häufigsten Gründe, warum eine Beziehung/Ehe nicht mehr funktioniert?

Mangelnde Wertschätzung. Eine der wichtigsten Grundlagen für eine liebevolle Beziehung ist, dass man sich gegenseitig mitteilt, dass man den anderen so wertschätzt, mag oder liebt, wie er ist. Also bedingungslos.
Viele Menschen können es schwer aushalten, dass der/die Partner/Partnerin die Welt anders sieht als man selbst. Von daher möchten sie die empfundene Differenz angleichen und wünschen sich, dass der Partner/ Partnerin sich den eigenen Vorstellungen anpasst. Das führt aber dazu, dass der andere sich gekränkt fühlt und glaubt, er sei falsch und muss sich verändern. Gefühle wie „Ich bin also nicht richtig“, verdichten sich. So entsteht ein Teufelskreis aus sich immer wieder aufblühenden Kränkungen. So kann kein Vertrauen, keine Achtung und kein Respekt entstehen.

Wann ist eine Trennung am sinnvollsten?

Eine Trennung ist am sinnvollsten, wenn das eigene Leid so groß wird, dass die seelische und körperliche Gesundheit massiv beschädigt wird.
Alle andere ist von Person zu Person unterschiedlich. Was die einen für sinnvoll halten, ist für die anderen zu früh oder zu spät.
Ganz interessant zu wissen, ist es, dass einige von uns sich häufig unbewusst eine*n Partner*in suchen, mit denen leidvolle Gefühle (z.B. "Ich reiche nicht") und eingefahrene Muster (z.B. Streiten) aufrechterhalten werden. Das Paradoxe daran ist, dass wir also mit jemand zusammen sind, der unser Leid bestätigt, obwohl uns das nicht guttut.  

Bedeutet eine Trennung immer das Ende?

Eine Trennung bedeute nicht immer das Ende einer Beziehung. Z.B. kann eine räumliche Trennung heilsam sein. Aber auch eine Trennung auf Zeit kann Sinn machen, um aus den täglichen Ritualen auszubrechen. So können wir die Bedeutung des Gegenübers mit mehr Abstand und bewusster beurteilen.

Was kann dabei helfen, die Probleme anzugehen?

Erst einmal müssen die Probleme benannt werden. Heutzutage ist es immer noch so, dass Frauen schon länger in der Beziehung leiden und die Probleme eher ansprechen. Für die Männer ist meist alles ok.
Interessant dabei ist, dass es eigentlich gar keine objektiven Probleme gibt. Erst wenn wir zu uns selbst oder zu einem anderen sagen „das stört mich“, entsteht eine Differenz. Diese Different ist für den einen ein Problem und für den anderen keins. Das kennen wir alle aus dem Alltag. Wichtig dabei ist, deutlich zu machen, dass man selbst ein Problem hat und nicht die Schuld dafür auf den Partner schiebt. Ganz nach dem Motto „Wenn du nur anders wärst, wäre alles besser“. Das ist sehr beliebt und ein einfacher Ausweg, aber es ist auch ein Beziehungskiller. Wir sollten unsere Wünsche deutlich aussprechen und den Respekt und die Achtung wahren.

Wann sollte ein Paartherapeut ins Spiel kommen?

Es gibt mehrere Zeitpunkte, wann ein Paartherapeut in Spiel kommen kann. Einige nutzen den Therapeuten nach einer Trennung, um sich davor zu schützen, dass sich alte Muster nicht in einer neuen Beziehung wiederholen. Eine Art Prophylaxe. Häufiger sind es jedoch Szenarien bei denen z.B. Kindererziehung eine Rolle spielt. Aber auch sexuelle Unlust, Fremdgehen oder wiederholtes Streiten sind Beweggründe für eine Therapie.
Dabei wäre es doch viel spannender, wenn wir uns schon früher mit unserer geliebten Beziehung auseinandersetzen, sie pflegen und Neues ausprobieren. Gerade damit es gar nicht erst zu solchen Situationen kommt. 

Was stärkt die Ehe/Beziehung nach einer Krise?

Nach einer Krise wird die Beziehung dadurch gestärkt, dass man lernt, wertschätzender miteinander umzugehen. Auch macht es Sinn, gewohnte Rituale zu hinterfragen und neue zu entwickeln. Z.B: Jeder soll 10 Minuten einmal in der Woche ohne Unterbrechung sagen, wie er/sie die letzte Woche empfunden hat und was er/sie sich für die nächste Woche wünscht. Man könnte Pläne für eine neue Reise machen, ein neues Restaurant aussuchen und gemeinsam essen gehen usw. Eigentlich können scheinbar banale Dinge Wunder bewirken.

Zweite Chance: Welche Fehler sollten unbedingt vermieden werden?

Welche Fehler vermieden werden sollten? Nun ja: Die Alten! Weiter nörgeln, sich zurückziehen, respektlos werden, Fremdgehen, den Partner abfällig behandeln, lügen, erniedrigen, Macht ausüben usw. Daher macht die Frage Sinn: Was kannst du dazu beitragen, ohne dass du es willst, dass deine Beziehung scheitert? Wenn wir darauf schauen würden, was wir, ohne dass wir es wollen, unbewusst tun können, damit es in unserer Beziehung noch schwieriger wird, dann wissen wir häufig mehr. Uns wird bewusst, was wir vielleicht nicht so weitermachen sollten.

Ihre Geheimtipps, damit eine Ehe/Beziehung wirklich von Dauer ist?

Damit eine Ehe oder Beziehung von Dauer ist, sollte man den anderen achten und respektieren. Das gelingt nicht immer zu 100 %, aber man sollte sich große Mühe geben. Wenn der Partner/Partnerin sich um seiner/ihrer selbst willen geliebt fühlt, braucht man nicht darum kämpfen, wer die Welt richtig sieht. Wenn das gelingt, entsteht Vertrauen und Liebe. Kleine liebevolle Gesten, Überraschungen und körperliche Nähe sind dabei durchaus hilfreich.

Tipp: Noch mehr Tipps zum Thema Beziehung und Ehe finden Sie im Amazon-Bestseller "Beziehungsglücklich: 27 Tipps für eine erfüllende Partnerschaft" von Wieland Stolzenburg. 

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