18. November 2020
Mehr Gelassenheit: Die besten Tipps für innere Ruhe

Immer mit der Ruhe: Die besten Tipps für mehr Gelassenheit

Warum können nicht alle so sein wie ich? Das hat sich bestimmt jeder schon mal gefragt, wenn es mit dem Chef oder in der Familie zu nervigen Auseinandersetzungen kommt. Es wäre sicher einfacher, aber so ist es nun einmal nicht. Coach und Autorin Nele Kreyßig erklärt, wie man trotzdem gelassen bleibt und sich nicht den ganzen Tag ärgert. Wir freuen uns, dass wir Nele Kreyßig als Speakerin für unser drittes FÜR SIE College powered by SOCIAL MOMS am 2. Dezember 2020 gewonnen haben – hier gleich Tickets sichern! Lesen Sie das aufschlussreiche Interview mit der erfolgreichen Autorin und Unternehmerin. 

FS: Frau Kreyßig, Konrad Adenauer hat einmal gesagt: „Nehmen Sie die Menschen, wie sie sind. Andere gibt es nicht.“ Teilen Sie seine Ansicht?

Absolut. Das Problem ist nur, dass wir seinen Rat nicht befolgen. Wir meinen zu wissen, was gut und richtig ist und wie die Dinge zu laufen haben. Danach bewerten wir das Verhalten unserer Mitmenschen. Das führt zu Konflikten und Schuldzuweisungen wie: „Du bist schuld an unserem Beziehungs-Aus. Hättest du dich anders verhalten, wäre das nicht passiert!“ Hätte mein Sohn heute Morgen seine Socken in den Wäschekorb geworfen, hätte ich keine schlechte Laune gehabt. Also will ich natürlich sein Verhalten ändern. Ohne Regeln funktioniert das Zusammenleben nicht, funktioniert Gemeinschaft nicht. Die Frage ist doch vielmehr: Was passiert wirklich, wenn wir uns über die herumliegenden Socken aufregen? Den Sohn juckt das wohl eher nicht. Er nimmt dann wahrscheinlich die Socken und räumt sie weg. Aber Sie haben den Schaden. Sie haben sich geärgert, haben Ihren Blutdruck hochgejagt, vielleicht hat Ihnen die Sache sogar den Tag vermiest, weil Sie ständig wieder darüber nachgedacht haben: „Wieso ärgert er mich bloß immer so?“

FS: Wie sollte ich mich in Zukunft stattdessen verhalten?

Fragen Sie sich, ob Sie sich da emotional so reinschmeißen wollen. Wenn man spürt, dass der Ärger in einem hochsteigt, hilft es, einmal tief durchzuatmen. Das klingt so banal, verschafft uns aber zwischen Reiz (Socke) und Reaktion (Wut) Zeit, unser Gehirn einzuschalten, um dann bewusst zu sagen oder zu denken: „Stopp! Ich will mich jetzt nicht aufregen. Das bringt sowieso nichts außer Streit.“ Gesünder klingt der Weg allemal ... Kurt Tucholsky hat einmal gesagt: „Das Ärgerliche am Ärger ist, dass man sich schadet, ohne anderen zu nutzen.“ Nicht falsch verstehen, der Sohn soll seine Socken wegräumen. Die Frage ist nur, ob es für so eine Aufforderung unbedingt Emotionen wie Wut braucht. Zu unserem Sprachgebrauch gehören Sätze wie: ES ärgert mich, dass du immer ... was auch immer. Die Frage ist: Was ist dieses ES? Das klingt so passiv. Die Wahrheit ist doch: ICH ärgere mich. Ich habe dafür eine Lösung. Ich sage: Wir können uns den ganzen Tag ärgern, müssen es aber nicht!

FS: Außer tief durchzuatmen: Welche Tipps haben Sie noch für mehr Gelassenheit, wenn andere mal wieder nerven?

Für mein Buch habe ich eine Art Erste-Hilfe-Kasten für Ärger-Alarm entwickelt. Mein Lieblings-Tipp, wenn wir verärgert auf das Verhalten anderer gucken, ist, sich zu fragen: Habe ich vielleicht auch nervige Seiten? Schreiben Sie vorher eine Liste, auf der Sie ehrlich notieren, was andere an Ihnen hin und wieder auch stören könnte.

FS: Was können wir noch tun?

Wenn Sie spüren, dass der Ärger kommt, rufen Sie sich rasch drei bis fünf Eigenschaften in Erinnerung, die Sie an der Person, die Sie gerade nervt, mögen. So schaffen Sie es vielleicht, dass der Ärger verebbt, bevor er richtig da war. Und vielleicht können Sie dem Verhalten, das Sie eben noch zu ärgern drohte, nun sogar liebevoll entgegensehen. Grundsätzlich aber finde ich es wichtig, immer wieder hinzugucken: Was ist das für ein Mensch? Was hat er für eine Geschichte? Welche Talente, Stärken und Schwächen machen ihn aus? Sehe ich ihn als Ganzes, reagiere ich vielleicht beim nächsten Mal anders. Das wäre mein Herzenswunsch für unsere Gesellschaft.

Interview: Inken Bartels
 

Lade weitere Inhalte ...