Ist Zahnpasta tatsächlich ein Wundermittel gegen Pickel?

Ist Zahnpasta tatsächlich ein Wundermittel gegen Pickel?

“Der neue Zaubertrick gegen Pickel!” – Versprechen, die so oder zumindest so ähnlich klingen, lassen sich im Netz beinahe täglich finden. Insbesondere im Bereich der Hausmittel verbirgt sich hinter den Lobpreisungen immer öfter auch die klassische Zahnpasta. Das Problem: Auch wenn sie effektiv gegen Pickel wirken kann, gibt es aus der Sicht vieler Dermatologinnen gute Gründe dafür, bei der Behandlung lieber auf Alternativen zu setzen.

Ist Zahnpasta tatsächlich ein Wundermittel gegen Pickel?
© Pixabay

Zahnpasta sorgt nicht nur für saubere und gesunde Zähne, sondern kann im Haushalt auch als echte Allzweckwaffe dienen: Ob angelaufenes Besteck, schmutzige Sneaker oder sogar Löcher in der Wand – die Zahnpasta hilft. Zusätzlich heißt es oft, dass die Zahncreme ungeahnte Kräfte im Kampf gegen Hautunreinheiten besitzen soll. Das Versprechen: Wer von einem Pickel im Gesicht überrascht wird, trägt über Nacht eine dicke Schicht Zahnpasta auf die betroffene Hautstelle auf und darf sich am nächsten Morgen wieder über ein glattes Hautbild freuen.

Wieso sollte Zahnpasta gegen Pickel helfen?

Auch wenn man es nicht hören möchte: Gerade, wenn bei Ihnen häufiger eine größere Anzahl von Pickeln auftritt, sollten diese besser professionell behandelt werden. Moderne Therapie-Konzepte wie das von Formel Skin sorgen dafür, dass Sie sich bequem von zu Hause aus beraten lassen können und dennoch im persönlichen Austausch mit einer Dermatologin stehen. Da zu einer professionellen Pickel- bzw. Akne-Behandlung aber auch immer eine gewisse Überwindung gehört, findet man im Netz bekanntlich hunderte von Tipps, die bei der eigenständigen Behandlung helfen sollten.

Dass besonders die Zahnpasta in vielen Foren und auf Blogs als Wundermittel gegen Pickel angepriesen wird, kommt dabei nicht von ungefähr. Denn auch wenn die enthaltenen Wirkstoffe ursprünglich für einen ganz anderen Bereich des Körpers gedacht waren, können sie auch eine nützliche Wirkung auf die Haut haben. Ziel der Behandlung mit Zahnpasta, ist es, die Pickel weitgehend auszutrocknen und so schnell wieder verschwinden zu lassen. Das funktioniert, da viele Zahnpasta-Varianten einen Wirkstoff mit dem klangvollen Namen Natriumdodecylpolysulfat enthalten und dadurch einen stark öl- sowie fettlösenden Effekt haben. Zusätzlich zu der entstehenden Austrocknung wirken Zahnpasta-Inhaltsstoffe wie Alkohole, Wasserstoffperoxid oder Triclosan aktiv gegen Bakterien und können dadurch auch ihren Teil gegen die Entstehung neuer Pickel beitragen.

Zahnpasta gegen Pickel – wo liegen die Probleme?

Zahnpasta als einfache Lösung gegen lästige Pickel – leider wird dieser schöne Gedanke schnell wieder ausgebremst. Tatsächlich wird Ihnen jede Dermatologin davon abraten, im Kampf gegen die Pickel auf Behandlungsversuche mit Zahnpasta zu setzen. Und das hat gute Gründe: Wie bereits erwähnt, ist die Inhalts- und Wirkstoffzusammensetzung der Zahnpasta ursprünglich natürlich für einen anderen Zweck gedacht. Und auch wenn sie die Zähne zum Glänzen bringt, kann sie beim Auftragen auf die (empfindliche) Haut schnell Probleme verursachen.

Vor allem sind es Inhaltsstoffe wie Fluoride, Aromastoffe (z. B. Menthol) oder Süßungsmittel wie Sorbitol, die die Haut in Mitleidenschaft ziehen können. Ähnlich wie Seifen mit einem hohen pH-Wert tragen auch die genannten Stoffe dazu bei, dass die natürliche Schutzbarriere der Haut geschwächt wird. Die Folge: Keime und Bakterien können wesentlich leichter in die Haut – und damit auch in die Pickel – eindringen. Zusätzlich zum Austrocknen kommt es im schlimmsten Fall also zu wesentlich stärkeren Entzündungen und aus dem ursprünglich harmlosen Pickel können wesentlich schmerzhaftere Hautunreinheiten entstehen.

Auch wie antibakterielle Wirkung von Alkoholen, Wasserstoffperoxid oder Triclosan klingt leider nur im ersten Moment vielversprechend. Tatsächlich können diese Stoffe die Haut stark irritieren und den natürlichen pH-Wert der Haut durcheinanderbringen. Zudem besteht bei vielen Frauen das Problem, dass sie beim Auftragen auf die Haut mit allergischen Reaktionen (= Kontaktallergien) gegen einen oder mehrere der genannten Stoffe reagieren. Das bedeutet, dass im Endeffekt erst die Zahnpasta dazu führt, dass es zu Hautreizungen sowie Pickeln oder Pickel-ähnlichen Symptomen im Gesicht kommt.

Ein weiteres Problem: Pickel entstehen normalerweise, wenn die Poren verstopfen und der Talg (Hautfett) nicht mehr wie gewohnt aus der Haut austreten kann. Eine dicke Zahnpasta-Schicht kann im angetrockneten Zustand schnell dazu führen, dass der Pickel vollständig abgedichtet ist und der Talg so keine Möglichkeit mehr besitzt, überhaupt aus der Haut auszutreten. Dadurch verteilt er sich unterirdisch in tieferen Hautschichten, was ebenfalls sehr schmerzhafte Folgen haben kann.

Was sind die Alternativen zur Zahnpasta?

Treten bei Ihnen wiederholt mehrere Pickel auf, kann das auf eine grundsätzliche Veranlagung zur Akne hindeuten. Diese lässt sich glücklicherweise sehr effektiv mit Medikamenten und angepassten Cremes behandeln. Hier sollten Sie auch kein Schamgefühl zulassen, sondern sich besser frühzeitig von einer Dermatologin beraten lassen.

Bei vereinzelten Pickeln können hingegen häufig schon kleinere Anpassungen in Ihrem Alltag eine große Wirkung haben. Besteht bei Ihnen grundsätzlich eine Neigung zu Pickeln, sollten Sie versuchen darauf zu achten, dass in Ihren Pflege- und Kosmetik-Produkten keine sogenannten komedogenen Inhaltsstoffe befinden, da diese zum Verstopfen der Poren beitragen. Häufige Vertreter in Kosmetik sind beispielsweise Paraffine, Silikone oder auch Oliven- sowie Kokosöl. Zusätzlich können Sie auch versuchen, Ihre Ernährung gesünder zu gestalten, auf das Rauchen zu verzichten sowie mehr Sport zu treiben und die Auswirkungen auf Ihre Haut beobachten.

Bei der Suche nach alternativen Hausmitteln gegen Pickel empfehlen sich statt Mitteln wie Zahnpasta oder Backpulver vor allem natürliche bzw. pflanzliche Mittel. Dampfbäder, Aloe Vera oder auch Teebaumöl können je nach Hauttyp sehr effektiv gegen Pickel wirken.

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