Altersvorsorge: 6 Punkte, die Sie dabei beachten sollten

Altersvorsorge: 6 Punkte, die Sie dabei beachten sollten

Altersvorsorge geht uns alle an und wir wissen: Je früher wir uns darum kümmern, desto besser. Viele fühlen sich bei diesem komplexen Thema jedoch überfordert. Im Interview mit der Finanzbilderin Renate Kewenig erfahren Sie, wie Sie Ihre Altersvorsorge richtig in Angriff nehmen können!

Auch wenn uns im Grunde bewusst ist, wie immens wichtig eine gute Altersvorsorge ist, schieben wir dieses Thema gerne jahrelang vor uns her. Oft fehlt das nötige Wissen: Welche Möglichkeiten gibt es? Wo liegen Chancen und Risiken? Wie fange ich an? Anke Pauli, Gründerin des Finanzbildungsportals www.finanztheke.de spricht darüber mit der Finanzbilderin Renate Kewenig von Finanzverstand, die Frauen in Sachen Finanzen schlau macht:

6 Punkte, die Sie bei der Altersvorsorge beachten sollten

Punkt 1: Status Quo ermitteln und Kassensturz machen

Anke Pauli: Frau Kewenig, in Ihren Seminaren und Coachings spielt die Altersvorsorge sicher eine große Rolle. Das Thema ist komplex und viele Frauen wissen nicht, wo und wie sie anfangen sollen. Was könnte ein erster Schritt sein, um das Thema in Angriff zu nehmen? 

Zunächst ist wichtig zu verstehen: Altersvorsorge umfasst alle Vermögenswerte, die für den Lebensunterhalt im Alter zur Verfügung stehen. Dazu gehören Ansprüche aus der gesetzlichen und betrieblichen Rente, aus der Zusatzversorgung der kirchlichen oder öffentlichen Träger oder Pensionen. Also: Augen auf bei der Berufswahl und Mut zu gut bezahlten Jobs! Private Vorsorge wie Immobilienbesitz, Depotvermögen oder die früher beliebten Rentenversicherungen ergänzt die Ansprüche und schließt die Lücken im Alter.

Renate Kewenig

Anke Pauli: Ich sollte also erst einmal meinen Status Quo festlegen: Wie sieht es mit der gesetzlichen Rente aus? Wer mindestens fünf Jahre in die gesetzliche Rentenversicherung eingezahlt hat, erhält ja jedes Jahr seine Renteninformation. Der Blick darauf ist leider oft sehr frustrierend. Gerade Frauen, die durch Kinder pausiert und später in Teilzeit gearbeitet haben, werden mit ihrer Rente später kaum über die Runden kommen. 

Stimmt. Aber unterscheiden wir mal grob junge Frauen um 25 und sagen wir, Fünfzigjährige. Je jünger ich bin, desto mehr tut sich noch im beruflichen Leben und umso mehr Zeit habe ich, mit zusätzlichen renditestarken, aber schwankenden Anlagen Vermögen zu bilden. Bleiben nur noch 10 bis 15 Jahre Vorsorgezeit, zeigen die Prognosen zwar ein klareres Bild, aber bei der Geldanlage muss Sicherheit schon eine größere Rolle spielen.
Für beide Altersgruppen gilt: Kassensturz machen und ehrlich hinsehen! 

Renate Kewenig

Anke Pauli:
Gut. Und dann?

Punkt 2: Liquidität aufbauen und Absicherung prüfen

Bevor Frauen einem Hype folgen und sagen wir Aktien ETF’s kaufen – also börsengehandelte Aktienfonds – gilt es, ausreichend Liquidität zu halten, etwa auf einem Tagesgeldkonto, um flüssig zu bleiben für Unvorhergesehenes. Die Höhe ist sehr individuell, als Faustformel gelten immer noch 2 bis drei Monatsgehälter. Außerdem benötigen sie verschiedene Absicherungen: Berufsunfähigkeit, Zusatzpflegeversicherung - die besonders im jungen Alter noch sehr günstig ist – Haftpflicht, Hausrat oder auch Todesfallrisiko, zum Beispiel als Existenzgründerin oder beim Hausbau.

Renate Kewenig

Anke Pauli: Zum Thema Versicherungen passend fällt mir ein, dass ich in jungen Jahren eine private Rentenversicherung abgeschlossen habe. Neben dieser klassischen Variante haben viele ja auch einen Riestervertrag. Versicherungen können mit hohen Kosten verbunden sein, die man auf den ersten Blick nicht unbedingt sieht.
Empfehlen Sie, solche Verträge bis zum Ende laufen zu lassen oder wie sollte man damit am besten verfahren? 

Punkt 3: Prüfen bestehender Vorsorgeverträge

Das kommt darauf an: Eine ältere Rentenversicherung, die noch einen interessanten Zins aufweist, würde man sicher nicht kündigen. Man könnte sie höchstens vielleicht beitragsfrei stellen, also keine monatlichen Prämien mehr zahlen. Auch bei Riesterverträgen sollte immer individuell hingeschaut werden: Wie hoch ist die Förderung durch die staatlichen Zulagen, zum Beispiel für Kinder, und den Steuervorteil insgesamt? Manchmal ist auch die Pfändungssicherheit ein Argument für Riester. Übrigens sind wir da schon im Bereich der eigenen Strategie…

Renate Kewenig

Anke Pauli: Könnten Sie das bitte näher erklären, was Sie mit der eigenen Strategie meinen?

Punkt 4: Festlegen der individuellen Strategie

Eine Strategie ist immer individuell und damit unterschiedlich in der Lösung. Geht es darum, in jungen Jahren einen Fondssparplan zu definieren als Einstieg in die private Vorsorge, bietet sich an, schon eine kleine Struktur festzulegen. Genauso kann es darum gehen, größere Beträge aus einer Scheidung oder Erbschaft für die eigene Rente klug zu investieren. Da kann ein Coaching oder auch eine gute klassische Finanzberatung helfen.

Renate Kewenig

Anke: Ich höre immer wieder die Aussage: „Wenn ich einmal alt bin, brauche ich nicht mehr so viel Geld zum Leben.“  Doch ist das wirklich so?

Punkt 5: Geld für Träume bereithalten 

Tatsächlich ist meine Erfahrung aus Jahrzehnten Frauenberatung, dass es clever ist, erstmal vom gleichen Niveau auszugehen. Klar fallen Kosten weg, Versicherungsbeiträge, Klamotten für den Job oder anderes. Aber da wir alle glücklicherweise immer älter werden, oft gesund und fit sind, ergeben sich andere Ausgaben oder Träume, die vielleicht immer verschoben wurden. Da helfen Reserven!

Renate Kewenig

Anke Pauli: Es heißt ja immer, man soll sich so früh wie möglich um seine Altersvorsorge kümmern. In meinem Umfeld erlebe ich aber immer wieder, dass das Thema durch andere Prioritäten vernachlässigt wird. Mit Anfang 40 werden sich dann viele bewusst, dass ihre Rente später nicht ausreichen wird. Ist es da bereits schon zu spät?

Punkt 6: Lieber spät als nie anfangen

Es ist nie zu spät: immer lieber die Realität betrachten, dann aber auch handeln!
Für diesen Prozess habe ich als Eselsbrücke das KLASI®Prinzip entwickelt. Das beinhaltet alles, was wir hier besprochen haben: K für Kassensturz, L für Liquidität, A wie Absicherung, S wie Strategie und ganz wichtig: I für investieren! Denn informieren, Webinare besuchen bringt nichts, wenn Frauen nicht den Mut aufbringen, zu entscheiden und loszulegen. Geldanlage ist kein Buch mit sieben Siegeln, das wollen uns manche nur glauben machen. Mit Streuung und etwas Vorarbeit übernehmen Anlegerinnen Verantwortung für ihre Zukunft.

Renate Kewenig

Anke Pauli: Das sind doch ermutigende Abschlussworte! Ich danke Ihnen für das Gespräch.

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